Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr/33 Dr. Vkochs Wochenschrift Seite 553 erwarte, er erbat sich das Vertrauen, ohne welches ein gedeihliches Zusammenwirken nicht möglich. sei. Unter anderem erklärte der Redner in seiner schönen, zu Herzen gehenden Predigt, er sei als Bote des Friedens gekommen und wolle die alttraditionelle Lehre des Judentums mit den Forderungen der neuen Zeit harmonisch zu vereinen suchen. Bei offener Bundeslade wurde das Kaisergedet vorgetragen. Die Volkshymne und das Olenugcbet bildeten den Schluß der erhebenden Feier Schaff«. (Todesfall.) Dienstag den 8. August 1911 wurde hier Frau Betti Deutsch aus Vöttau, eine Schwester des verstorbenen Präsidenten der Kreditanstalt Karl Weiß von Weißenhall, eine der edelmütigsten Frauen im 86. Lebensjahre zur ewigen Ruhe bestattet. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Hust gedachte in seiner tiefempfundenen Trauerrede der Verdienste, die sich die Verstorbene in ihrem stillen humanitären Wirken erworben hot. Die Ortsbewohner von Vöttau, wo diese edle Frau durch viele Dezennien so segensreich wirkte, bewiesen ihre Liebe zu ihr durch massenhafte Beteiligung an ihrem Leichenbegängnis. Der Ortspfarrer war einer der ersten, welcher durch christliche Kondolenz, m welcher er die Vorzüge der Entschlafenen pries, seiner Teilnahme der Familie gegenüber Ausdruck gab. Neubydzov. Am 18. Juli d. I. fanden die Neuwahlen in die Vertretung der hiesigen Kultusgemeinde statt. Als gewählt erschienen in den Kultusvorstand die Herren: Karl Braun, Friedrich Herrmann, Erwin Klein, Emanuel Stern, Gustav Schick und Julius Fanta. Bei der am 70. August stattgefundenen Konstrtuierung des lieugewählten Vorstandes wurde Herr Karl Braun einstimmig zum Kültusvorsteher, Herr Erwin Klein zum Kultusvorsteher-Stellvertreter gewählt. Ferner zum Tenipelvorsteher Herr Karl Braun, zum Kassier und Tempelvorsteher-Stellvertreter Herr Friedrich Herrmann, zum Rechnungssührer Herr Emanuel Stern, zum Friedhofverwalter Herr Julius Fanta, zum Verwalter der Gemeinderealitäten Herr Gustav Schick. Herr Karl Braun bekleidet schon seit einigen Jahren die Stelle eines Tempelvorsreher-Stellvertreters und Obmannes der Chewra-Kadischa. Besonders den letztgenannten Verein hat er durch sein mustergiltiges Beispiel zu beso iderer Entwicklung gebracht, indem er bei eintretenden Krankheits- und Todesfällen die Werke jüdischer Pietät und Nächstenliebe 6smi1ll3- Obössä in vollem Maße aussibt. Wir können uns der Hoffnung hingeben, daß es ihm gelingen wird, fü. unsere Gemeinde noch Großes und Ersprießliches zu leisten. Olmütz. Am 10. August verschied nach schwerem Leiden der sehr geachtete Herr Bernhard Kaufmann, Kultusbeirat der Gemeinde Osmütz, in welcher er durch Wohltäligkeil und konservativen religiösen Sinn sich auszeichnete. Er war ein Abkömmling der Familien Kaufmann in Kojetein und Hamburger in Proßnitz und ein Schwiegersohn des hochgelehrten Philanthropen Jsak Tauber aus Leipnik. Durch Fleiß und redliche Arbeit erwarb er sich ein bescheidenes Vermögen und zog sich schon vor langen Jahren vom Geschäfte zurück, um seine Tätigkeit in den Dienst der Kullusgemeinde zu stellen. Der im 69. Jahre stehende Herr Bernhard Kaufmann hinterließ eine Reihe von Stiftungen, die seine Liebe zur Kullusgemeinde Olmütz und deren Institutionen und für sein humanes Interesse für die Allgemeinheit bekunden. So hinterließ er 2560 Kronen-Rente, aus deren Interessen alljährlich für ihn der .Kultusgemeinde eine Kultussteuer entrichtet werden soll. 2500 Kronen-Rmte, deren Zinsen alljährlich an seinem Todestage an Arme verteilt werden sollen. 2500 Kronen, deren Zinsen zur Unterstützung verarmter Professionisten und Geschäftsleute verwendet werden sollen. 2500 Kronen zur Errichtung einer Waisenstiftung. 2500 Kronen zur Errichtung einer Wohltätigkeitsstiftung. 2500 Kronen für den Armenfond. 2500 Kronen zur Errichtung einer Krankenstiftung. 2500 Kronen für. alte erwerbsunfähige Männer. 5000 Kronen-Rente für den Baufond des Olmützer israelitischen Siechenhauses und 5000 Kronen zur Erhaltung dieses Siechenhauses, zusammen also 30.000 Kronen. Seine Liebe zur Stadt Olmütz bekundete der Frühverklärte, indem er für die Stadtgemeinde 2500 Kronen- Rente zu einer Armenstiftung und 2500 Kronen-Rente für verarmte Geschäftsleute und Handwerker in Olmütz, sowie 1000 Kronen-Rente dem Frauen-Wohltätigkeitsvereine stiftete. Den Betrag von 1060 Kronen- Rente hinterließ er dem Israelitischen Frauenvereine in Olmütz. 