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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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mt. 33 De. Mochs WochenWckst Sette ssi Vitt orio Castiglioni wurde im Jahre 1840 in Triest geboren und nachdem er teils in Italien, teils in Deutschland seine talmudischen Studien absolviert hatte, im Jahre 1870 zum Professor am Lehrerinnenseminar in Triest ernannt und bekleidete bis zum Jahre 1903 auch das Amt eines Vizerabbiners in Triest. In di sem Jahre wurde er zum Oberrabbiner von Rom gewählt. In dieser Eigenschaft erfreute er sich der größten Beliebtheit seitens seiner Gemeindemitglieder. Eine mit zahlreichen Anmerkungen versehene Uebersetzung der Mischnah bildet das Lebenswerk des Verblichenen. Die „Poesie di Giustppe Almanzi", sowie zahlreiche, in diversen wissenschaftlichen Zeitschriften verstreute Abhandlungen haben in Gelehrtenkceisen große Beachtung gefunden. Aufruf zu Gunsten der durch die Brandkatastrophe in Konstantinopel Geschädigten! Glaubensgenossen! Ein schweres Unglück hat unsere Glaubensbrüder in /Konstantinopel betroffen. Eine ungeheure Feuersbrunst hat ganze Quartiere der Stadt, die hauptsächlich der jüdischen Bevölkerung zum Wohnsitz dienten, zerstört. Tausende armer Juden sind ohne Obdach. Unsere Schulen haben auf das Schwerste gelitten^ mehrere von ihnen sind ein Raub des Feuers geworden. Das Zentralkomitee in Paris hat sogle'ch eine beträchtliche Summe, zur Linderung der Not nach Konstantinopel geschickt. . Aber die Größe. des Unglückes fordert, daß Jeder von uns nach seinen Kräften zur Unterstützung unserer Glaubensgenossen beitrage. Bisher hat noch jeder Appell, an das warnre Herz und die Opferwilligkeit der deutschen Juden einen lauten Widerhall gefunden. Wir erwarten mit vollem Vertrauen, daß alle deutschen Juden nicht säumen werden, ihre Spenden zu einer erheblichen Summe zu vereinen, die den Unglücklichen in Konstantinopel Trost und Hilfe in ihrer Not bringen soll. .Beiträge nimmt entgegen das Deutsche Bureau der Alliance Jsraelite Universelle, Berlin N. 84, Oranienburgerstraße 42/43. Berlin, im August 1911. Das Präsidium der DeMschen Konferenz- G e meinschaft der Alliance Jsraslite Universelle. Max F.u ch s, Prof. Dr. Landau, Dr. Werner, Justizrat, Berlin. Geh. Mcdizinalrat. Rabbiner, München. Der Großvezier Wer die Ausschreitungen der Araber Scheu Juden. Die Mordtaten der Araber an Inden nehmen in Palästina schreckliche Formen an. So wurde vorige Woche wieder ein jüdischer Kolonist in Maamoure von Arabern ermordet und ein anderer lebensgefährlich veclrtzt. Dies veränlaßte den Großrabbiner Haim Rahum, beim Großvezier wegen dieser Zustände Vorstellungen zu machen. Der Großrabbiner wies darauf hin, daß das systematische Auftreten dieser Feindseligkeiten der Araber gegen die Juden auf eine von Rädelsführern organisierte antisemitische Kampagne hindeute. Der Großvezier wies die Behauptung von dem Vorhandensein einer speziell gegen die Iuden gerichteten feindseligen Bewegung zurück. Er gab der Meinung Ausdruck, daß es sich um gemeine Verbrechen handle, die mit Antisemitismus nichts zu tun haben, und in den Provinzen auch gegen Christen und Muselmanen täglich Vorkommen. Der Chacham Baschi kündigte hierbei dem Großvezier einen Vorschlag an den Minister des Innern an, wonach zum Schutze der von Iuden bewohnten Kolonien in Beyrut und in dem Provinzgebiete von Jerusalem je ein Gendarmerieposten etabliert werden soll. Der Großvezier versprach,' diese