Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Blocks WochMschrift Sette 583 »In den Jubelklang, der heute zur Feier Ihres 80. Geburtsfestes aus allen Kreisen der Wiener Kultusgemeinde ertönt, stimmt der Vorstand unseres Vereines mit doppelten Empfindungen ein. Bewegt durch die Gefühle treuer Anhänglichkeit an das Oberhaupt unserer Gemeinde und durchdrungen von dem erhabenen Gedanken der Ehrung des Alters, der der hohen Ethik unserer Lehre entspringt und das Leitmotiv unserer Vereinstätigkeit bildet.« Für das Spital der israelitischen Kultusgemeinde erschienen der Direktor Dr. Fleischmann, die Primarärzte. Prof. Dr. Braun und Dozent Dr. Breuer, und Verwalter Dr. K o r a n y i. Der Direktor dankte dem Jubilar für dessen unermüdliche Fürsorge für das Spital. Präsioent Dr. Stern erwiderte hierauf, daß das Spital als eine Musteranstalt der Gemeinde betrachtet werden könne, auf welche wir mit gutem Recht stolz sein dürfen. Daß dem so sei, sei in erster Linie ein Verdienst des tatkräftigen Direktors und der Herren Primarärzte, die gewiß dafür sorgen werden, daß das jüdische Spital auch in Hinkunft seine anerkannte Stellung unter den Wiener Krankenanstalten sich erhalten werde. Im Anschlüsse an diese Deputation dankte die Oberin des Kaiserin Elisabeth-Kranken pflegerinnen-Jnfiituts, das seine Entstehung der Initiative des Kultusvorstandes verdankt, Frau Emma L ö w y, dem Präsidenten für das Wohlwollen, welches er dieser jüngsten Schöpfung der Gemeinde bisher immer entgegengebracht habe, und überreichte namens der 16 Pflegerinnen 16 frische Rosen. Namens der Humanitätsvereine, der „Bene Brith", „Eintracht" und „Wien", sowie der unter Patronanz derselben stehenden Vereine für jüdischen Arbeitsnachweis, zur Errichtung von Kinderhorten und der jüdischen Toynbeehalle beglückwünschten den Präsidenten die Herren Dr. Edmund Kohn, Maoistratssekretär i. P. Dr. Wilhelm Löwy, Sonnenschein undkais. Rat Weil. Für die israelitische Armenanstalt erschienen die Herren Josef I e l l i n e k, Wilhelm Pappenheim und Adolf Schramek unter Ueberreichung einer Adresse, welche u. a. Folgendes enthielt: „Die israelitische Armenaustalt hat aus der Trias der jedes jüdische Gemeindeleben umfassenden und durchdringenden Aufgaben Thauro, Awaudo und Gemilas Chasodim, die Uebung der Wohltätigkeit als ihre einzige und ausschliessliche Betätigung übernommen und ist hiedurch in ihrer geschichtlichen Mission zu einer mit unserer Gemeinde in engstem kausalen Zusammenhänge stehenden Institution geworden. Wir wissen es vollauf zu würdigen, welch warmen Anwalt die jüdisch konfessionellen Wohlfahrtseinrichtungen in Ihnen, hochgeehrter Herr Präsident, besitzen, hatten wir doch schon vor vielen Jahren die Ehre, in Euer Hochwohlgeboren ein Mitglied unseres Vorstandskollegiums zu begrüssen, das an unseren humanitären Bestrebungen eitrigst mitgewirkt hat. In der von den Vorstehern S. Goldmann, Carl Lemberger und Samuel Steiner überreichten Adresse unserer großen Chewra-Kadischa heißt es u. a.: »Als vor nahezu eineinhalb Jahrhundert sich eine Schar begeisterter Jünglinge zusammenfand, um die Wiener Chewra- Kadischa zu begründen, da waren unter ihnen drei Mitglieder der Familie Leidesdorf. Ihre Liebe zum Judentum und die Kraft, sie in die Tat umzusetzen, wirkte als heilig erhaltene Tradition in der Familie dieser Männer fort bis in unsere Tage, sie ist in Ihnen,'hochverehrter Herr Präsident, dem würdigen Nachkommen dieser ausgezeichneten .Männer verkörpert, dem wir heute den Tribut des Dankes zollen für seine unermüdliche Fürsorge um unsere Gemeinde und ihre Anstalten. Pietät, ehrlürchtige Pietät war es, die unsere Vereinigung ins Leben rief, ihre Gründer beseelte. Das gleiche Gefühl ist es, das, einen Ihrer markantesten Züge bildend, Ihrem Wirken das Gepräge gibt, ihm entspringt Ihr kraftvoller Wille, für unsere Gemeinde zu leben; die Pietät ist es, die Sie in so hervorragendem Masse zu Ihrem hohen Amte berufen erscheinen lässt, sie ist auch das Band, das Sie, hochverehrter Herr Präsident, besonders mit unserer Brüderschaft, mit der Chewra-Kadischa, verknüpft. Die Erkenntnis, dass Gegenwart und Zukunft des Judentums in seiner Vergangenheit wurzeln, lässt Sie, den energischen und erfolgreichen Verfechter der Idee des Fortschrittes im öffentlichen Leben, in Fragen, die das Judentum betreffen, immer jenen Weg einschlagen, der zur Erhaltung des Bestehenden führt. In. diesem scheinbaren Gegensätze aber liegt kein Widerspruch, er verleiht vielmehr im Vereine mit hervorragenden Geistesgaben Ihrem Charakterbilde eine ganz besondere, immer seltener werdende Eigenart. Jugendlich kraftvolles Handeln, vereint mit der weisen Bedächtigkeit des Alters, ungebrochene Tatkraft, getragen von der abgeklärten Erfahrung eines reichen Lebens — sie sind die Elemente, auf welchen sich eine über das Mass des Alltäglichen weit hinausreichende Persönlichkeit aufbaut.