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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-29 · 39 (29.9.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
39 (29.9.1911)
Date
1911-09-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 646 D r. Blochs zur inneren Ruhe, die nur in einem reinen Gewissen gefunden werden kann, im Bewußtsein, niemanden Unrecht zugefügt zu haben, und, wo solches doch geschehen ist, nach Kräften gestrebt zu hab>n, das Unrecht wieder gut zu machen und die Verzeihung des von uns Gekränkten zu erlangen Aber der Gedanke der Venöhnung blieb im Judentum nicht auf diesem Standpunkt der formalen Gesetzlichkeit; immer mehr -entwickelte sich das Judentum zur sitrlicken Vollkommenheit, bei der nicht das Recht, sondern di Rechtlichkeit die Grundlage bildet. Der stimmungsvolle jüdische Religionsphilosoph Nach-ramdes hat einst .den Ausipiuch getan, man könne unter genau r Befolgung des Gesttz'S der größte Lump sein; das wahre Jude-tum begmi e eist nut der Heiligkeit, ui d zwar mit jenen H -li krnsno.r chrrften, ■ ie im neunzthuten Kapitel des dritten Boches Moses ei thalten seien. Es ist dies die Nächstenlieve, die, wie au jener Stelle ausdrücklich betont wird, auch auf den Fr mden, also aus die nichtjUbische Welt, ihre Ausdehnung finvet; ferner j ne Sittlichkettslehren, die wobl vor Jahrtausen en verküi d't, aber noch immer nicht zu ihr-r vollen Ge-liu g gelangt si. d. Jede dieser B stimmungen enthalt eine Fülle von S'ttlrchkejtsgedanken, die, folgt richtig ausgebilku t, zu eirn r sozialen Versöhnung aller Menschen führen, also zu dem Ideal, zu dem jetzt die besten Und edelsten Menschen streben. Diese idealen Bestrebungen staden bekanntlich im Judentum, ihren deutlichen Ausdruck; nur sind sie von denen unserer Zeit insofern grundverschieden, daß sie von der richtigen Erkennrnis ausgehen, gesetzliche Bestimmungen allein werden nie die soziale Gleichheit und soziale Gerechtigkeit herbeiführen. Erst inüssen die Menschen zur Rechtlichkeit erzogen werden. Die Rechtspfiicht muß tief in ihrem Bewußtsein und in ihrem sittlichen Empfinden wurzeln. Das Judentum lehrt als erste Pflicht eines j den Menschen die größte Strenge gegen sich und die weitestgehende Nachsicht gegen andere. W<nn sich die Menschen zu der Höhe dieser moralischen Anschauung emporschwingen werden, daun tritt die gewünschte Versöhnung ein. _ üom Jahrmarkt des Lebens. Die Familie des Attentäters Bagrow. In Müch'N sich aufbalieod,' Verwandte Bagrow's erklären, daß die Familie aus B.ssarabien stau me und seit mehr als drei Generationen der orthodex-n Kirche angehöre. Bagrow sei also kein Jude. Der Attentäter hatte einst ein sehr reiches Erbe zu erwarten, da sein Vaier sehr ügüiert ist. WeNer in der Vo u? t«Buchung noch vor dem Kriegsgericht konnte festg stellt werden, wem Bagrow eigenilich diente, der Ochrana oder der R>v.lut on. Umso mehr hrt man sich beeilt, deu Mörder St lyp n's rasch aus der Well zu schaffen, damit ec ja nicht mehr reden kann. Eine offizielle Lügendepesche aus Kiew meldet am 25. September: Das Todesurteil ist heute Früh an Bagrow vollstrcckt worden. Vor der Hinrichtung bat Bagrow um die Erlaubnis, mit einem Rabbiner spiechen zu dürfen, verzichtete aber darauf, als er börte, daß das Gespräch in Gegenwart des Staatsanwaltes statlfinden müßte. Selbstverständlich ist das eine gemeine Lüge. Bog-ow ist kein Jude und nicht jüdischer Abstammung. Ein Mischer Mörder braucht vor der Hinrichtung keinen Rabbiner: nur der christliche Delinquent fordert nach einem Geistlichen. Die russischen Behörden wollen absolut in Europa die Lüge verbreiten, daß der Attentäter jüdischer Abstammung gewesen sei. Die Juden in der Mandschurei. Infolge der maßlosen Hetze der reaktionären Elemente hat sich die Situation der Juden in der Mandschurei sehr kritisch gestaltet. Maffenausweisungen