Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 568 Nr. 34 der Israelitischen Allianz, Wien, II., Untere Donaustraße 33 oder durch die Postsparkassa (Konto-Nr. 8052) dankend entgegengenormnen. Wien. (»P o a l e j Z i o n".) Samstag den 26. d. M. Versammlung mtt der Tagesordnung1. Genosse Kohn: Bericht über die dritte poalejzionistische Weltkonferenz. — 8. Genosse Chasauowitsch (Kasriel): Bericht über den zehnten Ztonistenkongreß. Ort: Cafe Stefanie. Beginn präzise 8 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Wie jüdische Kinder zur Taufe gebracht werden. Den Lesern der „Oesterreichischen Wochenschrift" dürfte es ausgefallen sein, düß in der vorwöchentlichen Nummer die Taufliste eine ganze Reihe Chrzanower Kinder aufwies. Die Sache hat folgende Bewandtnis: Fürstin Oginska, welche in Chelmek bei Oswieczim ein Gut besitzt, erhält dortselbst auch ein Waisenhaus, in dem namentlich Wiener Findlinge untergebracht werden. Während es sonst jüdischen Kindern schwer gemacht wird, in einem interkonfessionellen Institute Aufnahme zu finden, erfreuen fie sich in diesem Falle ganz besonderer Bevorzugung. Sie werden in obgenannter Anstalt streng katholisch ÄzöKn und es kann deshalb nicht wundernehmen, wenn sie sich bn Vollendung des 14. Lebensjahres für die römischkatholische Religion entscheiden. ' Es wäre wünschenswert, wenn bie Wiener Kultusgemeinde ihr Augenmerk auf diese Angelegenheit richten würde. Gr. Fr. Austritte aus dem Judentum Vom 13. August bis inkl. 19. August 1911. Bauer Alfred, geb. 22. Dezember 1887, wohnhaft in Pola. Dukelsky-DikJer Georg, geb. 10. Dezember 1888, Odessa, II., Taborstrasse 49. Müller Fanni, Private, geb. 5. Dezember 1887, Wien, IX., Rufgasse 9. Siegel Helene, Hilfsarbeiterin, geb. 18. August 1890, Wien, XIII;, Auhofgasse 31. Stein Martha, Private, geb. 24. Oktober 1883, Wien, XXI., Schöpfleitnergasse 31. Turmann Friedrich, geb. 2. September 1887, Wien, II., Schreigasse 16. ... Weinstock Gisela, Private, geh. 16. September 1879, Versecz (Ungarn), XVII., Steinergasse 3. Westreich Leo, Ingenieur, geb. 27. März 1883, Petronitz (Schlesien), VI., Gumpendorferstrasse 87. Kaiserfeier iu Seebenftein. Auch in diesem Jahre fand am 18. August im Kaiser Franz Jdseph-Erholu n g s h e i m in Seebenftein an der Aspaugb ahn für die Schützlinge des Ferienhortes, israelitische, junge, erwerbende Mädchen aus verschiedenen Berufszweigen, ein solennes Kaiserfestesseu mit anschließendem Gartenfest statt. Die Gattin des Rabbiners im IX. Bezirke, Frau Dr. Philippine Gelb Haus, hielt im Namen des Frauenhortvorstandes eine ergreifende Ansprache, worauf Tie Schützlinge den Kaiserdenkstein im Parke der Anstalt mit Älpenblumen bekränzten. Karlsbad. (Kaiserfeier des Karlsbader Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Ferienheims bei Neudorf-Petschau.) Diese sich großer Popularität erfreuende Stiftung hielt am Vorabend des Kaiserfestes in ihrem Ferienheim eine Feier ab. Am Abend wurde dgs Kaiserbildnis auf einem Hügel aufgestellt und die zwei 'größten Knaben hielten Ansprachen über die edlen Ziele Sr. Majestät „Für's Kind". Nachher wurde die Volkshymne gesungen. Am Geburtstage des Kaisers fand ein Festdiner statt, nach dessen Beendigung der Verwalter und Leiter der Ferienkolonie, Herr Lehrer S. Thieberger eine Rede hielt, in welcher Sr. Majestät gehuldigt wurde. Dann wurde ein Telegramm an die Kabinettskauzlei Sr. Majestät nach Ischl gesendet, welches lautete: „Au die Kabinettskanzlei Sr. Apostolischen Majestät des Kaisers Franz Joseph in Ischl. Vierzig Zöglinge und das Verwaltungs- Personal des Karlsbader Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Ferienheims iu Neüdorf bei Petschau wagen es am heutigen Feste die heißesten Glückwünsche an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lasten." — Schon um 1/a5 Uhr nachmittags langte ein Antworttelegramm aus der Kabiuettskanzlei Sr. Majestät des Kosters, an Herrn Lehrer S. Thieberger gerichtet, ein, welches lautete: „Se. k. k. Apostolische Majestät danken huldvollst für die seitens der Zöglinge und des Verwältungspersonals des Karlsbader Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Ferienheims