Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 614 Vr.EW^-WvchMWft - Nr. 37 Und' weit» noch die wemtzen Epmonen viese HeiRgen Statten weiter Hüten wollen, Io sollten sie hierin ünunterstützt werden. Man. soll alles tun, um diese Gemeinde zu erhalten. Es gibt aber eine Reihe von Gemeinden, deren Mitglieder auf eine solch "geringe Zahl herabgesunken sind, daß sie bei Aufwand aller Mittel nicht mehr den Anforderungen. die die Religion und die jMsche Gemeinde an sie stellen, gerecht werden können. Sie selbst suchen aus eigener Initiative den Anschluß an die benachbarte größere Gemeinde. Tritt dieser Fall ein, so darf nicht etwa die größere Gemeinde die kleinere tzurückweisen und sich damit entschuldigen, daß die Aufnahme ihr größere unverhältnismäßige Rosten ve"Unsacht, weil sie dach auch für diie religiösen Bedürfnisse der Glaubmsgenosien in der Fikralg^meinde Sorge zu tragen hat Sie muß erwägen, daß die Kultusgemeinde nicht T .-.r in ihren engeren Grenzen für die religiösen Bedürfnisse der israelitischen Glaubensgenossen Sorge zu tragen hat, sondern daß sie gewissermaßen verpflichtet ist. einen weiteren Bsick zu haben und auch für die Glaubensgenossen in religiöser Hinsicht zu sorgen, die zwar nicht ihre Mitglieder sind, aber sie doch in dieser Hinsicht in Anspruch nchmen. Das siebt man z. B. aus folgendem : Kommt ein Glaubensgenosse aus irgend einer anderen Stadt oder aus irgend einem anderen Lande zu uns. wir werden ihm rußig an unserem Gottesdienste ich Tempel teilnMmen lassen. Er kann von allen Kultusinstitutionen der bezüglichen Kultusgemeinde Gebrauch machen, insofern sie allgemein zugänglich sind, ja wir versagen einem frechden toten Glaubensgenossen nicht die Ruhestätte auf unserem ..guten Orte". Diese Fürsorge Muß noch weiter gehen.. Sie muß auch die seßbaften Glaubensgenossen der Umgebung umfassen, die überdies, Wnm sie auch nicht in dem Sprengel der G-mejnde wohnen, vi-siach durch Familienbande, durch gesckäftsichen oder gesellschaftlichen Verkehr verbunden sind. Warum sollte diesen Glaubensgenossen nicht altruistisch ein besonderes Entgegenkommen bewiesen werden, indem man sie teilnehmen läßt an den Institutionen der großen Gemeinde. Militärische Erfindung ieme-i jüdischen GemischlwareN' WnUkörs. Der in Wien etablierte Gemischtwarenbändler Josef Herzog, ein gebürtiger Ungar aus dem Nyitraer Komitat. der seinerzeit als Unteroffizier im 12. Infanterie^ reg rent diente, hat auf Grund jahrelanaer Versuche eine äuß praktische Erleichterung der vom ManNe ins Feld n'rt-unehmenden Proprietäten erdacht. Dis äußerst praktische Erfindung besteht aus einem kleinen Päckchen, das durch eine kleine Schnur zusammengehalten wird. Das kaum den Raum eines QuadratdeZimeters einnehmende Päckchen enthält ein Handtuch, ein Paar Fußlappen, zwei Taschentücher, eine Zahnbürste, eine Handbürste, eine Slbmierbürste und ein Stück Seife. Weiter befindet sich in dem Vackchen eine Monturbürste, deren Deckel sich durch einen leibten Druck h »bl. Das Innere der Bürste enthalt einen Konsernenkochapparat. ein Smritusreservoir für sechsmaliges Abkochen, sowie festverschlossene Büchsen für Salz und Paprika, Der Deckel der Kotbürste ist ebenfalls zu öffnen. Hier befinden sich im Innenraume ein Rasierifiegel, Werg tzum Gewehrputzen. ein vollständiges Nähzeug, sowie Scheere, Kamm und Schuhnägel. Das Innereder Glanzbürste fck eßlich dient als Aufbewahrungsort für Gewehröl, Schu saselme und Spiritus für zwölfmaliges Abkochen. Herr Herzog hak diese Erfindung bereits dem Technischen Militärkomitee vorg-eführt und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese praktische Neüerungüuch ' tatsächlich in der Armee zur Einführung gelängt.'