Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 35 Dr. Vkychs Gemeinwesens bleiben müsse, und der Förderung der gottesdienstliehen Institutionen die vollste Fürsorge zugewendet.“ In seinen Dankesworten sagte Dr. Stern, daß er den Wiener Kantoren wohl keinen besseren Wunsch entgegenbringen könne, als daß sie tatsächlich das sein mögen, als was sie unsere Tradition bezeichnet, nämlich Scholiach Zibbur, die Gesandten der Gemeinschaft, und daß sie eingedenk dieses ihres Berufes auch ihr Amt ausfüllen mögen. Nach diesen Worten trat Oberkantor Morgenstern vor und trug unter gespannter Aufmerksamkeit einen von ihm für diesen Anlaß verfaßten Mischeberach vor. Sowohl seine herrliche Stimme als auch die künstlerisch vollendete Vortragsweise, mit welcher er diesen Festessegen rezitierte, löste einen minutenlangen Sturm des Beifalles unter den Anwesenden aus. Dr. Stern nahm die Mappe, in welcher der Mischeberach, sowie die Widmung des Autors kalligraphiert enthalten war, als schönes Andenken an seinen Jubeltag mit Dank entgegen. Namens der Religionslehrer sprach Inspektor K a n i tz. Er dankte' dem Präsidenten für die Förderung, die er den jüdischen Religionslehrern stets angedeihen ließ, so wie sie ihm auch die Hebung ihres Ansehens nach außen hin zu danken haben. In seiner Erwiderung hierauf meinte Dr. Stern, daß er nur seine Pflicht der jüdischen Gesamtheit gegenüber erfüllt habe, wenn er stets bemüht war, sowohl das geistige, als auch das materielle und soziale Niveau der jüdischen Lehrer, denen unser größtes Vermögen, die jüdische Jugend, anvertraut ist, zu heben. Hierauf erschien die Abordnung der Verwaltungsbeamten der Wiener Kultusgemeinde unter Führung des ersten Sekretärs, Herrn kais. Rat Dr. Liebe n, der an den Präsidenten die folgende Ansprache hielt: „Wir erscheinen heute vor Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, um Ihnen anlässlich Ihres achtzigsten Geburtsfestes namens der gesamten Beamtenschaft der altehrwürdigen Wiener Kultusgemeinde die aufrichtigsten Glückwünsche zum Ausdrucke zu bringen und Ihnen als Zeichen unserer tiefen Verehrung Ihrer Person und Ihrer hervorragenden geistigen Kapazität diesen Pokal zu überreichen. Der Becher spielt im Leben der Juden eine bedeutende Rolle. Der Sabbathgruss am Eingänge des Festes und der Gruss au die Arbeit beim Ausgange des Festes werden in der Synagoge und in der Familie mit dem Becher in der Hand gesprochen. Mit der Ueberreichung dieses Kans schel brochoh wollen wir den Wunsch ausdrücken, dass Sie, hochverehrter Herr Präsident, noch viele Jahre hindurch des Segens teilhaftig sein mögen, Ihre gottbegnadete Arbeitsfreude in voller Gesundheit dem Wohle dieser grossen Gemeinde als deren tatkräftiger, umsichtiger Führer widmen zu können. Dankbarst gedenken wir heute der Tatsache, dass unter Ihrer Führung und im Einvernehmen mit Ihren Vorstandskollegen das Los der Beamten immer besser, ihre Stellung eine präzisere geworden. Lassen Sie mich mit den Worten schliessen, welche Sie bei ähnlichen Anlässen gern gebrauchen: Ad meoh wees-im schonoh!“ Sichtlich erfreut über diese Kundgebung der Beamtenschaft dankte Dr. Stern in besonders warmen Worten und hob hervor, daß es ihn mit Stolz erfülle, sagen zu können, daß es wohl wenige, man könne ruhig sagen keine zweite Kultusgemeinde gebe, die sich eines so vorzüglichen, tüchtigen und pflichteifrigen Beamtenkörpers rühmen könnte als die.Wiener Kultusgemeinde. Er versicherte, daß er nach wie vor mit Eifersucht darüber wachen will, daß der gute Ruf der Beamtenschaft erhalten bleibe. Es sei auch kein Wunder, denn die Beamtenschaft steht unter der bewährten, zielbewußten Führung des ersten Sekretärs kais. Rat Dr. Lieben, der ihn sicherlich darin unterstützen werde, daß die Beamtenschaft von Elementen verschont werde, die dem Ansehen unserer Beamten nur von Nachteil sein kann. „So wie ich stets darauf bedacht war, die gerechten Wünsche der Beamtenschaft zu erfüllen, so werden Sie mich immer unerbittlich finden, wenn es gilt, Sie von Elementen zu befreien, die Ihnen nicht zur Ehre gereichen können". Als nächste Deputation empfing Dr. Stern eine Abordnung der Tempelquartette der Inneren Stadt und Leopoldstadt unter Führung des