Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021965--20515-3045558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

yafrjganarrift, Nr. 3- Dr. Bkochs WochMfchrift Seite 631 so vieler armer Geschöpfe. Sie erlag den Verführungskünsten eines Wüstlings. Vernachlässigt in ihrer Erziehung, ohne jede manuelle Kenntnis, ergab sie sich dem Laster. Unser „gesittetes" Zeitalter hat es so herrlich weit gebracht, daß wir staatlich geschützte Einrichtungen besitzen, um solche arme Seelen — nicht zu retten, nein — zugrunde zu richten. Doch an unserer Esther sollte das nicht gelingen. Esther war nicht nur schön, sondern barg in ihrem Innern auch „ein Juwel", ein Herz, gediegen und rein wie Gold. Es war dies das einzige Erbteil ihrer Eltern, oder sagen wir ihres — unseres — Stammes, das uns eine ganze Welt von feindlichen Mächten durch Jahrtausende hindurch nicht zu entreißen vermochte. Esther konnte nicht weinen sehen, jedes Weh und Leid ihrer Mitmenschen ging ihr zu Herzen, und gerne teilte sie den letzten Bissen mit jedem Bettler. Es war im Hochsommer, am ersten Tage des Monates Elul, jenes Monates mit seinen Schauern und Wonnen, dessen Posaunenschall uns alle zur Einkehr aufruft und die ersten Mahnungen an die Vergänglichkeit alles Irdischen enthält, als am Nachmittage desselben Tages der Feuerruf durch die Gassen der Judenstadt erscholl. Ich eilte mit vielen anderen zur Brandstätte, und der Anblick, der sich mir darbot, bleibt mir zeitlebens unvergeßlich. Nicht die Ausdehnung und Gefährlichkeit des Brandes war es, was mich so tief ergriff, — ein alter Wagenschuppen war in Brand geraten und bei völliger Windstille bald gelöscht. Auf dem Brandplatze an einem Brunnen stand ein Mädchen mit glanzvollen Augen, hochgeröteten Wangen, aufgelöstem Haar. Eimer um Eimer schöpfte sie aus dem Brunnen, schleppte ihn zum Feuer und schüttete ihn in die Gluten, rastlos, unermüdlich, der Brand war schon unterdrückt, und noch immer schüttete Esther Eimer um Eimer in die rauchenden Trümmer, als wollte sie ihre Seele reinwaschen von allen anhaftenden Schlacken, ihre Augen verklärten sich dabei immer mehr und mehr, bis sie erschöpft zusammensank und in tiefe Ohnmacht verfiel. Man brachte sie in ihre ärmliche Wohnung, ein hitziges Fieber hatte sie ergriffen. In ihren wirren Phantasien schwebte ihr nur ein Bild vor Augen, das ihrer Mutter, leise das Schlummerlied singend: „Schlaf, Kindlein schlaf", und unter der wehmütigen Melodie desselben, hauchte Esther am „Lo1-uiär6“-Abend, als der Chasan in der Schul mit erhobener Stimme den Vers: nan*» n:n ava '3 vorbetete, ihre Seele aus. An diesem Tage hatte Gott auch sie versöhnt und ihre reine Seele zu sich genommen. Literatur. Jüdische Volksbücherei. Ein unentbehrliches Hilfsmittel für den Jugendunterricht ist die geeignete Jugendlektüre, die das Bestreben darstellt, den Gedankeninhalt unserer Religion und unseres Schrifttums in leicht fasslicher Form darzustellen, damit in häuslicher Arbeit fortgesetzt werde, was in den Lehrhäusern begonnen wurde. Diesen hehren Aufgaben dient ein Unternehmen, das, dem Andenken eines früh dahingerafften Jugendbildners gewidmet, vor Jahresfrist begonnen und in 13 schmuck ausgestatteten Bändchen vor uns liegt. Die vor kurzem erschienenen sechs Bändchen dürften wohl als das Vollkommenste auf dem Gebiete der Jugendliteratur bezeichnet werden. Die Schi’derung der jüdischen Ritter des Geistes, Hillel, Rabbi Akiba, Rabbi Jehuda Hanasi und Raw, die einen Nichtjuden Dr. J. Weigl, einen Arzt, zum Verfasser haben, gibt einen Ueberblick über das vorbildliche Leben und Wirken dieser Grossen in Israel. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass zu einer Zeit, in der von Andersgläubigen die Wissenschaft des Talmud negiert und von „Sachverständigen“ dieses Meisterwerk herabzusetzen versucht wird, von Glaubensgenossen dieser Lästerer das Leben jüdischer Geisteshelden nach Gebühr gewürdigt wird. Als biographische Meisterwerke dürfen mit Recht die Lebensbeschreibungen Rabbi Akiba Egers und Rabbi Elia Wilnas bezeichnet werden. In volkstümlicher, der reiferen Jugend angepasster Form wird das Lehren und Wirken und die schlichte Grösse eines Unsterblichen und in meisterhafter Form das Leben und Lebenswerk eines Giganten jüdischen Wissens dargestellt. Die Sammlung von Vorträgen, die den Kollektiv- Titel „Feierstunden“ führt, beginnt mit einem ergreifend poetischen Märchenspiel „Sabbathzauber4 von Hermann Schwab, das die Weihe des Festes der Feste in schwungvollen Versen allegorisiert. Ein Festspiel „Jabne“ und eine köstliche, die