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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-08 · 36 (8.9.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 86 Srite.603 ää«'ÄiaeaSÄ. J.LL "fire->JBESi’:2*^{>iSS: Dr-WWHs MochErift TrvPpa«. (AmtSjubiläum.) Am I.Tage deS Neujahrsfestes feiert Odeickantor Singermann in Trvppau fein SSjähriges Jubiläum in der -artigen Kultusgemeinde. Im Jahre 1860 als dritter Sohn deS I. Kantors H. Singermann in Konin geboren, genoß er seine erste Ausbildung bei »seinem Bater und erregte schon als zehnjähriger Knabe die Aufmerksamkett deS Publikums durch seine vorzüglichen, gesanglichen Leistungen, die er als Sopransänger gar häufig in der Synagoge und bei sonstigen Gelegenheiten bekundete. Später bezog er die Kautorenschüle zu Breslau, woselbst er bald der Lieblingsschüler deS Oberkantors Deutsch wurde. Dann hat er unter namhaften Gesangskünstlern in Düsseldorf und Köln seine weitere musikalische und gesangliche Fortbildung genössen, wobei er wiederholt als Konzertsänger erfolgreich aufgetreten ist. 1886 wurde er nach Troppan berufen, wo er unausgesetzt als Oberkantor wirkt. AlS ausgezeichneter Fachmann erfreut er sich nicht allein in der Gemeinde der größten Anerkennung, er hat sich auch sonst eine hochangesehene Stellung erworben. In den besten Kreisen aller Bevölkerungsklaffen der Stadt eingesührt, bat er wiederholt bereitwilligst seine Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Seine Gesangsschüler und Schülerinnen genießen einen guten Ruf an bekannten Bühnen. Wie wir hören, treffen der Knltuevorstand und die Vorstände anderer Vereine Vorbereitungen, um den Ehrentag ihreverdienstvollen Jubilar« würdig zu feiern.! Dtir Rekord einer Mischen Schwimmerin. MM Rose Pitinoff. die Tochter eines jüdischen Emigranten aus Rußland, hat vorige Woche in Manhattan (Newyork) mit ihrer hervorragenden Schwimmleistung großes Aufsehen erregt. Sie schwamm von Manhattan bis Coney Island — eine Strecke von 21 Meilen — in acht Stunden. Miß Pitinoff ist heute erst 16 Jahre alt. Zangwikls neues Drama in Amerika. Israel Zangwills neues Drama „The nert Religion" (Die nächste Religion) wird zu Beginn der kommenden Saison auf mehreren großen amerikanischen Bühnen zu gleicher Zeit zur Aufführung gelangen. Sir Mosetz Erekrels neuestes Werk. Der in Rom lebende amerikanisch-jüdische Bildhauer Sir Moses Ezekiel hat soeben von der Stadt Baltimore den Auftrag erhalten, eine lebensgroße Statue des berühmten Dichters Edgar Allan Poe auszuführen. Bas Adelsdiplom Jakob Bassevi’s vom 18. Jänner 1622 Mitgeteilt von Dr. Ign. Schwarz. Wir besitzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert eine Reihe von kaiserlichen Gnadenbriefen, die für österreichische Juden — in1 erster Reihe für sogenannte «hofbefreite* oder kurz Hofjuden — ausgestellt, den Zweck hatten, das Verhältnis des-mit der Begnadung Beteilten zum Hofe, zu den Behörden seines Aufenthaltsortes — zumeist kommt nur Wien und Prag in Betracht — und zu seiner Religionsgemeinde zu fixieren. Sie sind ihrem Inhalt nach fast alle gleich und bieten in ihrer formelhaften Ausfertigung üurch die in ihnen enthaltenen Namensangaben höchstens für die jüdische Familiengeschichte besonderes Interesse. Die Standeserhöhung der Familie Bassevi vom Jahre 1622 unterscheidet sich wesentlich von allen uns bisher bekannten -Begnadungen von-Juden in Oesterreich. Abgesehen von. dem aus -dem .Jahre =1599 -stammenden Schutz- und Schirmbrief für Jakob Bassevi und seine Familie und der Bestätigungderselben aus dem Jahre 1611 bedeutet-das Diplom vom Jahre 1622 —- selbst wenn man seine Erteilung-vom Gesichtspunkte der Zeit} des staatlichen Geldbedürfnisses und der billigen Opfer, die man zu seiner Befriedigung brachte, betrachtet — immerhin eine im. 17. Jahrhundert beispiellose Auszeichnung eines österreichischen Juden. Wir kennen vorläufig nicht die näheren Umstände, denen die Nobilitierung Bassevis — selbstverständlich ohne die Prärogativen des christlichen Adels — ihre Entstehung verdankt; sicher ist jedoch, daß s e ganz besondere Verdienste lohnen sollte, Verdienste in der Art jener des berühmten Mordechai Meisel, der in den Jahren 1598 - 99 dem Kaiser Hunderttausende vorgestreckt hat. Lange wird jedoch die Sonne der kaiserlichen Gnade auch die Familie Bassevi nicht beschienen haben; schon 1636, nach dem Tode Jakob Bassevi’s, scheint, wie im Falle Meisel im Jahre 1601, der Fiskus die Hand nach dem Vermögen des Verstorbenen ausgestreckt zu haben. Nach der