Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 32 (11.8.1911)
- Date
- 1911-08-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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WocheMM Nr. 33 Sette 524 Dr. Mochs Kaiserin Katherina II., die unter dem Einfluß der französischen Freidenker stand, war die Erste, die eine durchaus liberale Handelspolitik inaugurierte. Sie erließ einen Befehl, wonach jeder, welchem Stande und welcher Klasse er auch angehören mag, die Rechte in Anspruch n-chmen und sie, ohne Unterschied auf seinen Glauben und seine Nationalist, seinen Fähigkeiten entsprechend Msnützen könne. Nur war es wieder die Regierung, die diesem durchaus liberalen Masse eine Einschränkung in B^ug .auf die Juden unterstellte, indem sie ihnen die Gleichberechtigung, in Bezug auf den Handel, bloß für zwei Gouvernements und zwar die .Gouvernements Mohilew und Polozk, zubilligte. Paul L erlaubte den Juden, in Kurland Handel zu treiben, Md erst Alexander I. schuf im Jahre 1804 den Begriff des Mischen Ansiedlungsgebietes und gestattete den Juden Motz innerhalb dieses Gebietes den freien Handel, während dies im Innern Rußlands nur den sogenannten Judenchristen, einer vom Fürsten Galitzin geschaffenen Sekte, gestattet wird. Kaiser Nikolaus I., der eine nationale Politik einführte, hat das Handelsrecht der Juden wesentlich erweitert. Er gestattet Ihnen in die Hauptstädte zu kommen und Handel zu treiben und gibt Juden, die nach Sibirien verschickt werden> das Recht, Geschäfte zu eröffnen. Im Jahre 1835 werden die Handelsrechte der Juden in einem Gesetze genau umschrieben, das eigentlich auch heute noch in Kraft besteht. Hiernach! haben hie Juden innerhalb des Ansiedlungsgebietes volle Handelsfreiheit, außerhalb, dieses Gebietes haben jüdische Kaufleute erster Gilde das Recht, 6 Monate hindurch und solche zweiter Gilde 3 Monate hindurch sich ^aufzuh alten, und HMdel zu treiben. Es ist ihnen auch gestattet, jüdische Angestellte zu h altem Lieferungsaufträge für ganz Rußland anzunchmen und die Märkte zu besuchen, lleberhaupt trachtete Nikolaus I. die Handelsrechte der Juden nach Tunlichkeit zu erweitern, und es ist auch interessant zu erwähnen, daß er es war, der im Jahre 1840 selbst ausländischen Juden gestattete, nach Rußland zu kommen uiü> chort Geschäfte zu machen. Dieselbe Politik befolgte Alexander II. Als Alexander III. den Dhron bestieg und die reaktionäre innere Politik sich geltend zu machen begann, versuchten einige Gouverneure den Juden Schwierigkeiten zu bereiten. Aber die Regierung desavouierte die Gouverneure und fand es sogar nötig, eine Erklärung herauszugeben, in welcher ausdrücklich betont wird, daß in.Bezug auf den Handel das Gesetz auch den Juden gegenüber keine Einschränkungen kennt. In ihren Wohnorten genießen sie dieselben Handelsrechte wie alle anderen Bürger Rußlands. Beschränkungen dürften nur im Wege der Gesetzgebung geschaffen werden. Echt jesuitisch fügt diese ErMrung hmgu: Wenn die Juden keine Möglichkeit haben, in den inneren Gouvernements Handel zu treiben, so liegt der Grund nicht etwa darin, weil sie nicht die gleichen Handelsrechte hätten, wie dir übrigen russischen Staatsbürger, sondern weil sie in diesen inneren Gouvernements kein Wohnrecht besitzen. Trotz dieser ausdrücklichen Erklärung versuchte der SMat im Jahre 1891 Handelsrechtsbeschränkungen gegen die Juden einzuführen. Dieser Versuch scheiterte damals an dem energischen Widerstande des Fmanzministers Wischnegradzki, der für den Fall, daß der Senat obsiegt, sogar Mit der Demission drohte. Man sieht selbst aus dieser kurzen Skizze, daß hie