Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 589 neuen Funktionär ins Amt ein. Nach dem Gottesdienste bereiteten die Bethausbesucher Herrn Kantor Kaufmann freundliche Ovationen, in welchen die allgemeine Befriedigung über die vom Vorstande getroffene Wahl zum Ausdrucke kam. Wien. (Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen.) Die Anmeldungen zur Aufnahme in die älteste, feit dem Jahre 1868 bestehende Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen (mit Oeffentlichkeitsrecht), welche mit einem Bildungsknrse für Bonnen verbunden ist, werden vom 1. bis 20. September im Anstaltsgebäude, II., SchiffamtSgasse l5, entgegengenommen. Die Aufnahmsprüfungen finden am 14. und 21. September statt. Wien (Poale-Zion.) Samstag am 2. September l. I. wird im Vereinslokale Cafe Stefanie, II, Stefaniestraße 2, eine Versammlung stattfinden, auf welcher die Gen. Kaplansky und Chazanowiez über den X. Zionistenkongreß referieren werden. Beginn präzise 8 Uhr abends. Das Erscheinen oller Parteigenossen Pflicht! Gäste herzlich willkommen. Austritte aus dem Judentum Vom 20. August bis inkl. 26. August 1911. # Aüsterlitz Guida geb. Löwenstein, geb. 1878, Liebau, Rußland, 111., Seidlgasse 29. Eissler Josef, Buchhandl.-Gehilfe, geb. 24. Dezember 1882, Brünn. IV., Starhemberggasse 41. Heller Rudolf, Musiker, geb. 18. Auguzt 1886, Wien, XIV., Kauerhof 10. Libon Jakob, Advokat, geb. 18. November 1873, Nemirow, Rußland. 11., Kl. Stadtgutgasse 4. Libow Isaak, Provisor, geb. 19. April 1880, Nemirow, Rußland, II., Kl. Stadtgutgasse 4. Minkus Josef, Priv.-Beamter, geb. 2. Jänner 1885, Wien, XX., Wallenst6instr<nss0 5 ., Loebel Friedrich, Realschüler, geb. 21. März 1896, Bielitz, XIII., Zehetnergasse 4. Österreicher Karl, Magazineur, geb. 29. Mai 1886, II., Floßg. 1. Palmay Stefan, geb. 19. März 1885, Budapest. Pick Kathi, Private, 1. Februar 1892, Wien, VII., Schottenfeldg. 17. Pollak Johanna, Dienstmädchen, geb. 6. Oktober 1873, Wien, VII., Kaiserstrasse 40. Wertfried Friedrich Moriz, Kaufmann, 24. September 1880, IV.. Wiedener Hauptstrasse 12. Maris. (Auszeichnung für Dr. Zamenhof.) Wie der Pariser „Matin" zu inelden weiß. wurde dem beim internationalen Esperantisten-Kongreß in Antwerpen weilenden Erfinder des Esperanto, Dr. Zamenhof. die offizielle Mitteilung gemacht, datz ihm der König von Spanien den Isabella-Orden verliehen habe. Prag. Herr Dr. S. Ehrenfeld, k. k. Professor in Prag-Kgl. Weinberge, Sohn des Herrn Oberrabbiners Doktor N. Ehrenfeld in Prag, hat sich mit Fräulein Ereile Levy in Straßburg i. Elsaß verlobt. Krakau. Nach langem Leiden verschied Sonntag den 20. d. M. nachts Frau Rachel Holzer, geborene Karmel, eine durch Herzensgüte und ausgezeichneten Wohltätgkeitssiun allgemein geschätzte und bekannte, edle Greisin. Montag wurde sie unter sehr zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen und allgemein betrauert. Am Friedhofe fand sich die Elite der Gesellschaft ein, darunter der Präsident der Handelt- und Gewerbekammer Herr Kommerzialrat M. Dattner N. v. Wlodek samt Gemalin, rc. rc., und wurde daselbst eine ergreifende Trauerrede vom Talmudisten Mendel Danaschek abgehalten. Die Verstorbene hinterließ zwei Söhne, finanzielle Persönlichkeiten, und zwar den bekannten Meister der hebräischen Sprache, kaiserlichen Rot I. Holzer, und Sigmund Holzer, Direktor der hiesigen Filiale der Bank» und Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft «Merkur" in Wien. Avad« Herr Sandor W e i s z aus Wien wurde nach einem mit großem Beifalle abgehaltenen Probevortrage einstimmig zum Oberkantor-Stellvertreter gewählt. Zur Geschichte der Kephardim in Bosnien. Ueber den Zeitpunkt, in dem sich die sephardischen Juden in