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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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örtk 620 Dr. Blochs WochMchrift Nr. 37 vollendetem Mmchagebete bestieg Herr Rabbiner Utitz die Kanzel und hielt eine formvollendete Ansprache an die Versammlung, die von derselben mit großem Beifalle aufgenommen wurde. Mit einem Gebete für Kaiser und Vaterland, dem die Volkshymne folgte, schloß die schöne Feier. U«g.-Brod. Hier starb plötzlich nach langer Krankheit Herr Hermann Löwy. ein achtbares Mitglied unserer Gemeinde, der letzte Altbürgermeister, der sowohl die politische, als auch die Kultusgemeinde in einer Person vertrat. Unter seiner Leitung wurde unter schwierigen Verhältnissen das rituelle Bad komfortabel restauriert. Ein Schüler des berühmten sel. Rabbiners Rot war er einer der tüchtigsten Mohelim. welches Amt er gewissenhaft selbstlos bis nicht lange vor feinem Tode ausübte. Von seiner Wertschätzung bezeugt auch das Leichenbegängnis, welches vorige Woche Montag unter großer Beteiligung der Gemeinde stattfand. Nachdem er sich Leichenreden verbeten hatte, sprach, vom tiefen Schmerze gebeugt, am Sarge sein Sohn, der bekannte praktische Arzt in Lundenbnrg, Dr. Isidor Löwy. Worte des herzlichen Abschiedes. Berlin. Der Verband der Deutschen Juden wird seine diesjährige (vierte) Hauptversammlung am Sonntag den 5. November in Berlin abhalten, und zwar im Neuen Königlichen Operntheater (Kroll), dessen Räume ihm durch das Entgegenkommen der königl. Generalintendantur überlassen worden find. Mk Das 3. Preisausschreiben der JugendschrGtenkommission der Grotzloge für Deutschland VIII, UC. O. B. B., ist nun erledigt. . Gewünscht wurde eine Erzählung oder Novelle, die jüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre für Juden und Christen anschaulich hervortritt, ohne daß die Tendenz ausdringlich sich bemerkbar macht. Neun Arbeiten sind eingelaufen. Die Prüfung derselben lag in den Händen der Herren: Rabbiner Dr. Gallineri- Charlottenburg, Verlagsbuchhändler Marcus-Breslau, Reallehrer E. Gut und Dr. I. Heinemann-Frankfurt am Main und Hauptlehrer Theodor Rothschild-Eßlingen. Das Preisrichterkollegium war zu seinem Bedauern nicht in der Lage, auch nur einer der Arbeiten einen Prcüs zuzuerkennen: einigen derselben sind gewisse Vorzüge nicht ahzüsprechen; sie können wohl als gute Ghetto erzähl, lungen gelten, entsprechen jedoch nicht den Forderungen einer Jugendschrift. Die Herren Verfasser, denen jedenfalls hier für ihre Bemühungen bestens gedankt sein soll. Werden ersucht, ihre genaue Adresse anzugeben, damit wir ihnen die Arbeiten zurückschicken können. - Auch den Preisrichtern sei hiermit bester Dank gesagt. Die Jugenidschriftenkommission der GrofflogefürDeutschland VIII, U. O. B. B. Feuilleton. Esther. Im südlichen Mähren, hart an der Grenze Niederösterreichs, liegt das freundliche, an geschichtlichen Erinnerungen reiche Städtchen N. Mäßig ansteigend, wird es im Osten und Norden von einer sanften Hügelkette — den letzten Ausläufern der Karpathen — deren Scheitel von der heiligen Bergkirche einerseits und von verfallenen Bergschlössern längst ausgestorbener Rittergeschlechter anderseits gekrönt werden, im Halbkreise umschlvffen, während sich westlich und südlich die weite Ebene ausdehnt. Im Mittelpunkte des Städtchens erhebt sich ein mittelalterliches Schloß, auf hohem Felsen aufgebaut, die Stadt mit ihren zwei Kirchtürmen weit überragend und mit souveräner Ruhe auf dieselbe herabschauend. Der Boden ist ergiebig und fruchtbar und bringt die mannigfaltigsten Baum- und Feldfrüchte hervor, nicht zu vergessen des edlen Rebensaftes, dem die biederen Bewohner dieses Städtchens mit