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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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-.sär. Nr. 37 kirche umgebenden Friedhof. Unmittelbar an der Kirchenwand find die fünf katholischen Soldaten gemeinsam bestattet. Tirol ist ein Land von streng katholischem Charakter. Das Grab unseres armen Glaubensgenossen, der auf einsamer Bergeshöhe in treuer Erfüllung seiner Pst cht ein schreckliches Ende gefunden, befindet fich hart an der Friedhofsmauer neben der Grabstätte eines Protestanten. Saßmann dürfte, wie mich ein auf diesem Wege begleitender Offizier jüdischen Glaubens informierte, ein äußerst findiger, im Abläufen gut ausgebildeter Soldat gewesen sein, da nur solche im schwierigen Pattouillendienst, dem bei den strategischen Verhältnissen Tirols große Bedeutung zukommt, verwendet werden. — Ec starb, wie ein Soldat auf dem Felde der Ehre, und ruht nun fern von den Seinrgen, in fremder E de. — Voll W hmut verwe lren wir einige Zeit an diesem Grabhügel und l gten nach jüdischer Sitte einige Gräser auf denselben. Denjenigen, die in werter Ferne ein durch Verkettung von Umständen in der Blme der Jahre geknicktes Menschenleben bemeinen, mag es in ihrem Schmerze einige Beruhigung gewähren, daß dieser Grabhügel mililärircherseits in pletätoollster Werse gepflegt und mit Blumen b-pflrnzt wurde, in nächster Zeit soll dann ein Grabmonument ausgeführt werden. Die provisorische Gedenktafel enthält folgende Aufschrift: «Hier ruht der k. u. k. Infanterist des Jnf.-Rgmt. Nr. 36 A. Sußmann verunglückt am 20. Dezember 1910 am Monte Piano. Gestorben in treuer Erfüllung seiner Pflicht. Provisorisch bis zur Denkmals tzung." Schreiber dieser Zeilen gibt der Hesfiung Ausdruck, daß Glaubensgenossen, die ab und zu nach Niederdolf kommen, das Grab dieses braven Soldaten besuchen werden. Jakob Bodek. Aus der Sitzung des Kultusvorftandcs vom 12. September LStl unter Borsitz des Präsidenten Lr. Alsred Stern. Widmung eines Anonymus anläßlich des 80. Geburtstages des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Es wird mitgeteilt, daß ein Ungenanntseinwollender aus Anlaß des 80. Geburtstages des Präsidenten Dr. Alfred Stern 4°/g Nörtwestbohn-Staars^chuldverschrkibungen im Nominalbeträge von X 20 000.— mit der Erklärung erlegt hat. daß die Zweckbestnnmung dieser Widmung dem Präfidenten Dr. Alfred Stern anheimgesteüt bleibe. Der Präsident traf die vorläufige Verfügung, daß die Zinsen dieses Kapitales als Heiratsausstattungsftif-ungen für arme israelitische Bräute, die nach staatlich und religiös gittigen Vorschriften getraut werden> verwendet werden sollen. Widmungen der Baronesse Valentine von Rothschild. Es wird belichtet, daß Baronesse Valentine von Rothschild, anläßlich ihrer Vermählung, zur V nnlung an Arme durch das Präsidium der Kultusgemeinde K 5000.— und für Zw cke d»s Sp'tales der israelitischen Kulmsgemeinde einen Benag von K 50.000.— gewidmet hat. Den Spendern wird der Dank votiert. KonfL'Isionelle Unduldsamkeit in den Bndaprster Schulen. Der Magistrat hat an die Schulleiter ein Rundschreiben gerichtet, in welchem, anknüpfend an einen konkreten Fall, die Weisung erteilt wird, in den Schulen, ausgenommen den Religionsunterricht, jede konfessionelle Trennung der Schüler auf das strengste zu vermeiden. Schon aber ist ein neuer Fall konfessioneller Unduldsamkeit in der Schule zu registrieren. Der aus Marlonvasar nach der Hauptstadt gebrachte Lehrer Johann Do- Seite 615 bos. derzeit dirigierender Lehrer an der Mädchenschule in der Oberen Waldzeile, hat vor Beginn des neuen Schuljahres