Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 32 (11.8.1911)
- Date
- 1911-08-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 32 Dk. MsHs MMmWW Sette 582 dem Gebiete des einstigen Palästina eine Kolonie zu gründen -wäre, um die jüdische Rasse rein und blühend zu erhalten. Eine solche Niederlassung wäre für die ganze Welt vom Vorteil, da es ja im Interesse der Welt liege, mit allen Mitteln eine so hochentwickelte Rasse wie die jüdische, zu erhalten. Keine andere Rasse vermöge den Mgrund zwischen Ost und West so wohl zu überbrücken, wie die der Juden, die Orientalen sind, sich aber in das Leben und die Ansichten des Westens hineingefühlt haben uHd deshalb imstande sind, beide Teile zu verstehen. Es ist wohl niemand so naiv, anzunehmen, daß die auf dem Kongresse beklagten Uebelstände nunmehr leicht behoben werden können, weil sie unter allgemeinen Teilnahmskundgebungen zur Sprache gelangten; immerhin dürfte man dieser Persammlung der Intelligenzen aus allen Ländern der Erde so manche schätzenswerte Anregung verdanken, die auf fruchtbaren Boden zu fallen bestimmt ist. Der Kongreß, dessen Entstehung dem amerikanischjüdischen Gelehrten Prof. Felir Adler zu danken ist. weist im allgemeinen eine große Zahl jüdischer Delegierter auf, die von europäischen Staaten entsendet wurden. Unter ihnen befindet sich auch der Erfinder der Weltsprache Esperanto Dr. Zamenhof, der Rabbiner Dr. Gaster u. m. <t,r Im Zusammenhänge mit dem Kongresse steht auch elnö 'Ausstellung von Photographien und Werken bedeutender Persönlichkeiten der einzelnen Rassen.. ’'y] Dick Salonichier Judmgemeinde gegen die W'ener „Zeit" und dick Londoner „Times". Bekanntlich hat die Londoner „Times" auf Grund eines Gerichtes der Wiener „Zeit" in einem längeren Artikel hie Behauptung aufgestellt, daß die Intriguen der türkischen Juden daran schuld seien, daß die albanesische Frage so drohende Formenangenommen habe. In den betreffenden Artikeln werden sogar die Namen derjenigen jüdischen Politiker genannt, die angeblich die Haupthetzer gegen die Albanesen sind. Gegenüber diesen Behauptungen sandte der Präsident der Salonichier Iudengemeinde den Londoner „Times" eine Richtigstellung, in welcher sie gegen diesen Versuchs' unter die einzelnen Nationalitäten in der Türkei Zwietracht zu säen. Stellung nehmen, die Behauptungen der Korrespondenten der genannten Blätter als Phantasiegebilde hinstelsen und dann erklären: Wäre es nicht die elementarste Anstandspflicht ihrer Korrespondenten gewesen, diese schwerwiegenden Behauptungen, ehe sie ausgesprochen wurden, auch auf ihre Wahrheit zu prüfen? Hätten sie anstatt die Behauptung in die Welt zu streuen, daß die Staatsmänner und Diplomaten sich bereits im Geheimen über die Beeinflussung der türkischen Politik beklagen, sich vorsichtshalber an ihre Konsulate in Salonichi oder an ihre Gesandtschaften in Konstantinopel gewandt, so wäre es ihnen erspart geblieben, heute unter denjenigen zu rangieren, die die Pogroms unterstützen oder entschuldigen. Es heißt aber in der Wüste predigen, will man solchen Gegnern, wie den Mitarbeitern der „Zeit" und ihren Korrespondenten Mr. A. Syriotis mit Vernunft bekommen, die den Juden die Maffakres von Adanan, die Unterdrückung des bulgarischen Aufstandes, die gegenwärtigen Zustände in Albanien und die Boykottierung griechischer Waren in die Schuhe schieben wollen. Wir protestieren indigniert gegen diese verleumderischen Zumütungen, die