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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-25 · 34 (25.8.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 heilige Tempel der Israeliten gleichfalls auf dem Berge Gerizim gestanden habe. Sie stützen diese Annahme auf den Bibelvers, wonach der Segen dem Berge Gerizim gespendet wird. Die Samarianer standen stets mit den Juden in schwerem Konflikt. Sie anerkennen weder den Talmud noch die Rabbinen. Ihre heiligen Bücher sind die Thora und die ersten Propheten. Ihr Haupt ist der Hohepriester, der der Gemeinde vorsteht, die Opfer darbringt und die Gesetze erläutert. Die Samarianer sind in steter Abnahme begriffen. Ein Teil bröckelte sich ab, indem er, den Lockungen der Missionäre folgend, zum Christentum übertrat. Ihre Gesamtzahl beträgt heute nicht mehr als 155. Der gegenwärtige Hohepriester ist ein Mann von sehr ehrwürdigem Aussehen. Sein Sohn, der ihm dereinst in der Würde eines Hohepriesters folgen soll, befindet sich in der unangenehmen Situation, aus der Mitte seiner Glaubensgenossinnen keine geeignete Gattin zu finden. Dem Kohanim der Sekte ist es nämlich strenge untersagt, eine nicht zu ihrer Sekte gehörende Jüdin zur Frau zu nehmen und es ist nun charakteristisch, daß die einzigen zwei Familien des Stammes, die heiratsfähige Töchter Haben, sich weigern, dem künftigen Hohepriester eine'Tochter zur Frau zu geben, in der ausgesprochenen Absicht, auf diese Weise das Aussterben seiner „Dynastie" herbeizuführen. Diese kleine Volksgruppe steht aller menschlichen Voraussicht nach knapp vor dem Aussterben. Gegenwärtig gibt es unter ihnen keine einzige Frau, die Mutterfreuden entgegensieht. , Und nun entsteht eine interessante Frage: Wem werden die Besitzungen der Samarianer zufallen, nachdem auch der letzte Mannesstamm erlöscht sein wird? Die kleine Gemeinde besitzt ausgedehnten Grundbesitz, Häuser und wertvolle Effekten, die sie noch aus jener uralten Zeit herübergerettet haben, da sie noch zu Tausenden zählten. Schon jetzt bemächtigen sich Nachbarn eines Teiles ihrer Güter. Auf einem Grundstücke, das vor noch nicht langer Zeit samarianisches Gut war, erhebt sich heute eine Moschee: ihre Badeanstalt wurde von den Arabern einfach erpropriiert. Auf solche Weise verringert sich ihr Besitztum zusehends. Was können sie auch dagegen tun? . . . Sie verrichten Gebete auf dem Gipfel des Berges Gerizim. Man besteigt den Berg in IV2 Stunden. Der Weg hinauf ist sehr beschwerlich und in Etappen geteilt, die durch Steine markiert und in welche Bibelverse eingraviert sind. Ehe der Weg von einer Etappe zur anderen fortgesetzt wird, werden diese Verse laut registriert. Auf der Bergesspitze steht eine Anzahl Zelte, unter denen die Samarianer. unbekümmert um Regen und Kälte, die ganzen acht Pessachtage verbringen, ohne den Berg hinabzusteigen. Das Abenteuer eines Wischen Kurgastes. Ein merkwürdiges Abenteuer hatte der angesehene reiche Kaufmann Nathan Lipsker aus Krakau im ungarischen Badeorte Trencsön-Teplitz über sich ergehen lassen müssen. Seit vielen Jahren kommt Herr Liebster jeden Sommer nach Trencsen-Teplitz zum Kurgebrauch. Auch heuer kam der 71jährige Mann dahin. Da erfuhr er, daß eine arme Frau in ihre Heimat nach Polen heimzukehren wünsche, jedoch die Reisespesen nicht aufbringen konnte. Lipsker veranstaltete nun im Kreise seiner Bekannten eine Sammlung zu Gunsten dieser armen Frau. Als ein Gendarm sah, daß Lipsker von verschiedenen Seilen Geld erhalte, erklärte er ihn wegen Bettelei verhaftet. Der Oberstuhlrichter, dem Lipsker vorgeführt wurde, ließ diesen gar nicht zu Worte kommen; er mußte in Begleitung des Gendarmen in seine Wohnung gehen und sofort seine Sachen packen, da er ausgewiesen sei. Der Seite 563 alte Mann wurde nun gezwungen, sein Gepäck selbst zu tragen, und wurde schließlich an die Grenzgemeinde