Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Sopron 1× ep/1045741
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Nr. 88 Sette 632 Dr. WMs WochMchrift 19. Jahrhunderts zurück, war und ist in Stockerau ansäßig. Meine Ehrfurcht sowie das Gefühl bringt es mit sich, daß ich einmal des Jahres die'Gräber meines Vaters sowie meiner zwei verstorbenen Brüder besuche — will ich dies tun, dann habe ich mich vorerst zum Kassier der dortigen Kultusgemeinde zu begeben, welcher nebenbei gesagt auch ein Verwandter ist und habe dort K 5 (fünf) zu erlegen, dann bekomme ich eine Entreekarte sowie eventuell die Schlüssel des Friedhoftores, so« fern der dortige Totenwächter nicht anwesend sei, — selbstverständlich wird die Karte sowie bei einem Theaterbesuche kontrolliert, wonach ich dann meine schmerzliche Andacht verrichten kann.— Der Preis von K 5 ist für mich billig, soviel ich weiß, müssen reichere Leute bis zu K 20 bezahlen. Ja es ist mir genau erinnerlich, daß ein Herr, welcher nur K 3 bezahlen wollte mit der Androhung der Klage zur Ausgabe der K 5 Veranlaßt wurde, kurz gesagt, würde, ich den von mir verlangten Obulus nicht bezahlen, sö könnte ich ruhig wieder we'gsahren.;1 Ich bitte um Aufnahme dieser Zeilen in Ihrer hochgesch. Blatte und zeichne hochachtungsvoll Wien. Rudolf Haas. Bischof und Rabbiner. Aus Sopron meldet man uns: Gelegentlich der Anwesenheit des Diözesanbischofs Dr. Arpüd Värady in Kismarton sprach auch die Deputotiou der isr. Kultusgemeinde vou Alsükismartonhegy bei dem Kirchenfürsten vor, Oberrabbinner Dr. H. Klein, als Sprecher der Deputation, richtete an den Bischof eine Ansprache, in welcher es hieß: „Ich als Oberrabbiner dieser Gemeinde benütze freudig diesen Anlaß, um auszusprechen, daß wir glaubenstreue Juden schon unserer Tradition zufolge Ew. Gnaden verehren, denn sie find ja der Bannerträger der Gottesfurcht, der Menschenliebe, der Wiffenschast, des wahren Fortschrittes und der Humanität. Im Namen des Fortschrittes hat man der religiösen Idee den Krieg erklärt und führt man einen VernichtungSkampf gegen alles, was die Religion als heilig erklärt, und man will nicht begreift», daß dieser Fortschritt in Wahrheit Rückschritt ist". Die Entgegnung des Bischofs lautete: -'„Auch das heutige Fest und Ihre Teilnahme werden wesentlich zur Förderung eines guten Einvernehmens beitragen. Sehr recht hat Ihr geschätzter Redner, wenn er bemerkt, daß das. was man heute als Fortschritt bezeichnet, in Wirklichkeit keiner ist, denn ohne religiöse Ueberzeugung gibt es keinen wahren Fortschritt. Wir schreiten vorwärts zur Verwirklichung unserer religiösen Ueberzeugung und nur derjenige, der eine solche hat, wird auch die der anderen Konfessionen achten und schätzen. Ich danke Ihnen für die freundliche Begrüßung und ich sage nur: wir bleiben die, die wir stets waren!" VilchasttliN galrzischer Kaufleute in Ungarn. Aus Budapest wird uns der folgende nahezu unglaubliche Fall gemeldet: Während des Jahrmarktes in Jablonka, in Oberungarn, kauften einige Kaufleute aus Galizien größere Quantitäten Geflügel, für welche sie soeben den Preis bezahlen wollten, als ein Gendarm hinzutcgt und von ihnen die Vorweisung des Gewerbescheines ^erlangte, welchen aber keiner von. ihnen bei sich hatte, da sie schon seit Jahren von hier Ware eiportieren, ohne daß man sie nach einem Schein gefragt hatte. Hierauf erflärte der Gendarm die sieben Kaufleute, Efraim Ko.mgut, Abraham Makowitz, Mordche Hippert, Samuel i Stronf, Simon Komgut, Abraham Engländer und Jesaias Steiner für verhaftet. Er führte sie aufs Gemeindehaus, wo sogar der Sekretär der Ortsgemeinde und mehrere angesehene Bürger für .sie mit Ehrenwort und Geld hasten wollten: ja, einer der galizischen Kaufleute erlegte