Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 33 Seite 549 MTflKflT £*eUC£A*2 Dr. Blochs Wochenschrift die nationale und religiöse Erziehung der Juden zu fördern, statt Anderer Arbeiten anzugreifen. Nur auf dem Wege des Schaffens könne die Gesundung erzielt werden. (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Dr. Tschlenow erinnert an die feierliche Erklärung Herzels: De: Zionismus unternehme nichts, was die Gebote des Judentums verletzen könnte. Er könne nur namens des Präsidiums feierlich diese Erklärung bestätigen. Dr. Zw eig spricht der Verwaltung des jüdischen Nationalfonds für ihre ersprietzliche Tätigkeit den Dank aus und wünscht, datz man der systematischen Arbeit der Sammelstellen für den Nationalfond mehr Aufmerksamkeit schenken möge. Schluß der Vormittagssitzung gegen 1 Uhr. Dritter Tag. Freitag, 11. August, 4 Uhr. Es wird die Debatte über den Bericht des Nationalfonds und der Jüdischen Kolonialbank fortgesetzt. B. Goldberg betont die Notwendigkeit, die modernen Methoden, des Bankwesens auch für dir Jüdische Bank - anzuwenden. Insbesondere müsse man den internationalen Geldmarkt mehr berücksichtigen, der auch der jüdischen Kolonialbank zugänglich gemacht werden soll. Schwiff stellt einige Anfragen und macht den Vorschlag, die jüdische Kolonialbank möge der mehrfach vorgeschlagenen Gründung einer jüdischen Gesellschaft für Lebensversicherung endlich näher treten. Dr. Pinkus hebt hervor, daß die zionistischen Banken gute Unternehmungen feien, doch müsse er rügen, datz sie noch immer nicht den Weg zum internationalen Geldmarkt suchen wollen. Dr. Katzenelsohn, Vorsitzender des Direktoriums der Jüdischen Kolonialbank, gibt verschiedene Aufklärungen und Mist darauf hin, datz die Bank ihrem Statut gemäß nicht berechtigt sei, Operationen einer Versicherungsgesellschaft zu machen. Hermann Struck erklärt iwr Namen des Misrachi. daß dieser nie beabsichtigt hätte, irgend einen Druck auf die persönliche Freiheit der zionistischen Beamten in religiöser Hinsicht auszuüben. Er fordere aber, datz die jüdischen Gebote auf den Ländereien des Nationalfonds respektiert werden. Dr. Levy regt an, eine Kontrollkommission in Palästina einzusetzen, die die Tätigkeit der zionistischen Organisation überwachen soll. Er hebt hervor, datz der Misrachi sich sehr stark an der Siedelurig'sgenossenschaft beteiligt habe. Ben-Zwi (hebräisch) entgegnet den Vorwürfen des Misrachi und macht darauf aufmerksam, datz es für die Misrachiften viel dankbarere Aufgaben in Palästina gibt, als die Bekämpfung der nichtreligiösen Arbeiter. So wäre es zweckmätzig, in der Nähe von Jerusalem und Safed jüdische Kolonien zu gründen. Er fragt auch, warum der Misrachi nicht dagegen protestiert, wenn die religiösen Kolonisten nur nichtjüdische Arbeiter beschäftigen, die doch gewiß nicht zur Heiligung des Sabbat beitrügen. Hier müsse Abhilfe geschaffen werden. Die Idee des Sabbat sei identisch mit der Idee des sozial gerechten Judentums. Aber man solle ihn nicht benutzen, geistige Sklaverei zu züchten. Berlin (hebräisch) wendet sich gegen die Vorwürfe, die dem Misrachi gemacht werden, und rügt an der Leitung des jüdischen Nationalfonds, datz sie das Schmittah-Gebot zu umgehen suchte. Dr. Schemarjahu L e rv ißn (hebräisch) spricht in begeisterten und ergreifenden Worten übe: die jüdischen Kolonisten in Palästina, insbesondere über die junge Generation, die in den jüdischen Kolonien entsteht. Palästina sei der beste Schutz gegen alles Unjüdische. Während in den Ländern der Zerstreuung auch die grötzten Bemühungen der Juden, jüdisch zu leben, nicht auf die