stehen bevor und jüdische Wochenschrift Nr. 39 Familien, die seit mehreren Generationen daselbst leben und bedeutende Geschäfte führen, sind verhalten worden, das Gebiet zu verlassen. Durch diese Maßnahmen wurde der Handel in der Mandschurei bereits stark geschwächt, so daß sich der Charbiner Börienrat veranlaßt sah, gegen die antisemitischen Versuche, die Juden aus der Mandschurei zu vertreiben, bei der Regierung Einsprache zu erheben. Die Folge dieser Einsprache ist zunächst, daß die Ausweisungen bis auf Weiteres suspendiert würden. Der Pariser Rothschild über die Nationalisierung des russischen Handels. Eine der btz'en Aktionen des ermordeten russischen Ministeip äsiventen Sto'yp n war bekanntlich der Versuch, den Handel :n Rußland zu nationalisieren und auf diese Weise die Juden auch vom russischen Handel zu verdrängen. Der Pariser Korrepondent der „Jaschnaja Misl" (Meinung des Juden) hatte mit dem Cief des Pariser Hauses Rothschild eine Unterredung. im Verlaufe welcher sich dieser über das Projekt wie folgt äußerte: „Jede Regierung hat die Möglichkeit, inner - p'ltttsche Verordnungen zu erlassen, aber solche Verordnungen lassn sich sehr schwer verwirklich n, wenn es das Kapital betrifft, das seinem Wesen nach im Allgemeinen international ist. Rußland macht in den letzten Jahren auf dem Gebiete des Handels und der Industrie große Fortschritte, welch' letztere hauptsächlich vom Kredit leben. Wie mir bekannt, spielen die Juden im russischen Handel eine große Rolle. Den Kredit der Juden begrenzen, hieße dem ganzen Handel einen Schlag versetzen, was doch der russischen Regierung nicht erwünscht sein kann. Eine solche Verordnung kann auch den internationalen Kreditmarkt tangieren, der in Rußland eine große Zukunft erblickt. Ich glaube übrigens, daß mit solchen Mitteln nichts erreicht werden kann, weil solche Pläne in der Praxis überhaupt undurchführbar sind, Denken Sie sich, daß der Plan bereits zur Tat geworden und das Gesetz, wonach in russischen Banken nicht mehr als 10 % „jüdische" Wechsel angenommen werden dürfen, schon in Kraft ist. ' Am zweiten Tag nach Gesetzwerden des Planes werden diesseits der russischen Grenze in Deutschland und Oesterreich Banken errichtet werden, welche die jüdischen Wechsel eskonptieren werden und die Begrenzung bezüglich der Juden wird zur Folge haben, daß ein Teil des russiichen Kapitals ins Ausland rm grieren wird. Werfen wir einen Blick in die Geschichte der V rgangendeit, so werden wir zur Ueberzeugung gelangen, daß Spanien und andere Länder durchaus keine Vorteile daran hatten, daß sie das tüchtigste Handelselement aus dem Laude Hieben. In unserer Zeit sink» solche Experimente unmöglich. Jedes Land ist auf dem Gebiete des Handels und des Kapitals durch tausend Fä en mir anderen Ländern verbunden, die es nicht zugeben, daß Ges-tze veschaff n werden, die gegen die Interessen des internal onal u Marktes gerichtet sind. Sich von der ganzen W-lt durch eine chinesische Mauer abzusondern, ist bei den heungen Verhättn.ffen unmöglich. Der Klerus gegen das Hans Halrslmrg. (Lärlu .) Aufruhr predigend kam Don Pedro Lass nach Zamora, wo er den Bischof de Acuna für die Sache der Revolution gewann. Da dieser allein die Stadt nicht in seine Gewalt bringen konnte, begab er sich in das Heerlager der Aufständischen und auf sein Zureden drohte das revolutionäre Komitee, welches sich „heilige Junta" nannte, der Stadt mit dem Angriff, falls sie nicht sofort die Befestigungen von den Aufständischen besetzen lasse und den königlichen Gouverneur verjage. Um nutzloses Blutvergießen zu vermeiden, gab die Bürgerschaft nach. Der Gouverneur zog ad, der Bischof zog ein und setzte sein aufrührerisches Treiben und seine kriegerische Tätige feit fort. Er überfiel Md plünderte, wohl ad majorem

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