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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-25 · 34 (25.8.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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©eite 658 Nr. 34 Dr. Blvchs WochMchrist und nicht um dasjenige einer Richtung innerhalb derselben handle. Und es besteht heute kern Zweifel mehr darüber, daß der damalige Erfolg in Bosnien zum größten Teile dem Umstande zu danken war, daß diese Mahnung Dr. Sterns bei den bosnischen Juden das richtige Verständnis fand. Dieses Bestreben, die Einheitlichkeit der österreichischen Iudenheit überall, wo es not tut, zu dokumentieren, sie behufs Verteidigung, Erhaltung und Fortentwicklung des Bestehendem behufs Durchsetzung gerechter Forderungen zu gemeinsamem Vorgehen heranzuziehen, war stets der Grundzug aller größeren Aktionen Dr. Stern s. Diesem Bestreben ordnet er selbst seine eigene Meinung unter und diesem Bestreben entsprang auch sein unvergeßliches Eingreifen in den Kampf gegen die Täuflings und Ueberläufer. Indem er sich vor mehr als einem Jahre, unter dem enthusiastischen Beifalle aller gutgesinnten Juden an die Spitze jener Männer stellte, die es als die größte Selbsterniedrigung ansahen, einem genausten Juden das Mandat eines Wahlbezirkes mit jüdischer Majorität anzuvertrauen, wollte er nichts, als feierlich bekunden, daß die Juden in der Abwehr jedes Angriffes auf ihre Ehre und ihre Selbstachtung, möge er von welcher Seite immer kommen, einig sein müssen. Und um diesem geeinten Vorgehen nach Außen hin den geeigneten Rahmen zu geben, ihm gewissermaßen den gesetzlich begründeten Nachdrück zu sichern, ist es das eifrigste Bemühen Dr. Alfred Sterns, als Präsidenten des „Allgemeinen österr. israelitischen Bund", diese von ihm ins Leben gerufene Organisation zu einer autoritativen Gesamtorganisation der Iudenschaft Oesterreichs umzugeftfllten. Eine Kampsnatur wie Dr. Alfred Stern schafft keine Schwärmer um sich. Kampf hat Widerstreit zur Folge. Willensstärke Persönlichkeiten erwecken immer die TlMusri^enheit minder starker Charaktere. Das hat Dr. Alfred Stern während seiner langen öffentlichen Tätigkeit bis zum heutigen Tage an stch erfahren. Die wirklich Alten finden das impulsive Vorwärtsstreben des Achtzigjährigen, seinen Demokratismus, der ihn in die stürmischesten Versammlungen führt und mit den Mitgliedern der Gemeinde in Kontakt bringt, unbehaglich: die wirklich Jungen an Jahren, Wissen und Erfahrung wollen es ihm nicht verzeihen, daß die Wege seiner Politik nicht ihre Richtung nehmen und die Willensschwächen erblicken in ihm einen Autokraten. Aber alle stehen sie im Banne seines hervorragenden Geistes, seiner unbeugsamen Willenskraft und seines rastlosen Bemühens, das Ansehen dieser großen Gemeinde zu erhöhen. Und sie Alle werden am 80. Geburtstage Doktor Alfred Sterns den Wunsch haben, daß die Leitung unserer Gemeinde noch lange in seiner starken Hand bleiben möge. _ Dir Entwicklung der Wiener Kultnsgemrinde unter dem Präsidenten Dr. Alfred Ster«. Anläßlich seines 80. Geburtstages. Vom Archivbeamten Sigmnnd Hufserl. Seit mehr als zwanzig Jahren ist der Name Doktor Alfred Stern mit der Geschichte unserer Gemeinde auf das Engste verknüpft. Ende 1888 in den Kultusvorstand gewählt, wurde Dr. Alfted Stern im Jahre 1890, als die Verfassung eines neuen Statutes zufolge des Gesetzes vom 21. März 1890 „betreffend die Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft" erforderlich wurde, vom Kultusvorstande damit betraut. Die Lösung dieser Aufgabe gestaltete sich umso schwieriger, als nicht nur das Verhältnis der Gemeinde zu den -zahlreichen Bethausvereinen dauernd geregelt, sondern auch Vorsorge getroffen werden mußte, daß die Gemeinde den ihr durch das zitierte