Dauer gelingen könne, wird in Palästina jüdisch gelebt, selbst wenn man auch manches unjüdisch zu gestalten sucht. (Grotzer Beifall.) Dr. Lew in führt ferner aus, der richtige Weg für die Lösung dieser Streitfrage könne nur gefunden werden, wenn auch die Misrachiften Institute für jüdische Kulturzwecke in Palästina einrichten und den Kampf mithin in ganz anderer positiver Weise führen würden. Dr. B o d e nch e i m e r (Vorsitzender des Nationalfonds) erklärt in seiner Erwiderung auf die Kritik der verschiedenen Redner, warum der Nationalfond seine Tätigkeit zu Gunsten der Palestine Land Development Company für eine kurze Zeit eingestellt hatte, und teilt mit, datz diese Tätigkeit bald wieder ausgenommen wurde. Es sei unmöglich für den Nationalfond, eine religiöse Aussicht über die Leute auszuüben, die auf seinen Ländereien beschäftigt sind. Was die Anklage betrifft, datz der Sabbat entweiht wurde, ist nur ein Fall vorgebracht worden, und zwar einer, der in einer Kolonie stattgefunden hat, die nicht dem Nationalfond gehört. Er beweist dokumentarisch, datz das Direktorium des Nationalfonds die Erledigung der Schmittahfrage nicht verschleppt hat und fordert die Orthodoxen auf, ihre jungen Söhne nach Palästina zu schicken, damit 5sie ein gutes Beispiel geben können. Dr. Tschlenow erklärt im Namen des Kongresses, datz Vorsorge dafür getroffen werde, damit das jüdische ' Gesetz auf den Ländereien des Nationalfonds beobachtet werden soll, und verlangt, datz Herr Struck mit dieser Erklärung zufrieden sein müsse und seinen Antrag zurücknehmen werde. Herr Struck nimmt seinen Antrag zurück. Mit einem Dankesvotum an Herrn Dr. Bodenheimer für seine ersprießliche Leitung des Nationalfonds, das mit großem Beifall angenommen wird, schließt die Sitzung kurz vor 7 Uhr. (Schluß des Berichtes folgt.) * * * Die neue zionistische Leitung. Der Kongreß beschließt die Leitung der zionistischen Organisation einem fünfgliedrigen Kollegium anzuvertrauen, und wählt in dieses Kollegium die Herren: Dr. W a r b u r g, H a n t k e, Dr. Schemarjahu L e w i n, Nachum S o k o l o w und Jacobsohn. Dem scheidenden Präsidenten David Wolffsohn bringt der Kongreß langanhaltende Ovationen, die die Form einer Huldigung annehmeu, dar. Korrespondenzen Josef Israels gestorben. Am 12. d. M. starb der Altmeister Josef Israels im hohen Alter von 88 Jahren. Josef Israels wurde am 27. Jänner 1824 in Groningen geboren. Seine künstlerischen Studien machte er bei Krusemann in Amsterdam und dann bei Picot in Paris. Mit den historischen Stoffen, in denen er sich versuchte, erzielte er nicht viel Erfolg und er wandte sich nun der Genremalerei zu, die seinen Ruhm begründete. Mit Vorliebe schilderte er das, holländische Fischerleben, das er mit großer Innigkeit behandelte. Seine Werke auf diesem Gebiete zeichnen sich durch meisterhafte Behandlung des Helldunkels aus. In seinen Arbeiten schritt er allmählich bis zum Naturalismus vor, sich stets an die tragische Seite des Menschenlebens haltend. Schwere, mühselige Arbeit, Trauer und Entsagung bilden die Motive seiner Bilder. Mit Josef Israels verschwindet einer der größten Maler der Gegenwart aus der Reihe der Lebenden. Ein Nestor der Künstler, aber bis in die allerletzte Zeit noch rüstig arbeitend, ist er gestorben. Das Erbe Rembrandts hat Israels verwaltet, wie kein holländischer Meister mehr. Er war ein großer Realist durch die Wahl seiner Motive, die der Wirklichkeit entnommen waren, schlicht und anspruchslos. Seine Technik des Helldunkels und auch seine seelische Auffaffung waren Rembrandt verwandt. Die patriarchalische, alt-