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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-09-01 · 35 (1.9.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
35 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 582 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 35 Für den Bethausverein „Talmud Thora" erschienen die Herren Simon B u ch w a l d und Leopold Hirsch und überreichten eine Adresse, welche unter Anderem folgendes enthält: „Sie haben an der Spitze der Kultusgemeinde-Repräseutanz nicht nnr als Vollstrecker des die freie Betätigung der religiösen Ueberzengnng in ritueller Beziehung gewähi leistenden Staatsgesetzes, sondern auch persönlich, erfüllt von wahrhaft religiöser Toleranz, den in unserer Gemeinde zahlreich bestehenden privaten Kultusvereinigungen verschiedener Richtungen vollste moralische und materielle Förderung autoritativ angedeihen lassen und hiedurch den Boden geschaffen für eine neue Bliite des religiösen Lehens dieser Gemeinde.* Die Adresse des Kuratoriums und des Lehrkörpers der Israelitisch-theologischen Lehranstalt, die durch Sekretär Josef Fuchs verlesen wurde, hebt besonders hervor: „Als Mitglied unseres Kuratoriums haben Sie die nie erlahmende Fürsorge, die Sie allen jüdischen Interessen entgegenbringen, auch der jüdischen Wissenschaft und ihrer Lehre durch die eifrige Förderung unserer Lehranstalt bekundet; das Gedeihen derselben und ihre stetig fortschreitende Entwicklung danken wir zu einem grossen Teile der wertvollen Unterstützung, welche Sie sowohl inmitten unseres Kuratoriums als auch an der Ziel und Beispiel gehenden Stelle des Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde unserer Anstalt seit jeher zuteil werden Hessen.“ Der Präsident dankte für die Worte der Anerkennung von den Leitern einer Anstalt, die ihrem ganzen Wesen nach die einzige jüdische Hochschule in Oesterreich ist und die schöne Aufgabe hat, die Träger jüdischen Geistes und jüdischer Wissenschaft in unseren Gemeinden heranzubilden. Der Verein Talmud -Thora ließ durch eine Deputation, unter Führung des Herrn Dr. Gustav K o h n und Oberlehrer Kohn eine Adresse überreichen, die im Wesentlichen ausführt: „An der Spitze der alten Statuten „Tekanoth" der mährischen Gemeinden steht der lapidare Satz: Der Gemeinde Saul' ist die Lehr'". Daß unsere Talmud-Thora- Schule, die einzige jüdische Schule Wiens, eine starke Stütze unserer Gemeinde ist, haben Sie, hochverehrter Herr Prüfident, zu wiederholten Malen in Wort und Tat anerkannt." Dr. Stern betonte in seiner Erwiderung die große Wichtigkett, welche die Talmud-Thora-Schulen von altersher im jüdischen Gemeindeleben besaßen. Besonders Hervorragendes hat unsere Talmud-Thora-Schule, die auch von den maßgebenden Kreisen als Musterschule anerkannt ist, geleistet. Weitere Deputationen entsendeten die Bethausvereine „Achdus Israel", „Bene Berith" im XX. Bezirk, endlich das Tempelbaukomttee für den in der Leopoldstadt zu errichtenden Kaiserjubiläumstempel, und zwar die Herren Schramek, Adler und Beck. Für den türkisch-israelitischen Gemeindeverband sprachen die Herren Präsident L i c c o A d u t t und der Chacham Michael P a p o vor und überreichten eine Adresse, welche, unter Anderem besagt: »Die Wünsche gelten einer Persönlichkeit, die sich durch langjährige Tätigkeit als erster Repräsentant des grössten jüdischen Gemeinwesens des Reiches, zu welchem wir in engsten freundschaftlichen Beziehungen stehen, in den weitesten Bevölkerungskreisen der höchsten Sympathien erfreut und einem Manne, der sich ob seines freuen Sinnes, seines ehrlichen, fortschrittlichen Strebens, seines erfolgreichen, gemeinnützigen Wirkens für humanitäre Zwecke allgemeine Hochschätzung erworben hat. Auch die türkisch-israelitische Gemeinde in Wien hat in ihrem hochgeschätzten Herrn Präsidenten einen wohlwollenden Förderer ihrer Einrichtungen.