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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 826 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 33 Das ftMrne Hochzeitsgeschenk amerikanischer Rabbiner an PmsidMten Taft. Das Geschenk, das die amerikanischen Rabbiner dem Präsidenten Taft anläßlich dessen silberner Hochzeit widmeten, ist ein kunstvoll gearbeiteter Silbergegenstand, der die Form einer Bank hat, die hebräische und englische Inschriften trägt. Das Kunstwerk wurde in dem Atelier eines Jerusalemer jüdischen Goldschmieds hergestellt. Me iZMunft der deutschen Kudrrcheit. Diese Erscheinung ist gewiß auch auf die Zunahme der Taufen und Mischehen zurückzuführen, aber doch nur in ganz beschränktem Maße; die Zahl der Taufen und Mischehen ist heute in Deutschland noch nicht so groß, daß sie bei.normaler Geburtenziffer dies bewirken könnte. Sie dürfte höchstens eine Differenz von etwa.10 Prozent ausmachen. Hauptursache ist vielmehr im Süden wie im Norden die geringe Geburtenziffer. Man zählt aus jüdischen Ehen (in absoluten . Zahlen): 1876 1900 1900 weniger als 1786 in Preußen. 11214 7224 — 3980 „ Bayern . . .'•• . . 1740 995 — 745 „ Preußen und Bayern 12954 8229 — 4725 lieber diese sehr ernste Frage schreibt der bekannte Statistiker Herr Dr. R u d o l f W a s s e r m a n n in der „Frankfurter Zeitung": Es ist eine überall zu konstatierende Tatsache, daß mit skigendem Wohlstand und sicherer sozialer Stellung die Fruchtbarkeit ^geringer geworden ist. Dabei war aber stets, wie Brentano einmal gesagt hat, nicht die Verbreitung der Enthaltsamkeit die letzte Vorbedingung der Besserung der Lage der unteren Klaffen, sondern umgekehrt immer erst die Hebung der wirtschaftlichen Lage die Vorbedingung für die Verbreitung der Enthaltsamkeit in der Kindererzeugung. Das läßt sich nicht besser Nachweisen als an der Bevölkerungsentwicklung der Juden. Wo sich die Juden in gedrückten Verhältnissen befinden, wie in Rußland, treffe« wir noch heute eine hohe Geburtenziffer an. Anders dagegen z. B. 'in Deutschland. Bis in das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts hinein sehen wir. da sich die Juden auf der Stufe der „religiösen Kultur" (Wolf) b finden, in der ihnen noch ihr Glaube vorbildlich vorschreibt, ihre Kinderzahl nicht zu beschränken, eine nicht unbeträchtliche Geburtenziffer, in Preußen z. B. auf 1000 Juden im Durchschnitt der Jahre 1834-43 noch jährlichW8 Geburten. Als aber mit Beginn der siebziger Jahre eine Abkehr von der strengen Norm ihrer Glaubensgemeinschaft platzgreift, die ihnen gestattet, sich auch über das „Seid fruchtbar" ohne Gewissensbisse hinwegzusetzen, da beginnt bei derselben Bevölkerungsmafle, die doch physiologisch die alten Voraussetzungen aufwies, nur deshalb, weil der bisher gebundene aber latent vorhandene soziale Faktor aus seiner Gebundenheit befreit wurde, auf einmal ein rapides Sinken der Geburten, so daß die Geburtenziffer der Juden in Preußen heute nur mehr 17 beträgt Mb damit geringer geworden ist als die berüchtigte Ziffer der Gesamtbevölkerung Frankreichs, wo fie auch schon auf 21,6 herabgesunken ist, während die Geburtenziffer der übrigen deutschen Bevölkerung nahezu doppelt so hoch ist, nämlich 34. Wäre die Sterbeziffer nicht ebenfalls außerordentlich gefallen, so wäre es schon heute mit dem natürlichen Zuwachs, d. h. mit dem Überschuß der Geburten über die Sterbefälle schlecht bestellt, der heute ohnedies nur 4 beträgt, während er im Durchschnitte der Jahre 1854-63 noch 17,9 betrug. Geht diese Entwicklung weiter, so ist die jüdische Bevölkerung Preußens, soweit nicht durch Einwanderung ergänzt wird, auf den Aussterbeetat gesetzt. Für sie trifft in hohem Maße die Befürchtung Sombarts zu, daß man in nicht allzu ferner Zeit den Kernpunkt der Bevölkerungsfrage, . auch in anderen Ländern wie in Frankreich, weniger in einer z« starken als in einer zu schwachen Bevölkerungszunahme zu erblicken haben werde. Was für die Juden Preußens gilt, trifft in noch weit höherem Maße für die Juden Süddeutfchlands zu. Dorthin richtet sich, Bayern ausgenommen, die Einwanderung nur in geringem Maße, und so ist denn die Zahl der Geburten nicht einmal so beträchtlich, daß fie die Zahl der Austritte und Sterbefälle, sowie den Wauderungsverlust erreicht. Die Bevölkerungszahl der Juden, die fett dreißig Jahren annähernd stationär geblieben war, nimmt, von kleinen Schwankungen abgesehen, ab, dies zu einer Zeit, in der sich die Gesamtbevölkerung Deutschlands in demselben Zettraum mehr als verdoppelt hat! Es gab Juden: in Württemberg. „ Baden.. «Hessen... 