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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr.-33 jiSfO^aT- -ar.y."— Dr. Bkochs Wochenschrift „Blüten über Blüten". Ihn, den die Kunst festhielt, weist man mit seiner Oper ab. In Graz, die Oper eines jüdischen Konzertmeisters! Welche ein Wahnsinn! In Graz, die Oper eines Juden, der sich mit einem „Goten" geschlagen, und, uoirwilo niotu, ihn sogar abgeführt hat! Wie kann da der Jude glücklich werden? Vohnstock bleibt nichts als seine Geige, seine Kunst. Er wandert nach Wien. Dort, in der Weltstadt, findet er, was ihn versöhnt. Der Haß unterer Volksschichten wird in der Residenz doch abgeschwächt durch jene, die aus dem Völkergemisch hervorgegangen sind und denen Sprache und Stamm nur eine Zufälligkeit bedeuten. — Bartsch hat in seinen „12 aus der Steiermark", moderne, nach neuen Idealen ringende Menschen gezeichnet. Da durfte die Gestalt des Juden nicht fehlen. Er hat auch mit kräftigen, wahrheitsgetreuen Zügen die Naturgeschichte des modernen kämpfenden Juden gezeichnet, wahrlich nicht zu unserer Unehre. Sicher ist. daß wir viele Bohnstocks in unserer Mitte haben. Frage nur, ob wir wünschen, daß unsere jungen Leute den Weg nach der „Asphodeloswiese der Weltgäste" eirb schlagen, den Frau von Karminell dem für die Kunst begeisterten Jünger zeigt. — Nein, wie Abgeschiedene wollen wir uns nicht Vorkommen. Auch wir wollen unser Teil an der Sonne, am Leben, den man uns nehmen möchte. — Ein Tropfen Makkabäerblut ist ja doch in uns enthalten. Und wir gehören einem Volke an, das, wie kein anderes, bis zur Verzweiflung kämpfte, sowie der Jude Bohnstock mit dem „Goten" Arbold. — Und nun zum S^)rup. Um Mißverständnissen vorzubeugen, erwähne ich sofort: Das ist'die Iudengestalt in der „Elisabeth Kött". Kein Bankier, vorläufig nur ein Bankbeamter. Und ein schwärmerischer Bewunderer der Kött. Das M eine große Künstlerin, eine Schauspielerin, eine Tragödin, welche die Lady Macbeth unvergleichlich spielt. In Graz ist ihr Stern aufgegangen, in Wien erreicht er seine Höhe, unter den Kroaten und Magyaren, wohin sie ihre Kunst trägt, geht er unter. Ohne Bartsch nahe treten zu wollen, wollen wir anmerken: Die Höhe der „12 aus der Steiermark" erreicht dieses Bild einer Schauspielerin nicht. Die Gewalt der Sprache ergreift uns auch in diesem Romane, aber der Stoff scheint uns etwas übertragen. Von Bartsch, dem Dichter der „12" und der „Haindlkinder" erwartet man mehr. . . . Und, dieser Syrup ist kein Bohnstock, das ist ein für die Kunst begeisterter Handlungsjünger, der freilich eines besitzt, was den meisten der Kött-Bewunderer fehlt — die Treue. Die echte, starke, jüdische Treue. Syrup folgt der Kött in das slawonische Nest, wohin sie zuletzt ihre Kunst getragen hat. Und, da sie gestorben, kann er nicht mehr leben. Man begräbt ihn, den Juden, zu Füßen der Verstorbenen, wie er es gewünscht hatte. Das gewährt ihr und ihm 'die christliche Liebe. Da man aber seinen Vornamen erfahren möchte und sich deshalb an siene Angehörigen in Wien wendet, antworten diese nicht einmal, denn wozu sich npch kümmern um einen Menschen, der wegen einer „Goya" durchgegangen ist. Mit Verlaub. So wie Bartsch diese Bezeichnung „Goya" irgend einer nicht gerade lauteren Quelle entnommen hat, zeichnet er hier die Juden falsch. Mag Syrup durchgegangen sein, und noch dazu einer Schauspielerin halber, mögen seine Angehörigen orthodvX sein, wir glauben es nicht, daß ihre Gehässigkeit soweit ging, die Angabe des' Namens des Verzweifelten zu verweigern. . .