den Lehrkörper zu einer Konferenz berufen, in welcher er den Antrag stellte, die Schüler in Hinkunft nach Konfessionen und Klassen einzutrilen, das heißt die katholischen und die jüdischen Schüler in separaten Klassen einzutrilen und sie von einander gesondert zu unterrichten. Die Lehrer und Lehrerinnen der Schule wollten ihren Ohren nicht trauen und, dachten erst, der Herr Direktor mache einen schlechten Scherz. Als er aber die Vorteile seines — wie er sagte — neuerdachten Planes auseinandersetzte. sahen sie, daß er vollen Ernstes daran denke, den Rassenhaß Lnstlich?u züchten. Ein S^u m der Entrüstung se'tms der Lch^k älte war die Antwort auf diese friedenstörende Absicht, und der Herr Direktor mutzte sich wohl oder übel beauemen. alles beim Alt n zu lassen. Die Sache blieb natürlich kein Geheimnis. Als ein Schulstuhlm'tglied den Herrn Direktor zur Rede stellte, kam er in Verlegenheit und begründete sein kong^aationistzisches Verhalten damit, daß er dies vom Gesichtspunkt des Religionsunterrichtes für vorteilhaft hielte. Selbstverständlich wurde der Fall auch der Unterrichtssek^ion mitgeteilt und schon in den nächsten Tagen dürften auch nach dieser Richtung hin strenge Maßnahmen getroffen werden. „Wir meinen," schreibt ein Budapester Blatt, „daß diese und ähnliche Fä^le mit Rundschreiben .und Verordnungen nicht erledigt werden können. Es ist Pflicht des Magistrats, durch Statuierung von Erempeln den Kongregationisten die Lust zu benehmen, in den hauptstädtischen Schulen, für welche die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt solch große Oyler bringt, konfessionellen Hader zu stiften. Der Wiederholung solcher Vorkommnisse kann nur mit den energischesten Maßnahmen begegnet werden." Moses Freudiger de O-Buda. Der langjährige Präsident der Budapester autonomen orthodoX-israelitischen Gemeinde Moses Freudiger de O-Buda ist am 7. d. M. in seiner Sommerwohnung auf dem Schwabenberge im Alter von 78 Jahren gestorben. Der Bestand und die Entwicklung der Budapester orthodoxen israelitischen Gemeinde find mit dem Namen des Verblichenen eng verknüpft, dem auch die Entstehung so mancher Institution im Schooße dieser Gemeinde zu verdanken ist. Der lautere Charakter des Verblichenen, seine umfassenden Kenntnifie auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaften verschafften ihm allgemeine Achtung und Anerkennung. Trotzdem er sich auf kommerziellem Gebiete betätigte, widmete er dennoch den größten Te'l seiner Lebenszeit öffentlichen Angelegenheiten, die er stets mit Wärme und Hingebung vertreten hat. Mit ihm scheidet eine hervorragende Persönlichkeit aus dem öffentlichen Leben des orthodoxen Judentums. ' , „JudA», die Hände hoch!" Dieser aus dem Lerikon der russischen Terroristen und Huligans übernommene Ruf erscholl dieser Tage, wie die ungarischen Blätter melden, zur allgemeinen Verblüffung der Anwesenden, in einem Kasernenhof einer ungarischen Garnison. Er wurde von einem Honved- (Landwehr-) Hauptmünn ausgestoßen, der auf diese Weise seinem Judenhaß Ausdruck gab. Im ersten Momente stand die Mannschaft verblüfft da und konnte das merkwürdige Kommando nicht kapieren. Aber der judenfresserische Held wiederholte mit kreischender Stimme: „Juden, Hände hoch!" und dank der militärischen Disziplin haben sämtliche Juden die Hände hoch gehoben. Die Affaire wird noch ein Nachspiel haben, da brreiits eine umfassende Beschwerde an den Honvedminister gelangt ist und überdies wird sie auch in Form einer Interpellation im ungarischen Parlamente zur Sprache kommen. Dr. Blochs Wochenschrift

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