Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Blocks Wochmschrift Sette 547 wir nicht verantwortlich gemacht werden, wie sehr wir auch diese Aeußerungen bedauern. Dr. Nacht (Foscani) spricht über die Notwendigkeit der gegenseitigen Toleranz in religiöser Hinsicht. Zweiter Tag. Donnerstag, 10. August, 7*11 Uhr. Vorsitzender Dr. Mar Nord au. Es werden zahlreiche Begrützungsschreiben verlesen, in denen zionistische Vereine und allgemeine jüdische Organisationen aus allen Ländern den Kongreß beglückwünschen. Ferner wird die Mitteilung gemacht, daß Herr Ingenieur I. Kremeyezky (Wien) 1000 Kronen für das Mikrobiologische Institut, Herr Barbasch (Odessa) 500 Mark zur Eintragung des 10. Zionistenkongresses ins Goldene Buch gespendet haben. Präsident Wolffsohn gibt seinem Bedauern Ausdruck, daß man aus Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand die Kritik der Leitung einschränken zu müssen glaubt. Nur wenn man die Fehler offen zeige, werde man die Gewißheit haben, daß jede künftige Leitung die Fehler vermeide. Er bittet um eine ungezwungene würdige Kritikübung, die der zionjistischen Sache förderlich sein möge, damit etwaige Fehler, die in den letzten 18 Monaten begangen worden sind, von der zukünftigen Leitung nicht wiederholt werden. Dr. I. Zo lisch an (Wien) erstattet einen Bericht über seine Teilnahme an dem vor kurzem in London stattgefundenen Rassenkongreß, zu dem er von der zionistischen Organisation, in Gemeinschaft mit Herrn Dr. G aster und Sir. Francis Montefiore entsandt worden war. Der Rassenkongreß hat für uns die Bedeutung7 daß zum erstenmale die Iudenfrage vom wissenschaftlichen und nationalen Standpunkte aus vor der Gelehrtenwelt behandelt wurde. Dr. Zollschan teilt ferner mit, daß die von ihm auf dem Rassenkongreß vertretenen Anschauungen, die er für den theoretischen Unterbau des zionistischen Gedankens als grundlegend betrachtet, mit Beifall aufgenommen worden sind. Cr betont die Notwendigkeit einer Vertiefung des Zionismus nach der Wissenschaftlichen und ideellen Seite hin. Dr. E. Margulies beantragt, daß die Organisationskommission die Prüfung des neuen Organisationsstatuts noch heute vornehmen möge. Tr letsch bedauert ebenfalls die Einschränkung der Kritik. Dr. Reich betont mit Genugtuung, -daß die galizischen Zionisten sowohl in formalen Angelegenheiten der Organisation als auch in den prinzipiellen Anschauungen über unsere Bewegung einig sind. In seiner Kritik über die Leitung hebt er besonders hervor, daß man durch praktische Arbeit in Palästina das Mißtrauen der maßgebenden türkischen Kreise am besten zerstreuen könne. Er wünscht, daß dieser Kongreß ein Friedenskongreß sein möge, der die Einheit der zionistischen Organisation wiederherstellen soll. In begeisterten ergreifenden Worten spricht Dr. Reich über die Opfer der Wahlen in Drohobyez. Die Versammlung erhebt sich zum Zeichen der Ehrung der Toten. Dr. B o d e n h e i m e r teilt mit, der Nationalfond habe Vorsorge getroffen, daß der gestrige, von Doktor Heinrich Loewe gehaltene Lichtbildervortrag über Palästina und die Bilder allen Nationsfonds-Kommissaren und Vereinsvorsitzenden zur Verfügung gestellt werden. Ferner teilt er mit, daß Herr Kahane, in dem von Dr. Loewe angeregten Sinne, 35.000 Mark für jüdische Ansiedelungszwecke in Palästina gespendet hat, Doktor Strauß (Bradford) spricht seine Freude über den reichhaltigen Bericht des Aktionskomitees aus. Er hält es für notwendig, daß die zionistische Organisation die offizielle Erklärung ausdrücklich wiederhole, daß der Zionismus keinen Staat in