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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-29 · 39 (29.9.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
39 (29.9.1911)
Date
1911-09-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dr. Mochs WochünWM Sette 653 Nr. 89 und Ignaz Goldzieher de Kesmark (Orientalische Sprachen). Alle fünf Professoren gehören der philosophischen Fakultät an. An den übrigen Fakultäten der Budapester Universität hat es noch kein ungetanster Jude zu einer ordentlichen öffentlichen Professur gebracht. Stiftungen für jüdische Universitätshörerinnen. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Herr Leon und Frau Betty Parnes, Gutsbefitzer in Lemberg, haben zum Andenken an ihre verstorbene Tochter eine Stiftung im Betrage von 50.000 Kronen errichtet, deren Zinsen alljährlich am Sterbetage der Tochter an zwei jüdische Hörerinnen der Lemberger Universität verliehen werden sollen. Die Stiftung wird durch die Lemberger Kultusgemeinde verwaltet. Außerdem stifteten Herr und Frau Parnes 7000 Kronen zur Erhaltung eines Waisenkindes im Lemberger jüdischen Waisenhaus und 7000 Kronen zur Errichtung und Erhaltung eines Bettes im Lemberger jüdischen Hospital. Tempeleinweihung in Witkowitz. Am Dienstag den 19. d. M. beging der israelitische Tempelverein in Witkowitz die Einweihung seines neuerbauten Gotteshauses. Einem Vorstandsbeschluffe gemäß waren, um die Bedeutung des Festes zu würdigen, sämtliche jüdischen Geschäfte der Stadt geschloffen. Nach Verrichtung des Minchagebetes im alten Bethause bewegte sich ein langer Zug von festlich gekleideten Herren, an dessen Spitze die Herren Kantor Groß, Rabbiner Dr. S p i r a, Rabbiner-Stellvertreter Dr. Fa erb er und Dr. Alois Hilf Thorarollen trugen, und dem drei weißgekleidete Mädchen mit dem Schlüssel des neuen Tempels vorangingen. Vor dem Eingänge des neuen Gotteshauses erwarteten die Festgäste den Zug, der rechts und links vom Eingänge Aufstellung nahm. Hier trat der Erbauer des Tempels, Herr Architekt Felix N e u m a n n, vor und überreichte dem Obmann des Vereines, Herrn Hermann Langer, den Schlüssel mit einer in freien Rhythmen gehaltenen Ansprache: „Durch alten Brauch berufen, am Weihetage dieses neuen Gotteshauses den ersten Festgruß seinem Bauherrn zu entbieten, heiß' ich ihren Vertreter, Herr Obmann, Sie willkommen. In diesem Augenblicke ziemt es mir zugleich, den Dank zu sagen allen jenen, die mitgewirkt an dieses Hauses Werden. Ich danke dem Vereine, durch deß Vertrauen mir beschieden war, den Bau zu schaffen, und denen, die mir treu dabei geholfen. Und nun Herr Obmann lege ich zum Zeichen, daß das Haus vollendet, der Sitte treu, den Schlüssel seiner Pforten aus dieses Mädchens Händen in die Ihren, und wenn sich jetzt zum erstemal die Tore öffnen werden — dann ziehe Segen ein für alle Zeiten." Der Obmann dankte demselben, begrüßte die Erschienenen, würdigte alle jenen, die sich um den Bau bemüht hatten, und übergab den Schlüssel dem Regierungsvertreter, Herrn k. k. Statthaltereisekretär Dr. Viktor Edler von G e s ch m e i d l e r, mit der Bitte, den Tempel zu eröffnen. Der Regierungsvertreter erwiderte hierauf: «Mit inniger Freude nehme ich den Schlüssel dieses Gotteshauses aus Ihren Händen und danke Ihnen dafür, daß Ihren Glaubensgenossen eine so prächtige Stätte zur Betätigung ihrer religiösen Gefühle geschaffen wurde. Wo Religion, da ist Vaterlandsliebe, da ist auch Treue und Ergebenheit zum Landesherrn und Achtnng vor dem Gesetz. Darum übernehme ich gerne diesen Tempel in Schutz des Staates, der ja allen seinen Völkern gleiche Liebe und Fürsorge entgegenbringt. Indem