Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 618 Nr. 87 Wochenschrift Vermählung der Baronesse Rothschild. Am 8. d. M. fand im Zeremoniensaale des Tempels I., Seitenstettengaffe 4, die Vermählung der Baronesse Valentine von Rothschild mit Herrn Sigmund Springer statt. Wegen der tiefen Trauer, in der sich die Familie der Braut befindet, wurde die Hochzeit in aller Sülle im engsten Familienkreise abgehalten. Außer den nächsten Angehörigen des Brautpaares, den Brüdern der Braut, Freiherren Allons, Louis und Eugen Rothschild, der Frau Maurice Ephrussi aus Paris, der Mutter des Bräutigams Frau Ernestine Springer, seiner Schwester Frau Kohl v. Kohlen egg, seines Onkels Baron Gustav Springer und des Barons und der Baronin Fould-Springer, waren bloß einige Jugendfreunde und Freundinnen des Brautpaares anwesend. Den Trauuugsakt vollzogen der Oberrabbiner Dr. Güdemann und Oberkautor Fuchs. Wien. (Silberne Hochzeit.) Am 19. d. M. begeht Herr Julius H e i m a n n, Chordirigent im Lopoldstädter Tempel, mit seiner Gattin Theresie das Fest der silbernen Hochzeit. Wie». (Goldene Hochzeit.) Am 9. September d. I. begingen Herr Samuel und Frau Berta Steiner im Leopoldstädter Tempel das Fest der goldenen Hochzeit. Um das Jubelpaar scharten fich ihre Kinder und Enkel, welche die weite Reise von London nicht scheuten, um an dem Ehrentage zugegen zu sein. In herzlichen, tiefempfundenen Worten interpretierte Herr Rabbiner Dr. Armand K a m i n k a die Bedeutung des Tages, wie auch die israelitische Kultusgemeinde in einem Schreiben ihre Glückwünsche zum Ausdrucke brachte. Die würdige Feier war ein ehrendes Zeugnis für die Beliebtheit des Jubelpaares und deu noch immer bestehenden Sinn innigen, jüdischen Familienlebens. Wien. (Diamantene und silberne Hochzeit.) Samstag den 16. d M. findet im Tempel des XXI. Bezirkes, Holzmeistergaffe 12, 10 Uhr vormittags, das setteue Fest der diamantenen Hochzeit des Ehepaares Emanuel und Regina W o d i c t a statt. Gleichzeitig werden der Schwiegersohn und die Tochter desselben, Herr und Frau Ludwig Zeckendorf, ihre silberne Hochzeit feiern. Wien (Bethansverein „Am Bolkert".) Anläßlich der Schlußprüfungen im zweiten Jahrgange in der Sprach- und Bibelschule des Bethausvereines „Am Volkert" trat ein so schöner Erfolg zu Tage, daß die Schulsektion beschloß, auch für das Schuljahr 1911/12 einen dreiklassigen Unterricht beizubehalten. Da auch der Barmizwah-Kurs, wodurch die diestr Schule entwachsende Jugend in der Gotteslehre bestärkt und in ihrem religiösen Sinn gefestigt werden soll, vorzüglich für die Schüler unbemittelter Eltern besonderen und unerwarteten Erfolg, brachte, wird derselbe auch im Schuljahre 1911/12 fortgesetzt Die Einschreibungen finden Sonntag am 17. September zwischen 10 und 12 Uhr vormittags und Montag am 18. September, sowie Dienstag am 19. September 1911 zwischen 6 und 1/28 Uhr abends in der Vereinskanzlei, II., Fugbachgosse 7, statt. Nach den bereits genehmigten Plänen zum Baue des „Kaiser Franz Jos pH I. Huldigungstempel" sind die nötigen Räumlichkeiten für eine sünfklaffige Religionsschule vorgesehen. Wie». (M ädchen-Unter stützungsverein.) Au den Schulen dieses humanitären Vereines werden die Einschreibungen für das Schuljahr 1911/12 — nach Maßgabe der noch verfügbaren Plätze — Donnerstag am 14. d. M. vorgenommen, u. zw. um 9 Uhr vormittags für die Fortbildungsschule, um 2 Uhr nachmittags für die. Handelskurse. Im I. Jahrgang der Frauengewerbeschule sind nur sechs Plätze zu vergeben, die am 25. d. M. zur Besetzung gelangen. In den II. Jahrgang, das Atelier, findet keine Aufnahme statt. — Aufnahmsbewerberiunen — unbemittelte, israelitische Mädchen, die das 14. (für die Handelskurse das 15.) Lebensjahr erreicht haben, können sich mit ihren Eltern oder deren Stellvertretern in der Schutkavzlei, IX., S-egasse 16, melden. Emzubringen sind Geburts-, Wiederimpfungs- und Schulentlaffungszeugnis. Das Leichenbegängnis des Oberkanlors B6la Guttmann. Unter überaus großer Beteiligung aller Kreise der Wiener jüdischen Gemeinde wurde der unter so tragischen Umständen aus dem Leben geschiedene Oberkantor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Bäla Guttmann, am 8. d. M., um 11 Uhr vormittags, auf dem Zentral-Friedhofe zu Grabe getragen. Die Mitglieder des Vorstandes der Kultusgemeinde waren unter Führung des I. Vizepräsidenten Dr. Gustav K ohn erschienen, ferner der gesamte Beihantzvoistond, ote Vorstandsmitglieder der C'iewra Kadischa, I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben und viele Beamte der Ku'tusgemeinde, sämtliche Kantoren Wiens in ihren Ornaten, eine Dpatation des „Oesterr.