Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 32 (11.8.1911)
- Date
- 1911-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. S3 SeüeE De. Wochs WochmWfft pflege.Leichenbestattung, Händereinigung beim Verlassen des Friedhofes darstellend, verschiedene jüdische Gebäcksorten usw. In den Einleitongen zu den Gruppenberichten schreibt der Leiter der Bistorischen Abteilung, Professor S u d h o f f: Gruppe III (V or antike). Juden. (Baum 3.) .Anregungen aus den hohen Kulturen am Euphrat und Nil hat der Meine Stamm der Juden aus dem grossen Kreis der Wüsteusemitendn genialer Weise weitergedacht und in kultische Normen gebracht, die heute noch unsere Bewunderung verdienen und später in ihrem Weiterleben im Christentums und im Islam die Welt eroberten. In hygienischer Beziehung ist vor allem von grösstem Werte die Schaffung und Festlegung des siebenten Tages als Bnhetag, an zweiter Stelle die Aussatzschau und die sich daraus ergebenden Absonderungsbestimmungen, die die erste wirksame Massnahme der Bekämpfung chronischer Infektionskrankheiten bildeten und das Feldzeichen darstellen, unter dem der grosse krankheitsbekämpfende Sieg in der Menschheitsgeschichte erfochten wurde, wie es näher in Gruppe XXIX des Mittelalters vorgeföhrt werden wird. ' An den Namen Moses knüpft sich die Grundlegung der jüdischen Bitualgesetze. Zu beiden Seiten in den Schränken stehen ehrwürdige Thorarollen und zeigen an den mit silbernen Händen anzumerkenden. Stellen wichtige Absätze aus dem jüdischen Priesterkodex. Gegenüber sind in grosser Zahl kleine Modelle, gegeben, welche die Lebensgewohnheiten der heutigen Einwohner Palästinas in Wohnung, Nabrungsbereitung, Bad usw. usw. darstellen Eine Reihe von phönizisch-jüdischen Grabanlagen sind nachgebildet, die Salomonischen Teiche and Wasserleitungen sind in Modellen vorgeführt, desgleichen der Tunnel vonSiloab und die anschliessende Wasserleitung. Ein grosses Zelt führt die primitive Wohn weise der Wüstensemiten vor, wie sie heute noch besteht, wie eie vor Jahrtausenden gewesen ist. Das Wichtigste sind und bleiben die rituellen Bestimmungen, die Reinigungsvorscbriften des Körpers und vor allem auch die Reinheitsvorschriften, welche die Nahrung betreffen, die auch heute noch klar erkennen fassen, wie besorgt die führenden Geister des jüdischen Volkes gerade auf diesem Gebiete um das Wohl und Wehe ihrer Volksgenossen gewesen sind. Gruppe XXIX (Mittelalter). Juden. (Raum 3tz.) Die Weiterentwicklung, die das jüdische Volksleben in hygienischer Richtung genommen hat, natnrgemäss beeinflusst durch das allgemeine Wissen, das seit den Zeiten des Hellenismus die gesamte Alte Welt umspannte, geleitet vor allem durch die Errungenschaften des griechischen Geistes, bis ins. Einzelne vorzuführen, musste sich die Hygienische Ausstellung versagen es schien aber durchaus geboten, die wichtigsten Punkte wenig stpns der BestimmungeiC^des]£Taimud und Schulchna-Aruch in Wandspriichen, hebräisch und deutsch, zusammenzustellen, nm einen Einblick zn gewähren in diese bewusst hygienisch gedachten Gesetzesbestimmungen. Nebenher geht die Schilderung des jüdischen Volkslebens im Mittelalter im Abendlande, wo es trotz a'Ier Hemmnisse, trotz aller Bedrückungen seine Eigenart und die Lehren seiner grossen Denker zu befolgen sich bestrebt hat. Man wird nicht leugnen können, dass unter dem grossem Druck, der auf dem Volke lag, die Bewahrung seiner Eigentümlichkeiten Bewunderung erwecken muss. ' Den Mittelpunkt der jüdischen mittelalterlichen Vorführung bietet mit Recht die Sabbatstube, die treue Bewahrung der alten Vorschriften der Heiligung dieses Tages, der hygienisch als Ruhetag in die Erscheinung tritt. Von der Beschueidung, der die jüdischen Schriftgelehrten und der jüdische Volke brauch eine so, grosse Bedeutung beilegen sind die Behelfe, wenn auch nicht gerade ans dem Mittelalter, so doch: ans-relativ früher Zeit, in grosser Zahl zur Vorführung gekommen. Besonders