Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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srr. -»8 Dr. PWs. WvchüMrist. Seüe k3L Ein jüdischLtz Gymnasium m Jassy. Der jüdische Philanthrop Moriz Wachtel liefe; auf eigene Kosten ein prachtvolles Gebäude für ein jüdisches Gymnasium errichten. Nun trat Wachtel an die Regierung mit dem Ersuchen um die Erlaubnis, die Schule eröffnen zu dürfen, heran. Die Regierung entsandte einen Generalinspektor, der das Gebäude und seine Einrichtung in Augenschein nahm. Der Generalmspektor sprach sich über die neue Anstalt sehr lobend aus und dankte Herrn Wachtel für die OpferwMgkeit, mit welcher er der Regierung bei ihrer Volksbildungsarbeit behilflich ist. Die Anstalt wird demnächst eröffnet werden, aber die jüdischen Kinder werden — ausschließlich von christlichen Lehrern unterrichtet werden. Dis Schließung des deutschen Klubs in Moskau. Aus Moskau wird uns geschrieben: Die von den Behörden verfügte Schließung des hier seit 93 Jahren bestehenden deutschen Klubs bildet das Tagesgespräch in der Kremlstadt. Ueber die Ursache dieser harten Maßnahme verlautet in unterrichteten Kreisen folgendes: Der deutsche Klub schließt in seiner Humanitären Tätigkeit die jüdischen Mitglieder nicht aus. Nun wollten die nationalistischen russischen Behörden ihre nationalistischen Tendenzen auch in den deutschen Klub tragen und erwirken, daß die Mitglieder des deutschen Klubs jüdischer Konfession von jeder Unterstützung ausgeschlossen werden. Begründet wurde diese Forderung damit, daß die meisten Stipendisten des Klubs angeblich Juden seien. Doch einige statistische Daten über die Tätigkeit des Klubs dürften vollständig genügen, um die Haltlosigkeit dieser Motivierung zu ersehen. Von den 634 »Mitgliedern des Klubs gehören 498 der Orthodoxe, 38 dem Luthertum, 16 der armenischen, 10 der katholischen Kirche, 3 der Karäersekte und bloß 15 dem Judentum am Der Prozentsatz ddr jüdischen Mitglieder des Klubs ist somit selbst nach der Prozentnorm der für Juden eingesührten Aufnahme in die Lehranstalten nicht zu jgroß. Die Witwenkasse des Klubs zahlt jährlich an hundert Witwen Pensionen im Betrage von 7000 Rubeln aus; unter diesen hundert Witwen befinden sich bloß zwei jüdische. Unter den Angestellten des Klubs, sowie unter den pensionierten Klubangestellten befindet sich kein einziger Jude. Die vom Klub gegründeten Stipendien (drei zur Erinnerung an die Errettung Alexanders II. von dem Mordanschlag in Paris jim Jahre 1667, vier zur Erinnerung an die Krönung Aleranders III., drei zur Erinnerung an die Geburt des Thronfolgers Alerei und zwei zu Ehren von Klubmitgliedern) werden ausschließlich an Christen von Geburt verliehen. Der deutsche Klub entfaltet eine lausgebreitete humanitäre Tätigkeit, qber das Spendenverzeichnis weist keinen einzigen 'Betrag >aus, der einer jüdischen Wohlfährtseinrichtung zugeführt worden wäre. Der Klub hat eine herrliche Bibliothek von 30.000 Banden, Mo Lesehalle, in der alle möglichen Blätter (mit Ausnahme jüdischer Journale) Mfliegen, und ein eigenes prächtiges Theater, in dem im Winter mit großem Kostenaufwand gespielt wird. Während seines Bestandes hat der Klub mehr als acht Millionen. Kronen für staatliche Zwecke gespendet. Und nun wurde dieser Klub mit allen seinen WohlfahrtÄeimichtungen geschlossen, bloß weil ein halbes Dutzend Juden einige geringfügige Unterstützungen erhielten. Ein MdWhB Kandidat für den russischen Senat. In Rußland findet demnächst die Wahl eines Mitgliedes