Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021962--20460-3045500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 34 Dr. Dkochs WochMchrift Sette 669 Bendiener, der Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde Karolinenthal Dr. Josef Porges mit sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes und dem Rabbiner Prof. Doktor Hirsch, die Rabbiner Dr. Schwach und Dr. Arje, der Vizebürgermeister von Karolinenthal Engelmann, der Präsident der Handelskammer Abg. Römer und Sekretär Dr. Matys, der Präsident der Produktenbörse Abg.' kais. Rat Ronz mit dem Vizepräsidenten Bauer und zahlreichen Börsenräten, Börsensekretär kais. Rat Dr. Fischel, die Direktoren Hecht, Schick und Ziegler, ferner in Vertretung des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten Dr. Weltsch, der Obmann der Beerdigungsbrüderschaft David Lieben, der Obmann der Karolinenthaler Beerdigungsbrüderschaft Mar Hirsch, viele Großkaufleute, Advokaten, Aerzte und Deputationen vieler Vereine. Nachdem Rabbiner Prof. Hirsch tiefempfundene Worte der Würdigung gesprochen hatte, wurde der Sarg unter Absingung von Trauerchorälen in den vierspännigen Leichenwagen getragen, und der imposante Zug setzte sich in Bewegung. Am Grabe hielten der Vizepräsident der Karolinenthaler Kultusgemeinde Dr. Josef Porges, der Präsident der Produktenbörse kais. Rat Ronz und Dr. Gintz namens des Humanitätsvereines „B'nai B'rith" dem Verblichenen warme Nachrufe. Bukovar. (50jähriges Jubiläum eines Frauenvereines.) Unser schönes, mit Palmen, Blattpflanzen und Blumen herrlich geschmücktes, festlich beleuchtetes Gotteshaus, war am 15. d.M. der Schauplatz einer erhebenden Feier. Der hiesige isr. Fraüenverein veranstaltete anläßlich der 50. Jahreswende seines Bestehens einen solennen Dankgottesdienst. Es erschienen die Spitzen der gemeinsamen und autonomen Behörden, Aemter und Schulen, so wie alle in unserer Komitatsstadt bestehenden Vereine und Korporationen. Die Ausschüsse der drei andersgläubigen Frauenvereine waren vollzählig vertreten. — Den gesanglichen Teil der Feier besorgte Oberkantor Adolf Schwarz, unter Mitwirkung eines Orchesters und eines verstärkten Chores. Oberrabbiyer Dr. Julius Diama nt hielt eine eindrucksvolle Festrede. Derselbe verewigte den heutigen Tag durch die Veröffentlichung einer gediegenen Festschrift. Nach dem Festgottesdienste, welcher auf die zahlreichen Teilnehmer mächtigen Eindruck übte, empfing die Vereinspräfidentin Frau Doktor Moritz Stern zahlreiche Deputationen, die dem Vereine ihre Glückwünsche darbrachten. — Der Ausschuß des jubilierenden Vereines überreichte seiner Präsidentin eine prachtvolle Adresse. Auch aus der Ferne erhielt der Verein zahlreiche Gratulationen. Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mährisch- Ostrau und Umgebung. An Eltern und Vormünder! Nach dem Schulschluß tritt an viele die Frage heran, was soll aus unseren Jungen werden. Bei der Wahl des Berufes soll der Wunsch des Knaben berücksichtigt werden, denn der Erfolg ist ausgeschlossen, wenn man für ein Fach bestimmt wird, für das man keine Neigung hat, oft wählt j«ber der Junge einen Beruf, zu dem er nicht geschaffen ist oder seine geistige Veranlagung nicht paßt. Darum muß neben der Vorliebe dcs Knaben für die Berufswahl auch die reifliche Ueberlegung von Eltern und Vormündern bestimmend sein. In den letzten Jahren hat sich die Jugend massenhaft dem Studium zugewendet und darum ist eine Uebeiproduktion von Absolventen verschiedener Lehranstalten geschaffen worden, für die Stellungen schwer zu haben sind. Im Handwerkerstande haben immer noch tüchtige, ausgebildete Menschen ihr gutes Fortkommen gefunden und immer noch wird stets eine gute Handwerkerkraft gesucht. Der Unterzeichnete Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mährisch-Ostrau und Umgebung hat es sich statutarisch zur Aufgabe gemacht, Knaben, welche Lust und Liebe zum Handwerk haben, verläßliche Lehrstellen zu besorgen. Beim