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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-25 · 34 (25.8.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Blochs WochMchnft Seite 859 dies ist nun auch kürzlich mit einem Kostenaufwande von mehr als einer Million Kronen geschehen. Den Entwicklungsgang der Kultusgemeiude unter dem derzeitigen Präsidenten veranschaulicht ein Blick in die Rechnungsabschlüsse der Etatsjahre 1903 und 1910. Die angeführten Ziffern werden vielleicht auch das J..tereffe jener Gemeindemitglieder erwecken, die sonst achtlos an den großen Aufgaben der Kultusgemeinde vorübergehen und ihrer Tätigkeit nur geringe Aufmerksamkeit zuwenden. In dem erwähnten Zeitraum sind die gesamten Einnahmen der Gemeinde von rund K 2,200.000.— auf K 3,111.000.—, daher um 41*28 Prozent oder pro Kopf der Bevölkerung von K 14.28 auf K 17.82 gestiegen. Dies aber keineswegs, etwa zufolge höherer Steuerbelastuug der Gemeindemitglieder; die auf einen Steuerträger im Durchschnitte entfallende Quote der Kultussteuer ist vielmehr von K 64.03 auf K 55.10 gesunken. Nur hinsichtlich der Gesamtbevölkerung ist sie pro Kopf von K 7.49 auf K 7.98 gestiegen, wodurch eine Erhöhung der Steuerleistung von K 1,154.458.— auf K 1,392.825.—, demnach um 20*6 Prozent bewirkt wurde. Aus den letztangeführten Ziffern ist schon ersichtlich, daß dieses Resultat nur durch Heranziehung weiterer Kreise zur Besteuerung erzielt werden konnte. Tatsächlich hat sich bei einem Zuwachs der Bevölkerung um 13'2 Prozent die Zahl der Steuerträger von 18.029 auf 25.276, daher um 40'2 Prozent vermehrt und der Prozentsatz der besteuerten Gemeindemitglieder von 11.69 Prozent auf 14'48 Prozent erhöht. Daß sich die Finanzpolitik der Gemeinde nicht die möglichste Anspannung der Steuer zum Ziel setzt, sondern auf die Erhöhung der Einnahmen auch aus anderen Quellen bedacht ist, geht weiters aus dem Umstande hervor, daß der Betrag der eingehobenen Kultussteuer im Jahre 1903 51-4 %, im Jahre 1910 nur noch 44*5 % der gesamten Einnahmen repräsentierte. In der gleichen Periode sind aber die Ausgaben von rund L 2,081.800 auf rund K 3,182.300, demnach um 52 9 % oder pro Kopf der Bevölkerung von K 13*50 auf K 18 23 gestiegen. Dieses um 11*62 Prozent ungünstigere Steigerungsverhältnis der Ausgaben gegenüber den Einnahmen ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Einnahmen aus den Kultus- und Unterrichts-Verwaltungszweigen nahezu stabil geblieben sind, beziehungsweise sich sogar vermindert haben, während die bezüglichen Ausgaben naturgemäß gewachsen sind. Weiters wurde das Budget im Jahre 1910 durch bedeutende außerordentliche Ausgaben, wie die Erbauung der Mikwah und des Knaben-Waisenhauses, belastet. Zur Deckung Hes gesamten Erfordernisses trug die Kultussteuer im Jahre 1903 53*47 °/0, im Jahre 1910 aber nur 43*77 % bei. Zur Aufbringung des Fehlbetrages mußten also, da die Erschließung neuer Einnahmsquellen — ausgenommen etwa die Auflage einer Armensteuer nach englischem Muster — kaum möglich ist, die Einnahmen aus anderen Titeln ergiebiger § gestaltet werden. Die finanziellen Sorgen, mit welchen der Kultusvorstand jahraus jahrein zu kämpfen hat, haben, wie aus den nachstehenden Daten ersichtlich, ihren Ursprung keineswegs in der Schwierigkeit, die Mittel zur Erfüllung der eigentlichen Aufgabe der Gemeinde, die Befriedigung der kultuellen und kulturellen Bedürfnisse ihrer Angehörigen, aufzubringen. Die Ursache ist vielmehr der immer mehr anschwellende Aufwand für das gesamte Ärmenwesen und die Wohlfahrtseinrichtungen. Derselbe ist von rund K 683.450 auf K 1,089.500, daher um 59*4 % gestiegen. Den zahlreichen in der