Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 34 9. Sitzung Montag deu 14. August, Vormittag 10 Uhr. Vorsitzender Vizepräsident Dr. Bodenheimer eröffnet die Sitzung. Frl. Prof. Schach hält ein Referat über „Frauenarbeit im Zionismus ". Sie führt u. A. folgendesaus: „Die Frau hat immer eine große Rolle in der jüdischen Geschichte gespielt. Diese Rolle muß auch den zionistischen Frauen zugewiesen werden. Für die zionistische Frauensache braucht man kein unermeßliches Geld, sondern vielmehr Gemüt und Verständnis. Man muß dem Mrßstande abhelfen, daß selbst die zionistischen Herren ihre Frauen nicht zur Mitarbeit am zionistischen Ideal heranziehen, während die jüdische Frau am Besten dazu geeignet ist, national erzieherisch zu wirken. Es ist beschämend, wenn jüdische Kinder des Hebräischen nicht mächtig find, geschweige denn es überhaupt nicht kennen. Die jüdische Frau soll dahin bestrebt sein, das jüdische Haus zu nationalisieren und zu hebraisieren. Sie soll das Familienleben im echt jüdischen Stil zu gestalten versuchen. Auch bei den Agitations- und Propagandaarbeiten des Zionismus kann die Frau große Dienste leisten und manches erreichen, was oft dem Mann unzugänglich ist. Die Referentin weist auf den im Haag begründeten „Frauenverband für jüdische Kulturarbeit in Palästina" hin, und bezeichnet als die nächste Aufgabe den Zusammenschluß aller zionistischen Frauen. Sie beantragt: „Der Kongreß hält für dringend wünschenswert den Zusammenschluß der zionistischen Frauen und die Errichtung einer Zentralstelle für zionistische Frauenarbeit." Das Referat findet allgemeinen Beifall. Der Antrag wird fall einstimmig angenommen. Dr. Emil M ar gnli es, Referent der Organisations-Kommission, erstattet einen Bericht über das neue Organisationsstatut, welches dem Kongreß vorlag. Er: bespricht die verschiedenen Versuche einer Verbesserung des Statutes, und weist auf die Schwierigkeiten hin, die infolge der verschiedenartigen Verhältnisse und Organisationsbegriffe in verschiedenen Ländern zu überwinden waren; dann behandelt er die Frage der Landesorganisationen und Sonderverbände. Das leitende Organ der Bewegung soll ein Kollegium von 5 oder 7 Mitgliedern bilden, deren Mehrzahl an demselben Orte wohnen soll. Dieses Organ soll einem Aktionskomitee von 25 Mitgliedern verantwortlich sein, dessen Mitglieder ebenfalls die Möglichkeit haben, öfters zwecks Beratung zusammen zu kommen, und,rein Zentralkomitee, aus Vertretern aller Landesorganisationen bestehend, soll einmal im Jahre zusammentreten. Nachdem Herr Dr. Margulies auch andere Detail« des Statuts behandelte, macht Herr Dr. Weizmann, stellvertretender Vorsitzender des Permanenzausschuffes, einige Abänderungsvorschläge, nämlich, daß das Aktionskomitee aus 25 Mitgliedern bestehen, daß das große Aktionskomitee vom engeren Aktionskomitee einberufen werden soll, ferner, daß die Bestimmung, wonach der Vorsitzende des Aufsichtsrates der jüdischen Kolonialbank und der Vorsitzende des Aktionskomitees im Präsidium Sitz und Stimme haben, gestrichen werden soll. Es entspann sich eine Geschäftsordnungsdebatte in Bezug auf den Modus, wie über das Statut diskutiert und abgestimmt werden soll. Im Namen der vereinigten (kleinen) Landsmannschaften verlangt Herr Dr. Marmore!, daß die Bestimmungen bezüglich der Konstituierung des Permanenzaus'chusses als zur Geschäftsordnung gehörend behandelt werden sollen. Dieser Vorschlag wird angenommen. Darauf nimmt der Kongreß das Organisationsstatut eu bloc an, mit. dem von Dr. Weizmann vorgcschlagenen Aenderungen. Korrespondenzen Dir! Juden aus der Dobrudscha beim rumänischen Ministerpräsidenten. Aus Bukarest wird uns geschrieben : Am 10 d. M. ist eine Abordnung der Juden aus Stadt und Distrikt Tultschq in Bukarest eingetroffen, um dem Ministerpräsidenten und Justizminister und dem Minister des Innern eine Denkschrift in der Frage der Ausarbeitung der Wählerlisten in der Dobrudscha zu überreichen. Die Abordnung.