Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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VsrLeMng der zionWschen Zentrale nach Berlin. Aus Basel berichtet die „R. I. K.": Das neugewählte Engere Aktions-Komitee der zionistischen Organisation hielt am 16. und 17. August Ln Basel seine ersten Sitzungen ab. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Marburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden Doktor Jacobson gewählt. Es wurde beschlossen, die Kölner Bureaus möglichst bald, spätestens am 1. Oktober nach Berlin zu verlegen. In der am 16. August in Basel abgehaltenen Sitzung des Groben Aktions-Komitees machte Prof. Marburg Mitteilung von der Konstituierung des E. A. L. und von den Beschlüssen, die in der vorangegangenen Sitzung! des E. A. C. gefaßt worden waren. Es wurde beschlossen, die nächste Sitzung des Großen A. L. auf den 4. November abends nach Berlin einzuberufen. AusschMLungm gegen Juden in England. In Tredegar in Males fielen die Erzedenten über die Läden der Juden her und zerstörten oder raubten, was ihnen in die Hände fiel. Als sie in das Wohnhaus eines reichen Juden in der Salesbürystraße eindringen wollten, wurden sie von der Polizei vertrieben. In der Curchestreet wurden sieben jüdische Läden ausgeraubt und deren Besitzer mißhandelt. In der Comercestreet wurden große Geschäftshäuser schwer beschädigt und mehrere jüdische Läden erbrochen. Was die Erzedenten nicht raubten. zerbrachen sie und warfen es auf die Straße. In der Treestreet begnügten sich die Erzedenten damit, die der darauffölgenden Nacht fortgesetzt. Militär und Polizei war anfangs nicht imstande, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Im ganzen wurden 20 jüdische Geschäftsläden geplündert. Die gegen die jüdischen Geschäftsleute in Tredegar gerichteten Ausschreitungen wurden in der drauffolgenden Nacht fortgesetzt. Militär und Polizei hatten einzuschreiten und die Aufruhrakte wurden verlesen. Der Pöbel bewarf Polizei und Militär mit Steinen und Flaschen. Beim Zusammenstoß gabes viele Verwundete und 12 Personen wurden ins Hospital gebracht. Um seine Absicht betrogen, marschierte ein Teil des Pöbels aus der Stadt ab. Ein Teil des Haufens wandte sich nach Ebb, ein anderer Teil nach Rhymney. Die Häuser und Laden der Juden wurden angegriffen, aber auch andere Geschäfte geplündert. In Rhymney wurde fast jeder einzelne Geschäftsladen im Orte geplündert. Aus London wird ferner unterrE23. August gemeldet: Eine der bemerkenswertesten Erscheinungen der lebten Streikunruhen sind die Judenh'tzen in den verschiedenen Ortschaften Südwales. Bisher war Ettaland der Staat, der stets geaen die Verfolgungen der Juden in Rußland und Rumänien auf das Entschiedenste vrotestierte, es schreitet nun in bezug der Judenverfolgungen in einer Linie. Diese Hetze dauert nun schon drei Tage; Überall ließen die jüdischen Familien.Haus und Hof in Stich und' flohen nach London. Die Juden, von Südwales sind reiche Leute und der größte Teil ist Hausbesitzer? Das Komitee der britischen Juden in London hat Schritte unternommen, um im Ministerium vorstellig zu werden. Truppen sind nach den bedrohten Ortschaften abgeganqen. Im Londoner Judenviertel ist ein Viertel aller Läden von Rowdies geplündert worden. Sie nahmen die Waren auf ihre kleinen Wagen und fuhren damit fort, ohne zu bezahlen. In Tredegar, Monmoutshire, sind neuerdings Judenhetzen unternommen worden. Nicht ein Judenladen blieb verschont. Hunderte Juden flohen aus den Städten und ließen ihre ganze Habe im Stich. Aehnliche Szenen wiederholten sich in allen Ortschaften in Südwales. Mit Einbruch der Nacht befanden sich alle Minen von Monmouthshire in Auftuhr. Plünderunaszüge wurden unter den Inden in großem Maße unternommen. Militär unternahm mehreremal.Bajonettangriffe, aber an anderen Stellen sammelte sich der Mob wieder an und die Aufrührer feuerten zu neuen Judenhetzen und Ausschreitungen an. UmmsgHetzte Verfolgung der russischen Juden. Aus Petersburg wird berichtet: In der Station Wolnöwacha, in der Nähe von Mariupol, hat die Ausweisung aller Juden begonnen. Die Station Molnowacha ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt, wo viele jüdische Getreidehändler und Kommissionäre leben. 