« In seiner Entgegnung auf die Ansprache dieser Delegierten wies Präsident Dr. Stern darauf Hin, daß, wo immer sich unsere Glaubensgenossen niedergelassen Haben, sie zuerst an die Gründung solcher Heiligen Vereine als die Urzellen jüdischen Gemeindewesens geschritten find. Ueber die Bestrebungen und und Ziele einer CHewra - Kadischa hat es überhaupt niemals Meinungsverschiedenheiten gegeben. Speziell aber waren die Beziehungen unserer Gemeinde zu diesem altehrwürdigen Vereine stets die allerbesten; der Verein könne auch in Zukunft auf seine tatkräftige Förderung rechnen. Der Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Kultusgemeinde Wien ließ durch den Sekretär der Kultusgemeinde Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben eine Adresse überreichen, aus deren Inhalt folgende Stellen hervorgehoben seien: „Der Verein genießt den Vorzug und die Befriedigung, Sie in seinem Vorstande zu wissen, in welchem Sie seit zwei Dezennien zu Nutz und Frommen unserer Institution nachhaltig wirken. Namentlich find Ihre Verdienste in Hinficht auf des Vereines jüngstes Werk, das KnabenwaisenhauS, nicht genug zu würdigen. Ihre große Milde, die Sie bei unseren Verhandlungen der Waisenangelegenheiten an den Tag legen und der wir uns stets gerne anschließen: In diesem Licht werden die Annalen unseren Vereines Ihren Namen auf vielen Blättern zu verzeichnen haben. Die meisten Bezirkskommissionen hatten Glückwunschschreiben gesendet. Persönlich überbracht wurden fie für die des I. Bezirkes durch Herrn Dr. Edmund Kohn, des II. und XX. Bezirkes durch Herrn Dr. Josef W i n t e r n i tz, des VIII. und IX. Bezirkes durch Herrn Gottlieb Bettelheim, des XXI. Bezirkes durch die Herren Dr. Jakob König und Emil F a n t o. Eine große Anzahl von Frauenvereinen hatte Adressen überreicht. An der Spitze der Frauenverein im I. Bezirk (Präsidentin Baronin Charlotte Königs Wärter), welcher insbesondere auch im Namen sämtlicher im Verbände zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen vereinigten Frauenvereine (für den Wöchnerinnenverband erschienen Herr kais. Rat Krüger und die Frauen Katharina Kohn und Schriftstellerin Clotilde Benedikt) Wiens dem Präsidenten für die besondere Förderung dankte, welche er gerade diesem Zweige der Wohltätigkeit entgegenbringt. Adressen überreichten ferner der Verein „Frauenhort", vertreten durch die Frauen Philippine Gelbhaus, Eleonore Kohn und Regine Bettelheim, für die „Philantropia", Rekonvaleszentenheim für arme, jüdische Frauen und den israelitischen Frauenverein für den VIII. Bezirk erschienen Frau Amalie Beck und Herr Rabbiner Dr. Bauer, für den Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulim" Fräulein Lea B o n d i, Sophie W a l t u ch; der Frauenverein für den XX. Bezirk, endlich der Badener Frauenverein, vertreten durch Frau Julie L e i t n e r und Herrn Anton Schneider, Der Verein „Kaiser Franz Joseph- Ferienheim" und Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Seehospitz (Präsidentin Frau Sofie Grünfeld) übermittelten die vom Sekretär Herrn Guido Fuchs gelb verlesene Adresse, auS welcher Folgendes hervorgehoben sei: „Als ein Zeichen der Wertschätzung und des Vertrauens ist es wohl anzusehen, wenn gerade seit jener Zeit, da Sie an der Spitze unseres Gemeinwesens stehen, die Wohltätigkeitsstiftungen und -Widmungen, deren Verwaltung in den Händen unserer Gemeindevorstehung liegt, eine solch imposante Vermehrung erfahren haben; aller Anerkennung wert ist die Tatsache, daß seither auch das Budget der Gemeinde der Not und dem Elend unter unseren Glaubensgenossen in erhöhtem Maße Rechnung trägt. Seit seinem nun 20jährigen Bestände hat sich das Ferienheim allzeit Ihrer fördernden Gönnerschaft erfreut, und als es daran ging, als Schwesterinfiitution das Seehospitz zu begründen, haben Sie durch Uebernahme des Vorsitzes in der konstituierenden Versammlung und durch den Eintritt in das Kuratorium Ihr hochehrendes Wohlwollen uns gerne bekundet.