Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-22 · 38 (22.9.1911) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021966--20523-3045567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 628 Nr. 36 Dr. WoD zu Bruimeck (Januar 1458) hervortrat. Der Vrixener Kirche sollten die 'ihr vor Zeiten entrissenen Schlösser zurückgestellt, Lusa als wahrer Herr des Inntals und des Nontals anerkannt werden, „der Herzog sollte in jene Stellung zurückversetzt werden, welche die Grafen vorn Schlosse Tirol vor der zweiten Hälfte hes 13. Jahrhunderts eingenommen halten, her größere und gerade mit den Hauptquellen der landesfürstlichm Einkünfte gesegnete Teil von Tirol sollte hen Bischöfen von Briren abgetreten werdendi,e jetzt mit einem Male eine Territormlgewalt und Oberherrlichkeit für sich in Anspruch nahmen, welche sie in der Tat niemals gehabt hatten". „Auch mit ailoeren Schritten zeigte Cufa, daß jer eine Verständigung mit dem Herzog gar nicht beabsich tigte." .(Jäger, I, 251.) So setzte der Kardinal und Brirener Bischof mit dem ganzen Hochmut eines Emporkömmlings gegen den Höhergeborenen feine Feindseligkeiten gegen den Habsburger fort, stellte überspannte Forderungen, verlangte nichts weniger Äs die Oberherrlichkeit Aber den größten Teil Tirols und stellte sich dabei noch als der Verfolgte an. Mit seinen Verleumdungen und falschen Anklagen erwirkte er endlich vom Papst Lalirt III (1457) die Verhängung des Interdikts über Herzog Sigmund und dessen Anhänger. Sigmund wurde auch aufgefordert, binnen acht Tagen Bürgschaften für die Sicherheit und Freiheit des Bischofs zu geben. Darauf protestierte er gegen das ohne Untersuchung, ohne Vorladung und Verhör und ohne Beachtung irgend einer Rechtsordnung ausgesprochene Interdikt. Inzwischen ließ der Cusaner das von ihm seit seiner Ernennung angefeindete Nonnenkloster Sonnenburg von seinen Leuten erstürmen, was nicht ohne Gemetzel vor sich ging (April 1458). Nun überfiel der .apfs äußerste gebrachte Herzog den Kardinal in Brunneck und dieser mußte (1460) Tirol verlassen, nicht ohne vorher die Stadt mit dem Interdikt belegt zu haben. Hieraus erfolgte ein scharfes Schreiben Papst Pius II., der den Herzog zu persönlicher Verantwortung vorlud und, als er nicht erschien, am 8. August 1460 ihn und seine Anhänger in den Bann tat, als Majestätsverbrecher mit dem Anathem belegte, sür immer infam, unfähig Testamente zu machen und von aller Erbfolge ausgeschlossen erklärte. Ihre Gebäude sollen der Zerstörung preisgegeben, sie in jeder Beziehung rechtlos sein. Alle Verträge und Versprechungen, selbst wenn mit Eiden bekräftigt, sowie jedes Bündnis mit gedachtem Sigmund und seinen Helfern erklärte .Pius II. für null und nichtig, a h ihre bewegliche und unbewegliche Habe dem päpstlichen Fiskus Versalien. „Ueber alle, samt und sonders," spricht er, „den größten Eikommunikationsfluch aus und alle anderen Zensuren und Strafen, die das Gesetz gegen solche Verbrecher bestimmt. Auch alle Länder und Herrschaften Sigmunds und seiner Mitschuldigen unterwerfen wir dem strengsten kirchlichen Interdikte". — „Eisten Monat nach dieser Verkündigung soll aller Handel mit ihnen aufhören, niemand soll ihnen ein Werk der Barmherzigkeit erweisen, niemand Lebensmittel oder Waren verkaufen öder von ihnen kaufen. Die Kinder und Enkel der Schuldigen sind unfähig zu irgend einer kirchlichen Würde oder Pfründe." Da aber die Tiroler sich nicht abschrecken ließen und treu zu ihrem Herzog hielten, rief Pius wieder die Schweitzer gegen ihn auf. Sie brachen auch wieder in Tirol ein, zeigten sich aber bald geneigt, Frieden zu schließen, was der Papst zu verhindern suchte. Trotz der begonnenen Friedensunterhandlungen erneuerte er Interdikt und Exkommunikation und setzte