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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 531 Nr. »3 Dr. Blochs Wochenschrift rungen der Dramen großes Interesse entgegengebracht wird. So haben die Führer der hiesigen Arbeiterschaft extra Zirkulare versandt, in denen den Mitgliedern zur moralischen Pflicht gemacht wurde, an der Aufführung des „Pogrom" sich zu beteiligen. Die Aufführung des „Pogrom" sand am 5. d. M. statt und übte auf das Publikum eine tiefe Wirkung aus.* Der Beifall war ein allseitiger und äußerst lebhafter. Zakliezyn. (Verlobung.) Fräulein Rosalia Hudes, .die Tochter des Herrn Josef Hudes, Kaufmann in Zakliezyn, hat sich mit Herrn Salomon Kalter, Kaufmann in Sedziszor, am 6. d. verlobt. Sauerbrnnn. (Savanyukut.) Aus Sauerbrunn im Oedenburger Komitat wird uns geschrieben: Ein schwärmerischer Freund unserer lieblichen Sommerfrische hat Sauerbrunn mit dem Epitheton „Die Perle des Rosaliengebirges" bezeichnet. Wir bedienen uns, trotzdem Sauerbrunn unter dem Kabinett Sz e ll förmlich über Nacht zur unliebsamen und-peinlichen Ueberraschung der zahlreichen Stammgäste sowie der Autochthonen des Ortes zu einem Kurorte erhoben wurde, nichtsdestoweniger des Wortes Sommerfrische, da dieser von der Natur so reich gesegnete, aber leider von Menschenhand so arg und unverantwortlich vernachlässigte Ort als Sommerfrische geradezu prädestiniert erscheint. Die heurige Frequenz hat eine solche Höhe erreicht, wie niemals zuvor. Von Wiener Familien wird Sauerbrunn mit besonderer Vorliebe besucht, da es namentlich für Kinder ein wahres Eldorado-ist. Abermals hat auch in diesem Sommer eine stattliche Reihe von Rabbinen aus Cis und Trans hier Ruhe und Erholung durch mehrere Wochen gesucht. Wir nennen unter anderem Dr. Benno Heiß samt Gemahlin aus Sisfek, Ehrlich (Körmend), Dr. Bauer und Abeles (Wien), Baumgarten (Fünsktrchen), Ehrenfeld (Mattersdorf), Frey (Surany), Reich' (Batorkesz) u. a. Ein interessantes Novum für viele Wiener Familien bilden die hier so häufig stattfindenden Hochzeitszeremonien, die strenge nach altpatriarchalischem, traditionellem Ritus durchgesührt werden. Da die Brautleute sich zumeist aus Ungarn rekrutieren, so mangelt es beim Festmahle, das auch durch erhebende Gesänge gewürzt wird, nicht selten an musikalischer Begleitung durch nationale Zigeunerkapellen. Am letzten Samstag hat hier im Etablissement Bank ein äußerst animiertes Fest mit Damenschönheitskonkurrenz stattgefunden, bei dem Frl. Ella Grimm, die Tochter des hiesigen Sanatoriumbefitzers, den ersten Preis erwarb. . Auszeichnung einer Mischen Dame. Das Budapester Amtsblatt verlautbart die Verleihung des Elisabeth-Ordens zweiter klaffe an Fräulein Mathilde Bischitz, eine sympathische, allgemein geschätzte Dame der Gesellschaft. Die vielfache, alle Gebiete Humanitären Wirkens umfassende Tätigkeit, die Fräulein Bischitz unauffällig aber um so intensiver seit Jahren entfaltet, ist, wie die seltene Auszeichnung beweist, auch an maßgebendem Orte nicht unbemerkt geblieben. Die Ehrung, die der Dame zuteil wurde, wird in weiten Kreisen mit warmer Genugtuung begrüßt werden, zumal sie ausdrücklich als Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der öffentlichen Wohltätigkeit erworbenen Verdienste erfolgt ist. Feuilleton. Rothschild rrrrd der Nerficherungsagenl. Der Amateur genießt — auf welchem Gebiete immer — reinere Freude als der .Professional. Jener sieht im Mittel sein Vergnügen, dieser hat den Zweck im Auge. Und beide sehen auf einander