Hintansetzung aller Raffen- und konfessionellen Unterschiede, brüderlich vereint, so gerne zusprechen. Zur Zeit, da unsere Geschichte beginnt, war die dortselbst bestehende Judengemeinde die größte und angesehenste des Landes. Wer diese Zeiten miterlebt, wird sich ihrer mit Stolz und Freude, aber auch mit tiefer Wehmut erinnern, er wird gedenken des fröhlichen Lebens in den Gassen, der vorzüglichen Schulen und Lehrer, die ihn gebildet, des unvergleichlich schönen, von alten, zum Teil verfallenen Ringmauern umfriedeten großen Wiesenplatzes, des Schauplatzes seiner jugendlichen Heldentaten, den spätere täppische Hände, um nicht ein härteres Wort zu gebrauchen, der Gemeinde leider nicht zu erhalten verstanden und um Spottgeld Hingaben, er wird gedenken der fröhlichen Feste und vor allem der vielen wackern, mitunter bedeutenden Männer, Welche die Gemeinde hervorgebracht und ihr durch Gelehrsamkeit, humanes Wirken oder sonst in öffentlichen Stellungen zum Ruhme und zur Zierde gereichten. Diese glanzvollen Zeiten find nun längst vorüber, jedoch ist ihr Andenken noch heute in mannigfachen Humanitären Anstalten und Stiftungen erhalten. Also zu dieser Zeit lebte in dortiger Judengemeinde ein Schneiderlein. Er war sehr fromm, ging täglich Früh und ' Abend in Schul, flickte alte Kleider und wenn es an Arbeit mangelte, ging er ins Dorf und war zufrieden, wenn er ein Hasenhäutel einhandelte. Sein wackeres Weib stand ihm in Freud und Leid treu zur Seite und gebar ihm regelmäßig „um diese Zeit" einen Sprößling. Der letzte war ein gar liebliches Mägdelein und die Wonne und Freude feiner Eltern. Aber was nützen alle Vater- und Mutterfreuden, wenn Schmalhans zu Gevatter steht. Unser Schneiderlein mochte noch soviel Flicken und Hasenhäutel einhandeln, er konnte seinen Haushalt nicht mehr bestreiten, Not und Sorgen hielten bei ihm ihren Einzug. Oft geschah es, daß der Vater erst zu später Abendstunde mit leeren Händen vom Dorfe heimkehrte und die Familie hungerig zu Bette ging. Dann saß die Mutter an der Wiege ihres jüngsten Kindes und sang ihm mit schwacher Stimme ein Schlummerlied: „Schlaf Kindlein schlaf, Dein Vater ist kein Graf, Dein Vater ist ein Schneiderlein, Flickt alte Kleider groß und klein, Schlaf Kindlein schlaf, Dein Vater ist kein Graf, Dein Vater ist ein Handlejud, Kauft alte Sachen schlecht nnd gut." Längst hat das Kindlein die müden Augen geschloffen, und oft saß noch die Mutter bis zum frühen Morgen bei der trüben Lampe mit der Flickarbeit ihres Mannes beschäftigt, bis sie der Schulklopfer daran erinnerte, daß wieder ein neuer kummervoller Tag angebrochen sei. So wurde das arme Weib immer schwächer und schwächer, ihre Kräfte waren aufgezehrt, und eines Morgens hatte der „Schames" statt zu klopfen, sein schauerlich hohles „In Schul" durch die Gassen gerufen. Es war dies ein Zeichen, daß ein „Mes" (Toter) in in der Gemeinde war. Neugierig und mit bangen Blicken steckten die Leute die Köpfe zu Türen und Fenstern heraus, frugen wer gestorben sei, und erhielten zur Antwort „Reb Scholem", Schneiders Weib „Fradel" sei in „Gap-Eden" gegangen. Auch Reb Scholem Schneider segnete nach einigen Jahren das Zeitliche, die Kinder wurden in die weite Welt hinaus verschlagen und nur das jüngste blieb zurück und fiel der öffentlichen Wohltätigkeit, will sagen, der Gemeinde zur Last. Unsere Esther, so hieß das Mädchen, war. beim Tode des Vaters, erst fünf Jahre alt. Sie war schön wie die Rose von Jericho, schwarze Locken umrahmten ihr Haupt, und das Auge, sanft und feurig, war dazu bestimmt, Andere, aber auch sie selbst, mit seinen Gluten zu verzehren. Kaum zur Jungfrau erblüht, verfiel auch sie dem Schicksa

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