Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 690 Dr. Blochs WochMchrift Nr. 36 rung, Verpflegung und die Reife des jeweiligen Veziers bestritten. Daß es nicht dabei allein blieb; dafür sorgten schon die Veziere nach Grüften. Die Juden muhten verhältnismäßig hohe Loskaufsummen für die Befreiung von Frondiensten entrichten. Aber auch die Kadis verstanden die Brandschatzungen der Juden, gleich den mittelalterlichen Feudalherren des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Ration. Das Tragen gelber Stiefel war ein Vorrecht der vornehmen Mohammedanerinnen. Lieh sich eine spaniolische Jüdin Leifallen, mit gelben Stiefeln auf die Straße ^zu gehen, war das Auge des Gesetzes flugs geöffnet und man diktierte eine Strafe von 482 Pulen dafür. Ferner bekam der Kadi aus demselben Anlasse ein Pönale von 40 Groschen, der Mutesselim, damit er auf die Fußbekleidung der Jüdinnen recht aufpasse 13, und der Haznadar (Kassier) ebenfalls 16 Groschen. Dah sowohl Juden wie Christen verboten war, in der Stadt und in deren Weichbilde zu reiten und außerhalb b,er Stadt mit glänzendem Metall beschlagenes Zaum- und Sattelzeug zu beMtzen, ist bekannt. Für Geld und gute Worte durfte dieses Verbot jedoch umgangen werden. Als im Jahre 1804 der Lhacham (Rabbiner) David starb, erlaubten Kadi und Mutesselim den Leidtragenden, die Leiche zu Pferd zu begleiten, wofür eine Tare von. 22 Groschen entrichtet wurde. Wie erfinderisch die türkischen Beamten in der Erschließung neuer Erwerbsquellen waren, darüber gibt das Pinakes vom Jahre 1748 Aufschluß. Eine Türkin war aus irgend einem nicht näher bezeichneten Grunde zum Tode verurteilt worden. Der Polizeiwachkommandant (Buljukbascha), der auch das Amt eines Scharfrichters versah, hatte den ingeniösen Einfall, die Frau am Tore des Ghetto aufhängen zu wollen, wenn die Juden sich durch Geld nicht loskauften. Gegen den Erlag von 4000 Pulen vollzog er die Hinrichtung an einem anderen Orte, aber der Usus blieb bestehen. Einer der bösesten Blutsauger war der Vali Ruschdi Pascha, dessen Name in Sarajewo von den spaniolischen Juden alljährlich mit einem Freudenfeste zur Erinnerung an die Befreiung von großer Rot verbunden wird. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übertrat in Travnik, der Residenz des Bali, ein Jude infolge von Zwistigkeiten in seiner Familie zum Islam, und trat überdies in einen Derwischorden ein. Im Volke wurde er als Frommer und Wundertäter verehrt, und er benützte diesen Nimbus zu allerlei Betrügereien. Und weil die Juden bestrebt waren, ihn zu entlarven, leitete er eine Hetze gegen seine früheren Glaubensgenossen ein, unter der sie viel zu leiden hatten. Der Vali Derwisch Mustafa Pascha, verschaffte sich die Ueberzeugung von den Betrügereien des Renegaten und lieh ihn kurzer Hand hinrichten. Äls der Vali bald darauf abberufen und durch Ruschdi Pascha ersetzt wurde, der im begründeten Rufe großer Geldgier stand, verklagten die Travniker Türken die Juden als die Schuldtragenden an der Hinrichtung des für einen Wundertäter gehaltenen Derwisches (1819). Ruschdi Pascha begab sich sofort nach Sarajewo und ließ die angesehensten Juden, mit dem Rabbiner, einkerkern, wobei der Gemeinde eine Sühne von einer halben Million Groschen (48.000 Kronen) auferlegt wurde, und zwar in Begleitung der Drohung, die gefangenen Notabeln am nächsten Samstag hinrichten zu lassen, wenn das Geld nicht binnen drei Tagen sich in seinem.Besitze befinde. Aber es sollte anders kommen. Ein angesehener greiser Jude machte am Abend vor der Hinrichtung die Runde durch alle Kaffeehäuser, in denen sich die angesehensten Moslims der Stadt zu versammeln pflegten, und bat in beweglichen Worten um Hilfe. Seine Bitte war nicht vergeblich. Mit dem Morgengrauen versammelten sich 6000 wohlbewaffnete moslimische Notable vor dem Absteigquartier des Pascha; erstürmten den Kerker und befreiten die Gefangenen. Der Pascha selbst rettete sich mit