besprochenen Periode zugunsten der Humanitären Anstalten der Gemeinde neuerrichteten Stiftungen, wie den erheblichen Spenden ist es hauptsächlich zu danken, daß sich die Einnahmen dieses Verwaltungszweiges von L 178.377 auf K 373,806, also um 109*5 % erhöht haben, so daß sich der erforderliche Zuschuß aus Gemeindemitteln absolut wohl von K 505.082 auf K 715.685 erhöht, relativ jedoch von 73*9 % auf 65*7 % vermindert hat. Die Belastung des Gemeindebudgets aus diesem Titel bewegt sich trotzdem in aufsteigender Linie und stieg von 32*8 % im Jahre 1903, auf 34*2 % im Jahre 1910, Das Erfordernis für den Kultus ist von rund K 425.100 auf K 650.600, demnach um 53% angewachsen. Dem gegenüber sind die Einnahmen von K 230.885 auf K 233.960, also nur um K 3075 oder 1*33% gestiegen, so daß sich der aus Gemeindemitteln erforderliche Zuschuß von 45*8% auf 64% erhöhte. Die Ausgaben für das Unterrichts- und Bildungswesen sind von rund K 260.800 auf K 375.600, daher um 44% gestiegen; die eigenen Einnahmen dagegen haben sich von K 57.133 auf K 48 841, also um K 8292 oder 14.5®/, vermindert, so daß sich der aus Gemeindemitteln geleistete Zuschuß von 78% auf 87% erhöht hat. Was das Beerdigungswesen anbelangt, so hat sich bei einem ziemlich gleich bleibenden Verhältnis der unentgeltlich erfolgten Beerdigungen — mehr als 62% — zufolge der für Klaffen-Beerdigungen erhöhten Gebühren, der Ueberschuß aus der bezüglichen Gebahrung von X 223.279 auf K 503.436 oder um 125*4% erhöht. Dieser diente, wie zumeist seit jeher, zur teilweisen Deckung der Bedürfnisse für das Armenwesen. Die Zahl der in Verwaltung der Gemeinde stehenden Stiftungen ist von 574 auf 751 und das bezügliche Stiftungskapital von rund K 8,500.000 auf rund K 14,300.000 gestiegen. Die von der Gemeinde verwalteten Fonde haben sich von 8 auf 10 und ihr Effektenbestand von K 1,689.370 auf K 2.364.540 erhöht. Schließlich sei noch erwähnt, daß sich das Reinvermögen der Gemeinde seit 1903 von K 86.271 auf K 275.675 vermehrt hat. Die immer größer werdenden Anforderungen an die Gemeinde stehen leider mit dem Steigeruugsverhältnis ihrer Einnahmen nicht in Einklang. Dies ist auch der Grund, daß die vom Präsidenten Dr. Alfred Stern so sehr gewünschte, einem immer fühlbarer werdenden Bedürfnisse Rechnung tragende Errichtung eines neuen Tempels in der Innern Stadt, eines neuen Amtshauses, eines Kinder-Spitales und eines Kinder--Asyls bisher nicht durchgeführt werden konnte; möge ihm die Erfüllung dieser Herzenswünsche in naher Zukunft ermöglicht werden. Der ungarische Ministerpräsident «der Antisemitismus. Graf Khuen-Hedervary, der derzeitige Leiter des ungarischen Kabinetts, hatte Gelegenheit, sich über einen Fall von wahrhaft hunnischer Justiz gegen einen Juden zu äußern. Der Tischler Moses Tkasz aus Sztropko erschien in Audienz beim Grafen, um sich über Pandurenmaßnahmen der politischen Behörden zu beschweren, welche an das finstere Rußland erinnern. Man hatte den jüdischen Tischler aus seinem Wohnorte, wo er seit dreizehn Jahren fleißig und ehrlich seine Werkstatt betreibt, samt seiner und mehreren anderen Familien über Nacht ausgewiesen. Während sich Moses Tkasz in Budapest und seine Kinder kurzerhand über die Grenze abgeschoben und zwar so rücksichtslos und unbekümmert, daß der trostlose Handwerker nicht imstande war, von ihnen Nachbefand, um Einspruch zu erheben, wurden seine Frau richt zu erhallen. Man hatte also nicht nur ihn zum Bettler gemacht, sondern auch noch seine unschuldigen Kinder dem größten Elend und einem ungewissen Schicksal ausgeliefert. Gewiß die größte Schande für einen Kulturstaat.

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