-. Noch ein anderes Wort hat Bartsch in diesem Romane geprägt, das einen, fast möchte ich sagen, gehässigen Beigeschmack besitzt, das vom „Wohltätigkeitsjuden". Nehmen wir diese Bezeichnung als einen Ehrentitel hin, wie sich .ihn die Geusen stolz' beilegten, indem sie sich also Bettler nannten. Bohnstock und Syrup haben manches Aehnliche in ihrem Charakter. BMe stnb sie SchMrmer für hie -Kunst, beide Seite 65& gesühl- und gemütsvolle Menschen, voll Hingebung. Edelmut und Treue. Es sind keine Verstandes- — sondern Gemütsmenschen, mit einem Herzen, das nach einem Ideale ringt, da ihm das jüdische Ideal verloren ging. Auf keinen Fall sind sie Sombartsche Tachlismenschen. Dr. Mar Grünfeld. Literat«». Leopold Schwarz: Daniel, Musikdramatext in 1 Akt. Bränn, 1911, Selbstverlag, Druck von Markus Kral, Brünn. Der vielseitige Dichter und Schriftsteller, der durch seine Schriften über den Vegetarianismus besonders vorteilhaft bekannt wurde und auch in diesen Blättern mehrfach schon znm Worte kam, beschenkte die literarische Welt mit einem ganz eigenartigen Musikdrama, das den Inhalt des V. Kapitels des Buches Daniel, eines der gewaltigsten Dramen der Geschichte enthaltend, in schönen Versen daistellt. Was Heine in seinen „Belsazar“ in Bailadenform besingt, das bekommt durch das Werk unseres Dichters dramatisches Leben. Es ist auffallend, dass sich noch kein Dichter fand, der diesen tragischen Stoff als Drama behandelte, Wir wünschen nur, dass sich für dieses Musikdrama der richtige Vertoner finde, der die ihm angemessene Musik schriebe. Die schöne Arbeit von Leopold Schwarz verdient auch den richtigen, geeigneten Komponisten, der ihr passenden, musikalischen Ausdruck verliehe. Von demselben Verfasser erschien zugleich ein Heft Gedichte untör dem Titel „Buch der Leiden, Trost-und Trutzgedichte eines Kämpfers, I.Teil,Brünn, 1911.Selbstverlag, Druck von M. Kral, Brünn. Ein moderner Hiob spricht zu uns aus diesen Dichtungen. Ein Dulder, ein Kämpfer und Sieger, ein Mann, der seine eigenen Pfade geht, die breite Heeresstrasse, den Philisterweg meidend. Man wird, wenn man den Dichter kennt, unschwer erkennen, dass er in diesen Herzensergüssen sein ganzes, reiches Gemütsleben, sein Leid und seinen Kampf entrollt. „Durch Leid zum Licht, durch Kampf zum Sieg“ ist auch er gelangt. Die ersten acht Dichtungen sind durch die Schlussworte, welch» dann die Anfangsworte der nächsten Gedichte bilden, kettenartig mit einander verbunden. Das ist sehr schön und höchst originell. Die Gedichte „Hiob“, „Heine“, das letztere zu dem Texte „Was soll mir die einsame Träne?“ wirken ergreifend und erhebend zugleich. Die Dichtung „Kein Schwert“ ist ungemein gedankenreich, den Friedensgedanken in schönen Worten verkündend. Ein nicht gewöhnlicher Poet hat uns mit einer prächtigen Gabe beschenkt. Möge sie grosse Verbreitung finden und viel gelesen werden. Dr. M. Grünfeld. Josef Lauff, Marie Verwohnen. Ullstein-Bücher. Ullstein & Co., Berlin SW. 68, Kochstrasse 23—24. 1 Mk. In einem religiösen Konflikt zwischen Protestantismus und Katholizismus greift als Nebenfigur auch ein Jude ein, der alle Glanzseiten eines edlen Charakters zeigt. Dass aber ein orthodoxer Jude mit Schläfealöckchen sich rasieren lässt, ist ein Unding. Alfred Lichtwitz, Zahnarzt in Guben. Jüdische Politik und ihr Verhalten zur Türkei. Ein Mahnruf. Verlag des Verfassers. Guben 1911. Jewish Kolonisation Association. Rapport de l’Administration Centrale au Conseil d’Aministration pour l’annöe 1910. Präsente a i’Assemblee Generale du 1. Juillet 1911. Imprimerie R. Veneaiani, Paris, 8, Rue Menars. SrirfKastrrr^ E. B. in M. Herr Dr. B l o ch befindet fich bereits seit zwei Wochen fern von Wien auf Urlaub und dürfte erst Anfangs September wieder in Wien eintrrffen. , t. L. K. Nach den neuesten statistischen Erhebungen beläuft fichdre Zahl der Juden in Russisch-Polen auf 1.748.000 Seelen, das find bei einer Gesamtbevölkerung von 13 Millionen zirka 14"/». Die Zahl der Juden in Russisch-Polen nimmt seit 100 Jahren ständig zu, während in den polmschen Gebieten Deutschlands und Oesterreichs ein Rückgang der jüd.fchen Bevölkerung zu verzeichnen ist. Im Jahre 1831 betrug die Zahl der Juden in der Provinz Posen ungefähr 77.000 Seelen, im Jahre 1905 zählte man dort nur etwas über 30.000 Juheu. Äehnlich verhalt es sich in der Provinz Weflpreutzen: die Zahl der Juden in dieser Provinz betrug im Jahre 1856 25.000, hingegen ün Jahre 1905 blotz 16.000 Seelen. Auch in Galizien ist seit dem Jahre 1880 die jüd sche Bewohnerschaft absolut und relativ in ständigem Rückgang begriffen. In dem genannten Jahre machte die jüdische Bevölkerung lb°/0 der Gesamtbevölkerung aus; gegenwärtig beträgt der Prozentsatz etwa 5'5.

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