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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-29 · 39 (29.9.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
39 (29.9.1911)
Date
1911-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Blocks Dei gloriam, Schlösser und kleine Städte, aber seine Versuche, sich mit Hilfe des plünderungssüchtigen Pöbels größerer Städte, wie Burgos und Valladolid, zu bemächtigen, mißlangen. Daraus verlieb er „mit seiner Leibgarde von kämpfenden Klerikern", wie K. Häbler in seiner „Geschichte Spaniens unter den Habsburgern" sagt, das Revolutionsheer, vereinigte sich mit anderen Rebellenhaufen und zog nach Toledo. Vor den Thoren dieser Stadt wurde ihnen aber von den dem König Treugebliebenen eine empfindliche Niederlage beigebracht und der Bischof s elbst zweimal verwundet. Es gelang ihm aber zu entkommen, wahrscheinlich nach Frankreich. Anfang 1522 war der Aufstand schon gänzlich niedergeworfen. Obwohl Kaiser Karl V. kein Tyrann war, können wir doch den Kastilianern, die sich wegen Verletzung ihrer Rechte und Freiheiten gegen ihn erhoben, unsere Sympathie nicht versagen, auch nicht den Priestern, die sich dabei beteiligten. Nur soll sich die Kirche nicht rühmen, daß sie die Throne stützt und das Volk Gehorsam lehrt. Ungefähr ein Vierteljahrhundert später eröfsnete ein höherer Bischof als der Zamoraner — der von Rom — die Feindseligkeiten gegen Karl V., machte ihm heftige Vorwürfe, weil er nicht genug streng gegen die Protestanten vorgegangen sei und ihnen im Reichstagsabschiede von Speier (1544) einige geringe Konzessionen gemacht hatte. Papst Paul III. drohte dem Kaiser mit der Strafe Gottes und schrieb ihm: „Er dürfe sich, selbst wenn er den besten Willen hätte, in kirchliche Angelegenheiten nicht einmischen. Auch Uza, welcher die schwankende Bundeslade stützen wollte, war gewiß vom besten Willen beseelt und stürzte doch durch Gottes Hand tot zusammen, weil er tat, was nur den Priestern und Leviten zustand. Weshalb sonst wurden Korah. Dathon und Abiron vom Erdboden verschlungen, als weil sie sich Würde und Verrichtungen des Priestertums anmaßten." Nach weiteren Beispielen aus dem 'Alten Testament geht der Papst zur Profangeschichte - über und schildert, wie gut es den Kaisern Konstantin, Theodosius und Karl den Groben ergangen sei, weil sie der römischen Kirche treu und ergeben gewesen seien, wogegen die den Geistlichen feindlichen Kaiser stets ein schlimmes Ende genommen haben: Kaiser Anastasius I. sei von einem Blitze erschlagen, Konstantin II. von seinen Dienern im Bade getötet worden usw. Es ist zwar auch manchen kirchenfeindlichen Kaisern recht gut gegangen, aber dies geschah nur, meint der mit den Absichten Gottes wohlvertraute Papst, damit die Menschen nicht glauben sollten, daß es kein Gericht im Jenseits gebe und alle Sünder schon auf Erden abgestraft würden. Wie wird also, schließt er, Karl dem Zorne Gottes entfliehen können, wenn er die Wege jener kirchenfeindlichen Monarchen wandele. Doch diese Mahnungen und Drohungen waren fast väterliche Ratschläge im Vergleiche mit der Feindschaft, Welche ungefähr ein Jahrzehnt später Papst Paul IV. (Peter Caraffa, 1555—1559) ,in Worten und Taten, gegen denselben Habsburger und dessen Familie bewies. „Er habte", sagt Ranke, „als Neapolitaner und Italiener, als Katholik und Papst, den Kaiser." — „Stundenlang saß er nach Tische bei dem schwarzen, dicken, vulkanischen Wein von Neapel, den er trank, und ergoß sich in stürmischer Beredsamkeit gegen diese Schismatiker und Ketzer. Samen von Juden und Mauren, von Gott verfluchte Hefe der Welt", wie er die Spanier nannte. Und dies, während die Flammen der Autodafees überall in Spanien lustig brannten. Was dr Befreiung Italiens von diesen Spaniern nannte, war dessen Auslieferung an Frankreich. Französische Prinzen wollte er als Herrscher in Mailand und Neapel einsetzen. Zu diesem Behufe