Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 550 De. Blochs WoHenWM. testamentliche Auffaffung, die R^mbrandt sich erst auf seinen Streifzügen durch das Amsterdamer Ghetto aneignete, lag Israels im Blute. Er nahm an seinen Gestalten einen rührenden gemütlichen Anteil, indem er sie durch sein mildes, weiches Licht verklärte. Bis in sein hohes Alter war Israels unausgesetzt schöpferisch tätig, und es verging kein Jahr, wo er nicht die Welt mit einem neuen Mmstwerk überraschte. Seine Hauptwerke sind: „Wilhelm von Dramen", „Die erwarteten Fischerboote", „Allein in der Welt", „Ein Sohn des alten Volkes", „Auf den Dünen", „Frauenlos". „Alter und Kindheit", Abend vor der Trennung", „Der Schiffbrüchige", „Die Heimkehr vom Feld", „Muttersorgerr". Aber mit dieser Aufzahlung find seine hervorragendsten Gemälde lange nicht erschöpft. Sein bedeutendstes Werk, sein schönstes Gemälde ist „Ein Sohn des alten Volkes", das das städtische Museum in Amsterdam ziert. DaS Gemälde ist nicht nur eine der ergreifendsten Schichtungen des Künstlers, sondern es ist auch ein unvergängliches Dokument für die Kenntnis des Künstlers, soweit es sich um sehr innerstes menschliches und seelisches Leben handelt. Ein jüdischer Trödler sitzt auf der Schwelle seiner armseligen Wohnung, von der jeder Zoll verkündet, daß sie sich im Ghetto befindet, lieber ihm hängen alte Hosen und Röcke, zu beiden Seiten sichen Gerätschaften aus Kupfer oder Blech, die nach langem, schwerem Dienst hier eine Ruhestätte gefunden haben, bis sie der eine oder andere arme „Kunde" um ein paar Cents ersteht. Der Trödler selbst ist ein sprechendes Bild der Armut und des härten Kampfes um das tägliche Brot; die ursprüngliche Farbe seines unschöne Falten werfenden Kittels ist nicht mehr zu erkennen, die riesigen Schuhe an den Füßen sind abgetragen; in dem mit Bartstoppeln bedeckten Gesicht ist der- Mund dicht geschloffen, die müden, glanzlosen Augen starren in die Weite, und die übereinander geschlagenen Arme mit den auf den ersten Anblick übermäßig groß erscheinenden Händen erzählen von stillem Dulden und von Ergebenheit in das unvermeidliche Los. Anläßlich des 85. Geburtstages des Künstlers wurde von Profeffor C. Wabe eine Radierung des Werkes der breiten Oeffeullichkeit zugänglich gemacht. Auch als Schriftsteller betätigte sich Israels. Er verfaßte eine Reiseerzählung, betitelt „Spanien", die er mit Haudzeichuuugen schmückte. Israels verbrachte den größten Teil seines Lebens im Haag. Ueber das Leichenbegängnis Israels wird gemeldet: Vom Sterbehaus an bis zum Begräbnisplatz stand eine dichte Menge, alle Stände waren vertreten. Jeder Holländer weiß, was Israels war. Zahllos waren die Künstlerdeputationen aus aller Welt; auch fehlte kein Maler und kein Bildhauer. Alle Badegäste aus Scheveuingen strömten herbei; um 1 Uhr nachmittags kam der Sarg an. Inzwischen waren auf dem Friedhof erschienen die Minister des Auswärtigen, der Landwirtschaft und des Handels, Vertreter des königlichen Hauses, der Bürgermeister vom Haag, Profeffor Max Liebermann aus Berlin. Nach einer ergreifenden Redendes Rabbiners wurde der Sarg aus dem Leichenhanfe zum Grabe gebracht. Dort traf Minister Talma ein. Er strrach namens der Regierung. Es sei eine Pflicht der Regierung, sagte er, vor dem Lande und den Welten laut zu beüruden, wie dankbar Holland diesem Manne sei, wie unersetzlich fern Verlust sei. Dann sprachen die Abgeordneten der Künstler und die Fremde des Verblichenen. Indischer Emigrations-Kongreß. Wir ^erhalten folgende Zuschrift: An die geehrte Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien. gn mehreren jüdischen Blättern wurde vorige Woche eine Mitteilung über die Verschiebung des in Wien geplanten „Ällgem. Iüdischen Em'i grations-Kongresses" veröffentlicht, die Dichtung mit Wahrheit Urrmengt. Da wir in diesem Belange eine Orientierung der Orffentlichkeit für notwendig erachten, bitten wir, zur Klärung des wahren Sachverhaltes um Aufnahme folgender Richtigstellung: Nr. 33 Das Wiener Komitee hat in den letzten Monaten mit maßgebenden Organisationen und Persönlichkeiten, darunter auch mit der in den betreffenden Blättern genannten hervorragenden Persönlichkeit, welche schon wiederholt für die Emigrationsfrage tiefgehendes Interesse bekundete und große materielle Opfer brachte, einen regen Ideenaustausch betreffs des Cm'grationskongrcsses gepflogen. Es ist nun richtig, daß hiebei gegen den für Ende August d. I. an gesetzten Termin, der manchem als ein verfrühter schien, Bedenken laut wurden, denen wir uns umso weniger verschließen konnten, als sie von höchst berücksichtigungswürdiger Seite erhoben wurden. Richtig ist auch, daß im Laufe der Verhandlungen eine Vorberatung angeregt wurde, die vor dem Kongresse abgehalten werden soll und nunmehr in die Wege geleitet wird. Alle anderen Mitteilungen, besonders aber die erwähnte persönliche Begegnung der Delegation der Petersburger Konferenz mit der in den betreffenden Blättern genannten hervorragenden Persönlichkeit und die Behauptung über das gänzliche Fallenlassen der Kongreßidee gehören in das Gebiet vager Kombination. Für die Aufnahme dieser Darstellung in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes im Vorhinein bestens dankend, zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung Für das Komitee: Der Obmann ^Dr. Gustav K o h n. Graf Khur'n-Hedervarn über den Antisemitismus. Eine interessante Erklärung des Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary über den Antisemitismus ist heute im Abgeordnetenhause gefallen. Ein jüdischer'Tischler namens Moses Lkatz, der feit dreizehn Jahren in Stropko ansässig ist, wurde gleichzeitig mit mehreren anderen jüdischen .Familien vor. kurzem vom Oberstuhlrichter aus Ungarn äusgewiefen° und über die Grenze gebracht, Katz wurde nun heute von einem Abgeordneten dem Ministerpräsidenten vorgeführt, den er bat, daß er 'Verfügungen zur Zurückziehung des Ausweisbefehles treffe. Ministerpräsident Graf Lhuen-Hedervary antwortete: „Ich kenne die Akten der Angelegenheit noch nicht und ich kann mich daher über die Frage nicht detailliert äußern. So viel kann ich jedoch lchon heute sagen, daßich die Ausweisung arbeitsamer Bürger, die kein schweres Verbrechen begangen haben, überhaupt nicht billige. Am wenigsten kann ich aber derlei in solchen Fällen billigen, wo der Anschein von konfessionellen Verfolgungen oder gar des Antisemitismus, den ich von Herzen verabscheue, vorhanden sein kann. Auch darf der Anschein nicht erweckt werden, daß die ungarische Regierung derlei konfessionelle Tendenzen unterstützen oder dulden würde. Ich bin stolz daraus, daß der ungarische Liberalismus dem Antisemitismus, dem finstersten Gast des letzten Jahrzehnts, niemals auf die Beine geholfen hat. Seien Sie überzeugt, daß ich meinerseits immer diese liberale Tendenz befolgen werde." Die Worte des Ministerpräsidenten waren aus Latz von so tiefer Wirkung, daß er in Tränen ausbrach. Die Verbrennung der Leiche eines Oberrabbiners Großes und peinliches Aufsehen erregt es in den Kreisen der Judenschaft Italiens, daß der vorige Woche verstorbene Oberrabbiner von Rom, VittorioCastiglioni letztwillig verfügt hat, daß seine Leiche verbrannt und die Asche im jüdischen Friedhofe in Triest beigesetzt werde. Diese letztwillige Verfügung wurde auch tatsächlich eingehalten und die Urne mit der Asche des Oberrabbiners von Rom ist bereits im Triester jüdischen Friedhofe beigesetzt worden.