Vorstande obenbezeichneten Vereines haben sich bewährte Lehrmeister aller Handwerke angemeldet, welche brave Jungen zu tüchtigen Handwerkern ausbilden wollen. Der Hilfsverein wird sich durch die ganze Dauer der Lehrzeit die Aufsicht über den Lehrling Vorbehalten, daß derselbe nicht nur sein Handwerk vollkommen erlernt, sondern auch in Bezug auf Sitten und Moral nicht leidet. Eltern und Vormünder! Wendet Euch vertrauensvoll an den Hilfsverein jüdischer Handwerker in Mährisch-Ostrau, derselbe besorgt unentgeltlich die Lehrstelle bei tüchtigen, braven Meistern. Mittellose und Waisenknaben werden, wenn sie brav und fleißig sich aufführen, vom Verein nach Tunlichkeit unterstützt. Anmeldungen sind an den Vorstand des Hilfsvereiues für jüdische Handwerker in Mährisch-Ostra» schriftlich zu richten. Kopenhagen. Der 16. internationale Tierfchutzkongreß tagte vom 1. bis 5. August in Kopenhagen. Während der ersten vier Tage nahmen die Arbeiten und Verhandlungen einen stillen, ruhigen Verlauf. Am letzten Kongreßtag war die Stimmung umgewandelt. Die Lust war von Explosivstoff erfüllt. Die Urheberin des Schächtverbotes in Finnland, Fräulein von Konow, hatte für diesen Tag ihren Vortrag „Der Kampf gegen die jüdische Schlachtmethode in Finnland" angekündigt. Ermuntert durch den Erfolg, den sie in Finnland erzielte, wollte sie ihren Eroberungszug von Land zu Land fortsetzen. Ihr Vortrag bestand ausschließlich aus wütenden Ausfällen gegen die jüdische Religion im allgemeinen und gegen die Schechita im besonderen, und schlug zum Schluffe folgende Resolution vor: „Der 16. internal. Tierschutzkongreß beschließt, daß kein Tier ohne vorherige Betäubung getötet werden darf"; damit wäre die Schechsta unmöglich geworden. Diese Angriffe wurden in glänzender und sachlicher Weise von Dr. W o h l st e i n (Malmö), Dr. Biberfeld (Berlin), Dr. Louis Frankel, prakt. Arzt (Kopenhagen), Oberrabbiner Dr. Levin st ein (Kopenhagen) widerlegt und mit einem solchen Erfolge, daß die Resolution des Fräulein von Konow zurückgezogen wurde und an deren Stelle eine andere gesetzt wurde, welche nicht unbedingt die Betäubung vor der Tötung fordert. Hoffentlich ist diese Frage nun für immer erledigt. 8. Feuilleton. Der erste Jude in Schweden. Die Geschichte der jüdischen Siedlungen in Schweden, so schreibt der Stockholmer Korrespondent des Petersburger „Fraind", weist zwei interessante Momente auf. Auf der einen Seite sehen wir, wie in Schweden, wenn auch kein Judenhaß, so doch eine Furcht vor Juden schon zu einer Zeit bestanden hat, als es im ganzen Lande noch keinen einzigen Juden gegeben batte. 2n Schweden gab es schon Gesetze gegen die Juden viele .Jahre» bevor noch Juden im Lande gewohnt hatten. Auf der anderen Seite wieder drängt sich die interessante Beobachtung auf, daß die Juden trotz dieser ihnen so feindlichen Stimmung sich alle Mühe gegeben haben, um in Schweden sich niederlassen zu können. Der erste Jude, der sich in Schweden niedergelaffen hat und als Begründer der schwedisch-jüdischen Gemeinde anzusehen ist, war Rabbi Ahron Jsak. Ahron Jsak ist ein geborener Brandenburger. Seine Kinderjahre verbrachte er in seiner Geburtsstadt Treuenbrietzeü vei Berlin. Schon, als Kind zeigte Ahron Jsak besondere Vorliebe für das Gravieren der Steine, und als?r äüsr wurde, widmete er sich dem Graveurfache. Er zog von Stadt zu Stadt und zählte bald zu den, berühmtesten und gesuchtesten Graveuren in Preußen. Als die Schweden während des siebenjährigen Krieges nach Mecklenburg kamen, befand sich dort auch Ahron Jsak. Dieser kam oft mit den Schweden in Berührung und hier reifte in ihm der Gedanke, nach dem Schwefterlande auszuwandern. Seine Glaubensgenossen rieten ihm von einer so gefahrvollen Wanderung ab, machten ihn auf die judenfeindlichen Gesetze dieses Landes aufmerksam und daß er als der einzige Jude sich nicht werde behaupten können. Aber Ahron Jsak schien gerade durch diese Schwierigkeiten noch mehr zur Reise angestachett. Cr wölkte