Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■MAViOie»^.'^Ktamisme^iiBam^xscsri2~-am.^njti£i-%^. .al. Nr. 36 Dr. Blschs WochErist Seite bvL Wir haben einen Ehrengerichtshof als dauernde Institution errichtet und es war keine geringe Mühe, ihn unabhängig und unverfälscht heraus zu bekommen. Und es ist vielleicht kein Zufall, daß Marmorek erst das Kongreß- und Ehrengericht wählen ließ und dann erst die neue Leitung dem Kongresse vorgeschlagen wurde. Ich resümiere. Die Anhänger Theodor HerzlS haben keinen Grund zum Pessimismus, denn wir werden auf dem nächsten Kongresse ohne Rücksicht auf die Landmannschaft als geschloffene Fraktion auf den Plan treten. Was auf dem letzten Kongresse sich zwanglos gefunden hat, eS kann nie wieder verloren gehen. Die Geldinstitute bleiben unter der bewährten schwerfälligen aber sicheren Kontrolle und endlich haben wir ein unabhängiges Forum in Ehrensachen, das wohl einen sicheren Schutz gegen jene Verleumdungen bieten wird, mittels derer man es in Wien versucht hatte, die alten Freunde HerzlS schachmatt zu setzen. Lassen Sie diesen Gerichtshof erst arbeiten und freie Bahn schaffen, dann werden wir ruhig und sicher unsere Arbeit leisten und beweisen, daß man ohne Schimpf uud Unbill, ohne Verdächtigung der Gegner noch immer dem Zionismus neue Kreise erschließen kann. Vom Zabrniarkt des Lebens. Cimi Mithonrtißhe Nachricht Mer die Belagerung mm Jerusalem. In OberägypLen ist, dem „Journal du Caire" zufolge, eine interessante archäologische Entdeckung gemacht worden. Man, hat ein hölzernes Paneel ausgegraben, auf dem eine lateinische Inschrift von 50 Zeilen entdeckt wurde, von denen 35 Zeilen leserlich sind. Diese Schrift zeigt, neben den in Pompeji ausgegrabenen Tafeln, eine der schönsten Spezimen der lateinischen Sprache. Der Inhalt bezieht sich auf die Belagerung Jerusalems durch Defpafian und Titus. Die genannte Zeitung bemerkt hierzu, dass diese Inschrift die erste authentische Nachricht über die Belagerung Jerusalems darstellte und die Erzählungen des Josephus und anderer Historiker bestätigte. Die Fettbauch-Operation im Talmud. Ein Frankfurter Arzt Dr. Stern schreibt der „Frkft. Ztg.": Die Operation des Fettbauchs. wie sie Damarz und Marr (Le progrös medical 1890), und Dr. Schutz 1906 (Mitteilungen aus den Grenzgebieten) bereits mit Erfolg ausgeführt und wie sie neuerdings von Prof. Jolly in ,Berlin vorgenommen worden, ist, wie ich in meinen Schriften „Die Medizin im Talmud" (Frankfurt a, M.. 1909) erwiähnt habe, schon recht alt. Der Tqlmud berichtet im Traktat Baba Mezia, S. .83, dass ein Gelehrter, Rabbi Eleazar, der einen gewaltigen Fettbauch hafte, sich diesen operieren ließ. Der Talmud erzählt in ulkiger Uebertreibung, daß, wenn Eleazar und sein .gleich wohlbeleibter Freund Jsmael sich gegenüber standen, ein Ochsenpaar unter der von ihnen gebildeten Bauchbrücke hätte hindurch gehen können. Man gab dem Rabbi Eleazar einen Schlaftrunk und brachte ihn in einen Marmorraum, dort wurde ihm die Bauchwand gespalten und es wurden einige Körbe Fett von ihm genommen. Bei Lektüre dieser Stelle denkt man an unsere Narkose und an unsere aseptischen Operationssäle. Uebrigens berichtet auch schon Plinius über eine gleiche Operation, welche am Sohne des Konsuls Apronius ausgeführt wurde. Das SabbatpvoMm in Australien. In einem Interview, das der hier erscheinende „Jewish Chronicle" veröffentlichte, äußerte sich ein angesehener Glaubensgenosse gus Melbourne, Mr. Blafhki, in bemerkenswerter Weife über die Sabbatbeobachtung in Australien. Mr. Blafhki meinte: „Das Sabbatproblem