Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 6g4 Nr. 40 Dr. Vlochs WochMckrift in englischer Sprache erschienen ist, wurde ins Italienische übersetzt. Das Florentiner Organ der italienischen jungliberalen Friedensfreunde „La Voce" brachte verschiedene Auszüge aus dem Berichte der Jto und veröffentlichte einen Brief Zangwills an eine italienische Dame, in welchem Zangwill erklärt, daß der Bericht durchaus objektiv gehalten ist. Die Ablehnung des Projektes erfolgte aus rein sachlichen, in dem Lande selbst gelegenen Gründen und nicht deshalb, wie die Duma annahm, weil die Juden angeblich nicht zur Landwirtschaft taugen. „Besitzen wir doch", — schreibt Zangwill — „heute minimo calculo 100.000 praktisch und theoretisch ausgebildcte jüdische Landwirte. Selbst der Ruhm eines fiegreichen Vermittlers, dem es gelang, den Juden das erste eigene Territorium seit 1900 Jahren zu sichern, vermochte mich dazu zu verleiten, den Juden die Besiedlung Cyrenaica's mit seinem vollständigen Wassermangel zu empfehlen." „La Voce" stellt die wissenschaftlichen Qualitäten der Jto-Expedition der „krassen Ignoranz der imperialistischen Journalisten, die Italien in eine Okkupation von Tripolis hineinhetzen" gegenüber und schließt: „Dürfen wir nun 500 Millionen Lire, 20.000 Menschenleben und vielleicht auch die Zukunft unseres Landes auf 50 Jahre hinaus auf eine so schwache Grundlage hin aufs Spiel setzen? Lernen wir von den vorsichtigen Juden!" Daß übrigens die tripolitanischen Juden dem Sultan ergeben find, geht aus einem uns über Konstantinopel zugekommenen Berichte über den Empfang des ottomanischen Kreuzers „Hamidie" in Tripolis hervor. Der Empfang, an dem die Juden in hervorragender Weise teilnahmen, war ein enthusiastischer. Der Grand Rabbin, die Vertreter der Judengemeinde und die Schüler der Talmud-Thora statteten dem Schiffe einen Besuch ab und wurden vom Kommandanten Redjib Bry aufs Herzlichste empfangen. Die Schüler sangen Hymnen in hebräischer und türkischer Sprache und ernteten viel Beifall. Der Vertreter der Judengemeinde Salamon Effendi Berabi hielt eine Ansprache, in welcher er der Freude der Bevölkerung Ausdruck gab, wieder das nationale Banner auf den Gewäffern des Mittelländischen Meeres flattern zu sehen. Redjeb Bey antwortete in schwungvollen Worten und dankte gerührt für den herzlichen Empfang seitens der Juden, deren Mitarbeit maßgebenden Ortes hoch eingeschätzt werde. Der Kommandant stattete in Begleitung -der Offiziere den Repräsentanten der Judengemeinde, sowie den jüdischen Schulen Besuche ab und sprach sich sehr lobend über die kulturelle Tätigkeit der Juden in Tripolis aus. Ei« Testament Baron Horaz Güuzburgs in London. Vorige Woche wurde in London ein Testament des am 22. März 1909 verstorbenen Baron Horaz Günzburg, des Vaters des im Vorjahre verstorbenen Baron David Günzburg bekannt gemacht. Das Testament bezieht sich auf das in England liegende Vermögen im Werte von 390.000 Pfund Sterling. Nach den rein vermögensrechtlichen Bestimmungen des Testaments, schreibt der Erblaffer, daß er, dem Beispiel seiner Eltern folgend, zeitlebens die Wohltätigkeitsanstalten stets großzügig unterstützt habe, und da die von ihm gegründete Wohlfahrtseinrichtung durch ihn so gut fundiert wurde, daß sie, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, bestehen kann, sehe er sich nicht veranlaßt, für Wohltätigkcitszwecke neue Summen zu testieren. Er tue dies um so beruhigter, als er daran nicht zweifle, daß seine Kinder dem Glauben ihrer Väter immer treu bleiben und in Wahrung der Traditionen der Familie, stets dem Hilferufe der Gemeinschaft und Einzelner Folge leisten und sowohl sie selbst, als ihre Kinder und Kindeskinder nicht an jene Institutionen vergessen werden, die mit den ihnen so teuren Namen verbunden sind. Einweihung einer Rothschild-Synagoge. Aus Paris wird gemeldet: In Boulogne-sur-Seine fand dieser Tage die feierliche