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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 525 Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift meint hat. In gewisser Weise find die Juden das wunderbarste Volk der Erde, und ihre Religion hat sie dazu gemacht. Was gibt diesem winzigen Volke unter allen semitischen Völkern die Beharrlichkeit, sich als Nation Jahrhunderte hindurch zu bewahren, obwohl es 2500 Jahre hindurch in politischer Abhängigkeit und nahezu 1900 Jahre ohne ein Land lebt, das es sein eigenes nennen kann? Was anders, als daß Gott selbst es zum geistigen Vermittler zwischen sich und der Menschheit erwählt hat? Seine Nationalität und seine Religion sind von einander untrennbar,- Jude sein heißt nicht nur ein Nachkomme Abrahams sein, es bedeutet ein Festhalten an dem Glauben Moses und der Propheten. Von keinem anderen Volke in der Geschichte kann man dasselbe sagen. Ein Engländer braucht nicht zugleich Mitglied der englischen Kirche zu sein: aber der Name Jude umfaßt Religion und Nationalität zugleich. Dies ist ein höchst bemerkenswertes Phänomen. Es gab in alten Zeiten weit mächtigere semitische Nationen als die Juden sind, die durch Blut und Sprache ihnen verwandt waren und politisch eine weit größere Rolle spielten. Wo sind sie? Was ist aus den Söhnen des großen Assyrers geworden? Wer spricht heute von den Kanaanitern? Was ist von den Phöniziern und Karthagern geblieben, die einstmals die Herrscher der.KislAr zu werden drohten? Alle diese Nationen haben sich.mit anderen Völkern vermischt und jede Erinnerung an ihren Ursprung verloren. Anders die Juden. .Sie bestehen noch, und'es ist ihre Religion, die sie bestehen läßt: ohne sie wären auch sie vergessen, denn sie ist dasjenige, wodurch die Juden auf die Geschichte der Menschheit Einfluß hatten. Jerusalem gehört den Türken, ihr Tempel ist zerstört, ihr alter Glanz erloschen, ihr Volk über den Erdball verstreut. Was Secharia und seine Zeitgenossen erhofften, ist unerfüllt geblieben, die Nationen pilgern nicht auf den Berg Zion. Israel ist nicht der Mittelpunkt der Welt. Aber in einem andere^. Sinne, und vielleicht in dem Sinne, in dem sie hauptsächlich gemeint waren, haben sich, die Worte des Propheten erfüllt, Die Quelle, von der aus der durstigen Welt alle Wasser zugeflossen sind, ist die jüdische Quelle. Das Heil kommt vyn. den Juden. Jesus war ein Jude; keine andere Nation hatte ihn hervorbringen können. Das Christentum hat die Juden verachtet, es hat sie verfolgt und unterdrückt, aber die Zeit wird kommen, m der das Judentum erkannt und verehrt werden wird als Vaterskamm des Christentums." Salomos Wasserleitung km heutigen Jerusalem. Mit großer Feierlichkeit ist vor kurzem in Jerusalem die neue große Wasserleitung eingewnht worden die bestimmt ist, die Stadt von ihrer ewigen Wassernot zu erlösen. Bisher war Jerusalem zum größten Teil von den Regenfällen abhängig, und in der wärmeren Jahreszeit mußte die Stadtbehörde sogar täglich über die Jaffa- Eisenbahn Wasserzüge laufen lassen, die in großen Wagen die unentbehrliche Flüssigkeit zur heiligen Stadt schleppten. Diese neue Wasserleitung baut sich in ihren wesentlichsten Teilen auf den alten salomonischen Wasserwerken auf. Das alte Jerusalem hatte sich unterhalb der Tempelzone mächtige Sammelbecken gebaut, die mit Quellwasser gefüllt wurden und dazu bestimmt waren, im Falle einer Belagerung die Stadt der Städte mit Wasser zu versorgen. Aber damals schleppte man