Hölak gebracht und dort der Grenzpolizei übergeben. Vergebens beteuerte hier Lipsker seine Unschuld, berief er sich auf seine soziale Stellung und bot .eine größere Kaution an, nichts nützte, er wurde einfach in eine Zelle gesteckt. Inzwischen gerieten die fremden Kurgäste in Trencsen-Teplitz über den merkwürdigen Gewaltakt der Polizei nahezu in Aufruhr, und erst nachdem die angesehensten Persönlichkeiten beim Stuhlrichter vorstellig wurden, sandte dieser eine Kutsche nach der Grenzgemeinde. um Lipsker wieder zurückzubringen. Es ist nur zu begreiflich, daß Herr Lipsker die Sache hierbei nicht bewenden lassen und gegen die Polizeiorgane und den Stuhlrichter die geeigneten Schritte unternehmen wird. Die! Mischehe einer jüdischen Lehrerin. Aus Satoralja-Ujhely in Ungarn wird berichtet: Eine an der Schule der hiesigen jüdischen Gemeinde angestellte jüdische Lehrerin ist jüngst, infolge einer Mischehe, die Gattin eines Katholiken geworden, und es ist bezeichnend für die Auffassung der jüdischen Kreise Ungarns, daß nun darüber eine Kontroverse entstehen konnte, ob die genannte Lehrerin auch weiterhin an einer xcjin jüdischen Schule tätig sein könne. Und noch bezeichnender ist es, daß diese Frage gar nicht ohneweiters beantwortet werden kann, da es noch zweifelhaft ist. ob ihre Entlassung auch von dem ungarischen Unterrichtsministerium bestätigt werden würde. In den Regierungskreisen jst man nämlich der Ansicht, daß Mischehen in Ungarn gestattet sind, und die genannte Volksschullehrerin hat demnach nichts getan, was gegen die Landesgefetze oder die guten Sitten verstößt. Man ist in den Kreisen der ungarischen Iudenschaft naturgemäß auf die endgiltige Lösung dieser wichtigen prinzipiellen Frage sehr gespannt. Interessant ist es. daß dieser Fall nicht vereiirzelt dastehl. In einer anderen Gemeinde in Waag-Neustadt! wirkt gleichfalls eine Lehrerin an der dortigen jüdischen Volksschule, die schon vor Jahren in eine Mischehe mit einem Nichtjuden einging. Der dortige Kultusgemeindevorstand hat diesen Affront ruhig hingenommen und so wirkt die betreffende Lehrerin auch heute noch an der jüdischen Volksschule. Zehnter Zionistenkongrrß. (Schluß des Berichtes.) Vierter Tag. 7. Sitzung. Sonntag, den 13. August vormittags. Vor Beginn der Sitzung wird unter stürmischem Beifall die Fahne des Vereines „Ahabatb Zion" in St. Gallen auf der Estrade angebracht. Die Fahne war Morgens durch eine sechziggliedrige Abordnung, welche vom Bahnhof aus in Reih und Glied zum Stadtkasino marschiert war, überbracht worden. Präsident Dr. N 0 r d a u eröffnet die Sitzung um 10st, Uhr. Er macht dem Kongreß die tiefbetrübende Mitteilung, daß gestern in der Nacht der Maler Josef Jzraels verschieden ist. (Das Haus erhebt sich zum Zeichen der Ehrung.) Dr. Nordau gedenkt in ergreifenden Worten des großen Toten und führt unter Anderem aus: Josef Jzrael war einer der hervorragendsten Künstler der zeitgenössischen Malerei. Sein Verlust trifft die gesamte gesittete Menschheit, uns aber geht dieser Verlust noch ganz besonders nahe, denn Josef Israels war nicht nur das Haupt der holländischen Malerschule, er war auch ein jüdisches Künstlertemperament. Wir finden in seinen Malereien die Intensität des Gefühles, die Energie des Ausdruckes, die hohe, sittliche Weihe des emotionellen Gemütsanteiles, die wir als Eigentümlichkeiten der höher gezüchteten Exemplare unserer Rasse ansprechen. Dann weist der Präsident auf die dem Kongreffe geschenkte Fahne des St. Gallener Vereines „Ahabath Zion" hin und spricht im Namen des Kongresses diesem Verein den Dank aus. Nach Verlesung einer großen Anzahl von Begrüßungsschreiben, darunter auch eines von 100 christlichen Bürgern der Stadt Genf und von Pastor Dardier unterfertigten Begrüßungstelegrammes, D r. BLochs WochMchrift

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