Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 584 Dr. Blochs WochMchrift Nr. 35 Für das „Kinderheim für verkrüppelte Kinder" in Laa und für den „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenhort" erschien Herr kais. Rat. Krüger. Die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen, das Allgemeine österr. - israel. Taubstummen - Institut, der Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender hatten gleichfalls Adressen übersandt, die jüdisch-akademische Lese- und Redehalle war durch die Herren pliil. Hirsch! und jur. Schick, der jüdische Kolonisationsverein sür Palästina, dessen Ehrenmitglied Dr. Stern ist, durch den Sekretär Hart mann vertreten. Die Insassen des Versorgungshauses hatten eine Deputation, bestehend aus drei Männern und drei Frauen, entsendet, um dem Präsidenten für seine ganz besondere Fürsorge für das Versorgungshaus zu danken, die er auch durch die in Gemeinschaft mit seinem verewigten Bruder Herrn Julius Stern seinerzeit zum Ausbau des Versorgungshauses errichtete Stiftung werktätig bekundete. Der Verein „Kinderbewahranstalt" (Präsidentin Frau Sarah von Stern) widmete dem Jubilar eine geschmackvoll ausgestattete, mit einem Bilde des Gebäudes der Kinderbewahranstalt geschmückte Schreibmappe. Die unter Aufsicht des Herrn Oberlehrers Bader in Pohrlitz untergebrachten, unter der Obsorge der Kultusgemeinde stehenden 21 verlassenen Kinder sandten einen herzlichen Glückwunsch in Versen. , Sichtlich erfreut war Präsident Dr. Stern durch die Gratulation, die ihm eine Anzahl von aus den vier jüdischen Waisenhäusern Wiens und aus der von der Kultusgemeinde errichteten Heimstätte für verlassene Kinder entsendeten Zöglingen überbrachte. Die Kinder boten durch ihr gesundes und gepflegtes Aussehen einen herzerfreuenden Anblick. Rührend war es, als eines dieser Kinder mit bewegter Stimme nachstehenden Festgruß vortrug: Wo beut: sich alles zu Dir dränget, Dir Jubel wünsche darzubiingeu, Da mög’ Dir auch aus Kindermund Vom Herzen heisser Dank erklingen. Du hast uns, da wir ganz verlassen, Fürsorglich in ein schützend Heim gebracht, Wo uns nach schweren bitt’ren Tagen Des Glückes Sonne wieder lacht. 0, mög’ der Herr, der die Gestirne lenket, Dich, „uusern Stern“, mit Glück bedenken Und Dir noch, wie es unser Herz erfleht, Ein Lehen reich au schönen Jahren schenken. Nach den Empfängen war Dr. Stern im Villengarten, wo die Festgäste sich zu einem vom Restaurateur R a u s n i tz beigestellten opulenten Buffet zusammcnfanden, noch Gegenstand zahlreicher, herzlicher Ovationen. Mit den vom Oberkantor Morgen st ein zu Ehren des Präsidenten, Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n, der Familie des Jubilars, des Badener Kultuspräsidenten M. L e i t n e r und des Nestors der Wiener Kantoren, Oberkantor kais. Rat Singer, in alttraditioneller Weise vorgetragenen Mischeberachs fand die allen Teilnehmern unvergeßliche Feier ihren Abschluß. Von Körperschaften gratulierten in Adressen, Telegrammen und Zuschriften: Die niederöstcrr. Advokatenkammer, die niederösterr. Handelskammer, die Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches'Böhmen. der Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. — Die Kultusgemeinden in Bielitz, Brody, Brünn, Eibenschitz, Essek, Franzensbad, Friedek-Mistek, Gablonz, Graz, Jglau, Innsbruck, Jungbunzlau, Karlsbad, König!. Weinberge, Lcipnik, Lemberg, Mähr.-Weißkirchen, Mistelbach, Mödling. St. Pölten, Prag, Tachau, Tarnopol,"Tischen, Troppau, Ungar.-Brod, Wr.-Neustadt. Humanitäre Vereine und Anstalten: Baronin Hirsch Kaiser- Jubiläums-Wohltätigkeits-Stiftung, Blinden-Jnstitut, Israel. B'nai Brith Verband israel. Humanitätsvereine, Brigittenauer isr. Frauenwohltätigkeit-verein „Einheit", Ausspeiseverein „Gomle Chesed", Israel. Frauen- und Mädchen - Wohltätigkeitsverein Wr. - Neustadt, Isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein „Greisinnenfürsorge", Israel. Frauen- Wohltätigkeitsverein für Mariahilf und Neubau, Fanny Jeiteles- Stistung, Kuratorium und Insassen des Pfründnerinnenhauses, „Kinderschutz", Leopoldstädter Kinderschutz, Mädchen-Unterstützungsverein, Mensa academica judaica Wien, „Osten", Rekonvaleszentenheim „Philanthropia", Frauenverein „Providentia", Pflegekinderstation in Pohrlitz der Wiener Kultusgemeinde, „Theresien Kreuzerverein", „Treubund", Verein zur Ausspeisung armer israel. Schulkinder des XII. bis XV. Bezirkes. Verein zur Ausspeisung armer Israel. Schulkinder des XVI. und XVII. Bezirkes, Verein zur Errichtung und Erhaltung der Ersten Wiener Suppen- und Teeanstalt. Verein zur Errichtung von Volksküpen nach israel. Rltus, Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande, Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, Verein zur Unterstützung jüdischerKurbedürftiger, Direktion des Knabenwaisenhauses XlX.Probnsgasse, Zentralkrippenverein, ferner die Patienten und Pfleglinge des israelitischen Spitales und der israelitischen Siechenanstalt sowie die Zöglinge des israelitischen Mädchenwaisenhauses und des L. D. Königsberg'schen Mädchen-Erziehungs-Jnstitutes, weiters Jda Diamant, Präsidentin des Ehrendamenkomitees für die israelitische Versorgungsanstalt, Vorstand der Chewra-Kadischa in Wr.