Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Dr. MGs MMeMM - S-tte SSL Nr. 33 geraten in die soschwer zu vermeidende Gefahr,, zu verallgemeinern, wenn wir die Züge, die er dieser abscheulichen Figur leiht, Ms die Gesamtheit unserer Jugend übertrügen. Es wäre traurig um uns bestellt. Was wir nun an Rudolf Hans Bartsch loben müssen, ist, daß er der Wahrheit in bezug auf das Judentum und moderne Juden viel naher kommt oder näher zu kommen sucht, obgleich wir auch ihm manches kaum glauben können. Bartsch hat sich mit seinen Romanen „Zwölf aus der Steiermark", „Die Hai.rdlkinder", „Das sterbende Rokoko", „Elisabeth KöL", mit seinen „bittersüßen Liebesgeschichten", einen Namen gemacht, der weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus leuchtet. Sein Stil insbesondere zeigt den Herren im Reiche draußen, daß auch ein Oesterreicher schreiben kann. Wenn man von diesem Stile sagt, er sei glänzend, blühend, hat man nicht viel zu seinem Lobe gesprochen. In den Kreis der „Innerlichen", „Der Sonnensucher",;n den „Zwölf aus der Steiermark" tritt plötzlich, unverhofft, Me aus der Pistole geschossen, — der Jude, der den züm- Lachen reizenden Namen Bahn stock führt. Immerhin ist er noch schöner, als der Name Syrup, mit dem Bartsch den Juden in der „Kött" bedacht hat. Frau Else von Karminell, die von den Sonnensuchenden Grazern Angebetete, hat ein Lied Kantileners, des von ihr später einzig Beglückten, gesungen. Es wird in dem versammelten Kreise gefragt, wer die Musik dazu gemacht hat, wer es „vertonte". Man rät, wer dies begnadete Talent sei. Und Else verrät es endlich. Sie sagt: „Er möchte mit Ihnen Freundschaft halten, . . . aber er ist Jude". Wir glauben dem Dichter,, daß darauf hin alle still wurden, sie, die Hisher für den, der noch Lieder schreiben kann, in Helle Begeisterung gerieten. Ein Jude, mit dem darf man einem nicht kommen in dem antisemitischen Graz, aber auch anderwärts nicht. Ein Talent aus dem gehaßten VolLe, das reizt wie das rote Tuch ein gewisses Tier., ,Denn alles, was nach der Meinung dieser jungen Leute jenes Volk trieb und dachte, gehörte dem großen Gebiete, der bedrückten unerlösten Fremde an: Geld, Gut, Ware, Bedarfsliteratur, Nutzkultur." Die „>l2 aus der Steiermark" sind lange vor Sombarts Werke geschrieben worden. Aber, wird nicht mit diesen Worten der ganze Inhalt dieses dickleibigen Buches vorweggLnommen? Die Juden sind nach der landläufigen Anschauung des internationalen Antisemitismus die„TachlisMenschen". Das glaubt man ebenso in Graz, wie in Berlinür Wien ebenso, wie in Hamburg. „Wenn der Mensch emen Haß von seinem Herzen lassen soll, das' ist das schwerste von allem". Wie richtig hat Bartsch das gegen uns wütende Vorurteil geschildert! Wie ein Dichter der Wahrheit. And nun erklärt einer der Sonnensuchenden aus der Tafelrunde, Helbig, den jüdischen Sinn für die Musik aus ihrer Sinnlichkeit. Dann wird das Wagner-Problem vor uns entrollt. Der macht „germanische Verstandesmusik". Aber woher die „Wüsteneimelodie der Hirtenflöte" im „Tristan"? „Die schmeichelnde Sprechmodulation Mimes"? Und, fügen,wir hinzu, die aus starker Sinnlichkeit emporquellenden Töne in seinen anderen Musikdramen? Es wird doch am Ende nicht Wagner selbst von Juden abstammen? And dieser Amos Bo hn stock, der Sohn eines Trödlers, der Geiger und Konzertmeister geworden, nachdem er, nach vollendetem Gymnasium, zum Schmerze des Vaters „in die Mufft durchgebrochen" und am Grazer Theater nun wirkt, wie wenig hat dieser überlange, seinem Namen Ehre-machende Bohnstock von einem Verstandesmenschen,, er, dessen ganze Lebenskraft sich in musikalisches Empfinden „umartete". Aber dieser Mensch, dieser Jude, besitzt neben der Sehnsucht nach der Musik, , noch eine andere, „nach dem ZMtschgermanischen