hinab. Den Fachmann ärgert es, daß das, was für ihn blutiger Ernst ist, für den andern Spiel sein soll und einzig wegen des Vergnügens am Spiel betrieben wird. Der Amateur wieder mißbilligt im Professional den Geschäftsmann. Der Professional ist Aesthetiker, der Amateur Aestbet; jener den starren Gesetzen seines Gebietes unterworfen, dieser den von ihm gutgeheißenen Pegeln willig gehorchend. Dem Amateur ist es um die Form zu tun, die er selbst mit Hintansetzung des Inhaltes zu pflegen sucht. Ein solcher Amateur war auch der Schachspieler Rothschild. Er spielte die Partie um der Partie, nicht um des Gewinnes willen und sah sich durch einen interessanten Zug reichlich belohnt. Und wenn er im Schachklub jemand zu einer Partie einlud, so bedeutete es für den Betreffenden eine große Auszeichnung. Aber nicht so sehr wegen des Vergnügens aM Spiel. Die unendliche Macht des Reichtums flößt eben begründeteren Respekt ein als etwa der Vorrang der Geburt, und eine derartige Aufforderung war der Anfang einer gewinnbringenden Bekanntschaft mit dem Millionär. Unter den Mitgliedern des Schachklubs befand sich auch ein Versicherungsagent, ein Mann, deffen Achtung man nur auf dem Schachbrett erringen konnte: denn im übrigen hielt er mit seinen demokratischen Ansichten nicht hinter dem Berge. Diesem Agenten sah Rothschild gelegentlich beim Spielen zu, und sofort erwachte in ihm' die Begierde^ seine Kräfte an einem ibm unbekannten Gegner zu messen, dessen System er noch nicht zu berücksichtigen und zu parieren wußte. Und er forderte ihn zu einer Partie auf. Der Agent fiel, getreu seinen Grundsätze^ keineswegs vor Ehrfurcht um, vielmehr setzte er ' sich gleichmütig mit Rotschild an den Tisch: und augenscheinlich war es für ihn kein besonders bemerkenswertes Erlebnis, mit Rothschild Schach zu spielen. Sie spielten auch späterhiil miteinander: mitunter gewann Rothschild, meistens aber der Agent, und allmählich avancierte er zu Rothschilds beliebtestem Partner, der trotzdem ein Phlegma bewahrte, das sich nur durch den jeweiligen Stand der Partie beeinflussen ließ. Andere Schachspieler, gewiegter als Rothschild, ließen diesen, um ihm eine Freude zu machen, mitunter gewinnen. weil sie wohl wußten, daß sie ihre Selbstlosigkeit nicht zu bereuen hatten. Anders der Agent. Er schlug den Baron unbarmherzig und ärgerte sich ganz unverhohlen, wenn dieser ihn gelegentlich matt setzte. Für Rothschild war sein Partner ein Rätsel. Da war endlich einmal ein echter Amateur, der nur aus Freude am Spiel mit ihm spielte, nicht aber, um sich bei ihm irgend einen Vorteil herauszuschlagen. So ist es erklärlich. daß Rothschild ihm besondere Aufmerksamkeit schenkte. ..4 Zu ihr gesellte sich allerdings auch das Mißtrauen, das Machthabern notwendigerweise zur zweiten Natur wird. Mißtrauisch registrieren sie die ihnen entgegengebrachte Ergebenheit und berechnen im Geiste wie hoch sie deren Grad würden bezahlen müffen. Darauf NäMlich machen sie sich von vornherein gefaßt, um den Schmerz der Enttäuschung zu meiden. Aber ihr Mißtrauen wird auch rege, wenn die gewohnte Devotion ausbleibt. Rastlos suchen sie hiefür einen Grund und fürchten eine Ueberrumpelung. Die Möglichkeit, daß. sich ihnen wirklich einmal einer ohne Absichten nahen könnte, weisen sie resigniert lächelnd zurück. Und darum gelangen sie zur Ansicht, die UnbeküMmertheit sei nur die Pose eines Schlauen, der in der Menge der Dienstfertigen.auffallen und sich (nach

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