sogar sofort Zehntausend Kronen als Kaution, um nur nicht unter Gendarmerie?, bewachung zu dem in einem anderen Orte gelegenen Bezirksgerichte eskortiert zu werden. Aber die Gendarmerie ging daraus nicht ein, so brachte man die Kaufleute doch dahin und dort erst würden sie gegen Erlag einer Kaution von 100 Kronen auf freien Fuß gesetzt. Die Jablonkaer Produzenten aber erlitten einen empfindlichen Schaden, da sie das übrig gebliebene GefLgel zu Spottpreisen verkaufen mußten. Die Kecskemeter Synagoge nach der Erdbebenkatastrophe. Die jüngste Erdbebenkatastrophe in Kecskemet hat unter vielen anderen Gebäuden auch den dortigen israelitischen Tempel so arg beschädigt, daß er vollständig neu erbaut werden muß. Da jedoch die finanziellen Verhältnisse der Kecskemeter Kultusgemeinde das nicht gestatten, hat sie sich an die Pester israelitische Religionsgemeinde mit der Bitte um einen Beitrag zu den Baukosten gewendet. Die Vorstehung der Religionsgemeinde hat zu diesem Zwecke 10.000 Krönen bewilligt und beschlossen, auch, alle anderen ungarischen Kultusgemeinden des Landes um Unterstützung der Kecskemeter Kultusgemeinde zu ersuchen. Die Religionsgemeivde wird, um diesemBetrag zu decken, an den bevorstehenden Feiertagen auch m dem Sitzungssaale des alten Parlamentsgebäudes -U der FöherHeg-Sandor-Gasse Gottesdienste veranstalten, bei denen als Prediger die Rabbiner Doktor Simon Hevesi und-Dr. Fischer füngieren werden. --Die hier für die Sitze einläufenden Beträge sollen? die erwähnte Spende decken. : 1 Die» Mischehen in Ungarn. Dem Julihefte der Publikationen des ungarischen statistischen Landesamtes entnehmen wir unter anderem die Mitteilung, daß die Mischehen Mischen Christen Hund Juden auch im Juli d. I.' eine' erschreckende Höhe erreicht haben. Es wurden in diesem Monate wieder nicht weniger als 70 Ehen zwischen Juden und Christen in Ungarn geschlossen. Der Bräutigam gehörte in 36 Fällen dem .jüdischen, in "34 Fällen dem christlichen Glauben an. In allen Fällen haben die Eheschließenden in ihren Ehepakt die Bedingung aufgenommen, daß die dieser Ehe entstammenden Kinder im christlichen Glauben erzogen werden sollen. Jüdische! Auswanderung im Monate Juli. Laut einem offiziellen ^.Ausweise deS amerikanischen Einwanderungsamtes sind im Monate Juli dieses Jahres insgesamt 6618 jüdische Einwanderer in Newyörk gelandet. Davon waren 3435 Männer und 3183 Frauen. Es kamen aus Rußland 4799, Oesterreich und Ungarn 921, England 297, Rumänien 132, Türkei 110, Südamerika 73, Frankreich 60, Deutschland 34 usw. Bon den eingewanderten Juden blieben 4298 in Newyork und der Ästest fuhr in die Verschiedenen Teile des Landes werter. Die jüdischen Einwanderer brach? ten zusammen 545.270 Dollar Bargeld mit. Die größte Summe, die eine Person mitbrachte, betrug 16.000 Dollar. Unter den Einwanderern befanden sich 952 Mädchen, die ohne jede Begleitung gekommen waren und 605 solche Personen, die erklärten, keine der lebenden Sprachen lesen oder schreiben zu können. Ein nGer jüdischer Bey in Egypten. David Zukar, der Chef des gleichnamigen Bankhauses in Alerandrien, wurde vom Khedive zum Bey ernannt. Zukar, der eigentlich von Beruf' Architekt ist, ist der Erbauer der herrlichen Synagoge „Eliohu Hanabi" und genießt wegen seines großen Wohltätigkeitssinnes großes Ansehen. Zukar nimmt auch Beim' französischen , Konsulat in Alexandrien eine einflußreiche Stelle ein. Hohe Auszeichnung des Präsidenten der römischen Judcsngeinemde. Wie uns aus Rom berichtet wird: hat der König von Italien Den. Präsidenten der dortigen Judengemeinde Commendatore SereniMotu proprio zum Grand' Ufficiale ernannt. Commendatore Sereni ist Von Beruf Advokat und gehört auch dem römischen Gemeinderate als gewähltes Mitglied an.