dargebrachten Glückwünsche. Unterschrift: Kabinettskanzlei." — Man kann sich vorstellen, welche Freude und Begeisterung herrschte, als dieses Telegramm des Kaisers in der Kolonie einlangte. Lemberg. (Todesfall.) Montag den 7. d. M. verschied in Mariendad Frau Marie Sznapik, eine durch Eigenschaften des Geistes sowie des Herzens ausgezeichnete . Dame. — Schon in Marienbad ließ der dortselbst als Gast weilende Rabbiner Dr. Caro es sich mcht nehmen, eindrucksvolle Worte der Würdigung der Verblichenen zu widmen. In Lemberg, wohin die Leiche überführt wurde, fand Freitag den 11. d. unter starker Beteiligung aller Gesellschaftsklassen die Beerdigung statt, wobei Herr Rabbiner Brande und der Schwiegersohn der Verstorbenen, Rabbiner Dr. Rosenmann aus Wien, ergreifende Nachrufe hielten. Das Andenken dieser edlen Frau wird stets ein gesegnetes bleiben. Olmiitz. Dienstag, den 15. August wurde am hiesigen Zentralfriedhof Frau Mina R o s e n h e ck. Witwe nach den verstorbenen Oberkantor Herrn R o s e n h e ck aus Czernowitz, zu Grabe getragen. Die Verstorbene erfreute sich durch ihren biederen Charakter und edlen Wohltätigkeitssinn überall großer Beliebtheit. An der Bahre standen tiefgebeugt ihre Töchter Frau Frieda Igel, die Opernsängerin aus Brünu; Fräulein Nelly Rohden und der Schwiegersohn Herr M. U. Dr. I. Igel aus Böhmisch-Liebau. Ein Sohn konnte infolge Krankheit an dem Leichenbegängnisse nicht teilnehmen. Herzergreifend war die Trauerrede des Herrn Rabbiners Dr. Openheimer, an die Trauernden. Herr Oberkantor Schlesinger verrichtete mit seiner schönen Tenorstimme einen Teil der Trauergesänge, wornach über letztwilligen Wunsch dieser edlen Verstorbenen der Neffe derselben, Herr Oberkantor Löwensohn aus Linz, das „Hazur tomim" mit dem Männerquartett und am Grabe das „El mole rachamim" sehr stimmungsvoll rezitierte. Verarm. Am 14. August d. I. haben wir unseren allverehrten Rabbiner'Moritz Zinn er zu Grabe getragen. Die große Beliebtheit, deren sich der Verewigte in allen Schichten der Bevölkerung erfreute, trat ganz besonders beim Leichenbegängnis zutage. Der Tempel, woselbst der teuere Tote aufgebahrt wurde, konnte die Zahl der Leidtragenden nicht fassen. Auch mehrere Rabbiner hatten am Leichenbegängnisse teilgenommen und ihrem Kollegen warme Worte des Abschiedes nächgerufen. Im schwarzdrapierten Tempel wurde die Leichenfeier durch einen Nachruf des Herrn Rabbiner Dr. Arje (Smichov) eingeleitet, worauf Rabbiner Dr. Link (Pilsen) die Verdienste des Verstorbenen würdigte. Im Namen der Gemeinde sprach dann Ingenieur Direktor Otto Hellmann. Auf dem Friedhofe sprachen noch Rabbiner Abeles aus Zirkow im Namen des Lehrerpensionsfondes, ferner Herr Rabbiner Dr. Kohn (Pribram) und Herr Chewravorsteher L. Kohn im Namen der Chewra- Kadischa. Gesegnet sei das Andenken dieses trefflichen Mannes! Prag-KarolimUthal. (Präsident IgnazKallberg gestorben.) Die jüdische Bevölkerung Prags hat diese Woche einen schweren Verlust zu beklagen. Eine der markantesten Persönlichkeiten, der eine führende Rolle im jüdischen Gemeindeleben zukam, ist dahingegangen; Der langjährige Präsident der Kultusgemeinde Karolinenthal, Herr Ignaz Kallberg, Kallberg, dessen Wirken im Dienste des Gemeindewohls allgemein anerkannt wurde, erfreute sich in den weitesten Kreisen der größten Wertschätzung. Insbesondere in der Handelswelt war er als kundiger Fachmann bekannt,' lange Jahre war er Präsident der Prager Produktenbörse und ' hat sich in dieser Stellung nicht nur durch sein gewinnendes Wesen die Sympathien, sondern auch durch seine musterhafte, verständnisvolle Leitung die höchste Achtung errungen. Die Verdienste Ignaz Kallbergs wurden häufig mit ehrenden Auszeichnungen anerkannt. So war er Inhaber des Franz Joseph-Ordens und des Eisernen Kronen-Ordens. 3. Klasse. Er war auch Mitglied fast aller Prager Humanitären Vereine. Das Begräbnis, das am 16. d. M. stattfand, war eine imposante Kundgebung. Der weite Raum des Karolinenthaler Tempels konnte die Zahl der Trauergäste nicht fassen. Unter den Trauergästen befanden sich der Präses der isr. Kultusgemeinde Dr. Arnold Rosenbacher und der Vizepräses Dr. Ludwig.