Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite.670 Dr. Blochs WochMfchrift dem schwedischen Volke die Achtung vor dem jüdischen Volke beibringen und suhlte sich sogar gewissermaßen zur Mission berufen- .in dem fremden, den Juden übelgesinnten Lande eine jüdische Gemeinde zu begründen. Die erste schwedische Städte in welcher Jsak gelandet ist, war Ustor. Der Kapitän des Schiffes, auf welchem er seine ‘ Reise gemacht hatte, verstund gut deutsch und interessierte sich lebhaft für den seltsamen jüdischen Passagier, der mit sehr guten Empfehlungsbriefen preußischer Aristokraten, denen er verschiedene Arbeiten geliefert hatte, versehen war. Er besaß sogar ein sehr warmes Schreiben an den König von Schweden. Der Schiffskapitän empfahl ihm, in Ustor zu bleiben. Am Tage seiner Ankunft begab sich Jsak zum Bürgermeister von Ustor, her ihm. eine unerstreckbare Ausenthaltsbewilligung guf 28 Tage ausstellte. Nach Ablauf dieser Frist mußte Ahron Jsak die Stadt verlassen. Er ging nach Malmö. Hier fand, sich jedoch niemand, der die deutsche Sprache verstanden hätte, und da Jsak nicht schwedisch konnte, war es ihm unmöglich, sich mit dem Bürgermeister zu verständige^ Während er betrübt seinen Weg zur Herberge nahm, begegnete er einem fremden Manne, der ihn unablässig fixierte und ihn schließlich mit dem jüdischen Gruß „Scholaum Äleichem" begrüßte. Man kann sich die freudige Ueberraschung Jsaks denken, der glaubte, einen Glaubensgenossen gefunden zu haben. Er blieb nicht lange im Irrtums. Der. Fremde erzählte bald seine Geschichte. Er stammte aus Deutschland, wo er als Jude -geboren uyd erzogen wurde; später wanderte er nach Schweden aus, wo er unter dem Zwange der Verhältnisse die Taufe nahm. Als er nun den Juden auf der Straße erblickte, sei er so erfreut gewesen, daß er sich nicht enthalten konnte, ihn mit dem alten jüdischen Gruße zu begrüßen. Die Beiden hatten bald Freundschaft geschlossen und von da ging die Wanderung zu Zweien. Sie gingen von Malmö nach Christian stadt und von dort nach Götenburg und schließlich nach Stockholm. Ueberall, wo Ahron Jsak auftauchte, wurde er anfangs wegen seiner Meisterschaft in der Steinmetzkunst freundlichst ausgenommen, mit Arbeiten überhäuft, aber von überall wurde er, nachdem er seine Arbeit vollendet hatte, wieder ausgewiesen. In Stockholm ist Ahron Jsak im Juli 1774 angekommen. , Am Tage nach seiner Ankunft ging Ahron Jsak zum Statthalter, an den er gleichfalls ein Schreiben hatte. Als Jsak die Frage des Statthalters, ob er Jude sei, bejahte, meinte dieser, daß es wohl schwer gehen werde, längere Zeit in Stockholm zu bleiben, da, hier bisher noch niemals eine Jude gewohnt hatte. Nichtsdestoweniger versprach ihm der Statthalter, sich seiner gnzunehmen, schon deshalb, weil er Künstler sei in .einem Fache, das in Schweden noch selten wäre. Kaum hatte Ahron Jsak diese Zusicherung des Statthalters, schrieb er sofort an seinen Bruder Mordechaj, er möge sobald als möglich gleichfalls nach Stockholm kommen. Unterdessen wurde Jsak vom Statthalter einem Stockholmer Advokaten empfohlen, der ihm ein Gesuch um die Wohnbewilligung verfaßte. Vorläufig erhielt er eine interimistische Aufenthaltsbewilligung auf vier Wochen. Ahron Isaak begab sich mit dem Gesuche zum König lelbst, an den er, wie erwähnt, ein Empfehlungsschreiben hatte. Jsak hatte Glück. Er wurde vom König gnädig ausgenommen, die Mitglieder der königlichen Familie machten bei dem jüdischen Künstler große Bestellungen und waren von dessen kunstvollen Ausführung enjtzückt. , Ahron Jsak ließ die vier Wochen, für welche seine Aufenchaltsbewilligung