Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite uio Dr. Blochs Wochenschrift Str. 37 lassen, sich unterstanden, die Regierung des Reichs, besonders in Deutschland, an sich zu nehmen, ohnenoch von dem Päpstlichen Stuhl die Billigung und Ernennung erhalten zu haben.. Da aber diesem das Recht zustehe, die Perion eines gewählten römischen Königs zu prüfen^ über de,sen Tauglichkllt oder Untaugllchkeit zu entscherden und ihn zum König zu ernennen, so sollen sie den Albrecht au, fordern, binnen sechs Monaten durch Bevollmächtigte vor ihm zu erscheinen, um seine Unschuld an dem Tode Adolfs, wie auch sein Ruht auf die Krone, wenn er ein solches habe, zu erweisen, andernfalls würde er jedermann verbieten, ihn als römischen König anzuerkennen und zugleich alle vom Eide, den sie ihm etwa geleistet haben, lossprech.n. Auch bchielt sich Bonisazius vor, über Albrecht und seine „Mitichulüigen" weitere llrchllche und wcllüche Strafen zu verhängen. Aber es dauerte Nicht lange, bis der Friede Zwischen ihnen zustande kam. Und der erste Schritt dazu wurde vom Papste gelan. Er wollte Albrechts Hilfe gegen den König von Frankreich haben und lieb ihm daher sagen, er möge einen Bevollmächtigten zu Unterhandlungen nach Rom schicken. Und Kai,er Albrecht brauchte wieder die Freund,chaft des Papstes, um seine Stellung in Deutschland zu befestigen. Er sch.ckte chcht Llos einen Vertreter nach Rom, sondern schrieb auch einen demütigen Brief an den heiligen Vater, sich ihm in allem unterwerfend. Darauf hat dieser am 30. April 1303 seine Erwählung als rechtmäßig anerkannt und ihn aller seiner Bündnisverpflichtungen gegen Andere (damit war König Phiipp von Frank.e.ch gemeint), „wann und wie er sie auch beschworen haben m ö g e", enthoben. Albrecht mutzte sich dagegen verpflichten, „gegen alle Feinde, Gegner und Widersacher des päpstlichen Stuhl.s, sie mögen welches Standes auch sein, zu stehen, mit solchen keine Verbindung oder Freundschaft cinzugehen, auch diejenigen nicht zu halten, die er mit jemandem geschlossen hätte, der in Feindschaft mit der römischen Kirche sei oder geraten würde; im Gegenteil „walte er auf Befeyl des Bonifazius oder seiner Nachfolger solche Feinde bekriegen." Nach Kaiser Albrecht war es sein Enkel, Graf Friedrich von Tirol, der zuerst wieder die Feindschaft des Klerus, und in viel stärkerem Matze, zu spüren bekam. In seinen Tagen hatte sich fast der ganze hohe Klerus des römisch-katholischen Europa — Kardinale, Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, gelehrte Theologen usw. — zum Konzil in Konstanz am Bodensee versammelt, um die Mitzbräuche in der Kirche abzustrlk.n und zu entscheiden, wer von den um den Stuhl Petri streikenden Päpsten der wahre unfehlbare Nachfolger des Apostels Petrus sei. Einer dieser Päpste, Johann XXIII., mitz? traute dem unter Patronanz des Kaiser Sigismund versammelten Konzil, wie wir sehen werden, nicht ohne Grund und hatte sich daher auf dem Wege nach Konstanz, sowohl von Rat und Bürgerschaft dieser Stadt, als von dem Habsburger, Grafen Friedrich von Tllol, Schutz und Hilfe gegen alle Welt zusichern lassen. Er ernannte ihn dafür zum Generalissimus seiner Truppen m't einem Gehalt von 6000 GuLen jährlich (1414). Soldaten hatte er freilich nicht, und ob der Gehalt b^ahlt wurde, bleibt zweifelhaft. Aber der Habsburger hielt sein Wort. Als der Papst sich in Konstanz nicht mehr sicher fühlte, die Stadt ihn nicht mehr schützen konnte oder wollte, Kaiser Sigismund sich ihm abgeneigt zeigte, da war es Graf Friedrich, der mit seinen Leuten nach Konstanz zu seinem Schutze kam, ihm (20. März 