'In Kiew hat eine Versammlung der ortsansässigen Kaufmannschaft stattgefunden, die beschloß, die Regierung zu bitten, die vielen gänzlich ungesetzlichen Ausweisungen von Juden und die Konfiskation ihrer Maren einzustellen, weil dieser Druck auf die wirtschaftliche Lage des ganzen Gebietes zurückwirkt. Der Aelteste der Kaufmannschaft wies darauf hin, daß eine derartige Resolution zwecklos sei, weil Stolypin vor einigen Tagen Weisung gegeben habe, daß den Juden unter keinen Umständen irgendwelche Erleichterungen zu gewähren seien. Das Schicksal WsschÄ Kriegsheiden in Rußland. Ein Schulbeispiel dafür, wie in Rußland selbst diejenigen Juden, die für das Vaterland Gut und Blut geopfert' haben, behandelt werden, ist die 7olgende, der „Rjetsch" entnommene Meldung: „Der jüdische Soldat Werkbreit hat den russisch-japanischen Krieg mitgemacht, focht mit außerordentlichem Heldenmute bei Mukden und anderen Schlachten und trug verschiedene Verwundungen davon. Nach der Schlacht bei Wa-Fangu hatte Werkbreit einen solchen Heldenmut an den Tag gelegt, daß er mit einem Orden ausgezeichnet wurde und zum Unteroffizier vorrückte. Bei demselben Treffen rettete er auch das Leben seines Kommandanten, wobei er selbst in Lebensgefahr geriet. Der Kommandant dankte seinem jüdischen Retter in einem äußerst warm gehaltenen Brief. Und nun wollte dieser so gut beleumundete Joses Werkbreit sich irgendwo in einem sibirischen'Nest niederlassen, doch kaum war er dort angekommen, hat ihn die Polizei auch sofort ausgewiesen, denn in Rußland kann ein Jude sich für das geliebte Vaterland töten lassen, aber leben darin darf er nicht." 7 Jliodors dunktck Pläne. ' . , Der russische Mönch Jliodor, der Liebling der Zarenfamilie, bereist gegenwärtig das Innere Rußlands, um die Bevölkerung, unter' dem Schutze der Regierung, für einen Pogrom auf die Juden vorzubreiten. Als er seinen letzten Aufenthaltsort Zarizin verließ, äußerte er sich in einer Abschiedsrede an seine Anhänger über Zweck und Ziel seiner Reise wie folgt: „Welches mein Reiseziel ist und zu Welchem Zwecke ich dahin fahre, werde ich euch vorläufig nicht verraten, damit unsere Feinde unsere Geheimnisse nicht erfahren. Es wirb ein Weltkongreß der Rechtgläubigen einberufen werden, auf welchem die Mittel beraten werden sollen, au? welche Weise wir uns der Juden und der russischen Ungläubigen mit einem Schlage entledigen könnten. (!) Auch ich werde an dem Kongresse teilnehmen und mein Wort wird dort maßgebend sein. Die Zeit ist gekommen, um den Feinden des russischen Volkes (?) ein Ende zu bereiten." Wc'shM verfolgt die russische Regierung die Jca? Die russische Regierung hat vor einiger Zeit den. Sektionschef des Ministeriums des Innern, Putiloff, beauftragt, iy sämtlichen russischen Zweigniederlassungen der Jca eine strenge Revision vorzunehmen und über das Ergebnis der Regierung Bericht zu erstatten. Putiloff hat bereits die wichtigsten Filialstellen der Jca besucht und aus den Ursachen dieser Maßregel keinen Hehl gemacht. Putiloff erklärte ganz offendaß die Regierung mit der Tätigkeit der Jca sehr umufrieden sei. Der Jca wurde nur deshalb gestattet, in den verschiedenen Städten Rußlands Bureaur zu eröffnen, weil die Regierung hoffte, daß diese große jüdische Kolonisationsgesellschaft sich ausschließlich mit der Förderung der jüdischen Emigration befassen und dadurch bewirken werde, daß so viele Juden als möglich Rußland verlassen. Die Jca hohe aber die