Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 552 Dr. Mochs WochenWift Nr. 33 Dr. Riza Tewfik Mer den Antisemitismus in der Türkei. Beim Raffenkongreß in London war die Türkei durch den bekannten jungtürkischen Kammerpräsidenten Dr. Riza Tewfik Bey vertreten. Mit diesem hatte der Korrespondent des „Iewish Chronicle" ein Gespräch, in welchem der jungtürkische Staatsmann sich u. a. wie folgt äußerte: „Böswillige Menschen hetzten gegen die Juden in der Türkei, um den Pöbel gegen sie aufzureißen. Sie sagen, die Juden wollen Palästina an sich reißen und daß die Jungtürken dem Verkaufe. Palästinas an die Juden zustimmen. Diese Behauptung ist dazu geeignet, das Feuer des Haffes gegen die Juden sowohl als auch gegen die Jungtürken, zu schüren. Die türkische Regierung kennt das Wesen der von Arabern und Christen gegen die Juden betriebenen Hetze ganz gut. Tatsache aber ist, daß die zionistische Bewegung in den türkischen Volksmassen großen Verdacht erregt. Dies macht besorgt für die türkischen Juden, die wir wegen ihrer guten Eigenschaften lieben und schätzen! Man kann nicht gut dpm Zionismus zuliebe eine Bewegung gegen die türkischen Juden mifkommen lassen. Vergebens wenden sich diese Kreise an die Türkei, ihr Geld und jüdische Arbeitskraft anbietend. Die Türkei hat Angst vor fremdem Geld und fremder Kraft. Mit offenen Armen wollen wir alle jene Juden aufnehmen, die türkische Staatsbürger werden wollen, aber keineswegs solche Juden, die der Türkei irgend eine Provinz äbgewinnen möchten. Für jüdische Arbeiter haben wrr Arbeit genug. Eine allmähliche Einwanderung von Juden in die Türkei halten wir nicht für schädlich, aher diese Einwanderung muß und kann nur ohne jede Forderung von Autonomie, Konzentrierung, oder andere Konzeffionen erfolgen, .. Vermischtes. Kaisers Geburtstag. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Freitag den 18. August sowohl in den Gemeindebethausern der Wiener Kultusgemeinde, sowie in den uachbenaunten Synagogen feierliche Gottesdienste statt, und zwar: Im Kaiser Franz Joseph I. Regierungs-Jubiläums- Tempel, V., Siebenbrunnengaffe. 1, halb 7 Uhr abends; im Tempel, IX., Grüne Thorgasse 13 (Müllnergasse 21) um halb 7 Uhr abends; im Jöfefstädter Tempel, VIII., Neudeggergasse 12, um s/*7 Uhr abends; im Tempel, VI., Schmalzhofgaffe 3, um 7 Uhr abends. &ibr Geburtstag des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Wir erhalten folgende Zuschrift: Dienstag den 29. August d. I. begeht der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaffe wird ihm sicher eine große Anzahl von Körperschaften, Deputationen, Einzelpersonen ihre Glückwünsche entgegenbringen. Der Empfang in Baden, Bergstraße 74, au dem genannten Tage findet in der Zeit von 11 bis 1 Uhr statt und dürfte es sich empfehlen daß jene Persönlichkeiten oder Korporationen, welche Näheres zu wiffen wünschen, sich mit dem Unterzeichneten Sekretär der Kultusgemeinde ins Einvernehmen setzen. Dr. Theodor Lieben, Wien, I., Seitenstettengaffe 4, III. St. Austritte aus dem Judentum Vom 6. August bis inkl. 12. August 1911. Deutsch Ernestine, geb. 19. Juni 1877, Neutra, XI., Kopalgasse 47. Engelmann Otto, geb. 7. Juli 1884, Wien, VI., Mollardgasse 17. Eisenstädter Leopold, Ingenieur, geb. 29. Mai 1877, Wien, VI., Mariahilfer-Gürtel 14 Fabri Alice, Schauspielerin, geb. 18. Jänner 1887, Wien, IX., Günthergasse 2. Jnstitz Frieda, Private, geb. 12. Juli 1890, Stob, Ungarn, XVII., Rokitanskygasse 39. Spitzer Mathilde, Handarbeiterin, geb. 22. April 1889, Wien, XX., Traunfelsgasse 5. Viertel Auguste, Schirm-Erzeugerin, geb. 29. Jänner 1869, Krakau, XVII., Ortliebgasse 28. Wecker Helene Ernestine, Private, geb. 25. Mai 1891, XIII., Satzberggasse 10. Winter Max, geb. 18. Jänner 1892, Wien wohnhaft. Appel Zygfried, geb. 17. März 1896, Wien, wohnhaft Ghrzanow. Barch Jzidor, geb. 2. November 1896, Wien*, wohnhaft Chrzanow. Frey Rebekka, geb. 