unseren Glaubensbrüdern gemacht worden und wir fordern Herrn Syriotis auf, nachzuweisen, wieso dieser Boykott für die Juden von Salonichi Profil bringend war. Kennt er vielleicht jüdische Schiffahrtsgesellschaften, um das Interesse zu erklären, das die Juden angeblich an dem Ausbruche dieses Boykotts haben konnten? Weiß er es nicht, daß die Juden von Salonichi zum größten Teile Kaufleute find, die, weit entfernt, Unruhen zu stiften, schon ihres Handels wegen den Wunsch hegen, daß im Lande Ruhe herrsche? Wir wiederholen: wir können unmöglich die geschworenen Feinde Israels bekehren und wenn wir uns diesmal die Mühe nahmen, ihren tendenziösen Ausstreuungen zu beleuchten, so taten wir dies zur Steuer der Wahrheit und Gerechtigkeit und dann nrit Rücksicht auf hie Anständigkeit und die Bedeutung ihres Organs." Die Installierung der ruffifch-judische» Kolonie in der Nähe von Konstantinopel. Nach langen Bemühungen und Unterhandlungen gelang es endlich der Gruppe von Juden aus Nowoschitz in Rußland, den Vertrag über den Ankauf eines, Sttick Landes in der Nähe von Konstantinopel abzuschließen. Das Gut, das den Namen „Hassan Pascha" führt, liegt 12 Meilen von Konstantinopel. Der Kaufvertrag wurde auf den Namen des belgischen Untertanen Franz Philippsohn, eines Schwagers des Baron Hirsch, abgeschlossen. Die erste Gruppe der Kolonisten begibt sich schon demnächst auf ihren neuen Besitz. Dckr Dank des rnffischm Ministers des Aeußern an Dr. Marmorck. Aus Paris wird berichtet: Der russische Minister des Aeußern Sasonoff, der bekanntlich gefährlich krank war, hat, da alle übrigen Mittel nichts halfen, sich entschlossen, sich der einen Kur mit dem Marmorekschen Serum zu unterziehen, die auch von gutem Erfolg begleitet war. Vor einigen Tagen nun erhielt Dr. Marmorek vom Minister Sasonoff ein Schreiben, in welchem der Minister in warmen Worten dem Gelehrten den Dank und die Anerkennung für die großartige Erfindung ausspricht. Der Minister erklärt, im Laufe des nächsten Monates nach Paris kommen zu wollen, wo erdann nicht ermangeln werde, persönlich seinen Dank abzustatten. Der Brief wurde Dr. Marmorek durch den russischen Botschafter in Paris, Grafen Iswolski. übermittelt. . , . . , , Vom X. Zionistenkongrest. (Telegramm unseres Spezialberichterstatters.) Basel, 9. August. Heute wurde der X. zionistische Kongreß durch den Präsidenten des Aktionskomitees eröffnet. In seiner Eröffnungsrede, die Herr Wolffsohn in hebräischer Sprache beginnt und dann deutsch fortsetzt, wirst er einen Ueberblick auf die Vorkommnisse der letzten zwei Jahre und betont besonder-, daß der Zionismus weder ein Messianismus sei. noch einen Judenstaat anstrebe, sondern nichts anderes wolle, als daß die Juden als ein freies Volk, wie alle anderen Völker in der Türkei, in Palästina leben und sich entwickeln können. Max Nord au halt eine großangelegte Rede über'die Unterdrückung der Juden in Osteuropa, die darin ausklingt' daß die Hoffnung dieser verfolgten Inden nur auf die Türkei gesetzt sei. Zum Präsidenten des Kongreffes wurde Max Nor bau gewählt. In der Generaldebatte über den Präfidialbericht sprachen bisher Böhm, Daiches und Hanke friedlich, aber unbedeutend. * * * Von anderer Seite wird gemeldet: Der Zionistenkongreß beschloß auf Antrag des Aktionskomitees, der türkischen Regierung aus Anlaß des Brandes in Konstantinopel ei» Beileidstelegramm und einen Hilfsbeitrag von fünftausend Franst» zu senden.