Gesetz, neu auferlegten Pflichten auch werde entsprechen können. Die Protokolle über die langwierigen rnühevollen Verhandlungen welche Dr. Alfred Stern sodann mit den Vertrauensmännern dieser Vereine führte, legen Zeugnis davon ab, daß er sich hiebei schon damals, wie stets seither, ausschließlich von dem Grundsätze leiten ließ, den Frieden und die Eintracht innerhalb der Gemeinde zu erhalten, ohne ihre Einheitlichkeit prciszugeben. Nachdem das neue. Statut unter Zustimmung nahezu aller in Betracht kommender Faktoren endlich Mitte 1896 die staatliche Genehmigung erhalten hatte, anerkannte der aus Neuwahlen hervorgegangene Kultus-Vorstand die Verdienste, welche sich Dr. Alfred Stern durch die Verfassung desselben um die Gemeinde erworben hatte, indem er ihn bei seiner im Dezember 1896 erfolgten Konstituierung zum zweiten und nach dem Plötzlichen Ableben des Präsidenten Gustav Simon, im Februar 1897, zum ersten Vize- Präsidenten wählte. Als solcher war er bis Ende 1903 ein treuer Mitarbeiter des Präsidenten Heinrich Klipger und hat insbesonders an der Neuorganisation des Kultus- Vorstandes werktätigen Anteil genommen. In seiner Eigenschaft als Obmann der Rechts-Sektion wurde Dr. Alfred Stern auch das über seine Anregung im Jahre 1898 neu errichtete Stiftunhsamt unterstellt. Nachdem Präsident Heinrich Klinger zu Beginn des Jahres 1904 sein Mandat niedergelegt hatte-,- wurde Dr. Alfred Stern am 10. April 1904 zum Präsidenten gewählt. In dieser Stellung hat er gleichwie die geistigen Führer unserer Gemeinde seit jeher seinen Einfluß im Kultusvorstand aufgeboten, in Fragen, die nicht nur unsere Gemeinde als solche, sondern das Judentum im Allgemeinen betreffen, nachdrücklichst Stellung zu nehmen. Die Aktionen des Kultusvorstandes gegen die Blutlüge, die Anfeindungen des Judentums im Jnlande und die Hinschlachtung unserer Glaubensbrüder in Rußland sind noch in aller Erinnerung. Hier sei nur der durch den Vize-Präsidenten Dr. Gustav Kohn so erfolgreich vor dem' Verwaltungs-Gerichtshofe vertretenen Abwehr hinsichtlich des Schächtverbotes und ber Besetzung mehrerer Schulleiterstellen gedacht. Wiederholt und niemals erfolglos hat er einen Weckruf an die Gemeindemitglieder gerichtet, wenn es galt, die Mittel zur Sanierung bestandener, den Traditionen des Judentums widersprechender Uebelstände herbeizuschaffen. So forderte er insbesonders zur Restaurierung der verfallenen Grabsteine und Aufrichtung der Grabhügel am alten Währinger- Friedhof auf; dessen gärtnerische Ausschmückung .wurde sodann aus Stiftungs- und Gemeindemitteln bewerkstelligt. In die Zeit der Präsidentschaft Dr. Alfred Sterns fällt die Erbauung der Mikwah, die Erweiterung des Spitales und der Versorgungsanstalt, die unter namhafter Subventionierung der Gemeinde erfolgte Errichtung der Vereinstempel in Margarethen und Döbling, sowie des vor kurzem eröffneten Knabenwaisenhauses. Die Gemeinde sorgte durch Errichtung einer eigenen Bildungsaustalt für den Nachwuchs an- Religionslehrern und unter ihrer Mitwirkung wurde das Kaiserin Elisabeth- Institut für jüdische Krankenpflegerinnen ins Leben gerufen. Nachdem t er Belegraum auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes nur noch für die Dauer von wenigen Jahren ausreichen wird, trat an den. Kultusvorstand die wichtige Frage der Erwerbung eines neuen Friedhofsgrundes heran. In Konsequenz der von Dr. Alfred Stern in dem geltenden, von ihm verfaßten Statut durch eine bezügliche Bestimmung zum Ausdruck gebrachten und in dem Motivenbericht hiezu näher erläuterten Anschauung, daß einer Lehre des Judentums gemäß der Tote seine Grabstätte als unantastbares Eigentum. erwerben soll, trat er nun dafür ein, selbständig eine Friedhofsarea anzukaufen;

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