Einweihung der neuerrichteten Synagoge statt. Die neue Synagoge, ein prachtvoller, moderner Bau, wurde vollständig auf Kosten der Baronin Edmond de Rothschild erbaut. Die Einweihungsfeier, an welcher die Vertreter des Konsistoriums und die Honoratioren der Stadt teilnahmen, fand in Anwesenheit mehrerer Mitglieder der Rothschildfamilie statt. Bow Bildhauer Moses Ezechiel. Wir berichteten bereits, daß der jüdische Bildhauer Moses Ezechiel, der seit . vielen Jahren in Rom lebt, von der Stadt Baltimore mit der Ausführung eines Denkmals für den Dichter Edgar Allan Poe betraut wurde. Moses Ezechiel, der aus Amerika stammt, lebt bereits seit vielen Jahren in Rom und steht in den höchsten römischen Kreisen in hohem Ansehen. Ezechiel hat seine Zugehörigkeit zum Judentum niemals verleugnet und hat im Gegenteile seine großen Beziehungen, besonders die intime Freundschaft, die ihn mit dem Kardinal Prinzen Hohenlohe verbindet, zu Gunsten der Juden benützt. Die „Judenkönige" der Provence. Man schreibt der „Franks. Ztg.": Das Museum von Narbonne besitzt ein Judenpetschaft aus dem Ende des 13. oder vom Anfang des 14. Jahrhunderts. Es stammt aus der Zeit, wo die Wappen nicht mehr das ausschließliche Vorrecht des Adels waren, sondern wo auch die namhaften Bürger in den Städten anfingen, sich solche beizulegen. Das Petschaft ist zweiseitig und zeigt einen steigenden Löwen in heraldischer Form. Die Umschrift mit dem Namen ist auf der einen Seite proventzalisch, auf der anderen hebräisch. Das Petschaft gehörte dem Momet Tauros oder Kalonymos ben Todros III. aus dem alten, reichen Geschlecht der „Judenkönige", in welchem das Vorsteheramt der Gemeinde von Narbonne erblich war. Der Verfasser einer Studie über diese Gemeinde, Jean Rdgns, führt in der „Revue cies Etudes Juives“ aus, daß der von einer Generation auf die andere fortgeführte Name „Rcri Juif“ von den Christen hergerührt habe, welche den hebräischen Vorstehertitel irrtümlich deuteten. Die Familie leitete sich her von einem Gelehrten, den Karl der Große aus Babylon berufen haben soll, damit er in Narbonne eine Talmudschule nach dem Muster der babylonischen Akademien gründe. Diese jüdischen Gelehrten in Babylon, die sogenannten Exilarchen, behaupteten, vom königlichen Blute Davids zu sein. Der heraldische Löwe auf dem Petschaft des Momet Tauros soll daher möglicherweise an den „Löwen vom Stamm Juda" erinnern. Bis über die Mitte des 13. Jahrhunderts waren diese proventzalischen Judenkönige freie Allodialherren, die unmittelbar unter dem französischen Könige standen. Reicher Allodialbefitz kam in Südfrankreich unter den Juden schon von gallischrömischer Zeit her vor, jedoch ohne Gerichtsbarkeit und ohne die Macht, Untertanen zu Kriegsdienst aufzubieten. So blieb es unter der merowingischen und unter der karolingischen Herrschaft. Die Feudalzeit trieb die kleineren jüdischen Allodialbesitzer, ebenso wie die Christen, dazu, sich als Lehensleute unter den Schutz größerer Herren zu begeben. Sie kamen auch als Lehensleute von Abteien und Bischöfen vor. Die mit den Kreuzzügen entstehende Feindseligkeit der Christen veranlaßte dann die jüdischen Grundbesitzer, ihre Güter nach und nach zu barem Geld zu machen. Als 1306 die große Konfiskation kam, da fanden sich bei den „Judenkönigen" nur mehr etwa dreißig Häuser vor; ihren Allodial- und ihren Feudalbesitz hatten sie kluger Weise einige Jahrzehnte vorher veräußert. — C. v. H. Jüdische Tataren. Seit einiger Zeit macht sich unter den sogenannten „Krimtschaken" eine gewisse Renaissance bemerkbar. „Krimtschaken" find Juden, die in der Krim leben, wohl am jüdischen Glauben festhalten, aber sich äußerlich den Tataren so assimiliert haben, daß sie von diesen kaum mehr zu unterscheiden find. Nun haben sie sich zur Gründung einer Schule und zur Errichtung einer eigenen Synagoge in Feodofia aufgerafft, die am 18. September unter großen Feierlichkeiten eröffnet wurden.