Wesen". And er, der so gerne Germane werden möchte, dringt nun in den Kreis ein, den Frau von Karminell um sich gezogen, scheu und still sitzt er am Klavier und sagt den Freunden am Klavier desto schöner, wie gut er zu ihnen gehöre". Sie liebten ihn bald alle, außer einem, der sich von Antisemitismus, der in ihm versteinert ist, nicht losmachen kann. Warum es die anderen konnten? Bartsch sagt es mit den bedeutsamen Worten: „Sie waren zu intelligent, um prinzipienfest zu sein". Man muß demnach auch als Antisemit ein Prinzip haben. Hier möchten wir ein weniges dem Dichter entgegen. Die Bohnstocks, die jüdischen Wagnerianer, glauben wir ihm, daß aber Grazer oder andere Antisemiten sie gegen das Prinzip in ihre Kreise eindringen lassen, das schon weniger. Der schwärmerische Bohnstock, der, seinem Vater zum Trotz, Musikant geworden war, wird sich doch auch nichts daraus gemacht haben, die letzten Konsequenzen aus seinem schwärmerischen Germanentum zu ziehen. ... Es ist aber, als hätte Bartsch in diesem Musikanten, diesem Sohne des jüdischen Trödlers ein wahres Paradoxon schildern wollen. Der Jude, der als Nutzmensch hingestellt wird, kommt in ihm so wenig zum Durchbruche, daß er einen rührenden Haß gegen Technik und Industrie zur Schau trägt, er wünscht sich aus dieser Welt weg, in der schon - Kinder „an der Nutzknechtung der Menschenseele" arbeiten. Das ist der Jude Bohnstock, den Bartsch uns darstellt, der wohnt nicht bei seinen Eltern, „er braucht die Nähe des Theaters und die Kerne geschäftlichen Druckes". Wir glauben, genügend auseinanderglesetzt zu haben, wie sich die Welt dieses Juden in des Dichters Geiste spiegelt. And, sein Ende? Wie schließt dieser germanische Jude? In den Straßen der steirischen Hauptstadt ist der Kampf zwischen Deutschen und Slawen entbrannt und Bohnstock, der jüdische Germane,^kämpft für die Größe des Deutschtums. In diesem Augenblicke, da ihn einer aus dem Freundeskreise Frau von Karminells, der das Militär kommandiert, verhöhnt, weil seine-jüdischen Arme die „heilige deutsche Kraft" stützen und Arbold, der Student und „Gote", der auch aus jenem Kameradenkreise hervorgegangen, dies hört, da muß Bohnstock das häßliche Schimpfwort vernehmen, das man uns so gerne zuruft und mit dem man laut die alte Wahrheit verkündet: Aus dem Juden kann doch kein Germane werden. Arbpld, der „Gote", unterliegt dem langen Bohnstock, denn der kämpft mit jener Verzweiflung, welche seit den alten Tagen nur die „Punier und Juden" bewiesen. Und, der jüdische Student, der Bohnstocks Sekundant gewesen rühmt chm Wien mit seinen jüdischen Burschenschaftern und dem Zionismus. „National müssen wir werden." .-. . Bohnstock hat aber das Zeug nicht in sich „national" zu werden, nämlich nicht „jüdisch-national". Er gehört nicht zu den Juden, welche ihrem Volke die Makkabäer schenkten. And nun gibt Bartsch dem jüdischen Volke, bezeichnend genug, durch den Mund Frau von Karminells. etwas fadenscheinige Lehren. Diese meint, „das aggressive Judentum sei ein Unding". So kann der Satte, der Sichere sprechen,. dem im Leben nichts abgeht. Ob aber „die zähe Stammgemeinschaft der unintelligenten Orthodoxen den dumpfen Groll der umlebenden Völker erweckt", das möchten wir .bezweifeln, wenn auch ein Körnchen Wahrheit in diesen Worten enthalten sein mag. „Der einzige Schutz des gelobten Volkes ist, daß es unerschöpflich seine Intäligenzen an die große Weltbürgerschaft abgibt, wie einst das Opfer seines schönsten Mädchens an den Perserkönig seine Rettung war." Ein .schönes, echtes, dichterisches Bild. Und eine große Wahrheit wird hier ausgesprochen. Aber, was war unser Lohn dafür, daß wir „Blüten über Blüten in fremde Gärten schenkten und noch schenken?" Bleiben wir hei Bohnstock. Er ist symbolisch für diese Schenkung von