Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 588 Dr. BWHs WochMschrift Nr. 35 Rechtsanwälte in den einzelnen Gerichtssprengeln verringert werden. Nach dem Gesetzentwürfe dürfen in einem Gerichtssprengel nicht mehr als 5 Prozent jüdische Advokaten tätig sein. Nordaus Kongre^re-e in Rußland könfrszierL. Das Odessaer russische Tagblatt „Odeßkij Novosti" brachte einen ausführlichen Bericht über die Eröffnung des Zionistenkongreffes und veröffentlichte den ganzen Wortlaut der Rede Dr. Mar Nordaus über die Notlage der Juden in den verschiedenen Ländern. Wegen dieser Rede, die besonders heftige Angriffe auf die russische Regierung enthält, wurde die betreffende Nummer des Blattes konfisziert und gegen den Herausgeber das Verfahren eingeleitet. Vc'rtveibuM der bucharffchm und afghanischen Juden, Ein Bericht aus Petersburg vom 23. August meldet: Die administrative Behörde des transkaspischen Gebietes erlich eine strenge Verordnung, wonach sämtliche bucharischen und afghanischen Juden bis spätestens 1. September dieses Jahres Rußland verlassen müssen. Juden, welche von dieser Maßregel getroffen sind und nach der erwähnten Frist auf russischem Gebiete angetroffen werden, werden administrativ bestraft und zwangsweise aus dein Lande gewiesen werden. De«r Sabbat der Mischen Soldaten. Nun ist die Frage der Freigebüng des Sabbats an die jüdischen Soldaten in der Türkei endgiltig — und zwar zu Ungunsten derselben — entschieden. Der türkische Kriegsmmister hat nämlich, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, das Großrabbinat offiziell verständigt, daß auf Grund einer formellen Ordre für sämtliche Soldaten ohne Unterschied der Konfession der Freitag als dienstfreier Tag bestimmt würde. Den. Juden werden am Samstag und den Christen am Sonntag zwei Stunden freigegeben, um ihren Gottesdienst absolvieren zu können. Das Jubiläum Mer gelehrten Jüdin. Vorige Woche feierte in Petersburg die auch außerhalb Rußlands bekannte jüdische Aerztin Frau Dr. Mirjam Raskin das 25 jährige Jubiläum ihrer wissenschaftffchliterarischen Tätigkeit. Frau Dr. Raskin ist die erste Assistentin der Poliklinik der Fürstin Helena Pawlowna und hat sich durch ihre wissenschaftlichen Forschungen auf dem Gebiete der Bakteriologie einen besonderen Namen erworben. Seit 15 Jahren hält sie in der Poliklinik Vorlesungen über ihr Fach. Sie war auch viele Jahre hindurch Redaktrice der Encyklopädie für reale medizinische Wissenschaft. Unter dem Pseudonym „Morskaza" schrieb sie eine große Anzahl in Rußland sehr beliebter Erzählungen und Skizzen für die Jugend. llermisebres. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Daniel Bachrach in Wien das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. — Dr. Daniel Bachrach, ein sehr bekannter und geschätzter Advokat, führt seine Kanzlei gemeinsam mit seinem Bruder, dem Regierungsrat und Geheimen Justizrat Dr. Adolf Bachrach, und mit Dr. Paul Abel. Wien. Sonntag den 3. September d. I., präzise 4 Uhr nachmittags, findet die feierliche Eröffnung der neuen Vereins- und Bethauslokalitäten des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien, II., Malzgaffe 1, statt. Wien. (Todesfall.) Sonntag früh ist im Sanatorium Fürth der Journalist Artur Wilhelm im 36. Lebensjahre nach langer Krankheit gestorben. Artur Wilhelm wurde am 14. März 1876 zu Wien geboren und trat nach Absolvierung seiner Studien als Redakteur in die von seinem Vater, dem kaiserlichen Rat Ignaz Wilhelm, geleitete ^Korrespondenz Wilhelm" ein. Seit der Gründung der „Zeit" gehörte er durch sieben Jahre dem Redaktionsverbande des Blattes an und erwies sich als tüchtiger und begabter Redakteur. Im Jahre 1908 übersiedelte er nach Berlin, arbeitete bis