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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-29 · 39 (29.9.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
39 (29.9.1911)
Date
1911-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 654 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 39 Neutra. (T empeleinweihun g.) Dienstag den 19. September fand Hierselbst die feierliche Einweihung des neuerbauten Tempels in Anwesenheit aller Honoratioren der Stadt, des Obergespans Stephan v. Craus, des Vizegespans, des Gerichtspräsidenten der königlichen Tafel, des Bürgermeisters Toth Lajos, zahlreicher Offiziere und hoher Verwaltungsbeamten. der Geistlichkeit der anderen Konfessionen, sowie im Beisein der als Festgäste herbeigeeilten Oberrabbiner von Kaschau, Ofen (Budapest). Aranyos Maroth und zahlreicher Deputationen der Nachbargemeinden statt. Das prächtige Gotteshaus, ein schöner Kuppelbau, in maurischem Stile gehalten, nunmehr eine architektonische Sehenswürdigkeit und Zierde der Stadt Neutra, ist nach den Plänen des berühmten Spezialisten in Synagogenbauten, des Erbauers der schönsten Synagoge Ungarns, nämlich des Szegediner Tempels, Herrn Leopold Baumhorn, erbaut. Die EinweihungSfeierlichkeit begann mit lm städtischen Rathause abqebaltener Festsitzung, in welcher der Kultuspräsident Herrr Dr. Grüufeld Natha« die Entwicklung der Gemeinde und des Tempelbaues in markigen Worten skizzierte, den Spendern, Behörden und Allen, die in tatkräftiger Weise zur Vollendung dieses herrlichen Gotteshauses beitrugen, seinen wärmsten Dank aussprach und seine Rede mit einem, innigen Gebete für König und Vaterland schloß. Sodann begaben sich die Festgäste in feierlichem Zuge unter Führung des Gemeindepräsidenten Verö Artur vor den neuen Tempel, woselbst Architekt Baumhorn mit einer kurzen Ansprache die Schlüffe! desselben dem Gemeindepräsidenten feierlichst übergab. Kultuschef Dr. Grünfeld wandte sich hierauf an den Oberrabbiner von Kaschau. Dr. Jozsef Klein, mit folgender Ansprache: Ehrwürdiger Herr Rabbiner! An Sie als den amtsältesten der anwesenden Rabbiner wende ich mich mit den Worten des Psalmisten: „Oeffnet mir die Pforten der Gerechtigkeit, damit ich einziehe und lobpreise den Ewig-Einzigen, der da war, ist und ewiglich sein wird", öffnen Sie das Tor der Gottesstätte und im Vereine mit Ihren ehrw. geschätzten Rabbinatskollegen führen Sie die Gemeinde in den Tempel, damit wir daselbst das elfte Gebet inbrünstig verrichten." Der Oberrabbiner von Kaschau entledigte sich des ehrenden Auftrages, öffnete das Haupttor und nun strömten die Festteilnehmer in das glänzend beleuchtete Gotteshaus, alle Räume desselben bis aufs letzte Plätzchen füllend. Sodann begann Oberkantor Simon Deutsch, der sich bereits in der kurzen Zeit seiner hiesigen Amtswirksamkeit durch seine prachtvolle Tenorstimme und erhebende Vortragsweise die Sympathien der hiesigen Gemeinde in vollem Maße erworben, den Sulzerschen bla towu in Begleitung eines gut geschulten Mannerchores zu intonieren. Hierauf wurden die heiligen Thorarollen unter den Gesängen des Sulzerschen Wajhi binsoa und Ez. Cbajm in den heiligen Schrein gestellt, welche Gesänge ebenfalls Oberkantor Deutsch in musterhafter Weise zur Geltung brachte. Nun zündete Rabbiner Dr. Silberfeld aus Aranyos-Maroth mit dem üblichen Gebete das ewige Licht an, worauf der Neutraer Oberrabbiner Dr. David Klei« die erste Einweihungsrede hielt. Es folgte das Minchagebet sowie Psalm 115 und 150 (Halleluja) vom Kantor und Chor wirksam vorgetragen, wonach der Ofener Oberrabbiner Dr. Aruold Kiß die Kanzel bestieg und in einer fast einstündigen meisterhaften Rede die Zuhörerschaft begeisterte. Sämtlich erschienenen Honoratioren der Stadt ließen es sich nicht nehmen, dem gefeierten Redner voller Ergriffenheit für die geistige Erhebuno, die er geboten, herzinnigen Dank auszusprechen. Nachdem nun noch Dr. Josef Klein, Kaschau, eine spannungsvoll angehörte Festrede hielt, schloß diese erhebende Feier, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck ausübte, mit dem vom Männerchöre vorzüglich vorgetragenen KönighymnuS. In den hierauf folgenden Abendstunden versammelten sich die Festteilnehmer zu einem Bankette, welches durch zahlreiche Toaste gewürzt wurde, an denen die Spitzen der zivilen und anderen Behörden in großer Zahl in animierter Weise teilnahmen. Anskuuftsbureau für jüdische Besucher der Türmer Ausstellung. Aus Turin wird gemeldet: Die großartige Ausstellung in Turin weist