Idee, die er für gut hält, mit dem Minister des Innern Halik Bey zu beraten. Das Rituarmordmärche'n in Galizien. Aus Lemberg wird berichtet: In dem Dorfe Oscherawitza kam zum jüdischen Krämer Benzion Kalter ein Christenmädchen um Zucker zu kaufen. Dort sah sie hinter einem gegen die Hitze verhängten Fenster die Frau des Krämers mit einem fremden Kinde spielen. Das Mädchen lief auf die Gasse und schrie, daß man im jüdischen Laden ein Christenmädchen abschlachten wolle. Die fanatischen Bauern stürzten sich auf den Krämerladen und zerstörten alles, "was ihnen unter die Hände kam, während sie das jüdische Ehepaar mit dem Tode bedrohten. Erst auf energisches Einschreiten der aus dem Nachbarstädtchen herbeigeholten Gendarmen konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. Zwei Gendarmert blieben zur Bewachung der jüdischen Familie im Dorfe zurück und gegen die erzedierenden Bauern wurde die Untersuchung eingeleitet. Das Ritnalwordmärchen in Rumänien. Hierzu wird uns noch aus Bukarest geschrieben: Großes Aussehen erregt es, daß das „liberale" Blatt „Adeverul" eine Blutbeschuldigung gegen die Juden erhebt. Als vor Wochen ein fremder nichtrumänischer Knabe namens Parc einen Juden Finkelstein beschuldigte, daß er ihm Blut gezapft und ein Antisemiten-Blättlein das Judentum verdächtigte, nahm sich der Großpräsident der B. B Dr. A. Stern der jüdischen Sache an. Dr. Beck, Rabbiner der Tempelqemeinde, und Dr. N i emtrotoer, Rabbiner der spaniolischen Gemeinde, verlangten im Namen der Repräsentanz der rumänischen Inden in ihre» Audienzen beim Ministerpräsidenten Karp und beim Justizminister Cantacuzino, daß Licht in die Sache gebracht und nach den Anstiftern dieser Beschuldigung geforscht wird. Die Presse befaßt sich erst jetzt mit dieser Angelegenheit. Rumänien fehlt nur noch eine Blutmordgeschichte, sonst ist es gesund. Der Antisemitismus in Palästina. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Das neueste ist die judenfeindliche. Bewegung in Palästina nach europäischem Muster. Aus allen Ecken und Enden schießen arabische Blätter w:> Pilze aus dem Boden hervor, deren Hauptsorge es i •, die „jüdische Gefahr" recht eindringlich zu schildern.. Die eigentlichen Araber,-die Mohammedaner, sind an der Bewegung nicht sonderlich beteiligt, — bis auf die Bauern, die leichter aufzuhetzen find und vielleicht auch nicht ganz richtig von den jüdischen Kolonisten behandelt werden. Die Hetze selbst geht von den christlichen Arabern aus, die, wiewohl nur -100,000 im Lande — gegen 700,000, Mohammedaner — wegen Unterstützung der europäischen Mächte, namentlich Frankreichs, sehr mächtig sind. Stark gefordert wurde die Bewegung dadurch, daß sich ihr nun der angesehenste Publizist Syriens, Mohammed Kurad Ast in seinem in Damaskus erscheinenden Blatt „II Mektabs" der Bewegung, angeschlossen hat. Interessant sind folgende Worte, die er in seinem ersten Artikel zur Judenfrage niederschrieb: . Obwohl die Juden von Sem stammen, konnten sie keine Semiten bleiben. Sie haben sich mit den europäischen Völkern assimiliert und die heutigen Iuden sind auch jene, die wir aus der Geschichte kennen." Also, die Iuden als — Arier! Die neueste Errungenschaft der antisemitischen Bewegung. — Dabei zitiert der gute Mann Drumont, Rochefort und ändere europäische Antisemiten. Alles im Namen des bedrohten Semitismus. Das ist wirklich schon um auf die Akazien, oder, weil es sich um PaMina handelt, auf die Palmen zu klettern.

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