des Senats statt, der in dieser höchsten staatlichen Körperschaft die Interessen des Handels und der Industrie zu vertreten hat. Gewählt wird dieses Senatsmitglied durch die von den Börsenkomitees und kaufmännischen Verbänden erwählten Wahlmänner. Unter diesen Wahlmännern befindet sich auch der vom Odessaer Börsenausschuß entsandte jüdische Industrielle M. Weinstein, den nun der progressive Teil der Wahlmänner für den Senat kandidiert hat. In eingeweihten Kreisen hält man die Wahl Weinsteins nicht für aussichtslos. Sollte Weinstein durchdringen, so wird er der erste Jude sein, der im russischen Senat sitzt. Sowohl die Kandidatur, als auch seine eventuelle Wahl wird eine Demonstration der Vertreter des Handels und der Industrie gegen die geplante Nationalisierung des russischen Handels, die sich gegen die Juden wendet, aufgefaßt. Die» Juden, m Kurland. In einem Aufsatz über die Entwicklung der Städte in Kurland, Livland und Estland schreiben die „Rigaer Neuesten Nachrichten: „Die kurländischen Städte haben in der Regel zahlreiche Geschäfte aller Kategorien, weisen schöne breite Straßen und moderne Gebäude auf. Der größte Teil der Einwohner dieser kleineren aufstrebenden Städtchen sind Juden. Anders sieht es in den livländischen und estländischen Städtchen aus. Hier gibt es gar keine Juden und deshalb haben diese Städte gar keine Bedeutung für den Handel, obgleich sie durch Eisenbahnlinien mit großen Handelshäfen verbunden sind." Die Naturalisierung der marokkanischen Juden in Spanien. Die spanische Regierung hat, wie die „Jlustracion Espagnola" berichtet, an die Behörden der spanischen Gebiete in Marokko den Auftrag ergehen lassen, sämtlichen daselbst wohnenden marokkanischen Juden die Naturalisierung zu erleichtern und ihnen die hierauf bezüglichen spanischen Zuständigkeitsdokumente auszufolgen. Zahlreiche marokkanische Juden haben bereits von den Vorteilen dieser Verordnung Gebrauch gemacht und sind spanische Untertanen geworden. GriejchWe Erpressungsoersuche an den Inden. Die griechische Zeitung „Athenai" führt in letzter Zeit eine systematische Hetzkampagne gegen die griechßschen Juden. Um die .Bevölkerung gegen die Juden feindlich zu stimmen, verbreitet sie die Nachricht, daß die türkischen Juden aus puren Konkurrenzgründen den Boykott gegen die griechischen Waren in der Türkei inszeniert hätten. Das Blatt fordert nun die Griechen auf, den Boykott gegen die Juden zu proklamieren und droht den griechischen Juden, falls sie ihre Glaubensbrüder in der Türkei nicht in kürzester Zett zur Aufhebung des Boykotts gegen Griechenland nicht bewegen werden. in Griechenland solche Judenverfolgungen heraufzubeschwören, wie sie selbst in diesem Lande nicht beobachtet wurden. Jüdische Mädchen im Harem des Emirs von Buchara. Der Emir von Buchara ist unter allen asiattschen Surften der einzige, dessen Harem auch heute? noch Me ungemein große Zähl von Frauen Mfweist. In Iden Mitteln, Frauen für seinen Harem zu gewinnen, ist her Emir durchaus nicht wählerisch. So oft eine faiserHche Majestät durch die Straßen fährt, müssen alle Brauen, denen er begegnet, mit dem Gesicht zu ihm gewandt stehen bleiben, den Schleier lüften, und wenn die eine oder die andere vom Emir durch Men Gruß ausgezeichnet wird, so bedeutet dqs soviel, daß sie für den Harem bestimmt ist. Aber die schönen Damen von Buchara würdigen im allgemeinen eine solche Au-^eichmmg durchaus Nicht, und wenden verschiedene Kniffe an, um Per Aufmerksamkeit des Harems zu entgehen. So sicht mau