. Zu - bemerken wäre noch, daß diese Neuartigen Proprietäten '''zum-selben Preise erhältsich sind wie die bisherigen. PakastinEfchr Juden wandern nach Australirn aus. Ein offizieller Bericht aus Westaustralien meldet: - Die Zahl der. Juden in Westaustralien, besonders in . der Hauptstadt Perth. wächst von Tag zu Tag. Jedes- Schiff bringt neue Einwanderer, die aber nicht, wie gewöhnlich, aus England, sondern , aus Palästina kommen, Australien besitz bekanntlich Tausende Meilen brach siegenden fruchtbaren Boden, der sich besonders für Waizenkultur vortrefflich eignet. Die Regierung kommt diesen Einwanderern, wenn sie sich der Bodenkültur widmen wollen, in jeder Richtung entgegen und ist ihnen bei Erwerbung von Boden behilflich. Der Bericht hbt besonders hervor. daß die jüdischen Wobsiah^tsanstalten den palästinensischen Einwanderern hilfreich beist"tz"n. doch haben sich gerade die palästinensischen Juden sonderbarerweise für die landwirtschaftliche Arbeit nicht besonders geeignet gezeigt. Dis Korvefpondem des Propheten Ekffcha. Die in Casio erscheinende Zeitschrift „Mokafiam" erholt von ihrem Iaffaer Korresvondenten die Mitteilung, daß in Samarien eine Anzahl Tontaseln ausqegraben wurden, deren Inschriften schon nach den ersten Lesversuwen ergaben, daß es.sich um Korrespondenzen zwischen dem Propheten Esischa einerseits und dem König Ahab und der Königin Iezabel andererseits handelt. Da die Totentafeln verschiedene Hinweise auf wichtige Ereignisse jener Zeit enthalten, werden Nun die größten Anstrenaum gen gemacht, diesen^yjederLS^undenen Spuren nachzugHMl. Cm jüdisches Soldatengrav in Tirol. Toblach, am 9. Ab. 5672.- : Ich hatte als Zielpunkt meiner heurigen Erholungsreise das liebliche Pustertal gewählt. Wer sich nach den Mühen und Aufregungen des Jahres darnach sehnt, einige Wochen fernab vom Taaesgetriebe, umgeben von schöner Natur, in Muße dahinuleben und bei aller Vorliebe für wilde Gebirgsromantik sein müdes Auge gern an dem einzig schönen Grün der Tiroler Bergmatten weidet, wird immer wieder die einander benachbarten Orte Jnnichen, Toblach, Niederdorf. Waldhof Bruneck usw. aufsuchen. War es nun bloßer Zufall, daß ich den Tischa b'ab des heurigen Jahres weit von jedem jüdischen Milieu, nach dem sich ein jüdisch fühlendes Herz gerade damals so hinaezogen fühlt, verleben sollte? Ich empfinde es mit Genugtuung, an diesem Tage ganz unvermittelt eine Mizwah vollbracht zu haben, auf die ich mir. ohne daß man mich einer allzu großen Unbescheidenheit zeihen dürfte, Einiges zugute halte. Nachdem ich Frühmorgens an einem einsamen Plätzchen des Toblacher Lärchenwaldes die stets ergreifende Lektüre der Kinnoth absolviert hatte, unternahm ich einen Spaziergang nach dem benachbarten Niederdorf. Ich erinnerte mich nun, vor einigen Monaten von dem Lawinenunglück am Monte Piano gelesen zu haben, bei dem eine aus sechs Infanteristen bestehende Patrouille des Jnfanterie-Regimentes Nr. 36 verschüttet wurde, wobei sämtliche Soldaten, darunter auch ein Glaubensgenosse Namens Sußmann, der in Galizien gebürtig, behufs Standeskomplettierüng einem böhmischen Regimente zugeteilt war, ums Leben kamen. Die betreffende Bergstelle ist während der Fahrt nach Cortina in der Nähe von Schluderbach sichtbar. DaS Regiment garnisoniert in mehreren Ortschaften Südtirols/ ein Bataillon in Niederdorf, von woaus die genannte Patrouille aufgebrochen war. Ich.erfuhrim Orte, daß die bedauernswerten Opfer hier ihre letzte, Ruhestätte gesunden, und begab mich daher auf den, nach Landcsfitte die katholische Orts-