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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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©dte KeZDwe)? ^dadurch erschmeicheln will, daß er nicht sDneichett. Derartige Gedänkengänge hatte auch Rothschild während . seines DHems m durchirren., und erschöpft gelang^ er immer wieder zu dem Ausgangspunkt, daß M dieser.Welt alles Berechnung sei und man sich eben bWeiden Müsse, immer nur Masken zu sehen. ./.-, Auch über den Agenten dachte er ähnlich. Dieser habe ihn nur darum-'bis jetzt um nichts ersucht, um schließlich einen besonderen großen Dienst verlangen , zu WmlÄ. Und er wartete auf diesen Moment. mit der Spannung des Menschenkenners, den das eingettoffene ReMtat befriedigt, selbst wenn es dem Menschen in.ihm wche tut. . . . -- ...; | . \~\ Aber es verstrichen die Wochen und wurden zu MonatM. .Drei Jahre/spielte er schon Mit ihm. und nach «nmer nicht hatte er sich für das Vergnügen, das er. Lm Schachspiel fand, revanchieren müssen. . Die ltneigennützigkeit seines Partners freute ihn. Dach ärgerte er sich auch» daß der Agent so gar nichts von Hin forderte. Denn er gab gern und verhaft den Menschen willig zu dem, was sie ihr Gluck nannten. Außerdem war er in seiner Eitelkeit getroffen, in der Eitelkeit des Psychologen, dessen Behauptung sich als haltlos erweist. Und zum dritten, es wurmte ihn, daß er, der Bielbeneidete nichts hatte, was den einfachen Mann lockte, daß er ttotz feines Reichtums nicht imstande war; ihm etwas Liebes zu tun. Da faßen sie wieder einmal über dem Schachbrett und die Kiebitze umdrängten sie. Rothschild stayd sehr günstig, und die Umgebung! würdigte dies in anerkennenden Worten. Rothschild selbst hänselte in vorerüger Siegesfreude seinen Gegner. Dieser dachte lange nach, tat emen Zug. und die Situation hätte sich-mit einem Schlage geändert. Der Kreis der Zuschauenden mußte zugeben, daß nunmehr der Baron als Gewinner der Partie kaum in Betracht käme. Und nun höhnte her Agent seinen Gegner. Rochschikd, Wer seine mißliche Stellüng wohl orientiert, sagte herausfordernd: „Sie glauben also die Partie schon gewonnen, mein Herr? Nun gut. Ich wette 5000 Dukaten, daß Sie sie verlieren!" Der Agent bückte sich überrascht über das Brett und überlegte, ob irgend ein Umstand seiner Aufmerkschttkeit entgangen sei. Dann aber erkannte er in der Unhaltbarkeit der Lage Rothschilds die Absicht des Barons, eine von Anfang an verlorene Wett§ einzugehen. Ein harter, Zug kam zwischen seine Brauen und mit einer schroffen Handbewegung warf er die Figuren um. „Ich spiele nicht zu Ende", sagte er und verließ den Klub. - : / . . ' n Wochen vergingen. Der Agent käm nicht mehr in den KlW. l ’/r; //^i Eines Tages, als er eiligst seines Weges ging, wurde er auf der Straße von einem glattrasierten Herrn mit würdigen Falten angesprochen. Momentan aber verrieten die Falten nichts als Bescheidenheit und^die steife Haltung Respekt. /Mas wollen Sie?" fragte unwirsch der Agent. /.BeyeMng, mein. .Herr, ich bin der Kammerdiener Barön Rothschilds." Der Agent wurde noch zurückhaltender und Mächte MijM, weiterzugchen. ,,Ich komme fosusagen nicht offiziell" fügte der KamMerdw-ner Msch hinzu,;,toenn ich mich so ausdrücken darf, m "eigener Sache und im Namen der Dienerschaft. Seit Miger Zeit ist nämlich der Herr Baron wie umgewandelt. Mir steht keine Kritik zu, aber ich darf wohl erwähnen, daß wir alle mit hem Herrn Baron Nr. ^2! jetzt einen schweren