genauer Not durch eine Hintertür und entkam nach Travnik. Ueber Einschreiten der Sarajewoer Moslims wurde er bald daraus nach Kleinasien verbannt. Literat«». Im Verlage J. Kauffmann, Frankfurt a. M., Börnestrasse 41, sind erschienen : Hirschfefd, Die Lebensweisheit der talmudisehen Literatur. Die beiden Heftchen zeigen, wie viel Schätze aus dem neuerdings von Weinberg, Klemperer und Anderen wieder bearbeiteten Boden noch immer zu heben sind. Kuttner, Biblische Lebensbilder. Wir wissen nicht recht, auf welche Kreise dieses Buch berechnet ist. Ohne einei^ solchen Hinweis ist sein Zweck nicht leicht zu erkennen. Herzberg, Hebungsbuch. Ein neuer Beweis, wie eifrig in der letzten Zeit die Probleme des jüdischen Religionsunterrichtes praktisch behandelt werdeD. Franz Adam BeyerDin, Similde Hegewalt. Ullstein u. Co. Berlin SW 68. Mk. 1—. Der Verfasser von „Jena oder Sedan“ bietet in dem vorliegenden Roman eine erschütternde Tragödie der Erziehungspfuscherei. Doch ringt sich der gute Kern seiner Heldin endlich zum Siege durch. „Vas freie Wort“. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Begründet von Karl Saenger. Herausgegeben von Max Henning. Erstes Septemberheft 1911. XL. Jahrgang, Nr. 11. Inhalt: Zwei Tagungen. — Eck wart: Deutschland verstehe und handle! — Fei dinand Tönnies: Vom Keplerbuude. — Philalethes: Das Götzenfest in Madrid. — Dr. B.: Fine Zuchtrute des freien Wortes. —Dr. Walther Weibel: „Italien von heute.“ — Prof. Arthur D r e w s: Ecce Deus. — Erich Erichs : Die grosse Täuschung. — Kleine Mitteilungen. — Neuer Frankfurter Verlag G. m. b. H. Frankfurt am Main, „Die Hilfe.“ Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Nr. 34. 24. August 1911. Aus dem Inhalte : Paul B o h r b a c h : Marokko und das nationale Interesse. — Adolf Rein, London: Die englischen Streiks. — K Bernhard Walther: Sächsische Scbulkämpfe. — Hermann K ö t s c h k e : Eine Reise in die Ostmark III. — Josef Leute: Die Entrechtung des Mieters.— Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Gottfried T raub: Wie’s gemacht wird. — Hans Wantoch: Gelehrte Berufe. — Theodor H e u s s: Englische Reise II. — Wilhelm Schäfer: Der Spazierstock. — Walter A s s m u s : Wiener Volksbildungswesen. — Büchertisch. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“ Berlin-Schöneberg. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XII. Jahrgang, Nr. 17, Prag, den 25. August 1911 (l. Elul 5671). Inhalt: Heinrich G r ü n a u: Aufmunterung. — Ben J e h u d a: V. Buch Moses, Kap. 20. — J. Infeld: Elischa ben Abuja. — L. P.: Die alte Trommel. (Illustrationen) — Leopold Konipert: Korporal Spitz. (Fortsetzung.) — Agnes Arnstein: Der Wert des Lernens. — Aus den hinterlassenen Papieren eines alten Lehrers. — Aus aller Welt. — Plauderecke. — Uebersetzungsaufgabe. — Rätsel und Rätsel-Auflösungen. — Redaktion und Administration: Prag, II, Stephansgasse 630. Le Traducteur, The Translator, II Traduttore, drei Halbmonatsschriften zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Leute, die schon ausser der Schule stehen, finden in diesen Blättern Gelegenheit, ihre Kenntnisse der fremden Sprachen zu festigen und zu erweitern, ohne das lästige und zeitraubende Lexikonwälzen anwenden zu müssen, da jedem Artikel eine Uebersetzung gegenübersteht oder unbekannte Vokabeln unter dem Texte angegeben sind. Gediegene Aufsätze und Erzählungen klassischer und moderner Autoren wechseln mit Gesprächen aus dem täglichen Leben ab, die in ausgiebiger Weise der Umgangssprache Rechnung tragen. — Probenummern für Französisch, Englisch oder Italienisch kostenfrei durch den Verlag des „Traducteur in La Chaux-de-Fonds (Schweiz). Krirfkaftr« M. P. Auf Ihre Anfrage über die Familie Baffevi teilt uns Herr Rabbiner Dr. Grunwald das Folgende mit: Unter dem 16. Sept. 1622 wird (k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv, auch Archiv des Ministeriums des Innern, IV. T. 1) aus Wien berichtet: „Ir.