Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 39 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Bkochs WochMchrift Seite 655 Vermischtes. LLien. (70. Geburtstag.) Am 15. Oktober feiert Herr Oberkantor kaiserlicher Rat Josef Singer seinen 70. Geburtstag. Wien. (Verlobung.) Samstag den 23. September feierte Herr Heinrich Weiner im engsten Familienkreise die Verlobung seiner Tochter Rosa mit Herrn Julius S ch ück. Wien. (Wiener Beth-Hamidrasch.) Samstag den 30. d. M., Präzise 11 Uhr vormittags, wird Herr Lektor Dr. Rubin im Beth-Hamidrasch«Lokale, II., Ferdinandsstraße 23, einen Vortrag halten. Thema: „Der Versöhnungstag, sein Alter und sein Kultus". Wien. Der Oesterreichische Damenschwimmklub „Wien" beginnt Dienstag den 3. Oktober d. I. seine Klubabende und finden dieselben wie bisher zweimal wöchentlich, Dienstag und Freitag, von halb 5 bis halb 7 Uhr im Dianabade, II.. Obere Donaustraße 95, statt. Erstklaffige Amateurtrainer unterweisen die Mitglieder im Schwimmen und Springen und Anfängerinnen werden unterrichtet. Schwimmlektionen erteilen Schwimmeister: es werden auch Knaben ausgenommen. Die Klubabende finden unter Leitung und Aufficht der Vorstandsdamen : Eleonore Döry, Leopoldine Fasset, Hermine Goldstein Antonie Graf, Ludovike Groller, Mathilde Heller, Lily Müller. Else Neuhut, Judit Sinek, Hermine Spitzer, statt. Aufnahme der Mitglieder an den Klubabenden. Es sind noch einige Freiplätze für unbemittelte Schulmädchen offen. Wien. (Bibelschule Währing, XVIII., Schopenbauerstraße 39.) Dte Einschreibung für das beginnende Schuljahr hat schon Mittwoch den 27. d. M. begonnen und wird Sonntag den 1. Oktober von 9 bis 11 Uhr und Mittwoch den 4. Oktober von 9 bis 11 Uhr vormittags fortgesetzt. Wien. Sonntag den 8. Oktober (2. Tag Sukkoth) feiert d r I. Kantor der israelitischen Kultusgemeidde Wien. XVIII., Leopold Serebrenik die Konfirmation seines Sohnes Maximilian, welche im Gemeindetempel, XVIII., Schopenhauerstrabe 39, 9, Uhr früh, stattfinden wird. Gratulationen um halb 4 nachmittags im selben Hause, wo der Konfirmand eine Drösche halten wird. Wien. Am 4. Oktober beginnen im Tanziustitut I. Heimann- II. , Praterstraße 43, die im Wiener Publikum so beliebten Kinder- und Jugendkurse. Die Anmeldungen hiezu haben bereits begonnen und lassen auf einen großen Zuspruch schließen. Wien. (P r i v a t - T u r n s ch u l e.) An der vom k. k. Landesschulrate konzessionierten Privat-Turnschule im II. Bezirke, Malzgasse 16, die von tüchtigen städtischen Lehrern geleitet wird, beginnt der Unterricht Donnerstag den 5. Oktober d. I. um 5 Uhr für Kinder und um halb 7 Uhr für Damen und Mädchen. Austritte aus dem Judentum Vom 17. September bis inkl. 23. September 1911. Fried Paula, geb. 11. Juni 1894, Handelsakademiker, II., Am Tabor 22. Garai Lropold, früher Grünwald, geb. 18. März 1861, Hotelier, Wien, IX., Franz Josefsbahnstrasse 5. Hochner Leo, geb. 12. November 1890, Iglau, Student, IX. Bezirk, Schubertgasse 4. Jaff Paul Bernhard, Piivatbeamter, VII., Stiftgasse 5—7. König Rudolf, geb. 18. April 1865, Kaufmann, Wien, XIII., Kupelwiesergasse 12. Nachod Hans Heinrich, Opernsänger, IX., Porzellangasse 45. Nachod Walter Josef, Opernsänger, IX., Porzellangasse 45. Schwarz Margit, geb. 21. Oktober 1888 Budapest, III., Engelsbergg. 5. Budapest Oberrabiner Dr. Samuel Kohn beging am Mittwoch, 27. d., seinen 70. Geburtstag. Kohn ist einer der hervorragendsten Kanzelredner Ungarns, auch hat er sich als Historiker einen Namen gemacht, speziell durch seine „Geschichte der Juden in Ungern" (die leider unvollendet geblieben ist) und fein W rk „Die Sabbatharier", das auch in deutscher Uebersetzung erschienen ist. Ueberdics hat er zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen. Kanzelreden rc. veröffentlicht. Dr. Kohn, der einer angesehenen Bajaer Familie entstammt, absolvierte seine Studien an deutschen Seminarien. Im Jahre 1866 wurde der erst Fünfundzwanzigjährtge von der Pester isr. Kultusgemeinde zum Rabbiner