Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Bkochs WvchMfchrifl Sette S6T Regierung einfach getäuscht, indem sie durch ihre Kreditgenossenschaften ihr Hauptaugenmerk darauf richtet, die Lage der Juden in Rußland selbst zu verbessern. Pütiloff erklärte, daß die Regierung ein solches ..Abw'eichen" von der Emigrationslätigkeit der Ica nicht gestatten werde.! ' - Eiire! Brrsammluns zu Kunden des Emigrationskongrefses m Vase^ Letzten Samstag fand in Basel eine stark besuchte Versammlung der Delegierten vom Zionistenkongreh statt, in welcher zu dem geplanten jüdischen Emigrationskongreh Stellung genommen wurde. Das Referat hielt der Schriftsteller Marimanin (Dr. Schatz), der unter großem Beifalle das Problem der jüdischen Emigration vom politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus beleuchtete und zu dem Schlüsse kam. dah die Frage nur auf gesellschaftlicher Grundlage einer befriedigenden Lösung?ugeführt werden könnte, N-.-ch ihm sprach Dx. Brutzkus, der einen Rückblick auf die Geschichte der iüdi-chen Wanderung in den letzten vier Jahrzehnten warf. „Als man in den 80-er Jahren", erzählte Redner, „den in-zwilchen verstorbenen Prokurer des Heiligen Synods, Pobiedonoszew. frug, was er mit den Judenverfolgungen bezwecke. gab dieser zur Antwort: „Diese Unterdrückungen werden zur Folge haben, dah ein Drittel der Juden sich taufen, ein Drittel verhungern und ein Drittel auswandern wird. ..Pobiedonoszew hat sich," sagte Dr. Brutzkus, „wohl in Bezug auf die Taufe und des Verhungerns geirrt, aber hinsichtlich der Auswanderung war seine Prognose richtig." Auch dieser Redner trat für die Abhaltung des Kongresses ein. Es sprachen noch Dr. Nathan Birnbaum, Pasmanik u. a., worauf eine Resolution zu Gunsten des Emigrationskongresses angenommen würde. vermischtes. Der 81. Geburtstag des Kaisers. Anläßlich des 81. Geburtsfeftes des Kaisers wurde in sämtlichen Synagogen ünd Bethäusern Wiens in herkömmlicher Weise ein feierlicher Gottesdienst veranstaltet. Im Tempel in der Seitenstettengasse fanden sich sämtliche in Wien weilenden Mitglieder des Kultusvorstandes mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern, Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n ein. Die Beamtenschaft war durch den I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben vertreten. Das Kaisergebet verrichtete Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Kaiserpsalmen sang Oberkantor Don Fuchs mit Chor. Eine halbe Stunde später fand der Festgottesdienst im Leopoldstädter Tempel statt, dem gleichfalls das Präsidium der Kultusgemeinde, die Bethausvorsteher und ein zahlreiches. Publikum beiwohnten. Hrer sprach Dr. K a m i n k a das Kaisergebet, während die Kaiserpsalmen vom Oberkantör M o r g e n st e r n mit dem Tempelchor gesungen wurden. In gleicher festlicher Weise wurde des Kaisers Geburtstag, wie die eingelaufenen, zahlreichen Berichte melden, auch in den Synagogen sämtlicher Provinzgemeinden begangen. Der Geburtstag des Malers David Kohu. Maler David Kohu, der bekannte Porträtist, vollendete am 21. d. M. sein 50. Lebensjahr. Sonntag wurde ihm von mehreren Schülern ein Album mit nahezu 40 Blättern, darunter ganz vorzügliche Arbeiten ehemaliger und jetziger Schüler, überreicht. Die Sprecher, die Herren Motz und Vivenant, baten, diese Aufmerksamkeit als Zeichen aufrichtigsten Dankes "Und' ergebenster 'Anerkennung entgegenzunehmen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 27. August d. I. findet im „Schiff-Tempel", II.. Große Schiffgaffe 8, die Trauung des Fräulein Johanna Philipp, Tochter des Herrn Julius Philipp, mit Herrn Robert B r e i n e r, Dentist, statt. Wie«. (Todesfall.) Samstag den 19. August 1911 verschied nach langem Leiden in der Vollkraft seiner Jahre Herr Salomon Preis, Herausgeber und Chefredakteur der „Oesterr.