Bosnien ansiedelten, ist bisher wenig Authentisches bekannt geworden. Die Quellen, aus denen der Forscher schöpfen konnte, waren unzugänglich. Chroniken gab es nicht, oder nur unvollkommene, und dann waren diese entweder in türkischer oder spaniolischer Sprache verfaßt. Die wenigen Kenner beider Sprachen wieder zeigten nur wenig Forschungsdrang!. Erst den jüngsten Tagen war es Vorbehalten, in das Dunkel der Geschichte der sephardischen Juden in Bosnien hineinznleuchten. Ein junger Sarajewoer Spaniole, Dr. Moritz Levy, hat sich der großen Mühe unterzogen, über die Geschichte seines Volkes in Bosnien an den zugänglichen Quellen Studien zu pflegen und das Resultat derselben in einem Buche: „Die Sephardrm in Bosnien" zu publizieren. Die ältesten schriftlichen Belege für die Ansiedlung spaniolischer Juden in Sarajewo stammen aus dem Fahre 1565. Sie bestehen aus drei Protokollen über Gerichtsverhandlungen, in denen Süden gegen Muselmanen als Kläger an,traten und die Prozesse gewannen. Freilich hatten die Geklagten zugegeben, daß die Kläger im Liechte waren. Alte Grabsteine auf dem ehrwürdigen spaniolischen Friedhof in Sarajewo tragen die Inschrift 5311 der jüdischen Zeitrechnung (1551). Es muß also schon früher eine jüdische Gemeinde gegeben haben. Besonders angenehm dürften ihre Beziehungen zu der einheimischen Bevölkerung wohl nicht gewesen sein, denn sie baten alsbald den Bali Siawufch Pascha, nach Doktor Levy ein Ungar, wenn nicht gar ein zum Islam übergetretener ungarischer Jude, ihnen einen eigenen Stadtteil, ein Ghetto, als ständigen Wohnsitz anzuwelsen, was der Pascha auch bereitwillig tat, indem er einen „Dan" erbaute und diesen den Juden gegen eine „Mukata". einen festen jährlichen Mietzins überließ. Hier waren sie vor den Verfolgungen fanatischer Gassenjungen sicher, und das soll auch das Motiv gewesen sein, das den Pascha beim Baue des Ghettos leitete, dessen Ruinen noch heute unter dem Namen „Tschifuthana" gegenüber über der großen Begova-Moschee zu sehen sind. 2m geistigen Leben der Balkanjuden nahm Sarajewo bald eine hervorragende Stelle ein und war der Schauplatz heftiger religiöser und sonstiger Kämpfe. Hier hauste einer der Führer der Sekte der Sabbatianer. Nehemias Chija Chajon, ein abenteuernder Geselle, der in der Folge die westeuropäischen Hauptstädte bereiste und als angeblicher Kabbalist sogar von Kaiser Karl IV. in Audienz empfangen wurde. Ein zweiter großer Gelehrter, der Sarajewo zum Wohnsitze erwählt hatte, war der frühere Rabbiner von Ofen und zuletzt Großrabbiner von Amsterdam, Chacham Zewi, der Sarajewo verließ, als die Armee des Prinzen Eugen von Savoyen die Stadt belagerte (1697). Chacham Zewi hatte feine Eltern bei der Belagerung von Ofen, das die dortigen Juden den Türken verteidigen halfen, verloren und war von dort nach Sarajewo gegangen. Unter den späteren Rabbinern Sarajewos haben die Namen David Pardo und Mose Pereira einen in der jüdischen Literatur anerkannt guten Klang. Mose Pereira war der erste .Chachambaschst (Oberrabbiner), der im Jahre 1839 mittels besonderen Fermans des Sultans bestätigt wurde und als der gesetzliche Vertreter seiner Konfession beim Vali galt. Die Lage der bosnischen 2uden war während des ottomanischen Regimes im allgemeinen keine ungünstige, die einheimische Bevölkerung war ihnen gewogen, namentlich der bosnische Adel gewährte ihnen allezeit bereitwilligen Schutz gegen die Ueberg,risse der ottomanischen Behörden. Dem Sultan zahlten sie den „Haratsch". eine nicht zu hoch bemessene Kopfsteuer, waren dafür aber das beliebte Ausbeutungsobjett der Veziere. Außer dem Haratsch mußten sie noch eine Art Verpflegssteuer, die „Komora" bezahlen. Von dieser wurde die Bequartie-