das köstliche Naß mühselig aus dem Süden herbei: drei Meilen südlich von Betlehem liegen die mächtigen Becken und Behälter, die auf die Zeit Salomos zurückgehen und noch heute ßm Volksmunde die salomonischen Becken genannt werden. Das anmukige Tal, in dessen Tiefe das fruchtbare Dörfchen Ariers liegt und wo sich auch die salomonischen Gärten befunden haben sollen, wurde durch eine mächtige Mauer abgesperrt und so eine Erweiterung der salomonischen Becken erzielt. In alten Zeiten hat hier ein großartiger Aquädukt eristiert, der auf zwei Wegen das Wasser von den großen Stauanlagen Salomos zu dem unteren Tempelplateau Jerusalems führte. Dreihrmdertjahrfeier der befreitlii Hofjuten Baffem mm Thrmenderg. Am 81. Geburtstage Sr. kaiferl. und apost. königk. Majestät Franz Joseph I. feiert die Nachkommenschaft des kaiserlichen Dieners, Hofnutzbardienst-Verwesers und befreiten Hofjuden Jakob Bassevi von Threuenberg die 300. Jahreswende der mittelst Diplom Kaisers und Königs Matthias II., vom 18. August 1611 bewirkten Erhebung ihres Ahnherrn und seiner Familie zu befreiten Hofjuden, mit direkter Unterstellung unter die Jurisdiktion des Kaisers und des obersten Hofmarschalls. Aus Anlaß dieser Doppelfeier wird für den 18. August 1911 ein Familientag einberufen, welcher auch bezüglich des Erlöses der expropriierten Familien-Stiftungs-Realität (Große Hofschule zu Prag), der Herausgabe der Familiengeschichte, Veröffentlichung der Reichsadels- und Lehensdokumente und Wahl der Familienrepräsentam, endgiltige Beschlüsse zu fassen hat. Die stimmberechtigten legitimen Nachkommen männlicher und weiblicher Linie werden demnach ersucht, behufs Mitteilung näherer Details und der Beschlußanträge ihre derzeitige Adresse dem Syndikus Michael Vajda, Budapest. V., Szemere-utcza 6, unverzüglich Mitteilen zu wollen. Graf Zeppelin beim Wunderrabbi von Husfiatyn. Dem Krakauer jüdischen Tageblatte „Tog" wird aus Bad Homburg gemeldet: Seit einiger Zeit weilt hier der Rabbi von Hussiatyn zur Kur. Der Erfinder des lenkbaren Luftballons, Graf Zeppelin, der sich gleichfalls hier aufhält, stattete dem Rabbi vorige Woche einen Besuch ab. Der Graf blieb mit dem Rabbi nahezu eine halbe Stunde in ernstem Gespräche beisammen. Dieser Besuch hat unter den hiesigen Kurgästen nicht geringes Aufsehen erregt und hat die Achtung, mit welcher die Kurgäste dem Rabbi begegnen, nur noch gesteigert. Ern jüdische Museum in Petersburg. Die Petersburger jüdische Gemeinde beschloß zum Andenken an den verstorbenen Baron Horace Günzburg ein jüdisches Museum zu errichten. Das Museum, dessen Detailpläne bereits ausgearbeitet sind, wird das reichhaltigste und wertvollste jüdische Museum werden. Sammlung alte'r spanisch-jüdischer Lieder. Der Adjutant des spanischen Marineministers, Major Manuel de Lara,. Mitglied der Madrider Akademie der schönen Künste, bereist gegenwärtig die Balkanländer und den Orient, um im Aufträge der spanischen Regierung die alten spanisch-jüdischen Lieder, die noch unter den Sephardim bis zum heutigen Tage erhalten blieben, zu sammeln. Manuel de Lara, der zu den bekanntesten Dichtern seiner Heimat zählt, hat bereits Bosnien, Serbien und Bulgarien bereist und fand überall das freundlichste Entgegenkommen. In Sophia sicherte er sich die Mitarbeit des Oberrabbiners Dr. Ehrenpreis. De Lara befindet sich jetzt auf dem Wege in die Türkei, wo er besonders reiche Ernte für seine Aufgabe erhofft.

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