Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 630 Dr. Wochs WochMch-rift Nr. 38 von dem Probst Hohenauer vor etwa 80 Jahren nach Friesach gebracht worden. *) Soweit die arg verwitterten Legenden noch lesbar find, ergeben sie den folgenden Wortlaut: A- Y'b ... ix 'T ♦ ♦ ♦ 'Vvn ... . ♦ ♦ ♦ ♦ ttfil b. *]dv 13 di*w Yinan miap j?3j3in ihn jvir .. t3*1Ö^ AMA1 AMD 712V» 713V^> [?] '3 DV ^>1^K [?] '3 33,32V» *»Y32f2n 6 '3 Nv^ixi? N3^>nv» pnar» 713 N3V» V»rr3 ^>x npm t^a jvsr ♦A*3aon . . rs3L^> rr» «v» [?] i nv vnt 0. .x"2 N'3L2N . . A2V» ^>1^ Pj 'S ♦ ♦ ♦ Die Richtigkeit dieser Lesungen vorausgesetzt, ist A älter als 1240, B stammt aus dem Jahre 1349, 0 aus dem Jahre 1258, D ist undatierbar. Der Stein B ist dem gelehrten Schallum? Sohn des Josef, 0. der Sarah, Tochter des Jsak, gesetzt worden. Diese schon um ihres Alters und ihrer Bestimmung willen .ehrwürdigen Mischen Denkmäler entbehren, wie erwähnt, derzeit zum größten Teil des notdürftigsten Obdachs. Ein rasches Fortschreiten der Verwitterung wird vom Vorstand des Verschönerungs- Vereines in Friesach selbst bestätigt. Seine Bemühungen, sie an einer Kirchenwand unter einem dort sehr leicht herzustellenden Schutze unterzubringen, scheiterten bisher an dem Widerstand der Geistlichkeit gegen die Aufbewahrung jüdischer Denkmäler an solcher Stelle. An die Erweiterung des kleinen Museumsraumes wird jetzt gedacht, doch fehlen noch die Mittel. Der Schutz dieser jüdischen Denkmäler ist eine Notwendigkeit, -eine Forderung der Wissenschaft, wie der jüdischen Selbstachtung. Andersgläubige Erzieherinnen in jüdischen Familien. Ei« Kapitel zur herrschenden Taufbewegung. Seit Jahr und Tag forscht man in berufenen Kreisen nach dem Ursprung der grassierenden Abfallsbewegung und spricht und schreibt immer wieder über die Mittel und Wege, mit denen man dieser moralischen Zeitkrankheit an den Leib rücken und einen Damm setzen könnte. Man greift dabei aber zumeist nur nach dem Stamme und nicht nach der Wurzel des Nebels. Nicht die „Großen" draußen im bewegten Leben, sondern die „Kleinen" im Stilleben der Familie, die jugendlichen Kinder sind es, die infolge erziehlicher Mißgriffe schon ftühzeitig den Erreger, den sogenannten Bazillus der Krankheit in sich tragen, der sukzessive ihr Seelenleben vergiftet und der Vernichtung preisgibt. Die meisten jüdischen Eltern erziehen nämlich ihre Kinder, weil dies der „Moderne" entspricht, nicht mehr selber, sondern übertragen diese ihre Pflicht fremden Elementen und schrecken sogar auch davor nicht zurück, Erzieherinnen zu engagieren, die einem anderen Stamme und einer anderen Religion angehören. Der Umstand, daß von andersgläubigen Erzieherinnen, falls sie überdies auch noch Antisemitinnen sind, häufig auch das religiöse Empfinden des jüdischen Kindes in Mitleidenschaft gezogen wird, dieser Umstand erheischt es, aus dem Innenleben solcher Familien ein Bild herauszugreifen und es der Oeffentlichkeit vor Augen zu führen. Im engen Kreise der Familie, da hat so eine Antierzieherin allerdings nicht den Spielraum, in Sachen der Religion negativ auf das Gemüt des Kindes einzuwirken, ist sie aber einmal mit demselben aus der Behausung draußen, und auf dem üblichen Spaziergang begriffen, daun läßt sie in der Regel ihrer tief wurzelnden, konfessionellen Gegengesinnung die Zügel schießen und gibt dies dem jüdischen Sprößling an Leib und Seele zu verspüren. „Man muß den Judenstämmling schon im zarten Alter zur Abneigung gegen seine Konfession präparieren". So kalkuliert die in jüdischen Diensten stehende verkappte Antisemitin, sobald fie den Fuß auf die Straße gesetzt, und *) Noch vor wenigen Jahrzehnten leitete in Friesach der „Judenwirt" das Gasthaus, in dem durchreisende Juden vorübergehend Unterkunft fanden. daraufhin kehrt sie in die erstbeste Kirche, die ihr entgegenwinkt, mit dem nichts ahnenden Kinde ein und gibt sich alle Mühe, dasselbe für den kirchlichen Akt und den damit verbundenen Zeremonien zu begeistern. Und so kommt es» daß so manches jüdische Kind, bevor es das ihm im Elternhause und vom Religionslehrer so oft geschilderte und gepriesene jüdische Gotteshaus gesehen und kennen gelernt, schon