1415) zur Flucht verhalf und nach dem ihm gehörenden Schaffhausen in Sicherheit brachte. . Mit den.weiteren Schicksalen JohannXXIMHaben wir Uns hier nicht zu beschäftigen, bemerken müssen wir nur, datz der Habsburger, der ihn sür den währen Papst hielt, der also, wie jetzt gelehrt wird, unfehlbar war, ganz korrekt katholisch Handelle, wenn er ihn gegen das Konzil schützte. Dieses aber Hielt sich für über die Päpste stehend, für deren Richter, erliefe scharfe Erklärungen gegen Johann und forderte den Kaiser auf, ihn nach Konstanz zurückzubringen. Dem Kaiser, der aus dem Hause Luxemburg, kein Habsburger, war, konnte nichts willkommener sein als dieser Auftrag, bot er ihm ja Ge!- legenheit und Vorwand, Friedrich zu berauben. Die Vorstellungen der französischen und anderer Gesandten konnten ihn von dessen Verfolgung nicht abhalten.. Äm 7. April 1415 liefe Sigismund an den Kirchentüren und öffentlichen. Plätzen von Konstanz ein Edikt anhasten, durch das er den Gra.'en in die Reichsacht legte und alle seine Vasallen ihres ihm geleisteten Eides entband. Zugleich liefe er alle Städte Schwabens sowie mehrere Adelige >auffordern, ihn als Feind des Reiches und der Kirche zu verfolgen. Viele geistliche und wrltl che Herren, Neider und Feinde Friedrichs, selbst solche, denen er Wohll taten erwiesen hatte, folgten dem kaiserlichen Lockrufe und fielen über ihn her. Sigmund selbst brachte ein Heer von beinahe 40.000 Mann zusammen, mit dem er in dessen Länder einfiel, viele seiner Besitzungen in Schwaben, Elsaß und Breisgau eroberte, darunter die Stadt Schaffhausen, der er sür Geld die Freiheit wiedergab. Damit sich nicht begnügend, forderte er auch die Schweizer zum Kriege gegen Friedrich auf. Diese antworteten, sie seien durch einen Vertrag für fünfzig Jahre zum Frieden mit Friedrich verpflichtet. Aber wozu hat man denn eine Versammlung von einigen Hundert hohen Geistlichen und gelehrten Theologen, wenn sie nicht einmal einen kleinen Vertragsbruch sanktionieren, ja für verdienstlich erklären könnte. 2a, noch mehr! Die frommen Väter des Konzils bedrohten die Schweizer mit dem Banne, falls sie den Vertrag halten würden. Und diese ließen sich gerne zwingen, um einige Stücke habsburgfischen Besitzes zu erwerben. Sie fielen ebenfalls in Friedrichs Gebiet ein und eroberten den Aargau, den sie auch behielten, sowie vieles von Friedrichs BÄtzungen im Elsaß und in Schwaben. Nur das eigentliche Tirol wurde von feinem Bruder Ernst „dem eisernen" und den Landeseinwohnern tapfer und mit Erfolg verteidigt. Aber sonst von aller Welt verlassen, mutzte der Habsburger im Mai 1415 sich dem Kaiser und dem Konzil unterwerfen und viele Opfer bringen. Sein finanzieller Ruin brachte ihm den Beinamen „mit der leeren Tasche". Core, der englische Historiker des Hauses Oesterreich, meint, Friedrich hätte auf die versprochene Hilfe der Herzoge von Burgund und Lothringen warten sollen, er habe sich aber vom Herzog Ludwig von Bayern verleiten lassen, sich dem Kaiser zu unterwerfen und Papst Johann im Stiche zu lassen. Zwei Monate später ließ dasselbe Konzil Johann Hutz als Ketzer verbrennen. Kaiser Sigismund hatte ijhm zwar im Oktober 1414 freies Geleit zugesichert, aber er wartete nicht einmal eine Aufforderung der heiligen Versammlung zum Wortbruch ab. Er begnügte sich zu erröten, als der zum Scheiterhaufen geführte böhmische Reformator ihn an seinen Geleitbrief erinnerte. Es ist überhaupt merkwürdig, wie häufig im frommchristlichen Mittelalter Eide und Verträge mit klerikaler Zustimmung, mitunter auch auf deren Aufforderung, gebrochen wurden. (Fortsetzung folgt.)