- Ungar. Zoll- und Speditions-Zeitung" und erster Schriftführer der Zentralstelle des österr. Möbeltransportes. Der Verewigte erfreute fich wegen seiner ausgezeichneten Geistes- und Herzens- Eigenschaften der aufrichtigen Wertschätzung weitester Kreise. Herr Rabbiner Dr. Grunwald würdigte in seinem Nachrufe die Vorzüge des Dahingeschiedenen, die Lauterkeit seines Charakters und sprach in beredten, warmen Worten der Witwe, der greisen Mutter und den Geschwistern Trost zu. An der Bahre dankte namens der Zentralstelle deren Präsident Herr Wilhelm Lattenbacher in tiefer Bewegung dem Verewigten für sein selbstloses, hingebungsvolles Wirken. Der Dahingeschiedene war ein treuer Jude, ein herzensguter Mensch, dessen allzufrühes Hinscheiden allseits tiefbetrauert wird. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, ein gesegnetes bleiben. Wien. (Todesfall.) Dem Erdenwandel einer idealen Frauengestalt wurde ein allzufrühes Ziel gesetzt. Am 20. August d. I. verschied in Bad Aussee Frau Rosa Neurath, geborene Friedmann, nach einem segensreichen, von Gottesverehrung und Menschenliebe erfüllten Leben. Im Wesen der Dahingeschiedenen vereinigten sich die Tugenden der jüdischen Frau aus früheren Zeiten mit den Vorzügen der wahrhaft gebildeten Frau der Gegenwart zu einem Bilde von seltener Reinheit und Harmonie. Ein reiches Maß von Liebe, das sich aber nicht in der Familie allein erschöpfte, erfüllte ihr Dasein, ein sonniges Gemüt verklärte ihren Lebensweg und das Leben Derer, die ihr nahestanden. Bei den Menschen fand sie immer nur das Gute, weil sie es suchte, ihr ganzes Leben war dem Edlen und Guten geweiht. Der tiefe, die Größe des Verlustes ermessende Schmerz ihrer Kinder, die sie mit ihrem Geiste beseelte, ihrer hochbetagten Mutter, der Geschwister und Verwandten vermag nur Trost zu finden in dem Gedanken, daß das Leben der Verewigten ein gesegnetes war, wie es ihr Andenken bleiben wird für alle Zeiten. Die Beerdigung fand Mittwoch den 22. August in Mödling statt. Wien. (Todesfall.) Am 21. d. M. verschied in der Vollkraft seines fchaffensfreudigen Lebens der em. Assistent des Svitales der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Wilhelm Tittiuger. Der Verstorbene» der im 32. Lebensjahre vom Tode ereilt wurde, genost wegen seines Edelmutes und der menschenfreundlichen Selbstlosigkeit, mit welcher er armen Kranken entgegenkam, die Liebe und Wertschätzung eines ausgedehnten Freundeskreises. Den tiefgebeugten Eltern, Salomon und Carola Tittinger, kamen aus diesem traurigen Anlaffe vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde, in deren Spitale der Verstorbene viele Jahre hindurch in selbstloser Weise unentgeltlich tätig war, sowie aus allen Gesellschastskrei,en innige Beileidskundgebungen zu. Die Direktion des israelitischen Spitales hat eine eigene Parte ausgegeben. Das Leichenbegängnis fand am 33. d. M. unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Man bemerkte unter Anderen Professor Doktor Braun mit sämtlichen Aerzten des Rothschild-Spitales, Verwalter Dr. Koranyi, eine Abordnung der Aerzte des Rndolsivitales, der ehemaligen Wirkungsstätte des Verstorbenen, Abg, Widholz, eine Deputation der Pflegerinnen des Rothschild-Spitales, Dr. Reich in Vertretung des verhindert gewesenen Bürgermeisters von Kaltenleutgeben u. m. a. In der Zeremonienhalle würdigte Oberrabbiner Dr. Güdemann das menschenfreundliche Leben des Verstorbenen, der auch schriftstellerisch Hervorragendes leistete und noch Größeres hoffen ließ. Am offenen Grabe sprachen Dr. Paschkis namens der Kollegen, Dr. Lindenbaum im Namen des Verbandes der Krankenkassenärzte und Abgeordneter Widholz in Vertretung der im Vereine der niederösterreichischen Krankenkassm vereinigten Arbeiter. Die kantoralen Funktionen versah erster Kantor Matyss mit Chor. ' Wien (Für die Opfer der Brandkatsstrophe in Konstantinopel) find bei der Israelitischen Allianz zu Wien folgende Spenden eingegangen: Josef J> Leinkauf, k. u. k. Hofspediteur K 300, Salomon Tauber in Mistek K 25, zusammen K 325. Weitere Spenden werden im Bureau