ich nun die Pforten dieses Hauses öffne, lade ich Sie ein, einzutreten in dieses Haus, um Trost und Liebe darin zu finden. Gott segne Ihren Eingang." Beim Betreten der AndaEtsstätte sang der Tempelchor unter brausenden Orgelklängen das Voruetr dabo und sodann 83611 oeborim, die Thorarollen wurden in die Lade gestellt und die Schlußsteinlegung begann. Herr Latzi Singer, zweiter Obmann- Stellvertreter, verlas unter Freudentränen die Urkunde, welche die wichtigsten Daten aus der Geschichte des Vereines und des Tempelbaues enthielt. Mit den Worten: „So hat uns Gott beschieden, daß wir am heutigen Tage die letzte Hand an das Werk legen, welches wir zu seiner Ehre in Angriff genommen haben. Ich gedenke nochmals Aller, die sich u:n den Verein und seine Ziele Verdienste erworben haben, und lege nun als Tempelvorsteher den Schlußstein zu dem Baue, der uns mit Stolz erfüllt" fügte Herr Leopold Rufeisen, dessen Jnittation und langjährigem Wirken der Verein seine Gründung und seine Entwicklung zum großen Teile verdankt, den Schlußstein ein und nahm die Ordnung bel den Hammerschlägen mit je einer treffenden Ansprache an die Berufenen vor. Bei der Ausführung der Hammerschläge sprachen Herr von Geschmeidler: „Möge dieser Tempel sein eine Stätte der Religion, ein Born echter, reiner Nächstenliebe"; Herr Kultusvorsteher Dr. Hilf: „Bei Vollendung eines neuen Baues will es die alte jüdische Sitte, daß wir vorerst des Allmächtigen gedenken und so komme ich dieser Pflicht mit dem Segensspruche nach: Gelobt seist du Gott, der du uns diese Zeit hast erleben taffen. Voran also dem Ewigen Lob und Preis, daß er uns begnadigt hat, dieses wundervolle Haus seinem heiligen Dienst widmen zu dürfen. Sodann will ich sofort derjenigen Schar echt gottbegeisterter Männer der Gemeinde gedenken, die wohl nicht groß an Zahl, doch stark durch den Verband im Vereine, dieses Gotteshaus schufen, das nicht nur bestimmt ist, eine israelitische Kultusstätte zu sein, sondern auch eine Lehr- und Pflegestätte altjüdischen Geistes, der im modernen Gewände des sozialen Empfindens, sozialen Denkens und Handelns in dieser Weise und in dieser Form die ganze europäische Kultur zu eigen sich gemacht hat. Dank auch den Vertretern der Stadtgemeinde Witkowitz, den Herren Gewerken und allen Spendern. Nicht zuletzt Dank, heißen Dank jenem hochsinnigen Manne, der an der Spitze dieses Werkes steht und durch ein kraftvolles Eingreifen und Unterstützung deutlich bekundet hat, daß er nicht nur ein Hüter materieller Interessen, sondern auch Beschützer idealer Güter zu sein versteht. Möge dieses Haus als Denkmal gelten für religiösen Sinn und als Wahrzeichen edlen Bürgerstnnes und der Hochachtung auch vor fremden Ueberzeugungen. Von dieser Hoffnung und diesem Wunsch, getragen rufe ich aus: „Gott zur Ehr und dem Judentum zum Preis dieser Stadt zur Zier". Herr Gewerkschaftsrat Direktor P o l l a k, Wien: „Namens der Gewerkschaft, des Baron Rothschild und in meinem eigenen Namen beglückwünsche ich Sie zur Vollendung dieses schönen Gotteshauses. Es ist den Gewerken eine Freude gewesen, Ihre idealen Ziele zu fördern. Jetzt, da es vollendet, drücke ich den Wunsch aus, daß es stets eine Stätte wahrer Religion und der Förderung der Religion sein möge". Herr Generaldirektor Dr. Friedrich Schuster: „Mit besonderer Genugtuung habe ich die Tätigkeit des hiesigen Tempelvereines durch die ganzen Jahre verfolgt, die Opferwilltgkeit bewundert, mit welcher Sie das Werk begonnen und beendet haben. Mit Stolz können Sie die Vollendung schauen, und ist es um so verdienstvoller in einer Zeit, wo so vielfach breite Schichten des Volkes von Unglauben