Palästina gründen will, sondern die Ansiedelung der Juden als ottomanische Bürger erstrebt. Rabbinersohn (Kiew) unterbreitet dem Kongreß mehrere Vorschläge: 1. Mittel für die Nationalbibliothek in Jerusalem bereit zu stellen, die in erster Linie das gesamte hebräische und jadaistische Schrifttum sammeln soll, 2. der jüdischen Kolonialbank oder dem Nationalfond möge eine gewisse Summe zwecks Ankauf eines Dampfers für Personen- und Warentransport in regelmäßiger Route Jaffa—Alexandrien, Konstantinopel— Odessa und zeitweise nach Triest zur Verfügung gestellt werden. Der Dampfer soll „Zion" oder „Theodor Herzl" heißen und unter der Kongreßflagge fahren. Ferner empfiehlt er den Bau eines Sanatoriums am Tiberiasee, über dessen Heilquellen sich nach einem Studienaufenthalt daselbst Prof. Vaginsky (Berlin) begeistert ausgesprochen habe. Lasier (Toronto) macht eine Reihe von Vorschlägen für die praktische Arbeit in Palästina. , Dr: S. Werner widerlegt in ausführlicher Rede die Ausführungen des Herrn Böhm. Die Leitung habe nie die Vertiefung des Zionismus verhindert, sie sei für die Vernachlässigung der Kulturarbeit nicht verantwortlich. Diese müsse von jedem einzelnen Zionisten geleistet werden, ohne daß er zuerst aus die Initiative der Leitung wartet. Jeder müsse bei sich selbst mit dem Eindringen in das Judentum beginnen. Kaplansky verlangt informative Aufklärung in bezug auf den Zionismus nicht nur für die türkische, sondern auch für die arabische Öffentlichkeit. Er fordert auch mehr Rücksichtnahme auf die jüdischen Arbeiterorganisationen in Palästina. Auf Antrag von G o l d r e i ch wird beschlossen, vier Generalredner mit 15 Minuten Redezeit zu bestimmen. Schluß der Vormittagssitzung um 12*/1 Uhr. Donnerstag, 10 August, 4 Uhr. Vorsitzender Dr. Vodenheimer. Dr. Jakob Thon (Jaffa) verteidigt das Palästina-Ressort gegen die erhobenen Angriffe. Man habe mit den Arbeiterorganisationen verhandelt, das Palästinaamt sei bereit, den jüdischen Arbeitern eine möglichst weite Selbstverwaltung zu gewähren, die aber nicht in eine Anarchie ausarten dürfe. Ferner nimmt er die Oelbauspende gegen die verschiedenen Vorwürfe in Schutz, widerlegt besonders, daß der Sabbat bei den Arbeiten entweiht würde, und bespricht die Tätigkeit der Palästine Land Developement Company wie auch der anderen zionistischen Unternehmungen in Palästina. Dr. Pasmanik fragt, ob der an den Kongreß gerichtete Brief des Herrn Kann dem großen Aktionskomitee vor der Veröffentlichung Vorgelegen hat. Er verlangt, daß die Leitung auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit die Initiative ergreife und betont die Notwendigkeit der Vertiefung des zionistischen Gedankens. Auch müsse man dem jüdischen Proletariat mehr Aufmerksamkeit schenken. Der politische Zionismus sei die Schaffung von Volksmitteln für Volksbefreiung. Prof. Dr. Marburg erwidert auf die seitens der poale-zionistischen Gruppe gegen das Paläftinaamt vorgebrachten Beschwerden und wendet sich gegen die Anklagen. die Herr Kann in seinem an den Kongreß gerichteten Schreiben gegen manche Unternehmungen des Palästina-Ressorts erhebt. Er verteidigt den Bezalel. die Oelbaumspende, die Immobiliengesellschaft und teilt mit, daß vor einigen Tagen ein Bericht seitens des Palästinaamts eingegangen sei, der. insbesondere was die Oelbaumspende anbetrifft, mehr als erwartet, befriedigend 7ei. Prof. Marburg führt u. a. aus, daß es jetzt nottue, vornehmlich für die kulturellen Institute des Zionismus zu sorgen, und gibt der Ueberzeugungr Ausdruck, daß es nicht lange dauern könne, bis die