und ungarischen Kanzelredner berufen; am 2. Juni hielt er seine Probepredigt — die erste ungarische Predigt im Tabakgassentempel —; sie gefiel derart, daß er sofort endgiltig angestellt wurde. Seither wirkt er hier ununterbrochen, nicht nur als Rabbiner und Prediger, sondern auch als Initiator und Förderer aller kulturellen Bewegungen im Schoße der Judenheit. Vor fünf Jahren feierte die KaltuSgemeinde das 40 jährige Jubiläum Dr. Kobn's. ans welchem Anlaffe ihm — nebst anderen Ehrungen — der Titel eines Oberrabbiners verliehen wurde. Auch Se. Majestät zeichnete ihn damals durch Verleihung des Titels eines kön. Rates aus. — Die Stadtrepräsentanten des VII. Bezirkes hielten unter Vor fitz des Abgeordneten Joseph Markus eine Konferenz, in welcher auf Antrag Gustav G. Ehrliches beschlossen wurde, den Oberrabbiner an seinem 70. Geburtstage unter Führung Joseph Markus' deputativ zu begrüßen. Budapest. Am 25. September verschied hier nach mehrwöchentlichem schweren Leiden im Alter von <8 Jahren die Witwe Frau Adolf Schwarz, geb. Katharina Lieblich (aus Waag-Neustadtl), die wegen rhres edlen Sinnes pnd ihrer Herzensgüte überall, wo man ste kannte, beliebt und geehrt war. Obwohl nicht wohlhabend, war die Verblichene von jeher eine Wohltäterin. Kein Armer verließ unbeschenkt ihr bescheidenes Haus, das als Muster schönen, innigen Familienlebens galt. In der Dahingeschiedenen betrauern der Beamte der Formiere Josef Schwarz und der Ingenieur der Südbahn Heinrich Schwarz f ihre Mutter. Feuilleton. Gerichtet? Von Leon Kr. Der. Am Versöhnungstage des Jahres 1906 saß der Schriftsteller Dr. Friedrich Reinbacher in seinem elegant eingerichteten Arbeitszimmer und durchflog mit gierigen Blicken ein vor ihm liegendes Briefchen. Die kleinen und zarten Buchstaben desselben mußten ihm eine niederschmetternde Nachricht gebracht haben, seine Züge wurden immer schreckhafter und seinen Mund umzuckte ein häßliches Lächeln. Er sprang von seinem Stuhle auf und durchmaß mit schnellen Schritten den Raum. Vor dem Spiegel blieb er stehen und betrachtete mit aufmerksamer Sorgfalt seine Gestalt. Wer diesen Mann sah, hätte kaum geglaubt, daß es derselbe war, der vor etwa 10 Jahren in einem kleinen russischen Städtchen als blutjunger Mensch von einem Hause zum andern ging, um die Sprößlinge der wohlhabenden Bürger in die Mysterien der deutschen und französischen Sprache einzuführen. Damals hieß Friedrich Reiubacher noch Feiwel Redzkin, der „meschuggene" Feiwel, wie sie ihn im Städtchen nannten. Meschugge, weil seine Gedanken andere waren, als die, welche der bedrückte und furchtsame Ghettojude in seinem Hirn zu hegen wagte. Das Leid seiner Brüder, das sich täglich vor seinen Augen abspielte, schlug seinem empfindlichen Herzen tausend Wunden. Doch wenn er im Kreise seiner Volksgenossen von seinen Träumen erzählte, von Plänen, die in schlaflosen Nächten durch seinen Kopf jagten, so rückten die Zuhörer weit von ihm ab, schüttelten die Köpfe und hatten nur ein trauriges Lächeln für ihn. Es waren ergreifende Worte, welche der schmächtige Hauslehrer an seine kleine Versammlung zu richten pflegte. Er sprach von Freiheit, Recht und wahrem Menschentum und wie man alles dieses seinem Volke vorenthielt, um eines Verbrechens willen, das kein Verbrechen war, weil sie an der Religion ihrer Väter ststhielten, einer Religion, die doch ihre Bedrücker selbst verehrten, freilich in anderem Gewände. Und weiter bewies er durch die Geschichte, wie man sich seine Freiheit und sein Recht selbst erkämpfen müsse, gerade so wie es die Makkabäer getan hätten. Mit ausgestrcckter Hand wies er nach Westen, in dessen Ländern den Kindern Israels das Licht der Freiheit leuchtete. So stand es in der Zeitung und das konnte unmöglich falsch sein. Solche Reden erschreckten die Leute und die Zahl seiner Schüler nahm von Tag zu Tag ab. Was würde der Polizeimeister sagen, wenn er hörte, daß man einen solchen Menschen in seinem Hause duldete, man hatte doch Weib und Kinder, und das Leben, wenn