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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sh; 37 Das jüdische Ausn>«urder»ngSWrsen. - Mus dem Jahresbericht der J.-C. A. pro 1910.); j j ' -- Bon I. Turoff-Bertm. Die jüdische Auswanderung, welche im Jahre 1908 infolge der ökonomischen Krisis in ' Nordamerika stark zmückgegangen war, hat bereits im folgenden Jahre seine steigende Tendenz wieder ausgenommen. Im Berichtsjahre waren es schon 105.794 Juden gegen 78.550. im Vorjahre, die allein nach Amerika ausgewandert waren. Davon entfielen 94.000 auf die Vereinigten Staaten, 5213 auf Kanada und 6581 auf Argentinien. Da nutzer nach Amerika viele tausende Juden alljährlich nach Südafrika, Australien und .Palästina wandern, da ferner grotze Scharen den müden Schritt nach Frankreich, Deutschland und England lenken, so wird die Annahme, datz jahrein jahraus 130—150.000 Juden ihre diversen östlichen „Vaterländer" verlassen, um sich anderswo eine neue Heimat zu suchen, nicht allzu übertrieben erscheinen. Als Auswanderungsländer kommen bekanntermatzen fast ausschließlich nur Rutzland, Galizien und Rumänien mit etwa 7 Millionen Juden in Betracht, so datz von je 200 Juden dieser Lander alljährlich 3 die Heimat verlassen müssen. Es Wiederholt sich eben in unseren Tagen die gleiche Erscheinung, wie sie das jüdjische Volk vor zwölf Jahrhunderten in Babylonien und vor acht Jahrhunderten in Deutschland erleben mutzte. Die Auswanderung nahm damals immer wachsenderen Umfang an und führte schlietzlich das fast völlige Verschwinden der damals so zahlreichen und hochzivilisierten jüdischen Bevölkerung jener Länder herbei. Auf dem weiten Weg von dem Heimatstädtchen in Rutzland oder Galizien bis zur Niederlassungsstätte im fernen Nordamerika haben die jüdischen Wanderer fast ebenso viele Entbehrungen zu erdulden, wie ihre Väter einst auf dem Wege von Egypten nach Palästina. Nur haben die heutigen Emigranten keinen Moses zum Führer .. . Mit knappen Geldmitteln versehen, ohne alle Sprach kenntnisse und Führung sind sie mitten in einer fremden, ihnen feindlich gesinnten Bevölkerung jeder Ausbeutung schutzlos preisgegeben. Wie eine Schar /Wandervögel von Krähen, Falten und Aasgeiern werden unsere müden Wanderer von einer schier unübersehbaren Schar Schiffsagenten, Geldwechslern und sonstigem Raubzeug umschwärmt, bei jeder Gelegenheit übervorteilt und um den letzten Notgroschen gebracht. Es erscheint daher unbegreiflich und mutz als Zeichen der politischen Desorganisation des jüdischen Volkes angesehen werden, datz bis vor wenigen Jahren sich niemand um die jüdische Emigration gekümmert hat. Auf vielfache Anregung, aus Deutschland entschlotz sich endlich die I. C. A. im Jahre 1905, den ersten Schritt zur Schaffung einer Organisation für die Ueberwachung des gesamten jüdischen Emigrationswesen zu tun. Noch ist diese zukunftsreiche Schöpfung sehr jung und nicht über die ersten Stadien ihrer Entwicklung hinaus, dennoch hat sie Tausende Juden bereits vor grotzen Schaden bewahrt und weiteren Zehntausenden direkten jpositiven Nutzen gebracht. An der Spitze der umfassenden Organisation stzeht ein Informationsbureau mit dem Sitz in Petersburg, welches mit wachsendem Erfolg bemüht ist, an allen wichtigsten Plätzen Kreiskomitees zu etablieren. Letztere sind ihrerseits bestrebt, überall Subkomitees oder Agenturen zu begründen. Das Bestehen dieser Komitees wird von Zeit zu Zeit durch Zeitungsinserate und Anschläge der örtlichen Bevölkerung bekannt gegeben und diese aufgefordert, im Bedarfsfälle sich vertrauensvoll an sie zu wenden. Zur Orientierung der Vertrauensmänner und Belehrung der gesagten Bevölkerung wachen nebst einem ä©«te eil alle 2 Monate im Jargon erscheinenden Blatte „Der jüdische Emigrant" zahlreiche Äeine Broschüren und Flugblätter verbreitet. So u. a. die Schriften „Amerika", „Canada", „Argentinien", „Teras", .