gelautet hatte, nicht unbenützt vorübergehen. Es gelang ihm, die Bekanntschaft des Nr. 34 . A Direktors des Münzamtes zu machen, der mit ihm .einen Vertrag wegen Lieferung verschiedener Sorten Gold und Silber aus Mecklenburg abschloß. Nach Ablauf der ersten vier Wochen wurde die Aufenthaltsbewilligung auf weitere vier Wochen verlängert. Schließlich! erhielt Ahron Jsak den Beschluß der Stadtbehörde auf sein Gesuch, welches der König selbst, an die städtische Behörde .leiten ließ. Der Beschluß lautete kurz: >,Mit Rücksicht darauf, daß Ahron Jsak Jude und noch dazu ein Schwindler ist, wird er angewiesen, Schweden sofort zu verlassen." Der Beschluß trug die Unterschrift des Statthalters, der jhm persönlich die Zusage gemacht hatte, sich dafür einzusetzen, daß er in Stockholm bleiben könne. In Heller Verzweiflung über den so jähen Zusammenbruch aller seiner Wäne rannte Ahron Jsak zum Statthalter, der ihm schließlich eine neuerliche Aufenthaltsbewilligung auf die Dauer von vier Wochen ausstellte und ihm riet, einen zweiten Beschluß abzuwarten. Der zweite Beschluß lautete nicht viel verheißungsvoller: „2n Anbetracht dessen, daß Ahron Jsak ein guter Graveur, ein Künstler in seinem Fache ist, wird jhm durch die Gnade des Königs gestattet in Schweden zu wohnen, jedoch unter der einen Bedingung, daß er den christlichen Glauben annimmt." Niedergeschlagen begab sich Jsak abermals zum Statthalter. Dieser erriet seine Gedanken, nahm aus seinem Bücherschrank das Gesetzbuch und las dem bestürzten Juden die folgenden Stellen aus dem schwedischen Gesetze vor: „Kein Jude darf in Schweden wohnen, Ware kaufen oder verkaufen." „Führt ein Schiff einen Juden an Bord und dieses Schiff wird in der Nähe einer schwedischen Küste beschädigt, so muß das Schiff so rasch als möglich repariert werden, damit es den Juden so rasch als möglich aus dem Lande weiter jführe." „Wird ein Jude auf seiner Durchreise in Schweden krank, so sollen ihm die besten Aerzte und die teuersten Medikamente gesandt werden, damit er rasch gesund werde und das Land verlassen könnte." Ahron Jsak hörte diesem Privatissimum über das schwedische Gesetz wortlos gu. Schließlich sagte er kurzentschlossen: „Mir ist es also nicht vergönnt, in Schweden bleiben zu können. Meinen Glauben werde ich nicht 'ändern." * . j;j;;| Einige Tage später wurde Ahron Jsak wieder zum Statthalter berufen» der ihn mit einem Briefe an den Staatssekretär von Helandt verwies. Dieser empfing Jsak sehr ungnädig. Er drohte ihm, Stockstreiche applizieren, zu lassen, und befahl ihm, die Stadt sofort zu verlassen, weil er ihn sonst in Ketten schmieden lassen würde, wie es einem so verstockten Juden gebühre. Ahron Jsak blieb jedoch fest. Er war entschlossen, nach Ablauf jener Aufenthaltsbewilligung Schweden zu verlassen, als er einige Tage vorher abermals zum Staatssekretär berufen wurde. Diesmal wurde ihm endlich die Mitteilung gemacht, der König habe ihm in besonderer Gnade erlaubt, sich in Stockholm niederzulassen. Ahron Jsak stand am königlichen Hofe in so hoher Gunst, daß er bald darauf auch für seinen Bruder Mordechaj und den Silberhändler Abraham Pak mit deren Familien das Wohnrecht erwirkte. Das waren die ersten Juden in Schweden. Literat«». „Di« Hilfe.“ Wochensehiift für Politik, , Literatur und Kunst. Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. E. Nr. 33. 17. August 1911. Aus dem Inhalte: Anton Erkelenz: Warum liberale Arbeitervereine? — Hermann K ö.tschke: Eine Heise in die Ostmark II. — Bruno Levin: Reserveoffizier nnd Politik. — Josef Leute: Die Entrechtung des Mieters. — Unsere