-besteht aus den Herren N. Ginsberg, Avudic, H. Ginsberg, I. Ginsberg, Chaim Goldstein, Salomon Avadin, £. Diamant und Weinberg-Sulina. In der Denkschrift wird darauf hingewiesen, dast es 1500 Bewohner der Dobrudscha gibt, denen bei Ausarbeitung der Wählerlisten von der betreffenden Kommission nicht die politischen Rechte bewilligt wurden, obgleich einige dieser Bewohner das Dobrudschaer Bürgerrecht schon seit 30 Jahren besitzen. Die Abordnung verlangt, daß eine Kommission für die Revision der ausgearbeiteten Wählerlisten eingesetzt werde, damit auch denjenigen, die in diese Liste nicht ausgenommen wurden, ihr Recht zuteil werde. Ministerpräsident Marghiloman empfing die Deputation in wohlwollendster Weise und besprach mit den einzelnen Mitgliedern die Angelegenheit sehr eingehend, er liest Seite 865 sich alle Tatsachen genau milteilen und gab ihnen die Versicherung, dast die Regierung die Denkschrift aufs sorgfältigste studieren und gerechten Beschwerden gewist abhelfen werde. Er gab der Deputation auch die Aufmunterung, die ihnen gesetzlich zustehenden Schritte zu unternehmen. Die konservative Regierung sehe es als ihre Pflicht an,, dem Rechte und Gesetze für jedermann Achtung zu verschaffen. Sowie der König bei seiner Anwesenheit in der Dobrudscha den Wunsch aussprach, daß sich die Bewohner dieses Landteils unter seiner Herrschaft wohl fühlen und gedeihlich entwickeln, so habe auch die Regierung stets das Wohl des Landes und aller seiner Bewohner vor Augen. Die Worte des Ministers machten auf die Deputation den tiefsten Eindruck. Landeskonferenz Mischer Kaufleute in Galizien. Im Laufe des Monates Oktober d. I. wird in Lemberg eine Landeskonferenz der galizisch-jüdischen Kaufmannschaft stattfinden. Die Tagesordnung der Konferenz wird unter anderem folgende Beratungsgegenstände enthalten: Sonntagsruhe, Befähigungsnachweis im Handelsgewerbe, Sperrstunde, Arbeitszeit im Handelqewerbe, Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Hausiergesch, Handelsgehilfengesetz, Sozialversicherung im Handelsgewerbe usw. Die jüdischen Kaufleute bilden in Galizien 80 Prozent der gesamten Kaufmannschaft und es ist daher begreiflich, dast die jüdische Kaufmannschaft in Galizien, die das Handelsgewerbe unter ganz eigenartigen Bedingungen auszuüben gezwungen sind, von mancher Verfügung der zitierten Gesetze hart betroffen werden. Der Zweck der Konferenz ist nun,eine Milderung dieser Gesetzesbestimmungen herbeizuführen. UnivMitätsdEnt Dr. Jonas Baron. Aus Budapest wird uns geschrieben: Mit aufrichtiger Ergriffenheit wird das Publikum erfahren, dast Dozent Dr. Jonas Baron, der hervorragende Operateur, jah aus dem Leben geschieden ist. Noch am Abend vor seinem Tode hatte man den populären, seines schlagfertigen Witzes ebenso wie seiner ärztlichen Tüchtigkeit wegen beliebten Mann auf dem Korso beim Abendessen gesehen, morgens war er wie gewöhnlich nach dem israelitischen Spital gefahren, um seine Ordination zu erledigen: kurz vor Mittag kehrte Chefarzt Dr. Baron, geleitet von seinem Assistenten, nach seiner Wohnung zurück. Er war im Spital von einem Unwohlsein befallen worden. Kaum hatte der Primarius seine Wohnung betreten, als er umsank und starb. Ein seltener, ungewöhnlich begabter Mensch, ein vortrefflicher Arzt schied mit Baron aus'dem^Kreisesder Arbeitenden» Seit siebenunddreitzig Jahren bekleidete Dozent Baron diese Stelle unter allgemeiner Anerkennung, umgeben von höchster Wertschätzung. Ihm waren allerlei bedeutsame Reformen in dem grotzen Krankenhause zu verdanken. De'r Nachlaß des Oberrabbiners Dr. Adler. Der Nachlast des jüngst verstorbenen Chief-Rabbi Dr. Adler wurde, wie aus London berichtet wird, mit 13,520 Pfund Sterling festgestellt. Im Sinne des Testaments erhalten mehrere Talmud-Thoraschülen, darunter auch die Jeschibah-Ez-Chajim in Jerusalem sowie das jüdische Krankenhaus Schaarei-Zedel in Jerusalem je 20 Pfund Sterling. Laut letztwilliger Verfügung wird der handschriftliche Nachlast, soweit er nicht durch den Verstorbenen selbst für den Druck vorbereitet wurde, nicht in Druck gelegt werden. Seine berühmte reichhaltige Büchersammlung vermachte er der Londoner Moccata- Bibliothek. Zur Universalerbin wurde seine einzige Tochter, die bekanntlich auch Mitglied des Londoner Grafschaftsrates ist, eingesetzt. D r. Blochs WochMchrift