befangen sind. Gott der Herr möge seine Hände schirmend halten und alle segnen, welche ein- und ausgehen und sich dieser Stätte nahen". Herr Bürgermeister Vietz: „Ich beglückwünsche den hiesigen Tempelverein zu seinem großen Werke, die Kultusgemeinde zu diesem schönen Tempel, die hiesige Stadt zu diesem herrlichen Baue, und wünsche allen denen, die in diesem Hause Trost suchen, daß sie ihn auch finden. Gottes Würde zu verkünden, soll für dieses Haus Verwendung finden". Herr Architekt Neumann: „Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine, versammle dieses Haus des Lebens die Gemeinde". Mit den Worten: „So werde denn dieses Haus eingeweiht zur Ehre Gottes und des Judentums" leitete Herr Rufeisen den religiösen Teil der Feier ein. Herr Vereinskantor Heinrich Groß rezitierte nun mit klangschöner Stimme den 30. Psalm, dem ein ergreifendes Matauwu des Herrn Oberkantor L ö w y, Mähr.-Ostrau, folgte. Jetzt entzündete Herr Dr. Rubin F a e r b e r, Prediger des Tempelvereines und Rabbiner-Stellvertreter der Mähr.-Ostrauer Kultusgemeinde, nach einer formvollendeten, die Bedeutung des ewigen Lichtes darlegenden Rede das Ner Tomid. Es folgten Gesang Waihi binffoa. Ausheben der Thorarollen und Umzöge um den Almemor. Nach dem Einheben und Halleluja mit wirkungsvollem Chorgesang hielt Herr Dr. Jakob Spira, Rabbiner der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau, in seiner meisterhaften Art die Weihepredigt. Herr Dr. F a e r b e r sprach das Kaisergebet, worauf mit der Abfingung der Kaiserhymne der offizielle Teil geschloffen wurde. Die musterhafte Ordnung und der würdevolle Verlauf des Festes weckte den nachhaltigsten Eindruck. Aus der Fülle der Festteilnehmer seien erwähnt: Dr. Friedr. Klein. Statthaltereikommiffär von der Bezirkshauptmannschaft; Landtagsabgeordneter Dr. Fiedler, Bürgermeister, Mähr.-Ostrau; Generaldirektor-Stellvertreter Adolf Sonnenschein; kaiserl. Rat Dr. Max Munk, Chefarzt des Krankenhauses, und sämtliche Betriebsleiter der Eisen- Hütten-Gewerkschaft Witkowitz; kaiserl. Rat Bergdirettor Andree, Kustos des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Mähr.- Ostrau; k. k. Schulrat, Direktor Alois Schwarz; die Mitglieder des Vorstandes der Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau: Moritz Krasny, Dr. Max Böhm, Immerglück, Dr. Ernst Straßmann u. A. K. k. Bezirksschulinspettor Joh. Prochaska; Polizeikommiffär Viktor Ziegler; Bürgerschuldirektor Stach; Oberingenieur Schmid- Hammer, Vizebürgermeister und Obmann de? Ortsschulrates, sowie viele Mitglieder der städtischen Gemeinde Witkowitz; Rabbiner Drobinsky und Kultusvorsteher kaiserl. Rat Alois Reik mit einer Deputation der Kultusgemeinde Friede!; eine Deputation der Oderberger Kultusgemeinde unter Führung der Herren Z a n k e r und Hotelier Wiener. Den Tempelverein Orlau vertrat kaiserl. Rät Dr. Leopold Eichenwald; den Tempelverein Zabkek der Obmann Ignatz Goldberger, Wilhelm Jachzel, Meinhard u. A. Vom Verein „Zion" in Mähr.-Ostrau war der Obmann Herr S üßmandl; von der Ferialverbindung „Heffiana" die Herren Sand.jur. Emil Wachsberg und Cand. med. Oskar Singer. Der israel. Frauenverein von Mähr.-Ostrau war vertreten durch die Präfidenttn Frau Lina Krasny. die Rabbinersgattin Frau Alwine Spira, Frau Dr. Taub» Frau Ebel und Frau Karla Roth. Der Frauenverein Oderfurt hatte die Vorsteherin Wechsberg entsandt. — In einer demnächst im Verlage des Tempelvereines zu erscheinenden Festschrift sollen auch die religiösen Reden im Druck erscheinen. Der gemütliche Teil der Feier wurde für Simchath Thora in Aussicht genommen.

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