zum Jahre 1909 beim „Berliner Lokalanzeiger" und erwies sich auch in den für ihn neuen Verhältnissen als sehr gewissenhaft und verwendbar. Dann kehrte er nach Wien zurück, blieb wieder bis zu seiner im März l. I. erfolgten Erkrankung im Redaktionsverbande der „Zeit". Das Leichenbegängnis fand am 27. d. unter großer Beteiligung am Zentralfriedhof statt. In der Zeremonienhalle hatten sich außer dem tiefgebeugten Vater kaiserlichen Rat Ignaz Wilhelm und Gattin sowie der übrigen Familie eingefunden : der Polizeipräsidentstellvertreter Hofrat Freiherr v. Gorup, Regierungsrat Kamillo Windt, der Vorstandstellvertreter des Sicherheitsbureaus Oberkommissär Dr. Schultz, Oberkommissär Dr. Klose vom Polizeipräsidium, der Herausgeber der „Zeit" Professor Doktor Isidor Singer mit den Redakteuren Werkmann und Hofmann, der Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Dr. Siegmund Ehrlich mit dem Ausschußmitglied kaiserlichen Rat Dr. Kronfeld, kaiserlicher Rat Penizek, Bethausvorsteher Theodor Kohn. Nachdem Oberkantor Kläger, assistiert vom ersten Kantor Pekarnik und dem Chorpersonal, die Psalmen ergreifend zum Vortrag gebracht, hielt Rabbiner Dr. Gelbhaus einen gefühlvollen Nachruf, in dem er den guten Charaktereigenschaften des Verblichenen Gerechtigkeit widerfahren ließ und der Familie Trostesworte spendete. Dann wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte getragen. Am offenen Grabe sprach Professor Dr. Singer namens der „Zeit" einen kurzen Nachruf, in dem er die hervorstehendste Tugend Wilhelms, seine Pflichttreue, rühmte und seine journalistischen Fähigkeiten hervorhob. Er nahm von dem Toten im Namen der Kollegen rührenden Abschied. „Dann fielen die Schollen auf das Grab, das eine Anzahl Kränze schmückte. Wie«. (Todesfall.) Am 30. August früh ist in seiner Wohnung in Döbling der Herausgeber der „Korrespondenz Herzog", Herr Wilhelm Herzog, im 65. Lebensjahre gestorben. Herzog war am 25. August 1846 geboren und hat sich in jungen Jahren der Journalistik zugewendet. Er hat sich bei der von seinem Bruder herausgegebenen „Montagsrcvue" betätigt und dann die „Korrespondenz Herzog" begründet, die er zuletzt gemeinsam mit seinem Sohne Philipp leitete und zu einem wertvollen Nachrichtenbureau ausgestaltete. Wilhelm Herzog gehörte Zu den besten Wiener Journalisten, ein bescheidener Mann, der nur seinen Pflichten lebte und bis in die letzten Tage, als er schon als schwerkranker Mann in Zell am See lag, es sich nicht nehmen ließ, seinem Berufe zu dienen. Alle Freunde und Bekannten des Hingeschiedenen — und sie sind sehr zahlreich, denn lange Jahre hat Herzog als Publizist gearbeitet — werden dem sympathischen Manne ein warmes Andenken bewahren. Das Leichenbegängnis findet heute um 11 Uhr vormittags von der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes (israelitische Abteilunglaus statt. Wie«. Der vortreffliche Erste Kantor am Gemeindetempel im XVI. Bezirke, Herr M. Matyas wurde bekanntlich an Stelle des bereits vor längerer Zeit in den Ruhestand getretenen Ersten Kantor I. Schiller in den Stadttempel versetzt. Zu seinem Nachfolger im Ottakringer Gemeindebethause ist nun nach mehrfachen Probevorträgen von Bewerbern, über einhelligen Antrag des Bethausvorstandes und der Bezirkskommission. Herr Kantor M. B. Kaufmann vom Geisttempel in Prag bestellt worden, der am vergangenen Freitag sein Amt angetreten hat. Kantor Kaufmann, der aus dem Wiener Konservatorium hervorgegangen ist, vereinigt mit herrlichen Stimmitteln und hoher musikalischer Bildung gründliches hebräisches Wissen und besondere Innigkeit im Vortrage. Mit einer herzlichen Begrüßungsansprache führte der Obmann-Stellvertreter des Bethausvorstandes, Herr Weiler den