fast in jedem Pavillon verhältnismäßig zahlreiche jüdische Aussteller auf. Am zahlreichsten find jedoch die jüdischen Aussteller im türkischen Pavillon. Nahezu sämtliche Aussteller in diesem Pavillon sind Juden. Hier besteht schon seit Beginn der Ausstellung ein Jnformationsamt für jüdische Ausstellungsbesucher, das von den Juden, die nach Turin kommen, gerne aufgesucht wird. An der Spitze des Büros steht der angesehene Advokat Mörse Foa in Turin, Via Pio V., der bereitwilligst jede gewünschte Auskunft erteilt. Das Tetragramm iw'Gerichtseid der Juden. In einem konkreten Falle erhob der Rechtsvertreter eines jüdischen Zeugen bei einem Londoner Gerichte Einsprache dagegen, daß die Juden, wenn sie als Zeugen einen Eid zu leisten haben, durch die für jüdische Zeugeu vorgeschriebene Eidformel gezwungen werden, den vierbuchstabigeu Namen Gottes buchstäblich auSzusprechen. Der Advokat wies darauf hin, daß die Juden auf diese Weise verhalten werden, eine der größten Sünden im Sinne ihrer heiligen Lehre zu begehen. Er verlangte nun, daß sein Klient das Tetragramm durch ein anderes, dem Sinne entsprechendes Wort ersetzen dürfe. Der Richter gab diesem Wunsche nach. Straßenkämpfe zwischen Juden und Christen in Manchester. In London find Nachrichten von Straßenschlägereien in Manchester eingelaüfen. Ein alter Jude, mit lanoem weißen Bart ging durch eine Straße in Manchester, als von christlichen Burschen er zuerst verhöhnt und dann mit Steinen beworfen wurde. Auf die Hilferufe des alten Juden liefen einige jüdische Bewohner herbei und wollten die Burschen auseinanderjagen. Doch auch sie wurden mit einem Steinhagel empfangen. In wenigen Minuten war die Straße von Menschen erfüllt, die sich in zwei Lager — Christen und Juden — geteilt hatten. Die Straße glich bald einem veritablen Schlachtfelde. Wurfgeschosse verschiedenster Art flogen herüber und hinüber. Die Wache rief Verstärkung herbei, welcher es mit schwerer Mühe gelang, Ordnung zu machen und die Verletzten, darunter mehrere Schwerverletzte, der ärztlichen Hilfe zuzuführen. Zahlreiche Teilnehmer an der Schlägerei wurden verhaftet. Sofia. Der Vorstand der deutsch-israelitischen Kultusgemeinde dahier ist unausgesetzt bemüht, seine zahlreichen Institute zu erweitern und auszubauen. Vor einigen Monaten hat die Chewra- Kadischa, an deren Spitze der sehr rührige Herr Sigmund Neger steht, von den Stadtbehörden einen Grund für einen eigenen Friedhof erworben. Am 1. Selichostage ist der neue, mit einem Zaun umgebene und von einem Friedhofsgärtner auf's Beste hergerichtete Friedhof seiner Bestimmung. übergeben worden. Vor der Uebergabe versammelten sich auf dem. neuen Friedhof neben vielen Gemeindemitgliedern -fast sämtliche'Mitglieder der Chewra Kadischa zu einer der Stunde der Uebergabe würdigen und ernsten Feier. In Abwesenheit unseres Rabbiners Sr. Ehrw. Herrn Dr. Rosenwasser, der in Berlin auf Urlaub weilte, hielt der treffliche Vizepräsident unserer Gemeinde Herr A p ot h e k e r Mendel Adler eine ausgezeichnete Rede, die großen Eindruck auf die zahlreich versammelte Zuhörerschaft machte. Pogromdrohung in Jaffa. Die Jerusalemer jüdische Zeitung: „Unser Bruder" berichtet aus Jaffa. Der Mudir der türkischen Post kam dieser Tage in das Geschäft des jüdischen Buchhändlers Krugliekow, um etwas zu kaufen. Als sie nicht Handeleins werden konnten, geriet der Türke in Wut und schrie den Juden an: „Das wird nicht mehr lange so gehen. In einigen Monaten wird dieses Geschäft mir gehören, wir werden einen Pogrom machen gegen alle Juden". Diese Szene hat auf die Jaffaer Juden einen peinlichen Eindruck gemacht, wenn man auch nicht glauben mag, daß es in Jaffa zu einem Pogrom kommen könne. Im Uebrigen nimmt der Antisemitismus der Araber in dieser Gegend schreckliche Formen an. Erst vor einigen Tagen wurden drei Juden auf dem Wege von Rischon nach Jaffa von Arabern überfallen und vollständig ausgeplündert. Ein Jude, der sich zur Wehr setzte, wurde durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Und von den Räubern fehlt jede Spur. Em VMand /teer jüdischen Kolonisten in Argentiniken. Nach den jüdischen Feiertagen findet in Buenos Aires ein Kongreß aller jüdischen Kolonisten Argentiniens statt. Auf der Tagesordnung der Kongreßberatungjen stehen u. a. folgende Gegenstände: Gründung eines jüdischen Kolonistenverbandes in Argentinien, Schaffung einer genossenschaftlichen Zentralbank; Regelung der Schulfrage in den Kolonien.

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