ist das ernsteste, dem wir zurzeit gegenüberstehen. In den 70 er und 60 er Jahren, als ich ein Knabe wac, richteten die Rabbiner Ornstein und Davis in Sydney ihr Hauptaugenmerk auf den Sabbat, und sie bemühten sich, energisch und erfolgreich, eine bessere Beobachtung des Sabbats herbetzuführen. In jenen Tagen war es nichts Ungewöhnliches, eine große Zahl von Detail- und Engrosgeschäften am Sabbat streng geschlossen zu finden. Leider wird in den letzten Jahren der Sabbat allmählich weniger beobachtet, so daß die Aufgabe, passende Unterkunft für jüdische junge Leute von religiöser Gesinnung zu finden, immer schwieriger wird. Die Hauptursache dieses Rückganges ist im Grunde der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Geschäftsleute. Biele haben ihre Geschäfte in Genossenschaften oder Aktiengesellschaften umgewandett. Die Gründer ziehen sich zurück oder sterben. und die jüngeren Direktoren betrachten es sozusagen als eine Pflicht gegen ihre Anteilseigner, den Sabbat allmählich zu einem Arbeitstag zu machen. Es ist jedoch bemerkenswert, daß diejenigen Häuser, welche fortgesetzt am Sabbat festhalten, ganz außerordentliche geschäftliche Erfolge haben und daß der Wettbewerb augenscheinlich ihre Lage keineswegs ungünstig beeinflußt. Ich kenne eine Firma in Melbourne, deren Bureaus am Sabbat und an Festtagen streng geschlossen sind und deren Inhaber .am Freitag mittag Punkt 2 Uhr sein Geschäft verläßt, und doch ist das Geschäft eines der erfolgreichsten in der ganzen Stadt. Es ist daher sicher ein Irrtum, zu vermuten, daß der Sabbat den wirtschaftlichen Ruin bedinge. Möglicherweise nähert sich übrigens bei uns das Problem seiner Lösung. Man geht in der Melbourner Geschäftswelt damit um, den Sabbat zu einem allgemeinen Halbfeiertag zu machen, eine Maßnahme, welche wahrscheinlich verwirklicht wird." Mr. Blafhki äußert sich dann noch über den Synagogenbesuch und die religiöse Erziehung in Melbourne, wo es zurzeit drei Gemeinden gibt. Die gesamte jüdisch: Bevölkerung Australiens erreicht übrigens noch nicht 20 000 Seelen. Das „Purim"-Fckst im Etlul. Am 22. Ellul werden die Juden von Gumuldschina in her Türkei ein Fest feiern, das alle charakterWschen Merkmale eines zweiten Purimfestes trägt. Ein Mitarbeiter des „Avenir" hat aus dem Munde eines der ältesten Juden von Gumuldschina über den Ursprung dieses Festes folgendes erfahren: Bor mehr als hundert Jahren, als Rabbi Daniel Alva Oberrabbiner dieser Gemeinde war. wollte eine aus 11 Köpfen bestehende Räuberbande, die unter den Namen Tokadjis bekannt waren, der Stadt Gumuldschina ihren Bandenchef als Gouv erneur aufoktroyieren. Die B ande überfiel die Stadt, drang in das durch eine Ghettomauer eingeschlossene Judenviertel ein, nahm die Führer der Gemeind: gefangen und zwang die Juden, ihnen ihre Nahrungsmittel auszuliesern. Selbst den Sabbat mutzten sie entweihen, um die Wünsche der Banditen zu erfüllen, die bei jeder Widerrede mit der Ermordung der Gefangenen drohten. Um mm die Bewohner der Stadt außerhalb des Ghettos glauben zu machen, daß sie eine große Streitkraft bilden und sie auf diese Weise zur Kapitulation zu zwingen, .zwangen die Räuber die Juden, unausgesetzt Kriegsrufe auszustoßen. Diese merkwürdige Belagerung mit allen ihren Ungeheuerlichkeiten Währte elf Tage. Am 12. Tage verriet eine türkische Frau, die in der Nähe des Ghettos wohnte und die Banditen in das Ghetto eindringen sah, daß sie im ganzen 11 Mann hoch seien und daß das Kriegsgeschrei wahrscheinlich von den in Angst gehaltenen Juden herrühre. Die Bevölkerung von Gumuldschina