-Neustadt, Vorstand der Chewra Kadischa für den XVI. und XVII. Bezirk, Vorstand der Ehewra Kadischa für den XVIII. Bezirk. Die Bethausvorstände und Tempelvereine: Bethausvorstand für den XII.-XV. Bezirk. Bethausvorstand XVI. und XVII., Bethausverein „Montesiore", Tempelverein in Liesing. Vom Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia" langte ein Telegramm des Präsidenten Dr. Ehrlich ein, lautend: »Auf der Höhe des Lebens entfalten Sie mit seltener Spannkraft eine Wirksamkeit, die jedem jüngeren Manne zur Ehre gereichen würde. Selbstlos leisten Sie den grossen Aufgaben eines wichtigen Gemeinwesens ebenso eifrige als hervorragende Dienste, und mit besonderer Liebe haben Sie sich den Schwachen und Bedrängten gewidmet. Die Feier Ihres 80. Geburtstages bietet daher den weitesten Kreisen willkommenen Anlass, die Gefühle der innigen Verehrung zum Ausdrucke zu bringen. Mit Freude schliessen wir uns all diesen Kundgebungen an. Möge es Ihnen gegönnt sein, noch lange mit gleicher Rührigkeit und geistiger Frische zu wirken.« Der Vereinzur Abwehr des Antisemitismus hat an Dr. Alfred Stern nachstehendes Schreiben gerichtet: „Euer Hochwohlgeboren, hochzuverehrender Herr Präsident! Der weihevolle Augenblick, da ein neuer Abschnitt in dem bedeutenden Leben eines großen Streiters für eine bedeutende Sache anheht, gibt dem ergebenst Unterzeichneten Vereinspräsidium die augenehme Veranlassung, seine innigsten Glückwünsche darzubringen. Aber nicht nur vorschauend bieten wir unseren festlich gestimmten Gruß in Verbindung mit dem aufrichtigsten Wunsche, daß es uns gegönnt sei, noch viele, viele Jahre an der zähen Kampfesfreude für Recht und Wahrheit uns ein erhebendes Beispiel zu nehmen, auch rückschauend können wir nicht umhin, unserem freudigen Empfinden Ausdruck zu verleihen. Da ist es denn ebenso die Dankbarkeit wie die Bewunderung darüber, daß Euer Hochwohlgeboren niemals zurückschreckten, wenn es galt, öffentlich Abwehr zu üben gegen den von einem geistigen Pöbel inszenierten Ansturm auf eine durch mehr als ein Jahrtausend geheiligte Kultur. Allen niederprasselnden Schmähungen, jeder persönlichen Begeiferung hielten Herr Präsident, stets nur auf sich allein angewiesen, stand — eingedeuk der hohen Mission des Judentums! Nicht zum geringsten Teile mag es diesem Mute, der ja dem Rüdesten unter den Kämpen Achtung abgezwungen hatte, zuzuschreiben sein, wie nicht minder der feinen Art, Beschimpfungen zurückzuweisen, daß der Antisemitismus eine Wandlung durchgemacht hat, zumindestens was die Formen betrifft. Aber dass er im Wesen ganz aufhöre, darauf geht uuser innigstes und eifrigstes Streben, und wenn darüber noch ein Jahrzehnt unausgesetzten Ringens vergehen soll, so wünschen wir nichts sehnlicher, als dass Sie, hochgeehrter Herr Präsident, endlich auch dieser Genugtuung teilhaftig werden. Und dass wir Schulter an Schulter kämpfen werden, erhoffen wir von der Rüstigkeit, die Euer Hochwohlgeboren nicht nur für sich, sondern auch für uns sich bewahren mögen!“ In aufrichtiger Hochachtung ergebenst Verein zur Abwehr des Antisemitismus: Der Schriftführer: Der Präsident: F. R. Engel m. p. Univ.-Prof. Dr. J, Szeberinyi m. p. Die Vereine: „Achwah", Bet ha Midrasch, „Esra" Religionslehrerverein, Lehrerverein im II. Bezirk, „Palme" Religionslehrerverein, Verein der Fortschrittsfreunde in Wien, Verein der Sabbatfreunde „Schomre Schabos", Verein zur Unterstützung zugereister kranker Juden, Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien, Verein zur Wahrung der Jnteressm des orthodoxen Judentums in Wien und Niederösterreich. Aus den nach vielen Hunderten zählenden Glückwünschen von Einzelpersonen seien weiters angeführt: Der Minister für Kultus und Unterricht Graf S t ü r g k h und Statthalter Baron Bienerth gratulierten in warm gehaltenen Telegrammen. Sektionschef Prof. Dr. Max Ritter von H u s s a r e k schreibt: .... »bittet, zu der seltenen und schönen Feier die ergebensten Glückwünsche entgegenzunehinen. Insbesondere ist mir dieselbe ein hochwillkommener Anlass, der bleibenden grossen Verdienste zu gedenken, welche Euer Hochwohlgeboren als Präsident der Kultusgemeinde auf allen Gebieten der segensreichen Tätigkeit dieser und um die Pflege ausgezeichneter Beziehungen zur LtaatsVerwaltung erworben haben.«