« Der Präsident bemerkt Hiezu, daß das Verhältnis zwischen der Kultusgemeiude Wien und dem türkisch-israelitischen Gemeindeverbande eine gesetzliche Regelung erfahren habe. Aber auch ohne diese gesetzliche Regelung bestand seit jeher das freundlichste Einvernehmen zwischen den beiden Korporationen. Die Kultusgemeinde Baden beschloß die Ernennung des Präsidenten Dr. Alfred Stern zum Ehrenmitgliede der Badener israelitischen Knltusgemeinde. Eine Deputation, bestehend aus den Herren Rabbiner Reich, dem Präses Moriz Lettner, den Vorstandsmitgliedern Dr. Raab, Anton Schneider, Simon Mandl, Jakob Kohn und Alfred Lettner, Kberhrachte das künstlerisch ansgesührte Ehrendiplom, welches Präsident Dr. Alfred Stern in tiefer Bewegung und mit dem Ausdrucke des wärmsten Dankes für diese seltene Auszeichnung entgegennahm. Für die Israelitische Allianz zu Wien erschien das Vorstandsmitglied Wilhelm Pappenheim und Sekretär Doktor K a m i n k a. Die ausgezeichneten Ausführungen des Herrn Pappenheim, mit welchen er die Verdienste Dr. Sterns bei der Gründung der Allianz, wie auch seither als Vorstandsmitglied und Vizepräsident dieser Organisation würdigte, und die herzlichen Wünsche, daß die Allianz sich noch lange des weisen Rates und der tatkräftigen Mitarbeit des Jubilars erfreuen möge, machten auf Dr. Stern einen tiefen Eindruck. Nach Verlesung der trefflichen Adresse durch Sekretär Dr. Kaminka dankte Dr. Stern bewegt und konstatierte mit Bedauern, daß die Motive und Voraussetzungen, welche die Allianz vor 40 Jahren ins Leben riefen, leider auch heute noch in ungeschwächtem Maße vorhanden sind. Die Verfolgung der Juden wegen ihrer Konfession hat in den östlichen Ländern nicht nur nicht aufgehört, sondern treibt nach wie vor unschuldige Menschen aus ihrer Heimat, und in jüngster Zeit hat der Antisemitismus selbst in einem Lande, das man bisher als den Hort der Freiheit anzusehen gewohnt war, sein Haupt erhoben. Dr. Stern will nach wie vor es als seine heiligste Pflicht ansehen, im Sinne der Ziele der Allianz und seines ausgezeichneten Vorstandes für die Gleichberechtigung aller Konfessionen und für die Hebung des geistigen und moralischen Niveaus der Juden in den Bedrückungsländern einzutreten. Im Namen der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union überbrachten Vizepräsident Dr. O r n st e i n und Sekretär Fleischer die Glückwünsche dieser Vereinigung. Namens des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes sprach Vizepräsident Dr. Gustav Kohn. In der vom Schriftführer Jaques Fischer verlesenen Adresse ist besonders die folgende Stelle beachtenswert. »Der grosse Gedanke, der Sie und eine Anzahl auserlesener Männer hei der Gründung des Bundes vor nunmehr 10 Jahren erfüllte, ist bis heute noch nicht zur Wirklichkeit geworden; die Ungunst der Zeiten einerseits, die Verkennung ureigenster Interessen unserer Religionsgenossenschaft andererseits haben es bisher zu verhindern gewusst, dass diese von Ihnen mit so viel Liebe und Zielbewusstsein gehegte Idee zur segensreichen Tat werde.« Dr. Stern gab in seiner Antwort der Hoffnung Ausdruck, daß die bei der Schaffung einer autoritativen Gesamtorganisation in Betracht kommenden, dermalen noch disparaten Faktoren sich der besseren Ueberzeugung zugänglich erweisen werden, daß eine solche Organisation das einzige Mittel sei, die verschiedenen Richtungen und Parteien innerhalb der Judenschaft auf einem gemeinsamen Gebiete nützlicher Arbeit zu vereinigen. Der politische Verein „Donauklub" entsendete eine Deputation, bestehend aus dem Vize-Präsidenten Dr. B r a d y, Gemeinderat Eder, Karl Fuchs, Josef Fuchs und Josef Steiner. Dr. Brady wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, daß Dr. Stern als langjähriges Mitglied des Donauklubs viele Jahre hindurch durch seine Versammlungsreden und seine publizistische Tätigkeit die wichtigsten Anregungen gab. Der „Donauklub" denkt mit Stolz daran, daß er seinerzeit Dr. Stern zum ersten Male zu dem Leopoldstädter Mandate für den Wiener Gemeinderat verhalf und daß Dr. Stern im Gemeinderate gleichsam auch als Mandatar des „Donauklub" sich in so hervorragender Weise betätigte. Dr. Stern gedachte mit besonderen Dankesworten der Unterstützung, die er, so lange er politisch aktiv tätig war — seitens des „Donauklub" teilhaftig gewesen, und glaubt nicht erst betonen zu müssen, daß. er den Prinzipien, auf welchen der „Donauklub" aufgebaut ist, niemals untreu werden wird". Namens des Vereines zur Bekleidung armer alter Männer sprach Vize-Präsident Karl Fuchs vor, der in warmen Worten die Verdienste Dr. Sterns um die Förderung der Humanitären Vereine würdigte. Die von Sekretär Dr. L ö w y verlesene Adresse besagt:

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