die Feindseligkeiten gegen Sigmund und sein Land fort. Er stellte Freibriefe für Wegelagerer gegen Tiroler Kaufleute aus, wasderCusaner sehr nützlich fand, vielleicht selbst angeraten hatte; Woch^schrift denn er schrieb dem Dekan von Augsburg, „wenn diese „christlichen und ehrbaren Ritter" (so nannte er die Raubritter und Strauchdiebe in päpstlichen Diensten) d,ie Waren wegnehmen, werden die Etschländer ihr Geschrei gegen Sigmund erheben und er zum Gehorsam getrieben werden". Der Papst nannte Sigmund einen „notorischen Verbrecher und Schismatiker" und befahl dem Erzbischof von Salzburg, alle die, welche mit Tirolern Handel trieben, zu [exkommunizieren. Der Cusaner wieder entwarf einen detaillierten strategischen Plan zur Aushungerung und Ruinierung von ganz Tirol, durch Sperrung der Handelswege und Ueberfülle der Raubritter. Gleichzeitig setzte er aber seine Anschläge fort, Brixen, das, wie er sah,, für ihn verloren war, an Bayern zu bringen. Und dies rüttelte endlich den Kaiser Friedrich auf. Er forderte d.en Papst auf, den „dem Hause Oesterreich nachteiligen Praktiken" des Cusaners ein Ende zu machen. Nun endlich, und da die Schweizer nicht weiter m>ittun wollten, begannen Papst und Kardinal einzulenken und ließen sich zu Friedensverhandlungen, unter Vermittlung der Republik Venedig, herbei. Der Cusaner suchte .dabei vorzüglich seine materielle Lage zu verbessern und ein Einkommen zugesichert zu erhalten, das ihm erlaubte, sorgenlos im Venetianischen zu leben, denn an seine Rückkehr nach Tirol als Bischof war nicht zu denken. Aber erst das Eingreifen Kaiser Friedrichs und der innerhalb weniger Tage, [im August 1464, erfolgte Tod Pius II. und'des Kardinals von Cues, brachte, nach einem siebenjährigen Kriege, den Friedensschluß, zwischen Tirol und der Kirche zu Wiener-Neustadt zustand'e. (September 1464.) Herzog Sigmund wurde nach einer Scheinabbitte, ohne kirchliche Strafe, vom Banne losgesprochen, das Interdikt über Tirol aufgehoben. Sigmund ist dabei noch leidlich weggekommen, wenn er auch aus Rücksicht auf den Kaiser, dem Kardinal einige Konzessionen machte. Aber dieser konnte sie nicht mehr genießen, und Vorteil oder Ehre hat der Krieg von drei Päpsten mit dem Tiroler Habsburger der Kirche nicht gebracht. Ein halbes Jahrhundert halten nun die Habsburger Ruhe von der Kirche, wenn auch das Verhältnis zwischen Kaiser Maximilian und den Päpsten nicht stets ungetrübt war. Aber heim Aufstande der kastilischen Städte gegen seinen Enkel Karl V. beteiligte sich die GeMichkeit wieder recht eifrig. In Toledo griffen Kleriker von den Kanzeln der Stadt und der ganzen Diözese die Regierung mit den heftigsten Reden an, forderten nicht selten offen zunt Widerstand gegen dieselbe auf. Auch in anderen Städten half die Geistlichkeit durch! ihre Predigten den Geist des Ungehorsams zu verbreiten und schürte die Bewegung gegen die Regierung. (Fortsetzung folgt.) vom Aabrmarkt des Lebens. Stolypin ermordet. Unter der Asche der russischen Reaktion glimmt noch immer das revolutionäre Feuer, und ein Windhauch kann es wieder zur hellen Flamme anblasen. Der russische Ministerpräsident Stolypin hat die aufrührerischen Geister mit den grausigsten Mitteln des überlebten Polizeistaates beschwören wollen. Er hat mit Blutgerichten und administrativer Verschickung gearbeitet, um den russischen Absolutismus unter dem Mantel einer Pseudokonstitution von neuem zu konsolidieren, was schließlich nichts anderes besagen will, als daß das russische Volk und das russische Reich wieder der Beamtenschaft ausgeliefert wurden. Nun ist er über seine eigene Methode gestrauchelt. Als er mitten unter tausend Polizeibeamten und politischen Spitzeln im Kiewer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.