- ungar. Kantorenvereines" mit seinem Präsidenten kaiserlichen Rat Oberkantor Singer, Abordnungen vieler jüdischer Vereine und eine große Trauergemeinde, Verehrer des Verstorbenen, die gekommen waren, dem uvergeßlichen Künstler den letzten Tribut ihrer Verehrung zu zollen. Auf derE'trade in der Zeremonrenhalle hatten die trauernde Witwe und die tiefgebeugten Schwestern, die in dem Verblichenen den einzigen Ernährer verlieren, sowie die übrigen Mitglieder der Familie Platz genommen Der Nachfolger und langjährige Freund Guttmanns, Oberkantor Morgen st er n, .rüg, assistiert vom l. Kantor I u r b e r g e r und vom G?samtch0l des Lrepoidttädter Tempels, mit inniger Rübrung das »Hazurtomim« in ergre'finder Weile vo-. Hierauf hielt Overrabbiner Dr. Güdemann dem Verstorbenen einen warmempfu «denen N lchruf, in welchem er im Aufträge des Vorstandes der Wiener KultuSgememde dem Heimgegangenen Obasan für die vielen Stunden der E' bauung und des Kunstgen usses Anerkennung und Dank rum Abschiede entbot. Dr. Güdemann entwarf in kurzen Strichen dos treffende Bild Guttmanns, ihn als Kantor. Künstler, Juden und Menschen schildernd und der hartgeprüsten Familie Trost spendend. Hierauf wurde der Sarg gehoben und unter den Tcauergesängen zum Ehrengrabe getragen. Hier sprach namens des Oesterr.-ung. Kantorenvereines dessen Präsident kaiserl. Rat Oberkantor Josef Singer die folgenden Abschiedsworte „Mit Beben und wahrb fter Trauer im Herzen treten wir, der Vorstand des Oesierr.-ung. Kantorenvereines, vor dieses off ne Gab, um einem geliebten, allgemein verehrten Berufsgenossen den letzten Scheidegruß zu entbieten. Es ist bei solch traurigen Veranlassungen Gepflogenheit, die Persönlichkeit des teueren Verblichenen noch einmal vor unserem geistigen Auge erscheinen zu lassen und all die Eigenschaften und Tugenden, die er im Leben sein Eigen nannte, affiurollen — oftmals eine schwere, kaum zu erfülle de Pfl chtbetätigung. — Hier, an deinem Grabe, teuexer . Frmnd, Oberkantor Bälg G lttmann, wird uns diese traurige Pflichterfüllung sehr leicht. — Deine Pe-sönlichkeit lebt ja noch zu lebendig in uns Allen; deine mächtige Stimme klingt ja noch in unser Ohr; dein Können. Wiffen wd Betätigen ist ja so allbekannt, daß jeder, der dich kannte und zu hören Gelegenheit fand, es zugestehen muß, daß du als Mensch wie als Künstler ein ganzer Mann gewesen, der seiner Berufserfüllung in des Wortes vollstem Umfange nachkam Daß es dir nicht verstattet war, deines Lebens Ausbau bis zum Schlußsteine zu vollenden, das war wohl für dick, doch auch flst uns, deine Berufsgenossen, am fühlbarsten jedoch für diese große Gemeinde ein schwerer Schicksalsschlag, der lange noch nachempfunden werden dürfte. Wir Alle werden dir ein treues Angedenken bewahren und sind überzeugt, daß, da doch dein Leichenbegängnis an einem Freitag stattfindet — jetzt, da du in eine andere Welt eingehst, dir jene beiden Worte, die du ja zu tausenden Malen der lauschenden Gemeinde mit tiefer Andacht vor getragen, aus höheren Regionen entgegentönen werden, die beiden Worte ,-£>3 „Komm mein Geliebter." — Auch wir rufen dir, Freund Bäla Guttmann, die beiden Worte als Scheidegruß nach: kehre ein zur Rihe; möchtest du endlich die Ruhe finden, die dir durch ein hartes Geschick im Leben verwehrt war. Ruhe sanft! ‘ Nach Oberkantor Singer ergriff Prof. Joseph S u l z e r das Wort und widmete dem Verstorbenen warme Worte des. Lobes für seine künstlerischen Leistungen und für seine Bestrebung, die Gesänge des »8edir-2ion« den Intentionen ihres unsterblichen Schöpfers Salomou S u l z e r gemäß zu interpretieren. Namens der persönlichen Freunde des Verstorbenen des II. Bezirkes hielt Prof. Nascher einen ergreifenden Nachruf, der in folgenden Worten gipfelte: .. ... „41 eled an! boobijo". Ich bewe>ne dich, großer Sohn meines Vaterlandes, dessen Tod schmerzlichen Nachhall wrckt auch in der Metropole des Nachbarreiches, wo du erhabener Sänger des Zionliedes gewirkt, ehe dein Sang unser Gotteshaus erfüllte mit gläubiger Andacht. So weit unser Stadtbezirk sich erstrrckt, alles ist in einer Träne, in einem Weh vereint — daß der liederreiche Mund für immer verstummte. Würdiger Nachfolger des großen Vorgängers, wir schluchzen über den jähen Abschluß eines so reichbegabten kurzen Lebens, dein würdiger Nachfolger beweint deinen Heimgang, ein Sternbild auf dem Himmel jüdischen Tempelsanges verblich für immer. B6la Guttmann! Hätten Alter und Krankheit den blinkenden Spaten deinen gläubig reinen Händen entwunden, wir hiüten in stiller Ergebung un« vor dem Willen des Herrn gebeugt .... aber in der Vollkraft deines Schaffens, mitten in der Arbeit der Verherrlichung vo « Gott den Herrn lagerte sich nächtige Wolke über dich, über unser Heiligtum . . . da warst du erlöst — aber nicht gerettet.