1000 Kronen der Freiwilligen Rettungsgesellschaft. Sein humaner Sinn umfaßte auch weitere Kreise. Er hinterließ dem Mährischjüdischen Waisenhilfsvereine in Brünn 5000 Kronen-Rente, der Jsraelitischen Allianz in Wien 2000 Kronen, dem .Kaiser Franz Josephs- Jubiläumhospitz für arme Israeliten in Karlsbad 5000 Kronen. Der Kultusgemeinde in Proßnitz für das dortige Dr. Brecher-Spital 10.000 Kronen und als Wohllätigkeits-Stiftung 2500 Kronen. Der Kultusgemeinde Kojetein als Kultussteuer-Stiftung 2500 Kronen, als Jahrzcitstiftung 2500 Kronen, ferner eine Heiratsstiftung von 2500 Kronen und für herabgekommene dortige Geschäftsleute 2500 Kronen. So. reiche Widmungen eines Privatmannes, dessen Hinterlassenschaft keine große ist, dürften wohltätige Vereine und Institutionen wohl selten noch vorher erfahren haben. An dem Leichenbegängnisse des Herrn Bernhard Kaufmann war die Beteiligung eine allgemeine und große. Seine Frau Antonie Kaufmann geborene Tauber, seine Brüder und der Neffe Dr. Bruno Tauber samt Frau umstanden tiefbetrübt seine Bahre. Trauerreden hielten die Rabbmen von Olmütz und Kojetein. Abschiedsworte sprach auch Herr Kultusvorsteher Dr. Eben. Einö Rothschild-Spende für die UeberMoemmten in de? Bukowina. Reichsratsabgeordneter Freiherr v. Wassilko hat an den Landespräsidenten Baron Bleyleben den Betrag von 50.000 Kronen übersendet, .als Spende, die ihm die Freiherren Alfons und Louis Rothschild, im Namen des Bankhauses S. M. v. Rothschild für die von der jüngsten Hochwasserkatastrophe betroffene Bevölkerung in der Bukowina zur Verfügung gestellt haben. Koristantinopc'l. (Die Synagogen von Bal at.) Bekanntlich sind bei der Feuersbrunst in Konstantinopel auch die vier Synagogen der Vorstadt Balat ein Opfer der Flammen geworden. Es besteht nun die Absicht, an Stelle der vier Synagogen eine große Zentralsynagoge für Balat zu errichten, die den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung entspricht. Der Plan hat bereits die' Zustimmung des Großrabbinats. Die neue Synagoge wird die größte in der europäischen Türkei, sein. Salvnichr. (Ein jüdischer Richtet an der Rechtsfakultät iiN Salonichi.l Wie aus SalionichK gemeldet wird, wurde der bekannte Rechtsgelehrte Jsrael Hazan zum Rektor der dortigen Rechtsfakultät ernannt. Die Hochschule zählt 600 Hörer, von denen 130 Bulgaren, 90 Griechen, 30 Inden und die übrigen Türken sind. Feuilleton. Rudolf Hans Karlsch und die Inden. Wir haben in diesen Blättern schon öfter ausgeführt, wie dankbar wir es begrüßen würden, wenn ein d«c Literatur Kundiger es unternähme, auszuführen, wie sich insbesondere die neueren deutschen Schriftsteller zu der so viel erörterten Frage über Juden und Judenium stellen. Man würde zu merkwürdigen, nicht uninteressanten .Folgerungen und zu dem überraschenden Resultate gelangen, daß die Urteile der modernen, selbst hervorragenden Schriftsteller, soweit sie unser jüdisches Leben betreffen, sehr subjektiv gefärbt sind. Und der Grund dafür liegt darin, weil, wie es scheint, die meisten dieser Dichter und Schriftsteller das Judentum nur aus der Ferne kennen lernen, keine eigene Einsicht in unser Leben, unser eigentliches Milieu nehmen. Auch hier gilt der Satz: Wer das Judentum will verstehen, muß in seine Lande gehen. Nebenbei bemerkt, gilt dies nicht allein für die schöne Literatur, sondern auch für die Wissenschaft. Unwillkürlich denken wir hier an Sombarts Aufsehen erregendes Buch, das uns Juden als Tachlismenschen hinstellt, als trockene Prosa- und Realismusfiguren, denen jede Begeisterung und Schwärmerei abgeht- So stellt nun Rudolf Hans Bartsch seine Juden nicht hin. Im Gegenttzih Bohnstock, in den „Zwölf aus der Stsrermark", Syrup, — welch' ein süßer Name, — in der „Elisabeth Kött" sind Schwärmer, der eine für die Musik, der andere fürs Theater, oder besser, für die alles und alle in ihren Bannkreis zaubernde Schauspielerin Elisabeth Kött. Sagen wir es gleich, Bartsch hat dies mit tief eindringendem Dichterauge erschaut und viel Wahres zur Erkenntnis, wenn auch nicht des Judentums, so doch der Juden unserer Zeit, beigetragen. Lange, ^e Wilhelm Raabe gestorben war, haben wir in dieser Zeitschrift, über diesen bedeutenden Humoristen und seine Beziehungen zum Judentums, unter ,steter Rücksicht auf seinen „Hungerpastor", geschrieben. Raabe schildert in diesem ausgezeichneten Romane einen jüdischen Abtrünnigen von der traurigsten Gestalt, Wir