1870 1900 1905 11245 11916 12053 25703 26122 28893 25373 24462 34696 Das zeigt sich besonders deutlich bei den bayerischen Juden, deren Geburtenzahl in fünfundzwanzig Jahren sich fast auf die Hälfte vermindert hat (um 43 Prozent!.!), so daß im Jahre 1900 auf 1000 Juden nur noch 18,1 Geburten kommen, im Jahre 1876 dagegen 34,4. Diese Zahlen, die ich teils selbst berechnet habe, teils der „Zeitschrift für Statistik und Demographie der Juden" entnehme, sprechen Bände. Sie zeigen uns einen rapiden Beoölkerungsverfall, wie ihn die Geschichte-'innerhalb eines so kurzen Zeitraums noch nicht gesehen hat. Sie beweisen, was sich im übrigen auch zahlenmäßig festlegen läßt, daß auch in Bayern, wenn München nicht die jüdische Einwanderung anlocken würde, der Zeitpunkt gekommen wäre, von dem an seine jüdische Bevölkerung, die seit fünfzig Jahren mühsam stationär blieb, zurückginge. Sicher ist im übrigen, daß dieser Zeitpunkt, trotz der Einwanderung, in Bäldtz einkritt. : In ein paar Jahrzehnten °muß die Einwanderung Nachlassen/ und dann werden sich die Verhältnisse so gestaltenwie im übrigen Deutschland. Was Brentano von den Herrenvölkern im allgemeinen gesagt hat, gilt in hohem Maße von den Juden Westeuropas. Sie werden auch, wenn die Sterbeziffer nicht mehr nennenswert fallen kann, auf die Bedürfnisse, die sie sich ängewöhnt haben, nicht verzichten wollen und so untergehen. Man betrachte nur die folgende Bevölkerungsbilanz mit offenen Augen. Es kamen : in Bayern 1876 1886 1896 1906 Preußen 1864/73 „ 1888 „ 1895 „ 1905 a) Geburten d) Sterbefalle e) Geburtenüberschuß auf je 1000 auf je 1000 a uf je 1000(eab) Christen Juden Christen Juden Christen 14-1' Juden 45-9 34*4 31*8 18-6 15*8 o9-2 24*8 28-6 161 10-0 9*9 39*8 19*7 24*3 14 6 15-5 5-1 359 18-5 21-4 12-4 14*5 41 30-0 — 1*4 — 10-9 37*7 27*1 26-4 16*8 12*3 1 10-3 36*9 21*4 2i*7 14-7 151 6-7 33-5 17 6 19-5 142 13*0 3'4 Vierzig Jahre haben genügt, um den damals völlig normalen , Entwicklungsgang vollständig zu desorganisieren. Was sollen die nächsten vierzig Jahre, einer Bevölkerung bringen, deren Geburtenüberschuß im Zeitraum von 1876 bis 1906 in Bayern von 15'8 auf 6'1 und in^Preußen von 10'6 auf 3°4 gefallen ist? Man halte mir nicht entgegen, daß auch in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts an den Untergang der deutschen Juden gedacht wurde, als die erste Emanzipationswelle des Zeitalters der Romantik über den morsch gewordenen Stamm dahinbrauste, daß sich aber. das Judentum trotz der außerordentlichen Ziffer der Taufen doch wieder erholt hat. Ich gestehe demgegenüber gerne zu, daß die Zahl der Taufen heute wohl kaum so groß ist' wie damals. Aber damals galt das Malthussche Gesetz noch für die Juden; damals hatten zunehmender Wohlstand noch zunehmende Geburtenziffer im Gefolge, und so konnte das Judentum diese schwere Zeit überdauern. Heute gilt das Malthussche Gesetz. für die Juden nicht mehr. Heute sind fie: in die dritte Epoche der Entwicklung eines Volkes eingetreten, die Wolf dahin gekennzeichnet hat, daß Mt fortschreitender Emanzipation vom religiösen Gebot und der gesellschaftlichen Tradition früherer Zeiten die Anpassung der Kinderzahl an Einkommen s und andere Verhältniffe des Haushalts sich vollzieht. Diese Periode kann ein Volk von dem Kulturzuständ und dem Wohlfahrtsgrade der jüdischen Bevölkerung nicht überdauern, tvenn ihm andauernd ein größerer Bruchteil aus einer Reihe Von Beweggründen, den Rücken kehrt. Die Judenfrage lautet

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