interessant sind die verschiedenen Jadenbäder, die es den Frauen und Bräuten der Juden ermöglichen sollten, die für sie besonders gegebenen Gesetze in Bezug auf Tauchbäder zu üben und zu halten. Da zu den rituellen Reinigungen nur Messendes Wasser oder wenigstens nicht geschöpftes Wasser genommen werden durfte, sind die deutschen Juden an verschiedenen Stellen gezwungen gewesen, tiefe Gänge in die Erde zu graben und mit Treppenanlagen soweit dem Grundwasser sich zu nähern, dass für das ganze Jahr ein genügender Bedarf an ungeschöpft zusammenlaufendem Wasser für das Baden vorhanden war. Wir gehen eine Reihe dieser Badeeinrichtungen in Modellen und in Planskizzen und Schnitten wieder. Auch von der jüdischen Schlachtweise und Fleischbeschau, von der jüdischen Leichenbehandlung, von dem Leben in abgesonderten Vierteln, den sogenannten Ghettos, sind so viele Beispiele vorgeführt, dass der Beschauer sich von dem ganzen Leben der Juden in der Diaspora ein Bild machen kann, ( Däe allgemeine Raffenikongrch^ Es wctr jedenfalls kein alltäglicher Gedankeden vielen Weltversammlungen, in welchen Politiker und Männer der Wissenschaftfotme die Angehörigen der verschiedensten Berufe einen unmittelbaren Meinungsaustausch pflegen, auch eine Zusammenkunft einzufügen, die den Zweck hat, die Menschen als solche einander näher Zu bringen. Ob der .qm 26. Juli durch Lord Weardale in den Räumlichkeiten der Londoner Universität eröffnete erste allgemeine RaffeNkongrtzß dieses wünschenswerte Ziel schon im ersten Ansturm erreichen werde, bleibt freilich sehr zweifelhaft; es ist. überhaupt fraglich, ob alle Teilnehmer an dieser, in ethnographischer Hinsicht jedenfalls recht bemerkenswerten Versammlung sich klar darüber sind, was sie eigentlich wollen. Dennoch tun diejenigen Unrecht, die mit geringschatzenden Worten über die Tagung von Männern hinweggehendie aus allen, auch aus den entlegensten Winkeln des'Erdballs hie Themsestadt aüfgesucht haben und sich mit einänder wähl oder übel ZU verständigen suchen. Und achtenswert ist jedenfalls, daß auf dem Kongreß sich eine große.Summe von Geduld und 'Nachsicht kundgibt, wenn der Vertreter der einen oder der anderen Rasse in einem höchst mangelhaften Englisch öder kaum' verständlichen Französisch! in die Debatten einzugreifen sucht. Was die Vorträge anbelangt, hat man das Verständnis jedenfalls wesentlich erleichtert, indem die zu behandelnden Fragen- und die Dissertationen über dieselben bereits früher' in Druck gelegt und in einem vom Sekretär des Kongresses G. Sprller redigierten Werke herausgegeben wurden. Ueber die jüdischen Rassen hat unter anderen der berühmte Schriftsteller Israel Zangwill sehr interessant gesprochen, indem er. äusführte, es sei nicht die Aufgabe der Welt, die Juden als Rasse oder als religiöse Vereinigung im Bestände zu erhallen, sondern ihre Rettung müsse aus ihnen selbst heraus kommen. Allerdings hätten sie das Recht» von der Menschheit zumindest ebensoviel Sympathie und Hilfe zu erwarten, als seinerzeit den Italienern und den Griechen in ihren aus die nationale Wiedergeburt gerichteten Kämpfen zu- - gewendet wurde. Die Iuden leben in einer überaus^ kritischen Situation und wenn man beschließen sollte, daß alle m den vergangenen Jahrhunderten geübte Roheit notwendig sei, würde die Welt einem schlimmeren Zustand verfallen, als zu jener Zeit, da die Christenheit Leute auf dem Scheiterhaufen schleppte, weil es verböten war, Blut zu vergießen. Zangwill hat von einem der aufgeklärtesten Iuden in Rußland ein Schreiben erhalten, worin angeführt wird, die Lage der Juden fei im- Zarenreiche verzweifelter, denn je zuvor. Er sieht die Lösung des Problems in der Ueberlaffung eines Territoriums, wobei er Palästina oder zumindest Mesopotamien den Vorzug gibt, wo sich die Juden unter ihrer eigenen Verwaltung niederlaffen könnten. Zu demselben Gegenstände sprach sehr, beachtenswert auch Dr. I. Zollschan aus Wien der ausführte, daß aui