unzähligemal früher in der Kirche gewesen und dort hinter dem Rücken der Eltern „Schule" gemacht hat. Wenn schon jüdische Eltern die ihnen auferlegte heilige Pflicht der Kindererziehung aus welchem Grunde immer von sich abwälzen, warum legen sie dieselbe dann nicht in die Hände von Erziehungskräften, die unserem Volke entstammen? Warum üben sie Verrat an unserem angestammten Glanben und weisen bei der Wahl einer Erzieherin die tüchtigsten Glaubensgenoffinnen ab, um Andersgläubigen Tür und Tor zu öffnen und ihnen ihr kostbares -Gut, die Erziehung ihrer Kinder, anzuvertrauen? ' iiV 7i3v' v'p2'i 'Bö „Der Kinder und der Säuglinge Lallen befestigt Dein Reich." Diese Aufschrift prangt über der Eingangspforte einer vor vier Jahrzehnten im II. Wiener'Bezirke gegründeten Anstalt, woselbst im zarten Alter stehende jüdische Kinder tagsüber Unterkunft, Verpflegung und die ersten, geistigen Vorbegriffe für den späteren Eintritt in die Schule erhaltep, woselbst aber auch erwachsenen jüdischen Mädchen Gelegenheit geboten wird, durch Absolvierung von Kindergärtnerinnenkursen die Fähigkeit und Reife zur Erziehung der Jugend sich anzüeignen. , 1 „Der Kinder und der Säuglinge Lasten befestigt Dein Reich." So schätzt der begeisterte Psalmist die Erziehung der zarten Jugend ein, wenn er auf den moralischen Bestand des Judentums und dessen Zukunft zu sprechen kommt. Und wahrlich, wenn je, so zeigt es sich in unserem Zeitalter, welch tiefe Wahrheit diesen psalmistischen Worten innewohnt. Nur ' dann, wenn wir unseren Kindern schon in den ersten Stadien ihrer geistigen Entwicklung unsere volle Aufmerksamkeit zuwenden und jeden erziehlichen Mißgriff, wodurch das religiöse Empfinden der zarten Kinderseele Schaden erleiden kann, sorgfältig vermeiden,- nur dann' kann der herrschenden Abfallsbewegung allmählich der Boden entzogen und-ein Nachwuchs erwartet werden, der den Versuchungen und Verlockungen des Lebens Widerstand leisten und im Kampfe für unsere Religion und ihre heiligen Interessen standhalten, Ausdauer bekunden und als Sieger hervorgehen wird. Daniel Skutezky, Religionslehrer. Ei» Appell an die jüdische Jugend Italiens. Die in Florenz erscheinende jüdische Wochenschrift „La Settimana Israelitica" veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 14. Juli d. I. einen „Apollo ai giovani" betitelten Appell an die männliche jüdische Jugend Italiens, der diese im Interesse der Zukunft des Judentums zu einer gemeinsamen Aussprache zusammenruft. Der Aufruf lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: „Es gibt in Italien glücklicherweise noch viele junge Leute, die dem Judentum den Glauben bewahren. Nicht, als wenn sie alle kraftvoll am jüdischen Leben teilnähmen; viele stehen sogar der religiösen Betätigung fern und hatten niemals die Idee, irgend ein Kultus- oder Verwaltungsamt in den jüdischen Gemeinden zu bekleiden. Aber sie alle fühlen noch etwas Inniges, Tiefes, — vielleicht Unaussprechliches, weil zu innig und zu tief —, das sie an das Judentum bindet, das sie für die Probleme des Judentums interessiert, das sie stets den Erinnerungen ihrer Väter anhangen läßt und sie zu einer aufrichtigen Achtung des traditionellen Glaubens ihres Stammes leitet. Einige dieser jungen Leute fühlen für das Judentum eine Anhänglichkeit, die sie nicht zu schildern vermögen und überdies zögern, kundzutun, resp. sich selbst zu erklären. Andere haben sich schon in die Reihen derer gestellt, die im Journalismus und anderwärts für den guten Namen Israels, für die Erhaltung der jüdischen Tugend , und die gedeihliche Entwicklung der jüdischen Institutionen kämpfen. Wer sich mit dem jüdischen Leben Italiens befaßt, kennt manchen dieser jungen Herren; weiß, daß viele derselben, die in Italien leben, zu gemeinschaftlichem Wirken zusammcngezogen in Zukunft eine Macht und ein Schatz Israels werden könnte», wenn sie sich einmütig begeistern und zur Klärung ihrer Ideen und ihrer jüdischen Gefühle voranschreiten würden. Wir haben nun gedacht: Weshalb sollte diese Begeisterung nicht kommen können? Weshalb sollte man nicht die Art und Weise suchen, die einen mit den anderen der zerstreut wohnenden jungen Leute, die