Kommissionsrelation an den Kaiser vom 26. März 1636 (Hofkammerarchiv D. I, 5) «auf weilant Jacoben Bassevi hinterlassenen Erben ' und Leons Bassevi sambt Consorten Prager Juden gehorsamst gebeltene Eröfnung ihrer sequestrirten Handelsgewelber und Götter ergangene gnediiste Resolution» wurde den Bassevi’s mitgeteilt, daB der Sequester unter der Bedingung aufgehoben wird, «wann sie von 50 biss in 60,000 Gulden in baarem Geldt, Gold- oder Silbergeschmeid oder sonsten annehmliche Bürgschaft würden gelaistet haben». Auf ihre Einwendung, daß «ihr Vermögen sich bei weitem auf jetzt bemelte Summa nicht erstreckhte, sie auch unterschiedlich und allein Ihrer Kay. Mat. wegen dess Fridlanders (Wallenstein) 40,000 Gulden schuldig wehren», wird verfügt, daß ihr Handelslager inventiert und geschätzt und die Schätzungssumme als Kaution deponiert werde. Die Schätzung «durch angesessene Hoffhandls und Kauffleute* ergab 40,711 Gulden, 38 kr., 4'/, dn.; die Kommissäre bestanden jedoch auf eine Kaution von 50,000 Gulden, die dann auch bei dem Richter der Altstadt (42,000 fl. in barem «mit anderen Juden» und 8000 fl. als Sicherstellung auf Grundstücke) erlegt wurden. * Da das Adelsdiplom Bassevis seinem ganzen Inhalt nach bisher nicht im Druck vor liegt, dürfte die Mitteilung desselben nach der kollationierten Abschrift aus dem Jahre .1688 (Hofkammerarchiv D, I, 5) von Interesse sein. Das Diplom hat folgenden Wortlaut : Wir Ferdinand etc. etc.Bekhenen öffentlich mit diesem Brief! und thuen khundt Jedermeniglich : DemnachUnnss Jacob Bassevi Judt alleruntertbenigist zu verstehen gegeben, waasmassen weylandt der durchleuchtigiste Fürst und Herr, Rudolph der Andre, Römischer Kayser, auch zu Hungara und Böheimb König, Erzherzog zu Oesterreich etc. hochs-eligisten Angedenkhens noch in verschienen 1599 sten Jahre ine Basaevi, sambt seinem Weib, Kindtern, Töchtermännem und ihren angehörigen Haussgesindt und Dienern, auch ihren Leiben, Haab und Guettern in Ihrer May. und Lieb len besonder Gnadt, Versprach, Schutz und Schirm angenomben und benebens mit andern Privilegien undt Freyheiten begabt, welche auch weylandt der durchleuchtest Fürst und Herr Matthias Römischer Kaysser, auch König zu Hungarn und Böheimb, Unsser freundlich geliebter Vetter und Vatter, und nechster Vorfahr am Reich und löblichen Hauss Oesterreich Christseeligister Gedechtnus den 18. August! und Fr^ytags nach Bartholomei des verwichenen 1611. Jahres gnedigist confirmieret, zu dero Hoffjuden in Schutz und Schirm allergnedigist aufgenomben und mit noch andern Immuniteten und Begnadung fürgesehen, alles mehrem Inhalts und Aussweisung seiner von Höchstgedachter Ihrer Maj. und L ehden ihme ertheilten und Unnss in Original! fürgebrachten Freyheiten und Privilegien und unss darauf jetztbesagten Judt Jacob Bassevi demuetigistes Fleiss angelangt, auch allerundterthenigist gebetten, dass Wir, als jetzt regierender Römischer Kaysser, auch Herr und Landtsfürst ine gleichergestalt zu Unnssera Hoffjuden an- und aufzunemben und ihme vorberührte seine Hofffreyheiten in allen ihren Puncten, Claussulen und Articlen nicht allein zu confirmiren und zu bestellen, sondern auch mit noch mehrem Gnaden, Exemptionen-und Befreyungen gnedigist fürzusehen und zu begaben gerueheten. Dass haben Wir angesehen solch sein undterthenig demuethigiste Bitt, auch seinen bishero geführten ebrbahren, aufrechten und redlichen Wandel, wie nitweniger die getreu, nutz- und erspriesslich Dienst, so er eine guete Zeit bero. in Beförderung Unserer Kay. Königl. und Landtsfürstl. Regalien und Intrada, durch allerhand! eröffnete Mitei gehorsambist etzaigt und bewissen, solches noch täglich thuet und hinführo mit ebeumessiger Treu zu erzaigen des undthertenigisten Erbiettens ist, auch wohl thuen soll und mag, Und darumben aus dissen und andern Unnss fürg^brachten und dazu bewegenden Ursachen, auch angebohraer Guette und Müdigkeit mit wohlbedachtem Mueth, guetem zeitigen Rath und rechten Wissen ihme, mehrbemelten Jacob Bassevi sambt gedachtem seinem Weib, Kindtern, Töchtermännem und allen ihren ungehörigen Hauseesindt und Dienern zu Unsserm Hoffjuden in Schutz und Schirm nicht allein gnedigist an- und aufgenomben und. alle seine von mehr Höcbsgedacht Unseren Vorfahren am Reich, Römischen Kaisern, auch Königen und Erzherzogen erlangte Privilegien, Freiheiten und Immuniteten alles ihres Inhalts und Begriffs aus Römischer Kay. und Landtsfürstlicher Machtvollkommenheit confirmiert und

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