russische Handelspolitik gegenüber den Juden stets bemüht war, der Entwicklung des Landes Rechnung zu tragen. Selbst Nikolaus I. und Alexander III. nahmen Rücksicht auf die Bedürfnisse des Landes. Erst der, Konstitutionellen Aera" blieb es Vorbehalten, in der herkömmlichen russischen Handelspolitik eine Wandlung eintreten zu lassen. Wie sehr diese ultrareaktionäre Politik den Wünschen und Bedürfnissen auch der nichtjüdischen Handel treibenden Bevölkerung entspricht, geht aus den zahlreichen Protesten und Gesuchen hervor, welche von russischen kaufmännischen Korporationen gegen , das Stolypinsche Projekt an die Regierung gerichtet wurden. vom Jahrmarkt des Lebens. JudM M Sport. In einem lesenswerten Artikel über „Sport und Rasse" im Sportblatt des „B. T." kommt Dr. I. Spier auf die sportliche Eignung der Juden zu sprechen: „ . . Auch daß eine ganze Menge guter amerikanischer Pug,ilisten mit wunderschön klingenden Aankeenamen deutsches Blut ,in ihren Adern hasten, ist wohl nicht Geheimnis geblieben. Daß aber die Mische Rasse gute FausWmpfer igestellt hat, dürfte hoch für viele etwas Neues fein. Und hier muß ich erwähnen, daß ein hoher Prozentsatz aller Varieteekraftkünstler Juden ist vielleicht 40 bis 50 Prozent. Daß Juden hervorragende Drahtfeilkünstler und Jongleure stellen: daß viele Zirkusunternchmer, Dompteure, Dresseure Mischer Herkunft sind, auch im Ringkampfe finden wir hervorragende Vertreter. Ich war erstaunt, in Amerika säst keinem Boxkampf beiwohnen zu können, ohne Mische Pugilisten zu treffen. Berühmt geworden ist in Amerika das' Wristatch Abe Atell mit Frankie Burns im Winter 1910' "Abtzcham (Abe) Atell hatte einen Monat vorher ftn einem bösen Match sein linkes Schlüsselbein, gebrocheü: einen Monat später sahen wir ihn in Newyork gegen Burns mit kaum verheiltem Kästchen antreten. In der sechsten Runde brach ftcis Schlüsselbein, wieder : sein linker Arm, her Hauptstoßarm im Boren, hing schlaff erunter. Er gabnicht auf, obgleich Burns ihn> den Wehrlosen, furchtbar punchie, und Atell siegte noch'durch zwei furchtbare Rechtshänder im neunten und zehnten Gang. Die Newyorker waren Pb solchm Heroismus außer. sich vor Bewunderung; die Zeitungen brachten spälteNlange Artikel. Joe .Chomsky hatte eine Weltmeisterklasse Und Jeffries sägte von ihm, daß er nie in seinem Leben härtere Stöße bekommen als (irrt seinem Match mit Chomsky. Kid Herrmann (ein Chicagoer jüdischer Boxer) focht ein unentschiedenes Match, obgleich err int ersten Gang seinen Unterkiefer gebrochen hatte. Kid Goodman (ein Bostoner jüdischer Boxer) war einer der besten Leichtgewichtsborer der Welt. Joe Bernstein war der einzige Boxer, der Hirn „furchtbaren" Ferry Mc Govern in' seinem Siegeszüge aufhalten konnte: Harry Harrys (Chicago) war in seiner Zeit ein „Wunder": eine Klasse für sich in seiner Gewichtsklasse." Predigt Kims englischen Pastors Mer Juden Md Judefntum. Rev. R. 2. Campbell ist einer der populärsten Pastoren in London. Der Geistliche hat vor einiger Zeit auch den Juden einige Worte gespendet. Als Text hat Rev. Campbell die Worte aus dem Propheten Secharia genommen: „Wahrlich, so spricht der Herr Zebaoth, in jenen Tagen wird es geschehen, daß zehn Mann aus allen Sprachen der Völker einen Mischen Mann beim Rockzipfel fassen und zu ihm sprechen werden: „Wir wollen mit dir gehen, denn wir haben gehört, haß Gott mit dir ist." (Sech. 7, 23.) Im Verlauf seiner Predigt führte er dann etwa folgendes aus: „Es liegt mehr als Rassestolz in dieser Prophezeiung, mnd das Wunderbare l>. daß sie sich in gewisser Weise erfüllt hat, wenn auch nicht so, wie sie der Prophet ge-