17. Jänner 1896, Wien, wohnhaft Chrzanow. Gotlieb Rosalia, geb. 6. Oktober 1895, Wien, wohnhaft Chrzanow. Rosenfeld Röbalia, geb. 22. Dezember 1896, Wien, wohnh. Chrzanow Schneider Fryderik, geb. 17. März 1896, Wien, wohnh. Chrzanow. Rücktritt. Meier Strul Hersch, Lehrer, geh. Jänner 1891, Jassy. Vecsler Feige, Lehrerin, geb. 22. August 1889, Potosany, Rumänien, die in der letzten Nummer unter den Ausgetretenen verzeichnet waren, sind wieder zum Judentum zurückgetreten. Gleicheuberg. Der Wiener Oberkantor Don Fuchs veranstaltete vor einigen Tagen unter Mitwirkung des hiesigen Kurorchesters ein großes Wohltätigkeitskonzert,- dessen ganzes Reinerträgnis den beiden Hospitälern in Gleichenberg ohne Unterschied der Konfession, zugcwendet wurde. .Das zahlreiche Publikum zollte Herrn Oberkantor Fuchs für seine hervorragenden künstlerischen Leistungen rauschenden Beifall. Auch der Solovortrag des Opernsängers Arthur Wolf wurde mit nicht endenwollendem Applaus belohnt. Herrn Oberkantor Don Fuchs wurden für seine liebenswürdige Mitwirkung für den wohltätigen Zweck aufrichtige Ovationen bereitet. •; Tacharr. Die Trauung des Herrn August Adler Sohn dxs Großindustriellen Herrn Heinrich Adler in Tachau und Prokurist der Firma,. mit Fräulein Lili Beck, Tochter „des Herrn k. k. Bezirksarztes Dr. Sigmund Beck in Plan, fand am 15. August d. I. im israelitischen Tempel in Pilsen statt. Lundenburg. (I n st a l l a t i o n.) Anläßlich der Installation Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Du'H. Schwenger fand Sonntag den 6. August ein erhebender Festqoitesdienst statt. Eine Deputation, bestehend aus den Herren Holländer Josef, Bittner Heinrich, Gold Jonas und Friedenfeld Siegmnnd, fuhr Herrn Dr. H. Schwenger zum Bahnhofe entgegen und geleitete ihn in den Sitzungssaal, woselbst sich die Begrüßung von Seite des Kultusausschusses vollzog. Schon lange vor der für den Festgottesdienst festgesetzten Stunde war der festlich geschmückte Tempel in allen Raumen dicht gefüllt. Seitens der Stadtgemeinde waren Herr Bürgermeister Kafka und Gemeinderat Rösuer, seitens der politischen Jsraelitengemeinde Herr Bürgermeister Holländer Moritz und der gesamte Ausschuß, ferner fast alle Mitglieder der israelitischen Kultus gemeinde sowie zahlreiche Gäste der hiesigen Bevölkerung erschienen. Um 2 Uhr nachmittag wurde Herr Dr. Schwenger in den Tempel geleitet. Die israel. Schuljugend der hiesigen Volks- und Bürgerschulen, an deren Spitze sich Herr Oberlehrer I. Robitschek befand, rückte mit der Schulfahne aus und bildete eine Ehrenrelhe vom Schulgebäude bis zum Tempel. Am Eingänge desselben hielt die Bürgerschülerin Grete Silberschutz an den Herrn Rabbiner eine schwungvolle sinnige Ansprache und entzückte die Zuhörer durch ihr kuragiertes Auftreten und durch ihre tadellose Vortragsweise. Im Namen der Schuljugend überreichte die Gymnasialschülerin Holländer Stephanie einen herrlichen Blumenstrauß. Unter den herrlichen Klängen des Boruch habo wurde Herr Dr. Schwenger vom Kültusausschusse auf die Estrade geleitet, woselbst der allgemein geschätzte Herr Kultusvorsteher Josef Holländer eine formvollendete herzliche Ansprache an den Herrn Rabbiner hielt, ihn als den neuen Seelenhirtcn begrüßte und ihm die Kanzel und den Ehrensitz überwies. Der Tempelchorverein, um dessen Gründung sich namentlich die Herren Goldenberg Ascher, Roger Josef, Reich Robert und Gold Rudolf große Verdienste erwarben, brachte das Mah towu und den Psalm 133 zum Vortrage. Den kantoralen Teil besorgte in äußerst würdevoller Weise Herr Oberkantor Ascher Goldeuberg. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Schwenger die Kanzel. In halbstündiger, geistreicher Predigt dankte der Redner der göttlichen Vorsehung, welche ihn auf diesen Platz gestellt, und führte aus, was die Gemeinde von ihm als Seelsorger zu gewärtigen habe, aber auch, was er von seiner Gemeinde