soziale und moralische Bedeutung des Maasser-Gesetzes illustrierende Anekdote seien aus dem reichen Inhalte des Heftchens besonders hervorgehoben. Der »Jüdische Jugend- Kalender“ sei in Gemeinschaft mit dem in den nächsten Tagen erscheinenden Bilderbuche von Adele Sandler einer späteren Würdigung Vorbehalten. Zurück zur Thora? Eine Anfrage an Jungisrael von Wilhelm F r e y h a n (Preis 1 30 Mk.). Verlag A. J. H o f m a n n, Frankfurt a. M. In der Form von Briefen an einen Freund, wendet sich der Verfasser an die jüdische Jugend mit einem Mahnwort. In herzlicher Sprache, die an das Herz greift, ruft er die junge Generation zurück zum Judentum und weist ihr den Weg zur Thora, führt sie ein in die altjüdische Gedankenwelt, offenbart ihr den reichen Ideenschatz der Psalmen, die intimen Gedanken unserer Gebete, wo Schuld und Sühne, Glück und Leid, Erfolg und Misslingen und alle Dinge des täglichen Lebens in ganz anderem Lichte erscheinen und nach ganz anderen Masstäben gewertet weiden. Aus dem reichen Quell einer jüdischen Lebensansehauung geschöpft, bietet diese Broschüre der Jugend einen frischen Qaell zur Labung des Geistes und des Herzens. Hoffen wir, dass der Verfasser seine Stimme nicht ohne Erfolg erhoben hat. Ed. Biberfeld, Halsschnitt, nicht Hirnzertrümmerung! Berlin 1911, Verlag Louis Lamm. Mk. —*40. Eine Antwort auf die Back’sche Streitschrift: Schächten oder Betäuben? Es ist zu bedauern, dass die alten Argumente gegen das Schächten noch immer neu aufleben und immer neue Abfuhr fordern. M. Melamed, Gestalten und Schatten. Mit einem Vorwort von J. Zangwill, Berlin 1911, Louis Lamm, Mk. 3*—, geh. 3—. In diesen grausigen Skizzen spiegelt sich nur zu getreu das Leben der Juden des Ostens wieder, wenn man dieses Martyrium mit der Friedhofssehnsucht im Herzen ein „Leben“ neunen darf. Was ist ein Jud? „Ein zufälliger Mensch mit einem stabilen Dalles“, so lautet düster und seufzend der eine Refrain. Und was ist ein Judenmädel ohne Geld? „Eine verlorene Seele“, so antwortet der Gegenchor. Eine unendliche traurige Heimatskunst, Der Mensch aller Zeiten. Natur und Kultur der Völker der Erde (Vollständig in 40 Lieferungen ä Mk. 1.—; München und Berlin, Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H.) erscheint erfreulicher Weise in rascher Folge. Heute liegt uns bereits die 5. Lieferung vor, in welcher der Mensch der jüngeren Paläolithzeit in Westeuropa zur Darstellung kommt. Das prächtige Werk bringt auch in diesem Hefte eine Fülle des Interessanten und Belehrenden, selbst der Fachmann wird vielfach Neues finden. „Oesterreichische Gesetzkunde “ Kommentare zum Gebrauche für Juristen und Nichtjuristen. Herausgegeben von Dr. Max Leopold Ehrenreich, k. k. Bezirksrichter. Band 3. Das Strafgesetz über Verbrechen, Vergehen und Übertretungen nebst den hiezu erflossenen Nachtragsgesetzen, gemeinverständlich erläutert von Dr. Ludwig Altmann, und „Die Strafprozessordnung“, bearbeitet von Doktor Karl Warhanek, mit einem Geleitwort von Hofrat Dr. Heinrich Lammasch, Universitätsprofessor, Mitglied des Herrenhauses etc. Verlag der Patriotischen Volksbuchhandlung, Gesellsch. m. b. H. VIII/2, Pfeilgasse 21, Wien, 1911. J. Rabbinowicz. Jakob Saloweicziks Jugend. Roman aus dem jüdisch-russischen Volksleben. E. Piersons Verlag, Dresden und Leipzig. „Die Hilfe“. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann. M. d. R. Nummer 36. 7. September 1911. Ans dem Inhalt: Friedrich Naumann: Die Vergesellschaftung in der Volkswirtschaft. — Theodor H e u s s : Der sozialdemokratische Protest. — Richard Hennig: Djibuti für Agadir. — Erich Lilienthal: „Gartenstadt Wilmersdorf“. — Hans Hirschstein: Landwirtschaftliche Verschuldung und Schutzzölle. — Fritz Wertheimer: Weltwirtschaft und Deutschtum. — Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Gottfried T r a u b: Sternen weiten — Robert Breuer: Die Bielefelder Leinenindustrie. — Paul Rohrbach: Palästina I. — Gerhard Ouckama Knoop: Die da geistig arm sind. — Karl Simon: Ferdinand Hodler. — Karl Fr. Nowak: Wilbrandts Epilog. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“, Berlin- Schöneberg. „Das freie Wort;‘. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Begründet von Carl S a e n g e r. Herausgegeben von Max Hennig. XI. Jahrgang Nr. 12. Zweites Septemberheft 1911. Inhalt: Die Lehren der englischen Streikbewegung. — Lynkeus: Anrainerpolitik. — Is: Warum Pius X. keine neuen Kardinäle ernennt. — Dr. CI. Heiss: Vom alten und neuen Mittelstand. — Dr. Herrn. Mutschmann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.