Stand chaben. Wir glauben auch die Ursache der Verstimmung des^Herrn Barons erkannt zu haben. Der Herr Baron kränkt sich, daß Euer Wohlgeboren nicht mehr in den Schachklub kommen. Und darum Bitten wir Sie ganz ergebenst, doch wieder den Klub aufzusuchen." Und er kam wieder in den Schachkkub. „Daß Sie mir das so lange nachgetragen haben!" meinte Rothschild. „Ich spiele sehr gern mit Ihnen, Herr Baron, aber nur dann, wenn Sie nicht den Rothschild herauskehren." Diese altmodische Geschichte von einem ehrlichen Manne hat auch eine altmodische Moral. Nämlich! die verstaubte Wahrheit, daß die Tugend schließlich ihren Lohn findet. Leider ist dieser Grundsatz zwar alt, aber nicht immer zutreffend; sonst wäre ich immer tugendhaft nt^dem Unerschütterlichen Vertrauen, daß mein Verhalten belohnt werden wird. Aber das wäre keine Tugend mehr, sondern Geschäftstalent. Des Agenten Selbstlosigkeit fand ihren Lohn. Er wurde zum Fürsten Windischgrätz gerufen und schloß eine vorteilhafte Versicherung ab, Graf Wilczek ließ sich versichern, Palmer und andere mehr. Der Agent, der schon vorher geschäftliche Verbindungen Mit adeligen Kreisen unterhielt, hatte nicht die leiseste Ahnung, daß er all dies Rothschild zu. verdanken hatte. Dieser war es gewesen, /der-seinen Partner empfohlen und die betreffenden Persönlichkeiten dringend gebeten hatte, nieMals etwas von seiner Vermittlung verlauten zu lassen.. Und er erfuhr bis zu Rothschilds Tode tatsächlich nicht, wie gewinnreich sein uneigennütziges Schachspiel war. Rothschild. war trotz seiner Millionen durch und durch Mensch, obwohl Män es ihm mitunter schwer machte^ es zu sein. Claus. _ („Das Forum") ptattht*. SoMMHals iVrieftvMel. (Herausgegeben von seiner Tochter.) Im Herbste dieses Jahres erscheint der gesamte Briefwechsel des berühmten Hofschauspielers Adolf Ritter von Sonenthal in Briefform. Die Herausgabe dieser Briefe wird von der Tochter Sonnenthäls besorgt. Den größten Teil dieser Publikationen bilden die zwischen Sonnenthal, Paul Lindau und Wilbrandt gewechselten Briefe, doch werden sie auch manche interessante Briefe enthalten, die Sonnenthal an vertraute Freunde, die nicht dem Künstlerstande angehören, gerichtet hat. Josef LaufF, Marie Verwahren. Ullstein-Bücher. Ullstein & Co., Berlin SW*, 8 Mir. . . In einem religiösen Konflikt zwischen Protestantismus Hnd Katholizismus greift als Nebenfigur auch ein Jude ein, der alle Glanzseiten eines edlen Charakters zeigt. Dass aber ein orthodoxer Jude mit Schläfenlöckchen sich rasieren lässt, ist ein Unding. Helene Böhlau, Isebies. Albert Langes, Mönchen. Es ist der Roman ihres Lebens, den Helene Böhlau uns hier bietet. Ganz besonders wertvoll erscheint uns die lebendige Schilderung des Lebens in Weimar „im Schatten der Titanen“ und vor allem die warme Darstellung eines Freitagabends in einer jüdischen Familie, an dem die Verfasserin als Kind die Schabesgoje bat spielen müssen. Nur sind in ihrer Erinnerung Zeremonien verschiedener Feste alle zn der einen Sabbatfeier znsammengeschmolzen. Gabr. .Nobel, Zur Geschichte der Zahnheilknnde im Talmud. Leipzig 1909. Gustav Fock, Mk. 3. Mit gründlicher Kenntnis seines Spezialfaches vereint der Verfasser eingehende Kenntnis der medizinischen Partien des Talmuds. Wir hegrüssen diese Monographie als eine neue reife Frucht des Baumes, der neuerdings seit Koteimann, Preuss n. a. s'o ^erfreulich gepflegt wird. Mochs WvchsMelft

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