schloß er ein Bündniß mit dem Könige von Frankreich und ließ, durch seinen Fiskal eine förmliche gerichtliche Klage gegen Kaiser. Karl Wochenschrift S.ite 647 und dessen Sohn, König Philipp von Spanien, erheben und den Antcag stellen, sie zu exkommunizieren und ihre Untertanen vom Treueide zu entbinden. Der Papst wollte ein Heer gegen die Habsburger aufstellen, aber seine Römer liefen davon, als die spanischen Truppen in den Kirchenstaat einrückten, und die französische Hilfe ließ lange auf sich warten. Der Statthalter Christi suchte Hilfe bei Protestanten und Vioslm. Wendete sich an den Markgrafen Albrecht von Brandenburg, den „großen protestantischen Parteigänger" und ersuchte den Sultan Suleiman I., mit seiner gesamten Macht in Sizilien einzufallen. Die türkische Flotte erschien auch an der neapolitanischen Küste, begnügte sich aber, einige kleine Ortschaften auszuplündern und die Einwohner als Sklaven Wegzuführen. Endlich kamen die Franzosen, aber nach mehreren Gefechten sahen sie sich genötigt, zum Schutze ihres von den Kaiserlichen bedrängten Vaterlandes abzuziehen. Der Papst blieb wehrlos der Gnade der Habsburger überlaßen, und diese fand er auch. Die spanische Armee erschien vor Rom. Zum Glück für den Papst führte sie der sehr fromm-katholische Herzog von Alba. Er kam in die Stadt, küßte dem Papst den Pantoffel und bewilligte ihm sehr vorteilhafte Friedensbedmgungen. Trotz der ihm von den Habsburgern bewiesenen unverdienten Nachsicht, ging Paul IV. schon im nächsten Jahre sehr feindlich gegen sie vor. Karl V. hatte im Februar 1558 zu Gunsten seines Bruders Ferdinand, der bisher den Titel „Römischer König" geführt hatte, abgedankt, und dieser wurde auch von den Kurfürsten als Kaiser anerkannt und proklamiert. Unmittelbar darauf schickte Ferdinand einen Gesandten nach Rom, der seine Thronbesteigung dem Papste mit gebührender Ehrfurcht anzeigen und den Wunsch, von ihm in Rom gekrönt zu swerden, aussprechen sollte. Da kam er schön an. Der Papst glaubte dem neuen Kaiser gegenüber die Rolle eines Gregors VII. oder Innozenz IV. spielen zu können und erklärte die ohne seine Zustimmung erfolgte Resignation Karls und die Wahl Ferdinands, bei der sich „sogar ketzerische Kurfürsten" beteiligt hatten, für null und nichtig. Den kaiserlichen Gesandten wollte er anfangs gar nicht vorlassen und bewilligte ihm erst eine Privataudienz, als dieser, dem Befehle des Kaisers gemäß, mit seiner sofortigen Abreise, unter Zurücklassung eines Protestes, drohte. Eine befriedigende Antwort erhielt er aber auch jetzt nicht. In Bezug hierauf bemerkte vor mehr als einem Jahrhundert, zur Zeit Kaiser Joseph II., der k. k. Hof ra t uud Direktor des k. k. Hausarchivs M. I. Schmidt: „Daß Paulus IV. denjenigen Regenten auf eine so gebieterische Art behandeln und zum Unwillen reizen sollte, an dem sozusagen ganz allein das Heil der katholischen Religion in Deutschland hing, war in der Tat eine derjenigen Erscheinungen, die man nie glauben würde, wenn man nicht gewiß wüßte, daß sie sich wirklich zugeiragen." In der Tat hätte damals eine Verfeindung des Papstes mit dem Kaiser nur zum Vorteile des Protestantismus ausschlagen können. Aber der hochmütige Paul starb bald darauf und sein Nachfolger Pius IV. zog gelindere Saiten auf. Er einpfing den neuen Botschafter Ferdinands, der ihm die Versicherung von dessen Ehrfurcht (und Gehorsam setzte er ohne Auftrag hinzu) überbrachte. Und nun erst wurde Ferdinand vom Papste als Kaiser anerkannt. Das eifrige Eintreten der Habsburger für die katholische Religion sicherte sie aber nicht vor weiterenFechrd seligkeiten,der Päpste. Selbst als Oesterreich während des dreißigjährigen Krieges im Kampfe gegen den Protestantismus die größten Opfer brachte, zeigte sich der Papst, besonders da Frankreich sich dessen Gegnern anschloß, dem Kaiser abgeneigt. Der Tod König Gustav

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