-Palästina und Syrien", „Libau". Ferner sei rühmend die Herausgabe und Gratisverteilung von Hand- und Wörterbücher-! der englischen und spanischen Sprache hervorgehoben. acht ohne Interesse ist endlich die Schaffung und Unterhalt ig von Auswandererschulen, in welchen der jungen Generation Kenntnisse der Sprache und Sitten der wichtigsten Einwanderungsländer beigebracht werden. Einstweilen bestehen nur 2 Schulen in Minsk und Lodz Md .wird eine dritte demnächst in Kownow eröffnet werden. Wenn aber die grotze Tragweite der Emigrationsfragen vom Judentum dereinst richtig erkannt und gewürdigt fein wird, werden sie in jeder größeren Stadt begründet werden. Das jüdische Volk fätzt immer mehr Vertrauen zu der von der I. C. A. geschaffenen Organisation und die Zahl der Auswanderungslustigen, die sich mündlich oder schriftlich um Rat oder Auskunft an sie wenden, wächst von Jahr zu Jahr. Von den 90.000 Juden, welche im Berichtsjahre Rutzland verliehen, haben 46.294 vorher sich mit den verschiedenen Komitees derselben in Verbindung gesetzt. Seit Begründung der Organisation ön Jahre 1906 hat das Jnformationsbureau nebst Filialen 137.000 Personen Auskunft, Rat und Hllfe gewährt. Der Rat besteht häufig in der Empfehlung, die Auswanderung nach den Bereinigten Staaten und Kanada doch lieber zu unterlassen. Im erstgenannten Lande werden nämlich die ohnehin harten Einwanderungsgesetze seit einigen Jahren von den Behörden so ungerecht willkürlich angewendet und derart im fremdenfeindlichen Sinne ausgelegt, datz sie die Wirkung von Prohibtsivmatzregeln haben. In Kanada schlietzlich werden die jüdischen Einwanderer nicht viel besser als Nigger oder Chinesen behandelt. Des Weiteren werden die AuswanderungslustWeu in vielen Distrikten von Aerzten auf etwaige Gebreche i untersucht, welche den Einwanderungsbehörden als Vorwand zu einem Landungsverbot dienen können. Da erfahrungsgemätz in Nordamerika besonders auf Trachom gefahndet und jede leichte Augenentzündung im Hafen von Newyork als eine solche ansteckende Krankheit erklärt wird, sind in Minsk, Lodz und Homeln Augenkliniken eröffnet worden, in denen im Berichtsjahre bereits 3237 Personen untersucht, resp. behandelt wurden. Weitere 9000 Personen wurden in Warschau und Libau ärztlich untersucht. Das Bureau warnte ferner die Bevölkerung unausgesetzt, sich ohne den nötigen Auskunftspapirren auf die Wanderung zu begeben. Da jedoch die Beschaffung von Auslandspässen in Rutzland mit unendlichen Scherereien verknüpft ist, wird die Bevölkerung über die zur Erlangung von Pässen nötigen Schritte durch Flugblätter und Bekanntmachungen unterrichtet. Auch werden Formulare für betreffende Eingaben an die Behörden gratis verteilt. Gleichzeitig sind sämtliche Subkomitees angewiesen, den Emigranten auf Wunsch solche Pässe selber zu verschaffen. Nicht weniger als 14.719 Ausway^erungspäfse sind so im Berichtsjahre dur> Vermittlung der Organisation ausgehändigt worden, mdlich haben 2850 Personen billige Schiffskarten, resp. Begünstigungen bei den Eisenbahnen und ebensoviele Unterstützungen in Bargeld erhalten. Um den zahlreichen Schwierigkeiten und Hindernissen,'welche der Auswanderer beim Ueberschreiten der russischen Grenze harren, zu begegnen, wurden an 7 Grenzpuntten, nämlich Wirballen, Mlava, Alerandrowo, Wolotschisk^ Radsiwilowo. Jwanetz und Rovoseliza. Grevtzkomitees errichtet, welche mit dem vom Hilfsverein &er deutschen Juden an der deutschen und der Wiener Allianz SU der vsterreichMen Grenze gegründeten korrespondier D« KMr WochexMist

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