Chordirektors Professor Joseph Sulz er und der Dirigenten Heimann und Zellnik, Wochenschrift Sette 581 die dem Jubilar einen prachtvollen Lorbeerbaum überreichten mit dem Wunsche, daß der Präsident noch viele Jahre so jugendfrisch wie der Lorbeerbaum erhalten bleibe. Nach einigen launigen Dankesworten des Präsidenten nahm er die hebräisch geschriebene und verlesene Adresse der Schächter der Wiener Kultusgemeinde entgegen. Unter Führung des Präsidenten des Tempelvereines für den VI. und VII. Bezirk Herrn Dr. Jakob Engel erschien eine Deputation sämtlicher Wiener Tempelvereine, bestehend aus den Herren Hermann Beck, Gottlieb B e t t e l h e i m, Karl F l a n d r a ck, Adolf H o f f m a n n, Direktor Dr. K r e nb e r g e r, Architekt Jakob Modern, Max R o s e n f e l d, Adolf S ch r a m e k und Leopold Weiß, und überbrachte als gemeinschaftliches Geschenk der Tempelvereine eine vom Architekten Modern entworfene silberne Menorah, die durch ihre besondere Schönheit und Originalität allgemeine Bewunderung erregte. Die gleichzeitig überreichte Adresse der Bethausvereine bezeichnete dieses Geschenk als „einen kleinen Abschlag" aus die untilgbare Dankesschuld, welche nicht nur die Judenschaft der Metropole Wiens, sondern die verdrängten und verfolgten Glaubensgenossen aller Zonen und Länder dem unerschrockenen und beharrlichen Kämpfer und Verteidiger für Recht und Ehre schulden." Der Präsident erwiderte hierauf mit herzlichen Dankesworten für das herrliche Geschenk und betonte, daß er seit jeher das Wirken der Bethausvrreine in höchstem Maße schätzte und dieser Schätzung auch bei allen Anlässen, insbesondere wenn es sich um die Errichtung neuer Bethäuser handelte, Ausdruck gegeben habe. Er verfolge die aufsteigende Entwicklung der Bethausvereine mit lebhaftestem Interesse und werde deren Bestrebungen, insoweit sie nicht das oberste Prinzip der Gemeinde, ihre Einheitlichkeit, tangieren, auch in Hinkunft mit allem Nachdrucke fördern. Namens des Bethausvereines „Adaß Jsroel" (Schiffschul) erschien eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Isidor Reiniger und Wilhelm Kritzler. Der Sprecher der Deputation, Dr. Reiniger, überreichte eine Adresse und führte in seiner Ansprache unter Anderem aus: „In inniger Freude danken wir der gütigen Vorsehung, dass sie in Ihnen einen Mann am die Spitze unserer geliebten Gemeinde stellte, der die edle Begeisterung der Jugend, die zielbewusste Willensstärke und Tatkraft des Mannes mit der abgeklärten Weisheit des Greises in harmonischer Vereinigung dem Dienste unserer ganzen Gemeinde widmet. Ich sage, der ganzen Gemeinde! Denn Sie Herr Präsident haben es sich zur Aufgabe gemacht, Präsident der ganzen Gemeinde, Vertreter der gesamten Judenschaft zu sein, über dem Widerstreit der Meinungen, über die Unterschiede der Anschauungen ein klares Urteil, Ihre Gerechtigkeitliebe liess Sie erkennen, dass es Aufgabe der Kultusgemeinde sei, den Wünschen und Bedürfnissen der Konservativen im Rahmen der Gemeinde Rechnung zu tragen. Sie haben sich hierdurch nicht bloss die Sympathie dieser Kreise erworben, Sie haben auch der Einheit und Einheitlichkeit der Gemeinde einen unschätzbaren Dienst geleistet und darum in inniger Liebe zu unserer Gemeinde ist es unser Wunsch, der allgütige Vater Israels möge öie noch lange erhalten, erfolgreich zu wirken zum Wohle der Gemeinde, zu Ihrer Freude, zur Freude der Gemeinde und ganz Israels.“ Der Präsident Dr. Stern dankte für diese Kundgebung, die ihm eine ganz besondere Freude bereite. Es sei ihm eine Genugtuung, seine Bestrebungen gerade von dieser Seite anerkannt zu sehen. Er habe es sich immer zur Aufgabe gemacht, Bestrebungen, welche einem wahrhaft religiösen Bedürfnisse entspringen, tatkräftigst zu fördern, und werde diesem seinem Prinzips adch in Zukunft treu bleiben. Namens des Schönlatern-Bethauses überreichten die Herren S. Goldmann und L. S. Back eine vom Borstandsmitgliede Herrn Dr. Alfred Berger verfaßte Adreffe, in welcher dem Präsidenten für sein wackeres Eintreten im Jntereffe des Judentums, für die mutige Verteidigung unserer angegriffenen Institutionen und für die unentwegte Vertretung unserer verfolgten Glaubensgenossen der Dank ausgesprochen wird.